Peinlich: BBC kennt Deutsche Nationalhyme nicht

Aua, aua, aua: Die von mir so hoch geschätzte BBC leistet sich einen peinlichen Ausrutscher in ihrer ansonsten hervorragenden Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft:

Zum Auftakt des gestrigen Fußballspiels Deutschland gegen England wurden dort beide Nationalhymnen wieder gegeben. Schön und gut, sollte man meinen. Doch leider hatte das Team unter der Leitung von Moderator Jonathan Stevenson die erste Strophe der Deutschen Nationalhymne online gestellt – und wie hier jedes Kind weiß, wird von unserer Nationalhymne nun einmal seit Jahrzehnten nur noch die dritte Strophe gesungen. Und das aus gutem Grund. Die erste Strophe nämlich ist die mit dem Spruch, dass wir die größten seien und die heutzutage oberpeinliche Ansage des Grenzverlaufs als

Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt

Ihr glaubt nicht, dass der altehrwürdigen BBC so etwas passieren kann? Hier ist der Beweis:

Erst wollte ich eine empörte SMS schicken und den Kollegen erklären, dass jeder deutsche Moderator, der sich solch einen Flop leistet, ruck-zuck seinen Job los wäre. Aber andererseits leiden die Engländer ja schon genug unter dem gestrigen Ergebnis.

Und für all diejenigen, die es immer noch nicht kapiert haben: Die erste Strophe des Deutschlandliedes, welche die BBC zitiert hat, war nur in den 12 Jahren des Dritten Reichs die offizielle deutsche Nationalhymne*. Anschließend wurde übrigens immer das Horst-Wessel-Lied gesungen. Wenigstens das haben uns aber die Herren von der BBC erspart.

Nachtrag: Ich hab´ die SMS dann doch noch geschickt, und kurz danach war der falsche Text aus dem Liveticker gelöscht. Der Moderator – das sei zu seiner Ehrenrettung gesagt, hatte seinen Fehler bemerkt und sich nach wenigen Minuten mit der Bemerkung entschuldigt, das sei keine böse Absicht gewesen. Dennoch blieb der Text bis zum Morgen nach dem Spiel stehen. Die Brisanz der „Nazi-Panne“ (so titelte kurz darauf das Schweizer Online-Magazin 20 Minuten), war den Sportreportern wohl entgangen und es bleibt zu hoffen, dass irgendwann alle unsere Freunde auf der Insel begreifen werden, dass der 2. Weltkrieg vorbei ist.

* Einige Kommentatoren haben mich darauf hingewiesen, dass die Nationalhymne bzw. deren Text – das Deutschlandlied – lange vor dem Dritten Reich geschrieben wurde. Das stimmt, es ist mir nicht erst seit gestern bekannt und das habe ich auch nicht behauptet. Dass allerdings im Dritten Reich 12 Jahre lang NUR die erste Strophe gesungen wurde und dass dies zweifellos geschah, um eine angebliche Überlegenheit des Deutschen Volkes über den Rest der Welt zu proklamieren, lässt sich nun einmal nicht leugnen. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die Nazis sich die erste Strophe zu eigen gemacht haben? Sicher hätte dies dem Schöpfer aller drei Strophen, Hoffmann von Fallersleben auch nicht gefallen, und – nein – ich wollte auch nicht behaupten dass Hoffmann von Fallersleben ein Nazi war. Lieber entschuldige ich mich hier für meine missverständliche Ausdrucksweise und verweise alle, die sich näher mit dem Thema beschäftigen wollen 1. auf den Kommentar unseres Schweizer Lesers Heinz (siehe unten) und 2. auf die Einträge der Wikipedia zum Lied der Deutschen bzw. zur Deutschen Nationalhymne.

