Tendenziöse Stromgeschichte

Strom, Energiewende, Atomkraft – Fast alle reden darüber, doch die Kenntnisse über die Zusammenhänge sind oftmals eher dünn. In der Dokumentation „Die Macht der Stromkonzerne“ von Florian Opitz, die zuletzt im Februar 2016 ausgestrahlt wurde, sah ich eine Chance, meine Wissenslücken zu stopfen. Mein Anspruch war hoch. Immerhin hat Opitz mit diesem Film zum zweiten Mal den Grimme-Preis gewonnen, der als eine der angesehensten Auszeichnungen für Fernsehfilme gilt (warum eigentlich?).

Stromleitungen transportieren Energie über weite Entfernungen (Foto: Michael Simm, 2012)
Stromleitungen transportieren Energie über weite Entfernungen (Foto: Michael Simm, 2012)

Beworben wird der Film damit, dass man die Strukturen beleuchten will, aufgrund derer „die Stromerzeuger jahrzehntelang ein profitables Geschäft betrieben haben“. Sie wurden dadurch „zu einer der mächtigsten Branchen Deutschlands …, die die Energiepolitik stets nach ihren Interessen beeinflusst hat.“

Heraus kam eine Dokumentation, die zwar durchaus lehrreich ist, bei der aber die Berichterstattung wie so oft beim Staatsfunk durch tendenziöse Darstellung überschattet wird. Dies beginnt mit der Wortwahl, setzt sich fort im Schnitt und wird untermalt mit musikalischer Stimmungsmache. Kapitalisten streben nach Monopolen, die Branche fungiert als Helfer der Waffenindustrie im 2. Weltkrieg und selbst die noch lange davor von Energiekonzern RWE eingefädelte Beteiligung der Städte an der E-Werken ist nichts weiter als ein durchsichtiger Bestechungsversuch.

Das kann man auch anders sehen: „Aufgrund der Bedeutung als Grundversorgung und wegen der besonderen Marktbedingungen (eingeschränkter Wettbewerb aufgrund der Netzgebundenheit) unterliegen Energieversorgungungsunternehmen einer besonderen öffentlichen Kontrolle und sie müssen besondere gesetzliche Auflagen erfüllen. Vielfach sind Energieversorgungs-unternehmen ganz oder teilweise im Besitz der Öffentlichen Hand und als Stadtwerke oder andere kommunale Werke organisiert.“ So steht es in der Wikipedia, und das ist ein recht gutes Argument für das gegenwärtige Arrangement.

Durchaus wertvoll sind die Interviews mit einem halben Dutzend Beteiligter sowohl auf Seiten der Stromversorger, als auch der Politik.  Dabei kann man natürlich den Abgang des ehemaligen Wirtschaftsministers Werner Müller aus der Politik in die Stromwirtschaft hervorheben. Dann sollte man indes auch bei Jürgen Trittin dessen kommunistische Vergangenheit nicht verschweigen, die seinen Kampf für staatliche Kontrolle sicher in einem weniger günstigen Licht erscheinen ließe. Ebenso wird den Zuschauern ein gewisser Dr. Peter Becker zunächst als „Energie-Experte“ vorgestellt. Immer wieder wird er zwischengeschnitten und gibt seine Wertung der Ereignisse ab. Später verrät er sich in einem Nebensatz als Anwalt für eine Anzahl ostdeutscher Gemeinden, die nach der Wende gegen die Übernahme „ihrer“ Energienetze durch westdeutsche Konzerne geklagt haben. Damit ist er für mich als unabhängiger Experte disqualifiziert. Im Gegensatz zu Beckers Pendant vom Atomforum wird Becker aber nicht gefragt, ob er denn ein Lobbyist sei.

Zwischen den Zeilen scheint die „Dokumentation“ nach mehr staatlicher Kontrolle zu rufen, nach Enteignung gar: Nun wird zwar die Übernahme der Energieversorger in der DDR durch westdeutsche Firmen als zwielichtiger Deal dargestellt. Wie gut und wettbewerbsfähig oder gar umweltfreundlich die DDR-Strukturen waren, wird aber nicht diskutiert. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass deren Braunkohlekombinate und die Stromversorgung in Staatshand ein Erfolgsmodell waren.

