Pfadfinder in der Kamera: Lumix DMC-TZ10 mit GPS

Seit vier Wochen ist sie im Einsatz, an die 2000 Bilder und ein paar Videos habe ich gemacht, und wen´s interessiert der findet hier so eine Art Testbericht: Die Lumix DMC-TZ10 ist meine siebte Kamera.

Zum Hintergrund (hier klicken zum überspringen) sollte ich vielleicht sagen, dass ich mich als ambitionierten Hobby-Fotografen einstufe. Von zwei oder drei Ritsch-Ratsch-Klick-Kameras in meiner Kindheit wechselte ich zu meiner ersten – natürlich analogen – Spiegelreflex-Kamera, einer Fuji. Später habe ich dann eine Contax RTS mit Zeiss-Objektiven von meinem Vater geerbt, mir ein zweites, preiswerteres, Gehäuse dazu gekauft – und seitdem nie mehr so gute Bilder gemacht. Das kann ich deshalb mit Sicherheit sagen, weil ich momentan sämtliche Dias einscanne, die ich in den Jahren 1984 bis 1997 gemacht habe. Vor allem in der Bildschärfe sind sie nach wie vor unerreicht, doch muss ich fairerweise sagen, dass ich bis zum heutigen Tag den Sprung zu einer digitalen Spiegelreflexkamera nicht geschafft habe. Der Grund? Nachdem ich jahrelang immer mehr Zubehör angeschafft und in der Spitze 13 Kilogramm (!) Ausrüstung mit mir herum geschleppt hatte, machte Contax (eine Zusammenarbeit aus Fuji-Mechanik, Zeiss-Optik und Porsche-Design) den Laden dicht. Um eine gleichwertige Ausrüstung in Form einer digitalen Spiegelreflexkamera zu bekommen, hätte ich wohl an die 8000 Euro hinblättern müssen – no way! Also schwenkte ich um auf eine Filmkamera (Sony Handycam DCR-PC330) und dann auf eine Digitalkamera mit Videofunktion, die Kodak Easyshare Z 812 IS. Beide Geräte sind in ihrem Bereich ok, aber natürlich keine geeigneten Werkzeuge für „ernsthafte“ Fotografen. Dies erwarte ich ehrlich gesagt auch nicht von der Neuen – aber wir werden sehen, was die Lumix DMC-TZ10 zu bieten hat.

Leicht und portabel sollte die neue Kamera sein, mit einer möglichst guten Bildqualität und – dies ist so ein Spleen bei mir – idealerweise auch eine GPS-Funktion mitbringen. GPS steht für Global Positioning System und dies ist die Technik hinter jedem Navigerät. Für Fotografen ist GPS deshalb interessant, weil Bildern damit mehr oder weniger automatisch Informationen über den Aufnahmeort hinzugefügt werden können. Ich bin zwar durchaus in der Lage, den Eifelturm wiederzuerkennen, wer aber schon mal auf einer längeren Reise war und zu faul war, sich Notizen zu machen, kennt sicher das „wo war das noch mal?“-Problem. Besonders nützlich finde ich die GPS-Technik, wenn man ab zu mit dem Mountainbike oder auch zu Fuß in der Natur unterwegs ist, und dabei neue Wege beschreitet, die mit tollen Ausblicken oder interessanten Entdeckungen belohnen. Zuletzt habe ich mir dafür einem GPS-Tracker angeschafft, ein Aufzeichnungsgerät von der Größe einer Streichholzschachtel, dessen Daten dann mehr oder weniger mühsam mit den Fotos zusammen geführt werden mussten. Es war, soviel sei gesagt, eine ebenso zeitaufwändige wie fehleranfällige Prozedur. Sogar in meinem Handy habe ich GPS und Fotofunktion vereint – warum also sollte dies nicht auch in einer ordentlichen Kamera möglich sein?

Eine Antwort auf diese Frage will neben anderen Fabrikaten auch die Lumix DMC-TZ10 liefern. Sie kostete mich bei Amazon knapp 300 Euro. Allerdings ist in diesem Preis weder eine Speicherkarte enthalten, noch ein Ersatzakku. Beides zählt für mich nicht zum Luxuszubehör, sondern zur Grundausstattung. Weil in diversen Diskussionen immer wieder anklang, dass es mit Ersatzakkus, die nicht von Panasonic stammen, Probleme gab, biss ich in den sauren Apfel und kaufte das Original, welches über 30 Euro kostet. Damit sind wir also beim ersten Minuspunkt: Die Kamera wird angepriesen für unter 300 Euro, kostet de facto aber 350. Ärgerlich. Ansonsten: Lieferung von Amazon wie gewohnt problemlos. Bestellt am Sonntag, geliefert am Dienstag Vormittag und zwar ohne zusätzliche Versandkosten.