20 Gedanken zu „Peinlich: BBC kennt Deutsche Nationalhyme nicht“

  1. Das Deutschlandlied wurde 1922 von Reichspräsident Ebert (SPD) zur deutschen Nationalhymne erklärt. Vielleicht sollten Sie wenigstens einen kleinen Blick in die Wikipedia werfen, bevor Sie hier Lappalien zu „Nazi-Skandalen“ hoch-pushen!

  2. Das Deutschlandlied wurde 1922 von Reichspräsident Ebert (SPD) zur deutschen Nationalhymne erklärt. Vielleicht sollten Sie wenigstens einen kleinen Blick in die Wikipedia werfen, bevor Sie hier Lappalien zu „Nazi-Skandalen“ hoch-pushen!

  3. Dazu sollte man natürlich noch erwähnen, dass die „Nazi-Panne“ eigentlich gar keine ist. Das Deutschlandlied ist bekanntermaßen 1841 entstanden, also rund 100 Jahre vor der „Machtergreifung“.
    Mit der ersten Strophe und dem „Deutschland, Deutschland über alles“ war auch NICHT gemeint, dass Deutschland über allen anderen Staaten in der Welt stehen sollte, sondern dass ein GEEINTES Deutschland Vorrang vor allem anderen in der Welt habe. Man darf dabei nicht vergessen, dass es zu dieser Zeit keinen deutschen Staat in dem Sinne gab, sondern lediglich den Deutschen Bund, ein lockeres Bündnis von Kleinstaaten.

    Die Nationalsozialisten haben lediglich die erste Strophe des Liedes für ihre Zwecke missbraucht.

    1. Danke für Deinen Kommentar, Axel

      Aber ich wollte nicht über die Herkunft des Deutschlandliedes schreiben. Die kann man, wie Dein Vorredner schon bemerkte, unter anderem in der Wikipedia hier und hier nachlesen – und das habe ich auch getan.

      Mag ja sein, dass die erste Strophe erst durch die Nazis diesen fiesen Beigeschmack bekommen hat und wahr ist sicher auch, dass einige andere Nationalhymnen ebenfalls verdammt überheblich sind. Tatsache ist aber auch (oder, etwas vorsichtiger: In der Wikipedia steht…), dass die zweite und dritte Strophe im Dritten Reich bei offiziellen Anläßen nicht mehr gesungen wurden und nur noch die erste. Leider hat es bis zur Wiedervereinigung gedauert, bis der damalige Bundespräsident Richard von Weizäcker und Ex-Kanzler Helmut Kohl sich darauf einigten, die dritte Strophe als den offiziellen Text unserer Hymne festzulegen. Darauf bin ich als Deutscher ein wenig Stolz, auch weil dies ein wichtiges Signal für unsere Nachbarn und den Rest der Welt war, dass wir unsere Lektion gelernt haben, von unserem hohen Roß herunter gekommen sind und niemanden bedrohen wollen.

      Trotzdem wäre mir die „Ode an die Freude“ als Nationalhymne 1000 Mal lieber. Die könnten wir dann alle aus voller Brust singen, etwa so wie im Leipziger Hauptbahnhof am 9. November 2009. Und dann würde vielleicht sogar der eine oder andere Engländer mitsummen…

      1. Auch wenn es für einige Leute anscheinend schwer zu verstehen ist: In einer NATIONALhymne wird die eigene Nation besungen. Der Text wird also immer die positiven Dinge hervorheben; dies als überheblich zu bezeichnen, ignoriert (freundlich ausgedrückt) diesen Umstand.

        Die Festlegung auf die 3. Strophe des Deutschlandliedes als Bundesdeutsche Nationalhymne ist insofern konsequent, als dass die Bundesrepublik keine Ansprüche auf die deutschen (=kulturell, nicht national) Ost- und Westgebiete erhebt.

        Die Ode „An die Freude“ ist zweifellos ein schönes Stück, aufgrund des „Nichtbezugs“ auf Deutschland aber als Nationalhymne vollkommen ungeeignet; und warum sollte ein Mitglied einer anderen Nation bei der unserer Hymne mitsummen/-singen?