Und noch ein Verweis auf die Geschichte scheint mir fraglich: Da wird behauptet, die Deutschen hätten 1998 im europaweiten Vergleich die höchsten Strompreise bezahlt. Das erscheint mir unglaubhaft, ich konnte es aber nicht überprüfen. Was ich aber nachschlagen konnte ist eine aktuelle EU-Statistik. Dort zahlten 2015 die deutschen Stromkunden mit 29,5 Cent pro Kilowattstunde Strom nach den Dänen den höchsten Preis. Wenn aber der Umbau des Stromnetzes hin zu kleineren Anbietern solche eine tolle Idee ist, warum sehe ich dann keine Rendite in Form sinkender Strompreise? Die „Energiewende“ nahm spätestens im Jahr 2000 unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung volle Fahrt auf. Was ist bitte seitdem besser geworden?

Fazit: Licht und Schatten liegen in diesem Beitrag nahe beieinander. Es gibt wichtige historische Einblicke und Autor Florian Opitz hat aus den Archiven zahlkreiche eindrucksvolle Aufnahmen und Statements zutage gefördert. Dennoch kann ich Opitz den Vorwurf des Tendenzjournalismus nicht ersparen, denn die Stoßrichtung ist von Anfang an klar: Das Stromkartell betreibt ein profitables Geschäft, die Politiker lassen sich immer wieder einwickeln und am Ende ist der Verbraucher der Dumme. Wer mitdenkt und im Geiste einige kritische Fragen stellt, muss jedoch erkennen, dass die Sache so einfach nicht ist. Der Film hat zu wenig Tiefe und zu viel Tendenz und er bringt leider kein einziges Beispiel dafür, wie es besser laufen könnte. Für einen Sender mit Milliardenbudget ist das ein Armutszeugnis.

Naturkatastrophen – Eine Bilanz

Acht Millionen Tote und umgerechnet mehr als sechs Billionen Euro Schaden. Dies ist die Bilanz aller großen Naturkatastrophen im Zeitraum von 1900 – 2015. Zusammengerechnet hat diese Zahlen James Daniell vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und dafür gebührt dem australischen Geophysiker ein großer Dank. Die von Daniell entwickelte Datenbank CATDAT soll Regierungen und Hilfsorganisationen beim Abschätzen des Ausmaßes einer Katastrophe und dem Katastrophenmanagement unterstützen, entnehme ich einer Pressemitteilung.

Für mich bietet das Zahlenwerk vor allem eine solide Grundlage, um langfristige Trends zur erkennen. Nützlich ist die Zusammenstellung aber auch für Vergleiche zwischen den Folgen von Naturkatastrophen einerseits und menschlichem Versagen andererseits.

35000 Ereignisse wurden erfasst und deren wirtschaftlicher Schaden geschätzt. Den größten Anteil mit etwa einem Drittel hatten dabei Flutkatastrophen, gefolgt von Erdbeben (ein Viertel aller Schäden) und Stürmen. Letztere verursachen in der Gesamtbilanz ein knappes Fünftel aller Schäden, Tendenz steigend.

Schäden durch Naturkatastrophen 1900 - 2015 (James Daniell, KIT)
Schäden durch Naturkatastrophen 1900 – 2015 (James Daniell, KIT)

Die Analyse zeigt allerdings auch, dass der Anteil der Schäden im Verhältnis zum Gesamtwert der Besitztümer kleiner geworden ist. Daniell bestätigt eine wichtige Erkenntnis: Wohlstand bringt Sicherheit. In seinen eignen Worten: „Grundsätzlich sind weniger entwickelte Länder durch Katastrophen verwundbarer, das heißt – bezogen auf Bevölkerungszahl und Vermögen – sind mehr Tote und ein höherer wirtschaftlicher Schaden zu befürchten als in besser entwickelten Ländern“, so der Geophysiker und Bauingenieur. Ein häufiger Grund sei, dass entsprechende Baurichtlinien nicht umgesetzt würden. Zudem bildeten, wie etwa in Bangladesh, die Küstenregionen die wirtschafltichen Zentren und sind entsprechend stark besiedelt. Hochwasserschutz wirkt und senkt die Schadensbilanz – so lautet eine weitere wichtige Erkenntnis.