Die Bedienungsanleitung umfasst gerade einmal 25 Seiten und dies reicht bei weitem nicht aus, um alle Funktionen der Kamera zu beschreiben. Besser ist da schon die pdf-Datei von mehr als 170 Seiten, die sich auf der beigelegten CD findet. Die CD braucht man außerdem, wenn man die Bilder und vor allem die hochauflösenden Videos der Lumix möglichst reibungslos auf den Computer überspielen und dort verwalten will. Die erledigt die Software PHOTOfunnSTUDIO 5.1, die außerdem einige einfache Bildbearbeitungsfunktionen bietet. Wer es ernst meint mit seinen Fotos wird damit allerdings nicht glücklich und muss wohl so wie ich ein Bündel spezialisierter Programme installieren – doch über dieses Thema werde ich ein anderes Mal berichten. Was sonst noch drin ist in der kleinen Packung: Akku, Batterieladegerät, Netzkabel, USB-Kabel (zum überspielen von Bildern auf den PC) und ein AV-Kabel mit dem man auch HD-Videos auf anderen Geräten wiedergeben kann.

„Alles schön und gut“, höre ich Euch sagen – „aber macht die Lumix denn auch ordentliche Bilder?“ Die Antwort lautet „Ja, aber…“.

Ein Heer von Lumix-Fans kann sich nicht irren und die zahlreichen Modelle, die unter diesem Namen erschienen sind, liefern durch die Bank sehr hochwertige und vor allem scharfe Bilder. Eines von drei Problemen mit der DMC-TZ10 ist, dass man zuerst die Einstellungen entsprechend ändern muss. Und zwar auf:

  • Sättigung + 1
  • Schärfe +1
  • Kontrast -1 und
  • Rauschunterdrückung -2 oder -1

Danke, Robin Pomreinke, für diesen verdammt guten Tipp, den außer mir noch über 400 Amazon-Kunden hilfreich fanden. Mit obigen Einstellungen habe auch ich sichtbar bessere Bilder bekommen. Der Zoombereich ist mit 25-300 Millimeter-Äquivalent für mich ausreichend groß – eine noch stärkeres Tele wäre zwar nett gewesen, doch habe ich mir dis verkniffen, weil dies zumindest bei der Vorgängerkamera sichtbar zulasten der Bildqualität ging. Das Display könnte zwar noch etwas heller sein, doch wird dies wieder wettgemacht durch die Wahl zwischen vier verschiedenen Modi mit unterschiedlich vielen Infos. Die Benutzerführung in den Menüs ist einleuchtend und der Schnellzugriff mit dem Quick-Menu eine feine Sache.

Ansonsten bietet die DMC-TZ10 nicht nur alle Funktionen, die für eine Kamera dieses Typs heute selbstverständlich sein sollten (intelligente Automatik, manuelle Einstellungsmöglichkeiten, Blenden- und Zeitautomatik sowie 29 (!) verschiedene Programme), sondern auch ein ganzes Bündel fortgeschrittener Einstellungsmöglichkeiten wie z.B. drei benutzerspezifische Speicher, ein „Bracketing“, bei dem Bilder jeweils außer mit der normalen Belichtung gleich noch mit einer Stufe unter- bzw. überbelichtet werden und schließlich die Option, zwei weitere Positionen auf dem zentralen Drehknopf mit Programmen seiner Wahl vorzubelegen (bei mir die Sportautomatik und die Serienbildfunktion). Apropos Serienbilder: Hier kann man gefühlte unendliche Bildreihen auslösen, wenn man in der entsprechenden Einstellung den Finger auf dem Auslöser lässt. Die Auflösung schaltet dabei etwa auf ein Achtel des Maximums herunter – doch scheint mir dies ein kleiner Preis, wenn man das wirklich allerschönste Lachen seiner Liebsten einfangen mag oder wenigstens ein ordentliches Bild des Musikvereins knipsen will, mit dem auch wirklich alle Sänger zufrieden sind.

Nicht getestet habe ich die Möglichkeit der Gesichtserkennung. Angeblich kann man die DMC-TZ10 auf bis zu sechs Nasen trainieren, die die Kamera dann automatisch erkennt und deren Namen auch gleich mit in die Fotoinformationen geschrieben werden. Wer aber nur sechs Freunde hat oder immer die gleichen Nasen knippst wird womöglich auch die Möglichkeit toll finden, zwei Haustiere einzuspeichern und deren Wachstum über die Jahre von der Kamera verfolgen zu lassen (kein Quatsch!).