        PS: Als Journalist (gehe nach Ihrem Text davon aus) sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, Wikipedia nicht als Quellenangabe zu nutzen.

        1. Ein interessanter Punkt, über den nachzudenken sich lohnt.

          Und zum P.S.: Einerseits bin ich umgeben von jeder Menge Nachschlagewerken und das Privatarchiv auf meiner Festplatte umfasst an die 60000 Artikel, die ich seit den 1980er Jahren mit mir herum schleppe. Auch ist mir durchaus bewusst, dass theoretisch jeder Schwachkopf seine abstrusen Verschwörungstheorien in die Wikipedia hinein schreiben kann. Dennoch passiert dies erfreulicherweise nur selten bzw. die anderen Autoren korrigieren nachweislich falsche Einträge sehr schnell. Auf meinem Fachgebiet, der Biomedizin, erwies sich die Wikipedia in mehreren Untersuchungen als ebenso zuverlässig wie die kommerzielle Konkurrenz und war zudem meist aktueller. Gut zusammengefasst hat dies ein Artikel im Ärzteblatt. Die dort zitierte Untersuchung der Fachzeitschrift Nature gibt es – hoffentlich nicht illegal – in voller Länge hier.

  4. Dazu sollte man natürlich noch erwähnen, dass die „Nazi-Panne“ eigentlich gar keine ist. Das Deutschlandlied ist bekanntermaßen 1841 entstanden, also rund 100 Jahre vor der „Machtergreifung“.
    Mit der ersten Strophe und dem „Deutschland, Deutschland über alles“ war auch NICHT gemeint, dass Deutschland über allen anderen Staaten in der Welt stehen sollte, sondern dass ein GEEINTES Deutschland Vorrang vor allem anderen in der Welt habe. Man darf dabei nicht vergessen, dass es zu dieser Zeit keinen deutschen Staat in dem Sinne gab, sondern lediglich den Deutschen Bund, ein lockeres Bündnis von Kleinstaaten.

    Die Nationalsozialisten haben lediglich die erste Strophe des Liedes für ihre Zwecke missbraucht.

    1. Danke für Deinen Kommentar, Axel

      Aber ich wollte nicht über die Herkunft des Deutschlandliedes schreiben. Die kann man, wie Dein Vorredner schon bemerkte, unter anderem in der Wikipedia hier und hier nachlesen – und das habe ich auch getan.

      Mag ja sein, dass die erste Strophe erst durch die Nazis diesen fiesen Beigeschmack bekommen hat und wahr ist sicher auch, dass einige andere Nationalhymnen ebenfalls verdammt überheblich sind. Tatsache ist aber auch (oder, etwas vorsichtiger: In der Wikipedia steht…), dass die zweite und dritte Strophe im Dritten Reich bei offiziellen Anläßen nicht mehr gesungen wurden und nur noch die erste. Leider hat es bis zur Wiedervereinigung gedauert, bis der damalige Bundespräsident Richard von Weizäcker und Ex-Kanzler Helmut Kohl sich darauf einigten, die dritte Strophe als den offiziellen Text unserer Hymne festzulegen. Darauf bin ich als Deutscher ein wenig Stolz, auch weil dies ein wichtiges Signal für unsere Nachbarn und den Rest der Welt war, dass wir unsere Lektion gelernt haben, von unserem hohen Roß herunter gekommen sind und niemanden bedrohen wollen.

      Trotzdem wäre mir die „Ode an die Freude“ als Nationalhymne 1000 Mal lieber. Die könnten wir dann alle aus voller Brust singen, etwa so wie im Leipziger Hauptbahnhof am 9. November 2009. Und dann würde vielleicht sogar der eine oder andere Engländer mitsummen…

      1. Auch wenn es für einige Leute anscheinend schwer zu verstehen ist: In einer NATIONALhymne wird die eigene Nation besungen. Der Text wird also immer die positiven Dinge hervorheben; dies als überheblich zu bezeichnen, ignoriert (freundlich ausgedrückt) diesen Umstand.