Das „Preisschild“ von annähernd sechs Billionen Euro für alle Schäden im Untersuchungszeitraum ist natürlich nur eine Schätzung. Je nachdem, ob man die unteren oder oberen Werte nimmt, ergibt sich ein Spanne zwischen € 5,8 und € 12,5 Billionen. Die teuerste Naturkatastrophe war das Tohoku-Erdbeben am 11. März 2011 in Japan. Es hat einen Tsunami verursacht, der 18500 Menschen das Leben kostete und 450000 obdachlos machte. Außerdem war dieses Erdbeben der Auslöser für die Reaktorkatastrophe von Fukushima.

Entwicklungshilfe als Geschäft

Wussten Sie, dass seit dem Jahr 1960 ungefähr 500 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen sind? Die Journalistin Julieta Rudich hat diese Zahl zum Anlass genommen, in einer Reportage für die ARD nach dem Erfolg dieser Maßnahmen zu fragen, und sie hat dafür Kenia besucht.

Dort traf sie Auma Obama, die in Deutschland Germanistik und Soziologie studiert hat, und die jetzt in ihrem Herkunftsland mit ihrem Kinderhilfswerk „Sauti Kuu“ benachteiligte junge Menschen ausbildet. Wie alle Protagonisten der Reportage vertritt auch die Halbschwester des US-Präsidenten Barack Obama die These, dass die klassische Entwicklungshilfe reformbedürftig ist. Geschäfte zum gegenseitigen Nutzen seien langfristig besser geeignet, die armen Länder voran zu bringen und aus der Abhängigkeit von den Industrienationen zu entlassen.

Am radikalsten hat dies James Shikwati formuliert. Der Wirtschaftswissenschaftler fordert, die Entwicklungshilfe gänzlich abzuschaffen. „Beim Anblick einer helfenden Hand neigen Menschen dazu, immer mehr zu verlangen“, erklärt er . Den viel kritisierten Chinesen bescheinigt Shikwati, sie hätten „in den letzten vier Jahren hier mehr erreicht, als die Weltbank in den letzten 50 Jahren.“ Mit etwa 20 Milliarden Euro soll bei Lamu ein riesiger Freihafen entstehen, von dem aus zwei Schnellstrassen bis an die Grenzen zu Uganda und Äthiopien führen werden. Den Chinesen nutzt dies, weil es den Abtransport von Rohstoffen aus Kenia erleichtern wird. Für Shikwati ist dies kein Problem, denn die Infrastruktur seines Landes wird dafür maßgeblich verbessert – ein Geschäft auf Gegenseitigkeit eben.

Kenia 047 ICRAF
Kinder auf dem Feld, Kenia 1991 (Foto: Michael Simm)

In ihrer Reportage wirf Rudich auch einen Blick auf die Milleniumsdörfer, ein Experiment des US-Wirtschaftsprofessors Jeffrey Sachs, der damit binnen 20 Jahren die Armut besiegen will. Fünf Jahre lang erhalten diese Dörfer aus Geldern der Weltbank etwa 70 Dollar pro Kopf, weitere 40 Dollar müssen lokale Behörden und die Einwohner selbst aufbringen. Einerseits hat dies zu messbaren Erfolge beim Einkommen und der Lebenserwartung geführt. Andererseits zeigt Rudich aber auch, was passiert, wenn der Geldfluss stoppt: Es fehlt das Geld für Neuinvestitionen und der Vorwurf steht im Raum, dass die Hilfen abhängig machen würden. Warum die Bauern aus den höheren Erträgen keine Rücklagen gebildet haben, fragt die Reporterin aber nicht.

Dann noch der offenbar unvermeidliche Hinweis auf das Hybrid-Saatgut, auf Düngemittel und Pestizide, welche die Bauern bei Agarkonzernen wie Monsanto einkaufen „müssen“. Warum er statt des teuren Hybridsamens nicht das klassische Saatgut nimmt, wird ein Dorfbewohner gefragt. Antwort: Der Hybridsamen bringt etwa vier Mal soviel Ertrag. Dass dies überhaupt einmal erwähnt wird, geschieht bei derartigen Reportagen eher selten und ist den Machern hoch anzurechnen. Ebenso wie Auma Obama, die in ihren Musterdörfern offenbar mit einheimischen Gewächsen arbeitet, die sich hier aber erneut realistisch zeigt. Es sei wohl am besten, wenn man sowohl die anspruchsvollen Hochleistungssorten anbaut, als auch das herkömmliche regionale Saatgut verwendet.