Ok, dies ist Gemeckere auf hohem Niveau. Reden wir also über das zweite Problem: Ein „Panoramaassistent“ soll dem Benutzer helfen, beispielsweise den Horizont von links nach rechts oder ein Hochhaus von unten nach oben scheibchenweise zu fotografieren – und das Ganze dann zu einem nahtlosen Bild zusammen zu setzen. Bei mir scheiterte dies schon daran, dass die Markierungen aus dem jeweils letzten Bild für meine trüben Augen kaum zu erkennen waren. Und als ich der Kamera das jeweils letzte meiner Panaoramabilder vermelden wollte, passiert: Nichts. Hmm. Ich will einen Bedienungsfehler nicht ausschließen, aber das hat meine alte Kodak besser hingekriegt.

Und das GPS? Das war doch der Grund, warum ich mir diese Kamera überhaupt erst gekauft habe! Das GPS also – es funktioniert, so leidlich. Zwar empfängt der eingebaute Empfänger das Satellitensignal schnell und schreibt die entsprechenden Koordinaten sauber in die Bilddatei. Wer anschließend das Bild z.B. in Google Earth aufruft, wird sofort sehen, wo es aufgenommen wurde. Ich finde, Panasonic hätte es dabei belassen sollen. Statt dessen wollte man aber noch einen ´drauf setzen und hat der DMC-TZ10 eine Datenbank von angeblich über 300000 Sehenswürdigkeiten mit auf den Weg gegeben. Die beruht auf dem Stand vom Februar 2010, eine Aktualisierung ist nicht vorgesehen, wie mich die Anleitung belehrt.

Wer sich die Mühe macht, wird auch das System bald durchschauen, mit dem diese Informationen nutzbar gemacht werden sollen: In einem „Reisemodus“ kann der Nutzer wählen, ob er nur das Land, den Bundesestaat, die Stadt oder eben auch exakt jene Sehenswürdigkeit in die Bilddaten schreiben will, die sich Anhand der GPS-Koordinaten ergibt. Dies funktioniert schon in Deutschland nicht ordentlich, denn im Schnittbereich mehrerer Sehenswürdigkeiten muss der Benutzer vor der Aufnahme auswählen, wo er sich befindet. Dass dies technisch nicht anders zu lösen war, kann ich zwar nachvollziehen, löst aber nicht das Problem. In meiner Stadt Offenburg kann ich problemlos das Rathaus erkennen, aber welche der drei Kirchen ich ins Visier nehme, sollte ich schon selbst wissen, denn die Kamera wird es mir nicht verraten.

Doch es kommt noch schlimmer: Im Ausland (ich habe die DMC-TZ10 bei einem vierwöchigen Kalifornienaufenthalt ausgiebig getestet) konnte ich mich nicht einmal mehr darauf verlassen, dass die Stadt exakt angezeigt wurde. So ist z.B. La Jolla einer der attraktivsten Stadtteile von San Diego, wird aber nicht separat angezeigt. Und in Venice, das sicher zu den Hauptattraktionen von Los Angeles zählt, erkennt die Panasonic nur einen kurzen Abschnitt des berühmten „Ocean Front Walk“ – der Rest wird einfach als Santa Monica deklariert. Und auf der beliebtesten Einkaufsmeile von Venice drängt sich ausgerechnet die Handelskammer als Sehenswürdigkeit auf, wo doch jeder Reiseführer hier vom „Abbot Kinney Boulevard“ spricht. Ich habe keine Ahnung, was für einen Algorithmus die Entwickler bei Panasonic für die Erstellung ihre Datenbank von Sehenswürdigkeiten benutzt haben, aber diese Funktion wurde meinen Anforderungen in keinster Weise gerecht. Ich schlage vor, bei der Modellpflege entweder ganz auf diesen unausgegorenen Schnick-Schnack zu verzichten, oder Kuratoren einzusetzten, die bei den Sehenswürdigkeiten die Spreu vom Weizen trennen. Bis es soweit ist, werde ich mich beim Fotografieren auf die „nackte“ GPS-Funktion beschränken und habe bei den Orts-Info Einstellungen alle Optionen auf „Off“ gestellt.

Dennoch fällt die Gesamtbilanz überwiegend positiv aus. Sagen wir: Vier von fünf Punkten. In der Klasse der kompakten Kleinbildkameras für anspruchsvolle Hobbyfotografen, die zudem noch Wert auf eine GPS-Funktion legen, ist die Lumix DMC-TZ10 von Panasonic trotz der drei genannten Probleme für mich die erste Wahl.