        Die Festlegung auf die 3. Strophe des Deutschlandliedes als Bundesdeutsche Nationalhymne ist insofern konsequent, als dass die Bundesrepublik keine Ansprüche auf die deutschen (=kulturell, nicht national) Ost- und Westgebiete erhebt.

        Die Ode „An die Freude“ ist zweifellos ein schönes Stück, aufgrund des „Nichtbezugs“ auf Deutschland aber als Nationalhymne vollkommen ungeeignet; und warum sollte ein Mitglied einer anderen Nation bei der unserer Hymne mitsummen/-singen?

        PS: Als Journalist (gehe nach Ihrem Text davon aus) sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, Wikipedia nicht als Quellenangabe zu nutzen.

        1. Ein interessanter Punkt, über den nachzudenken sich lohnt.

          Und zum P.S.: Einerseits bin ich umgeben von jeder Menge Nachschlagewerken und das Privatarchiv auf meiner Festplatte umfasst an die 60000 Artikel, die ich seit den 1980er Jahren mit mir herum schleppe. Auch ist mir durchaus bewusst, dass theoretisch jeder Schwachkopf seine abstrusen Verschwörungstheorien in die Wikipedia hinein schreiben kann. Dennoch passiert dies erfreulicherweise nur selten bzw. die anderen Autoren korrigieren nachweislich falsche Einträge sehr schnell. Auf meinem Fachgebiet, der Biomedizin, erwies sich die Wikipedia in mehreren Untersuchungen als ebenso zuverlässig wie die kommerzielle Konkurrenz und war zudem meist aktueller. Gut zusammengefasst hat dies ein Artikel im Ärzteblatt. Die dort zitierte Untersuchung der Fachzeitschrift Nature gibt es – hoffentlich nicht illegal – in voller Länge hier.

  5. Bevor man irgendetwas schreibt, sollte man bitte recherchieren. Als geschichtlich interessierter Schweizer hat mich dieser völlig schluddrige Beitrag erschüttert.

    Der deutsche Dichter August Heinrich Hoffmann (1798 – 1874) – geboren in Fallersleben, daher die Bezeichung „Hoffmann von Fallersleben“ – schrieb am 26. August 1841 auf der Insel Helgoland (damals noch in britischer Hand, erst 1890 gegen Sansibar getauscht) das „Lied der Deutschen“.Als Melodie unterlegte er dem Text die Komposition von Joseph Haydn (1732 – 1809).

    Die im Text der ersten Strophe erwähnten geographischen Ausdehnungen beziehen sich auf die damalige Situation im Hinblick auf eine nationale Vereinigung der deutschen Staaten und nicht auf spätere Politik.

    Sowohl der Text als auch die Melodie des „Liedes der Deutschen“ entstanden also zu einer Zeit, in der es noch keine Nazis als auch keine Sozialisten und Kommunisten gab. Hoffmann hielt sich übrigens auf Helgoland auf, weil er wegen seiner liberalen Gesinnung des Landes verwiesen wurde – Die Bezeichnung „Nazi-Text“ ist also schon deshalb völlig deplaziert !!!

    Erstmals offiziell bei einem Staatsakt wurde das Lied 1890 gesungen – beim bereits erwähnten Tausch Sansibars gegen Helgolands. Erst über dreissig Jahre später, am 11. August 1922 erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) das Lied nun zur offiziellen Nationalhymne Deutschlands. Hierbei verwendete die Bezeichnung „Deutschlandlied“. Diese wurde zwar in der Form seither verwendet, ist jedoch nicht offiziell! Für die damals noch besetzte Rheinland und später auch im überfallenen Ruhrgebiet war die Hymne verboten.