Fazit: Eine gelungene Reportage, die statt Klischees zu bedienen lieber kluge Fragen stellt und die Menschen vor Ort zu Wort kommen lässt. In nur 30 Minuten gelingt es Julieta Rudich, ein komplexes Problem gut darzustellen und überlässt die Meinungsbildung erfreulicherweise dem Zuschauer.

Quelle: Welt Journal Reportage: Kenia – handeln statt entwickeln, 3Sat, 14.4.2016

Buch-TippDas Ende der Armut von Jeffrey D. Sachs

Parkinson: Frühes Heimtraining gegen Stürze

Balanceübungen und Krafttraining für die Beine können die Lebensqualität von Parkinsonkranken verbessern und im Anfangsstadium des Leidens die Sturzwahrscheinlichkeit um 70 Prozent verringern. Dies berichten Forscher um Colleen G. Canning von der Universität Sydney in der Fachzeitschrift Neurology.

Colleen Canning
Forscht und lehrt zum Nutzen der Physiotherapie: Colleen Canning

Jährlich stürzen im Durchschnitt etwa 60 Prozent aller Parkinson-Patienten, zwei Drittel von ihnen mehrfach. Mit ihrer Studie wollte Canning deshalb überprüfen, ob ein Übungsprogramm mit Anweisungen durch einen Krankengymnasten das Problem lindern kann. 231 Patienten wurden daher in einer Studie nach dem Losverfahren in zwei Gruppen aufgeteilt und entweder ganz normal behandelt, oder sie absolvierten zusätzlich drei Mal pro Woche für jeweils 40 bis 60 Minuten die maßgeschneiderten Übungen.

Die Physiotherapeuten beschränkten sich dabei auf anfängliche Unterweisungen und gelegentliche Korrekturen, fast 90 Prozent aller Übungseinheiten verrichteten die Patienten jedoch ohne Kontrolle bei sich zu Hause. „Das Ergebnis legt nahe, dass solche Traininsprogramme mit minimaler Überwachung zur Reduktion von Stürzen bei Menschen mit Parkinson in einem frühen Stdium der Krankheit begonnen werden sollten“, so Canning.

Quelle: Pressemitteilung der American Academy of Neurology

Weltalmanach 2015: Vom Niedergang eines Jahrbuchs

Zwischen den Jahren – das ist für mich die Zeit, um nachzudenken über Erreichtes und Versäumtes, um neue Pläne zu schmieden und gute Vorsätze zu fassen. Unter anderem habe ich beschlossen, einen neuen Anlauf zu machen, um hier Bücher vorzustellen die man lesen sollte, oder auch zu warnen von solchen, die ihr Geld nicht wert sind.

Den Auftakt mache ich mit dem Fischer Weltalmanach 2015, und der fällt leider in die zweite Kategorie. Als Journalist habe ich dieses Werk über viele Jahre genutzt, schließlich habe ich den Anspruch, mich aus verläßlichen Quellen zu informieren. Die Wikipedia nutze ich zwar ebenfalls gerne, und sie ist auch in vielerlei Hinsicht aktueller und umfangreicher. Allerdings darf dort eben jeder sprichwörtliche Depp hinein schreiben. Zu oft versagt die Gemeinschaft der Wikipedianern dabei, die schwarzen Schafe rechtzeitig zu finden und zu sperren. In punkto Zuverlässigkeit gewinnt daher klar der „Fischer“. Damit genug der Nettigkeiten.

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Immerhin 19,99 Euro soll das Jahrbuch kosten, und verspricht dafür „Wissen, auf das man sich verlassen kann! Politische Umwälzungen und wirtschaftliche Entwicklungen – der Fischer Weltalmanach bereitet die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres informativ und kompakt auf. Chroniken zu jedem Staat der Welt, über 900 Karten, Grafiken, Tabellen und Fotos liefern schnelle und übersichtliche Informationen.“

Wer nun aber denkt, dass ein Weltalmanach mit der Jahreszahl 2015 auf dem Titel zumindest das Jahr 2014 einigermaßen vollständig abbildet, der irrt. Redaktionsschluss war bereits der 1. Juli und erschienen ist das Buch schon im September – das ist fast schon Augenwischerei.

