Spatzen singen gegen den Stadtlärm

Entgegen anders lautenden Gerüchten ist der Michel (noch) kein hauptberuflicher Vogelkundler (Ornithologe), sondern er verdient sein Geld als Journalist für Medizin & Wissenschaft. Da flattert ihm so manche Pressemitteilungen in die Mailbox, darunter auch eine der George Mason Universität in der US-Hauptstadt Washington, die er interessant genug fand, um sie allen Freunden des Federviehs zu präsentieren:

Ein amerikanischer Spatz (Zonotrichia leucophrys) Foto: Wolfgang Wander, CC-Lizenz 3.0

David Luther und seine Kollegin Elisabeth Derryberry haben Tonaufnahmen der Gesänge von Spatzen in einem Stadtpark von San Francisco (dem Presidio) ausgewertet, die bis ins Jahr 1969 zurück reichen, und die zeigen, wie sich die Piepmätze an den immer lauteren Lärm in der Stadt angepasst haben. Jedoch sangen die Spatzen der Art Zonotrichia leucophrys (zu deutsch: Dachsammer) in der Nähe viel befahrener Kreuzungen nicht einfach nur lauter, vielmehr haben sie ihre Melodien der Tonlage der Umgebungsgeräusche angepasst.

Der Lärm der Menschen liege meist im unteren Frequenzbereich, sodass zumindest die tieferen Töne der alten Spatzenlieder von den Vögel nicht mehr erkannt würden, erklärt Luther. Auf den frühen Aufnahmen waren noch drei verschiedene Melodien zu hören, nach dreißig Jahren aber nur noch zwei, und der Trend geht dahin, dass bald nur noch eine Melodie gesungen wird – und zwar diejenige mit den höchsten Frequenzen. „Dieser eine San-Francisco-Dialekt hat praktisch die ganze Stadt erobert“, so Luther.

In ihren Experimenten hatten die Wissenschaftler die Territorien von 20 Spatzen besucht und den Tieren dort mithilfe eines iPods die alten Aufnahmen im Zufallsmodus vorgespielt. „Die Vögel reagierten viel stärker auf den aktuellen Dialekt, als auf die historischen Melodien“, stellte Luther fest. Der Gesang wird als Bedrohung durch einen Rivalen verstanden und die Männchen fliegen dann zum Lautsprecher um dort ihre Melodie zu tschilpen mit einer Botschaft, die jeder echte Konkurrent im Revier verstehen kann: „Hau ab!“

Quelle: Luther DA, Derryberry EP. Birdsongs keep pace with city life: changes in song over time in an urban songbird affects communication. Animal Behaviour, Vol. 83, No. 4. (April 2012), S. 1059-1066

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