    Von 1933 bis 1945 wurde der Hymne bei offiziellen Anlässen das Horst-Wessel-Lied vorangestellt. Wenn sie ein Lied als „Nazi-Hymne“ bezeichnen wollen, dann dieses, aber sicher nicht das gut 100 Jahre ältere Lied von Hoffmann!

    1945 verboten die Alliierten das Lied erneut. Bis 1949 wurden verschiedene Lösungen in Betracht gezogen, doch keine konnte überzeugen. Nach mehreren öffentlichen Petitionen und einem parlamentarischen Antrag im Jahre 1949, stimmte Bundeskanzler Adenauer am 18. April 1950 in Berlin zum Ende einer Kundgebung die „politisch korrekte“ dritte Strophe an. Dies brachte ihm harrsche Kritik aus London und Washington ein.

    Nach einem gescheiterten Versuch von Bundespräsident Theodor Heuss, dem Volk eine weitere Verlegenheitslösung als Hymne schmackhaft zu machen und einem Briefwechsel mit BK Adenauer wurden alle drei Strophen des „Liedes der Deutschen“ wieder zur offiziellen Nationalhymne der BRD erklärt. Für Staatsanlässe galt fortan, dass nur die dritte Strophe („Einigkeit und Recht und Freiheit“) gesungen werden sollte.

    Nach der Wiedervereigung von 1990 wurde 1991 nur die dritte Strophe zur offiziellen Nationalhymne erklärt. Die beiden ersten Strophen wurden jedoch nicht verboten. Seit 1945 wurden alle entsprechenden juristischen Schritte, die beiden ersten Strophen verbieten zu lassen, jeweils von den Gerichten abgelehnt – letztmals Ende 2003.

    Grundsätzlich wäre es also möglich, an einem Fussballspiel alle drei Strophen zu singen.

    1. Lieber Leser,

      Ihre Ausführen sind sicher richtig und interessant. Aber wie schon anderswo gesagt war es nicht meine Absicht, einen Aufsatz über die Geschichte der deutschen Nationalhymne zu verfassen, sondern auf einen krassen Fehler der BBC hinzuweisen. Die Bezeichnung „Nazi-Panne“ stammt aus einem Beitrag der Webseite 20minuten.ch. Wie sie sehen sollten, habe ich das Zitat mit Anführungszeichen kenntlich gemacht und gleichzeitig auf die Quelle verwiesen, bei der Ihre Kritik wohl besser aufgehoben wäre.

      mit freundlichen Grüßen

      Michael Simm

      1. Werter Michel,

        Wenn sie denn schon die BBC kritisieren, müssten aber Ihre Angaben stimmen und genau das tun sie ja nicht …

        Dass die Schweizer Medien dabei sofort von einer „Nazi-Panne“ schreiben, wundert mich absolut nicht.

        1. Offensichtlich bedurfte es einer Klarstellung. Die habe ich nun als Fußnote meinem Text hinzugefügt und hoffe, damit Ihrem Anliegen gerecht zu werden.

          mit Dank für Ihr Engagement

          Michael Simm

  6. Bevor man irgendetwas schreibt, sollte man bitte recherchieren. Als geschichtlich interessierter Schweizer hat mich dieser völlig schluddrige Beitrag erschüttert.

    Der deutsche Dichter August Heinrich Hoffmann (1798 – 1874) – geboren in Fallersleben, daher die Bezeichung „Hoffmann von Fallersleben“ – schrieb am 26. August 1841 auf der Insel Helgoland (damals noch in britischer Hand, erst 1890 gegen Sansibar getauscht) das „Lied der Deutschen“.Als Melodie unterlegte er dem Text die Komposition von Joseph Haydn (1732 – 1809).

    Die im Text der ersten Strophe erwähnten geographischen Ausdehnungen beziehen sich auf die damalige Situation im Hinblick auf eine nationale Vereinigung der deutschen Staaten und nicht auf spätere Politik.