Überdies hat man bei dem für mich wichtigsten Punkt, den Sachgebieten, das Jahrbuch erneut im Umfang verringert. Nun sind auch noch die Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten verschwunden.

Jedes Jahr gibt es einen Schwerpunkt, diesmal sind es die  Minderheiten. Doch was heißt eigentlich Schwerpunkt? Dem Thema sind am Anfang des Buches ganze vier (!) Seiten gewidmet, den Rest soll man sich in den jeweiligen Kapiteln zusammen suchen, heißt es in der Einleitung. Die Gelegenheit, zu diesem wichtigen Thema solide Fakten, Hintergründe und Statistiken zu präsentieren, wurde vertan.

Man möge mir meine Direktheit verzeihen, aber es interessiert es nicht besonders, wo die ungarische Minderheit in der Slowakei lebt und auf welche Weise sich die Diskriminierung der Rohingya in Myanmar zeigt. Suche ich dagegen im Register nach Begriffen wie, „Gentechnik“, „Windkraft“ oder „Solarenergie“ finde ich – nichts! Auch zur Ebola-Epidemie gibt es keinen separaten Eintrag, sondern nur spärliche Informationen unter den Ländern Guinea und Sierra Leone.

Zur erfolgreichsten deutschen Partei des Jahre 2014, der AfD, fallen dem Fischer Weltalmanach lediglich zwei Zeilen ein, (sie finden sich am Ende des Deutschland-Kapitels unter „Europawahl“. Die Kommunalwahlen in Sachsen und Thüringen fanden nämlich erst im September statt und kamen somit für den Redaktionsschluss zu spät.

Zwar findet man die Ergebnisse in einem Online-Portal, das per Zugangscode in der aktuellen Ausgabe „täglich über Wahlergebnisse und Regierungswechsel unterrichtet und rund 500 Kurzbiografien sowie mehr als 250.000 Daten aus Demografie, Wirtschaft und Umwelt zum individuellen Recherchieren und Exportieren bereithält“. Auch hier muss man jedoch erst einmal wissen, wonach man sucht – und das ist eine eklatante Schwäche des Fischer Weltalmanach, der meines Erachtens nun endgültig Gefahr läuft, überflüssig zu werden. Wie man es besser macht, zeigt das US-Pendant zum „Fischer“, der „World Almanach and Book of Facts 2015„: Der hat etwa 300 Seiten mehr und bietet (wegen der kleineren Schriftgröße) mindestens doppelt so viel Inhalt zu allen Bereichen der Gesellschaft zum Preis von € 12. Ich denke, daran sollten die Redaktion und der Verlag des Fischer Weltalmanachs sich ein Beispiel nehmen!

Auf dem Umwelt-Tripp?

Aufmerksame Beobachter dieser Webseite wundern sich bestimmt über die vielen Umwelt-Meldungen, die hier plötzlich auf die Seite drängen. Sorget Euch nicht! Ich bin nach wie vor sehr vielseitig interessiert und gedenke auch weiterhin, die Leser daran teilhaben zu lassen. Allerdings war ich in den vergangenen Monaten neben meinem Job ziemlich stark mit dem Wahlkampf (für die AfD) beschäftigt. Ebenfalls für diese Partei habe ich im Landesfachausschuss Landwirtschaft, Umwelt, Verbraucherschutz und Tierschutz regelmäßig Nachrichten für meine Kollegen zusammen gestellt. Nun kam ich auf den Gedanken, einige dieser Informationen auch hier zu platzieren, von denen ich denke, dass sie von allgemeinem Interesse sein könnten.

Ansonsten freue ich mich, auf absehbare Zeit nun wieder meine Kernkompetenzen als Journalist für Medizin & Wissenschaft wahrnehmen zu dürfen und werde die Seiten hier in lockerer Folge mit einem bunten Themenmix befüllen.

Erderwärmung ohne Pause

Ausgerechnet ein Außenseiter hat offenbar einen Rechenfehler der Klimaforscher gefunden und beim Nachrechnen festgestellt, dass die Erde sich in den vergangenen 15 Jahren sehr wohl weiter erwärmt hat. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil eines der am meisten genannten Argumente der Klimaskeptiker lautet, dass die globale Erwärmung in den vergangenen 10  – 15 pausiere, was in Widerspruch zu den Modellen stehen würde.