2 Gedanken zu „Pfadfinder in der Kamera: Lumix DMC-TZ10 mit GPS“

  1. „Nackte“ Funktionen, lieber Micheal, waren früher besser, sie sind es heute und – so die Prognose erlaubt ist – sie werden es morgen sein. Die Eier-legende Wollmilchsau (früher) oder das telefonierende und fotografierende-Geo-Daten-erfassende-navigierende-Handy-mit-Coffepad-Aufbrühfunktion (heute) kann es nur in unseren (Alp)Träumen geben.
    1. Wenn Du fotografieren möchtest und früher Zeiss-Optiken dafür draufgeschraubt hattest, sehe ich nicht, wie Du mit den Glasscherben, die in heutigen Kompakt-Digis drin sind, gleich gute Aufnahmen machen kannst.
    2. Wenn Du geotagging für Deine Bilder betreiben möchtest, nimm einen simplen Geo-Logger mit dem besten SIRS-III Chip, den Du für roundabout 60/70 Euros bekommen kannst, und Deine Fotos sind hinterher mit der heute maximal möglichen Genauigkeit in den Metatags verortet. Gimmiks wie Sehenswürdigkeiten etc sind gar nicht wichtig. Ich hab keine Ahnung, zu welchem Zweck ich die geotagging-Informationen später einmal nutzen werde. Allein ich hab die entscheidenden Infos (Längen-/Breitengrad, so genau wie es eben Obamas GPS-Hüter zulassen).
    3. Ich bezweifele Deine 8000 Euro-Hochrechnung für eine digitale „Contax-Zeiss“ Alternative: Lass uns 3000 Euro(ja, das ist wirklich nicht wenig) in die Hand nehmen und Du siehst im Hundertprozentmodus von Photoshop Bilder, die es ohne digitale Schärfung/Fehlerkorrektur mit Deinen geliebten Zeiss-Objektiv-Dias auf Augenhöhe aufnehmen können.
    4. Investiere Zeit und ein paar Dolares, um zu gucken, ob nicht die alten „analogen“ Optiken, an einem D-SLR-Body einen neuen (digitalen) Frühling erleben. Der Wahrheit halber muss ich allerdings hier anfügen, dass ich meine geschätzten „analogen“ Objektive bei diesem Test allesamt in Richtung eBay geschoben habe.
    5. und abschließend: Multitasking ist „out“. Bei Männern (warum auch immer. Genetik ist es nicht. Das sag‘ ich Dir gleich) sowieso, bei Frauen setzt sich die Erkenntnis momentan durch, bei technischen Geräten: siehe oben.
    Grüßle Andreas

  2. „Nackte“ Funktionen, lieber Micheal, waren früher besser, sie sind es heute und – so die Prognose erlaubt ist – sie werden es morgen sein. Die Eier-legende Wollmilchsau (früher) oder das telefonierende und fotografierende-Geo-Daten-erfassende-navigierende-Handy-mit-Coffepad-Aufbrühfunktion (heute) kann es nur in unseren (Alp)Träumen geben.
    1. Wenn Du fotografieren möchtest und früher Zeiss-Optiken dafür draufgeschraubt hattest, sehe ich nicht, wie Du mit den Glasscherben, die in heutigen Kompakt-Digis drin sind, gleich gute Aufnahmen machen kannst.
    2. Wenn Du geotagging für Deine Bilder betreiben möchtest, nimm einen simplen Geo-Logger mit dem besten SIRS-III Chip, den Du für roundabout 60/70 Euros bekommen kannst, und Deine Fotos sind hinterher mit der heute maximal möglichen Genauigkeit in den Metatags verortet. Gimmiks wie Sehenswürdigkeiten etc sind gar nicht wichtig. Ich hab keine Ahnung, zu welchem Zweck ich die geotagging-Informationen später einmal nutzen werde. Allein ich hab die entscheidenden Infos (Längen-/Breitengrad, so genau wie es eben Obamas GPS-Hüter zulassen).
    3. Ich bezweifele Deine 8000 Euro-Hochrechnung für eine digitale „Contax-Zeiss“ Alternative: Lass uns 3000 Euro(ja, das ist wirklich nicht wenig) in die Hand nehmen und Du siehst im Hundertprozentmodus von Photoshop Bilder, die es ohne digitale Schärfung/Fehlerkorrektur mit Deinen geliebten Zeiss-Objektiv-Dias auf Augenhöhe aufnehmen können.
    4. Investiere Zeit und ein paar Dolares, um zu gucken, ob nicht die alten „analogen“ Optiken, an einem D-SLR-Body einen neuen (digitalen) Frühling erleben. Der Wahrheit halber muss ich allerdings hier anfügen, dass ich meine geschätzten „analogen“ Objektive bei diesem Test allesamt in Richtung eBay geschoben habe.
    5. und abschließend: Multitasking ist „out“. Bei Männern (warum auch immer. Genetik ist es nicht. Das sag‘ ich Dir gleich) sowieso, bei Frauen setzt sich die Erkenntnis momentan durch, bei technischen Geräten: siehe oben.
    Grüßle Andreas

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