    Sowohl der Text als auch die Melodie des „Liedes der Deutschen“ entstanden also zu einer Zeit, in der es noch keine Nazis als auch keine Sozialisten und Kommunisten gab. Hoffmann hielt sich übrigens auf Helgoland auf, weil er wegen seiner liberalen Gesinnung des Landes verwiesen wurde – Die Bezeichnung „Nazi-Text“ ist also schon deshalb völlig deplaziert !!!

    Erstmals offiziell bei einem Staatsakt wurde das Lied 1890 gesungen – beim bereits erwähnten Tausch Sansibars gegen Helgolands. Erst über dreissig Jahre später, am 11. August 1922 erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) das Lied nun zur offiziellen Nationalhymne Deutschlands. Hierbei verwendete die Bezeichnung „Deutschlandlied“. Diese wurde zwar in der Form seither verwendet, ist jedoch nicht offiziell! Für die damals noch besetzte Rheinland und später auch im überfallenen Ruhrgebiet war die Hymne verboten.

    Von 1933 bis 1945 wurde der Hymne bei offiziellen Anlässen das Horst-Wessel-Lied vorangestellt. Wenn sie ein Lied als „Nazi-Hymne“ bezeichnen wollen, dann dieses, aber sicher nicht das gut 100 Jahre ältere Lied von Hoffmann!

    1945 verboten die Alliierten das Lied erneut. Bis 1949 wurden verschiedene Lösungen in Betracht gezogen, doch keine konnte überzeugen. Nach mehreren öffentlichen Petitionen und einem parlamentarischen Antrag im Jahre 1949, stimmte Bundeskanzler Adenauer am 18. April 1950 in Berlin zum Ende einer Kundgebung die „politisch korrekte“ dritte Strophe an. Dies brachte ihm harrsche Kritik aus London und Washington ein.

    Nach einem gescheiterten Versuch von Bundespräsident Theodor Heuss, dem Volk eine weitere Verlegenheitslösung als Hymne schmackhaft zu machen und einem Briefwechsel mit BK Adenauer wurden alle drei Strophen des „Liedes der Deutschen“ wieder zur offiziellen Nationalhymne der BRD erklärt. Für Staatsanlässe galt fortan, dass nur die dritte Strophe („Einigkeit und Recht und Freiheit“) gesungen werden sollte.

    Nach der Wiedervereigung von 1990 wurde 1991 nur die dritte Strophe zur offiziellen Nationalhymne erklärt. Die beiden ersten Strophen wurden jedoch nicht verboten. Seit 1945 wurden alle entsprechenden juristischen Schritte, die beiden ersten Strophen verbieten zu lassen, jeweils von den Gerichten abgelehnt – letztmals Ende 2003.

    Grundsätzlich wäre es also möglich, an einem Fussballspiel alle drei Strophen zu singen.

    1. Lieber Leser,

      Ihre Ausführen sind sicher richtig und interessant. Aber wie schon anderswo gesagt war es nicht meine Absicht, einen Aufsatz über die Geschichte der deutschen Nationalhymne zu verfassen, sondern auf einen krassen Fehler der BBC hinzuweisen. Die Bezeichnung „Nazi-Panne“ stammt aus einem Beitrag der Webseite 20minuten.ch. Wie sie sehen sollten, habe ich das Zitat mit Anführungszeichen kenntlich gemacht und gleichzeitig auf die Quelle verwiesen, bei der Ihre Kritik wohl besser aufgehoben wäre.

      mit freundlichen Grüßen

      Michael Simm

      1. Werter Michel,

        Wenn sie denn schon die BBC kritisieren, müssten aber Ihre Angaben stimmen und genau das tun sie ja nicht …

        Dass die Schweizer Medien dabei sofort von einer „Nazi-Panne“ schreiben, wundert mich absolut nicht.

        1. Offensichtlich bedurfte es einer Klarstellung. Die habe ich nun als Fußnote meinem Text hinzugefügt und hoffe, damit Ihrem Anliegen gerecht zu werden.

          mit Dank für Ihr Engagement

          Michael Simm

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