Wie das Wissenschaftsmagazin Science meldet, hat  Kevin Cowtan, ein skeptischer, aber mathematisch beschlagener Kristallograph sich des Problems angenommen: Dabei hat Cowtan (angeblich) gezeigt, dass im fraglichen Zeitraum sehr wohl eine Temperaturerhöhung statt gefunden hat, die deutlich höher ist als bislang berechnet und die im (unteren) Bereich dessen liegt, was die Klimamodelle vorhersagen. Der Fehler soll darauf beruhen, dass sowohl ein britisches Forscherkonsortium als auch die NASA fehlende Daten hauptsächlich in der Arktis durch falsche Extrapolation aufgefüllt haben. Überprüft hat Cowtan sein Modell, indem er die bekannten Daten vieler Messstationen weggelassen und aus Daten der benachbarten Stationen extrapoliert hat. Im Vergleich zu den Modellen der Briten und der NASA hat der Außenseiter dabei die fehlenden Temperaturdaten wesentlich genauer errechnen können.

Bericht zum Klimawandel

Mehr als 2000 Seiten umfasst Teil 2 des jüngsten Berichtes der tonangebenden Vereinigung von Klimaforschern. Eigentlich gehören die Schlussfolgerungen des  Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in jeden Lehrplan, de facto dürfte jedoch selbst den meisten Umweltschützern die Zeit fehlen (und die Sprachkenntnisse), um sich den Stand der Wissenschaft im Original durchzulesen. Deshalb verlinke ich hier lediglich zur 48-seitigen Zusammenfassung (pdf, englisch) und zur 3-seitigen Pressemitteilung (ebenfalls englisch).

Außerdem möchte ich hier drei Kollegen zu Wort kommen lassen, die bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung, bei der Süddeutschen Zeitung und beim Spiegel jeweils das Thema Umwelt & Klima bearbeiten:

Joachim Müller-Jung, den ich eher als Klima-Skeptiker einschätze, hebt hervor: „Bislang jedenfalls beeinflussen nach Aussagen der Forscher andere Faktoren wie Altersstruktur, technische Fortschritte, Wohlstandsentwicklung und staatliche Regelungen die meisten Wirtschaftssektoren noch immer deutlich stärker als der Klimawandel.“

Christopher Schrader in der Süddeutschen Zeitung, den ich als sehr gewissenhaften und kompetenten Kollegen kenne, zitiert einen der Vorsitzenden des Weltklimarates mit „Die Risiken häufen … und verstärken sich“, und er fast seine Auswertung des Berichts so zusammen: „Acht zentrale Risiken nennen die Forscher. Dazu gehören größere Unsicherheiten bei der Nahrungsmittelversorgung, weil Getreide wie Weizen und Mais schon jetzt im globalen Maßstab unter der eingetretenen Erwärmung leiden. Auch das Trinkwasser wird wohl Probleme bereiten, weil die verfügbaren Mengen zurückgehen; das droht auch in Industrieländern etwa am Mittelmeer. Zudem könnte praktisch überall die Aufbereitung von Abwasser in Kläranlagen schwieriger werden. Hitzewellen werden zur Gesundheitsgefahr für die Bewohner großer Städte – und für alle, die draußen arbeiten müssen. Weiter auf der Liste: Wetterextreme, die in vielen Ländern kritische Infrastrukturen wie das Strom- oder Trinkwassernetz beschädigen können. Und schließlich der Anstieg des Meeresspiegels, der auch größere Sturmfluten mit sich bringt. Sie bedrohen das Leben und die wirtschaftliche Existenz von Bewohnern vieler Küstenregionen. Manche Ökosysteme werden vermutlich in Zukunft nicht mehr existieren oder nur noch stark eingeschränkt funktionieren, heißt es im Bericht: Dazu gehören vor allem die tropischen Korallenriffe und die Arktis. Mit den Ökosystemen sind aber die Menschen bedroht, die in ihnen leben.

