Ein Nachruf auf Oasis

Vorwarnung: Bevor Ihr Euch jetzt fragt, was denn der Michel genommen hat, dass der auf einmal so ganz anders schreibt, werft bitte einen Blick auf die Autorenzeile. Der folgende Text stammt von nämlich von meinem Freund Grillo und der hat nicht nur ein paar Jahrzehnte lang den Musikexpress gelesen und sich auf ungezählten Konzerten herum getrieben. Nein, Grillo ist auch Meinungs- und Ausdrucksstark, wie der folgende Abgesang auf Oasis beweisen dürfte. Ich freue mich, nicht einsam durch´s Weltall eiern zu müssen und habe dem Kerlin der Hoffnung auf weitere Beiträge gleich eine eigene Kategorie eingerichtet. Sie heißt Grillo´s Planet. Und jetzt enttäusche uns nicht, Mann…

Don’t look back in anger

Ich habe sie geliebt! Seit ich das erste mal „Wonderwall“ gehört hab, habe ich sie geliebt. Weil ich so was nicht kannte, weil sie mir zeigten dass es Britpop gibt und weil das einfach großartig war. Liam und Noel Gallagher, zwei Brüder aus Manchester und noch ein paar Typen, die keiner braucht und die kamen und gingen ohne dass es einer wirklich bemerkt hätte. Ich war hin und weg von dem Album „What´s the story…„, sog es in mich auf und kaufte mir gleich hintendrauf „Definetly maybe“.

Schon stand ich das erste Mal hilflos vor Oasis. Das Debut-Album, hochgelobt, aber warum eigentlich? Ich weiß es bis heute nicht. Es ist okay, mehr nicht. Bald stellten sich erste Anzeichen von Größenwahn bei den beiden ein. Sie fingen an, sich albern mit Damon Albarns Blur zu fetzen (um am Ende doch den Kürzeren zu ziehen) und fanden sich größer als die Beatles von denen sie so gerne ihre Ideen klauten.

Es erschien „Be here now“ auf dem tonnenschwere Erwartungen lagen und ich fand mich mit meinen Zweifeln plötzlich in bester Gesellschaft wieder. Großartig, genial und ein würdiger Nachfolger befanden die einen, gaben die volle Punktzahl. Überambitioniert, überproduziert und blutleer fanden die anderen, was sie mit einem einzigen niederschmetternden Stern abstraften. Trotzdem hatten sie mit „Stand by me“ und „All around the world“ nochmals allen Dummbrazzen und Neidhammeln gezeigt wo der Hammer hängt. Aber der absaufende Rolls Royce im Pool auf dem Cover sollte mehr als nur ein Fingerzeig sein!

Was folgte machte es mir nicht leichter Oasis-Fan zu bleiben. Suff, Prügelein, Rumgedisse gegen den Rest der Welt. Kann man machen, muss man aber nicht. Streit zwischen den Brüdern und ein desaströses MTV unplugged, das uns schmerzlich zeigte, dass Noel so gar nicht singen kann, haben meine Nerven arg strapaziert. Liam hatte es vorgezogen sich nach einer Wohnung für sich und seine neue Perle umzusehen. Ich glaube der Alkohol und andere bewusstseinsverändernde Substanzen hatten schon damals seinen Bezug zur Realität weitestgehend geschluckt.

Danach kam ein Album nach dem anderen, immer wieder mit kurzen hellen Momenten, manche davon genial, aber insgesamt deutlich in der Abwärtsbewegung wenn nicht sogar im freien Fall. Es wurde zäher und zäher und irgendwann schrieb ein schlauer Mensch, „sind wir doch mal ehrlich, das letzte gute Oasis-Album ist sieben Jahre her. Da kommt jetzt nichts mehr, man muss auch loslassen können.“ Dieser Satz traf mich hart aber sprach mir aus der Seele. Ich musste es erst lesen um es zu begreifen.

Den nächsten beiden CDs trat ich mit großem Sicherheitsabstand entgegen und versuchte nicht allzu sehr darüber enttäuscht zu sein, was mir glücklicherweise auch gelang. Das Ding war durch. Ich stellte Oasis auf einen Sockel in den Park, denn unter einer dicken Schicht Taubendreck verwischen sich die Grenzen zwischen Realität und Verklärung. Wohlwollend. Ab jetzt darf die Erinnerung ihren Beitrag zur Legendenbildung leisten. Noel Gallagher hat Oasis ein Ende gesetzt. Grund war, wir ahnen es bereits, Zoff mit seinem Bruder, der ihm eine Gitarre zertreten haben soll. Und eigentlich war das Ende längst überfällig, um nicht als lächerliche Dinos durch die Welt zu tingeln, um nicht als Deep Purple zu enden, die bei Rock am See für sie den Headliner(!) gaben.

Ihr zwei, vertragt Euch wieder aber bitte lasst Oasis in Frieden ruhen. Ihr sollt nicht enden wie Deep Purple, deren Reunion vor 25 Jahren schon überflüssig war wie’n Kropf und die (warum wohl?) innerhalb von 24 Stunden für Euch einspringen konnten. So, ich geh jetzt an den CD-Player, leg diese eine CD ein, drück Song 4 und spul auf 4:20 vor. Und wenn ich dann loslasse, dann ist für einen Moment wieder alles gut. „and don’t look back in anger, don’t look back in anger, I heard you say“.

Kurze Pause – Noel streichelt noch mal zärtlich seine Gitarre (bitte nicht die!) und eine Wand aus Streichern mindestens so breit wie der Ärmelkanal schmeißt uns raus. Das ist groß, das wird für immer groß bleiben! You’ll never walk alone, aber das ist ne andere Stadt, mit ner anderen großen Band…

Nachtrag (von Michel): Gerade sehe ich, dass auch Eric Pfeil in seinem Poptagebuch bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, versucht, seine Enttäuschung über Oasis zu verarbeiten. Aber Grillo war schneller und besser. Was Pfeil über die Beatles zu berichten weiß, dürfte indes schwer zu toppen sein 😉

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