An der Natur lässt sich am besten erkennen, was der Klimawandel heute schon angerichtet hat. Das zeigt der Bericht verlässlicher als je zuvor: Zugvögel verschieben ihre Routen und Reisetermine, Arten verlegen ihre Lebensräume, wo es möglich ist, in kühlere Regionen – und werden seltener, wo das nicht so einfach geht. Zwar gibt es unter Tieren und Pflanzen auch einige Gewinner des Klimawandels. Wegen der dadurch ausgelösten Unsicherheiten wollten die Forscher keine Zahl der Arten mehr schätzen, die durch den Klimawandel wohl aussterben werden. Aber insgesamt rechnen die Wissenschaftler damit, dass viele Arten unwiederbringlich verloren gehen – wie schon bei früheren Klimaveränderungen in der Erdgeschichte, obwohl diese weit langsamer vonstatten gingen.“

Schließlich noch Axel Bojanowski bei Spiegel online, wo man mit der Schlagzeile aufmacht: „UNO sieht Fortschritte im Kampf gegen globale Erwärmung“. Das ganze ist garniert mit zahlreichen weiterführenden Links und enthält für Europa folgende Vorhersage: „Wahrscheinlich: mehr Flusshochwasser, Extremregen, Wasserknappheit im Süden. Möglich: mehr Hitzewellen.“

Ein ziemlich warmes Jahr 2013

Nicht erst seit gestern sorge ich mich um unsere Umwelt. Und es nervt mich, wenn die Leute mit Verweis auf einen kalten Winter hier oder einen verregneten Sommer dort alle Klimaforscher für Spinner erklären oder gar von einer Verschwörung reden. Deshalb möchte ich hier einfach auf eine Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes verweisen: „Der Klimarückblick für das vergangene Jahr zeige: 2013 lag weltweit bei der Mitteltemperatur mit einer globalen Abweichung von etwa 0,5 Grad erneut deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von etwa 14 Grad Celsius (°C). Es gehörte damit zu den zehn wärmsten Jahren seit etwa 1850. Der DWD weist auf einen weiteren „negativen“ Rekord hin: In der Nordhemisphäre war der 30jährige Zeitraum von 1983 bis 2012 wahrscheinlich der wärmste der vergangenen 1 400 Jahre. In Deutschland lag die Jahresmitteltemperatur 2013 bei 8,7 °C und damit um 0,5 Grad über dem Soll der Referenzperiode 1961-1990. Es war damit „nur“ das 40. wärmste Jahr seit 1881. Der Winter 2013/14 fiel dann allerdings mit einem Plus von 3,1 Grad deutlich zu mild aus. In den vergangenen 30 Jahren waren in Deutschland lediglich sechs Jahre zu kalt, in den zurückliegenden 20 Jahren waren es sogar nur zwei Jahre. Zudem ist es seit dem Ende der Referenzperiode 1961-1990, also in den vergangenen 23 Jahren, um 0,4 Grad wärmer geworden. Seit Beginn der inzwischen 132jährigen deutschen Temperatur-Zeitreihe sogar um gut 1,2 Grad. Es bestehe deshalb kein Anlass von einem Ende der allgemeinen Erwärmung auszugehen.

Tödliche Luftverschmutzung

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation fordert die Luftverschmutzung mehr als doppelt so viele Tote, wie bisher angenommen und ist damit zum größten Umweltrisiko geworden. Sieben Millionen Menschen verstarben im Jahr 2012 an den Folgen der Luftverschmutzung. Am schlimmsten betroffen sind Südost-Asien und der westpazifische Raum, berichtet unter anderem das Deutsche Ärzteblatt. Bemerkenswert fand ich vor allem, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle auf Luftverschmutzung im Haus zurückgeht, vor allem weil dort aus Kohle, Holz und anderen Biomaterialien Ruß freigesetzt wird.

Während in den Entwicklungsländern bessere Brennstoffe und Lüftungen Leben retten könnten, sind es bei uns wohl eher Filter für Kohlekraftwerke. Aber auch Umweltzonen können die Feinstaub-Belastung reduzieren, wie eine Studie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS), anhand der Umweltzone in Leipzig gezeigt hat. Dies sei „die erste wissenschaftliche Publikation zu Umweltzonen in Deutschland, die sowohl Ruß als auch ultrafeine Partikel beleuchtet“, sagen die Forscher. Sie erinnern daran, dass Ruß und ultrafeine Partikeln als bedeutendes Gesundheitsrisiko gelten. Für beide Faktoren sei ein deutlich abnehmender Trend festzustellen. Mehr dazu…