Umzug-Tipp: Beim Ausmisten Geld verdienen

Mein zehnter Umzug steht bevor und diesmal werde ich es richtig schlau anstellen: Statt in letzter Minute Berge von unnützem Kram zu entdecken, der dann hastig in die Kisten gestopft wird (und nach dem Auspacken in der neuen Wohnung rumliegt), werde ich die Spreu vom Weizen trennen. Alles, was ich mit großer Sicherheit nicht mehr brauche, fliegt ´raus. Aber nicht einfach nur auf den Sperrmüll, sondern meine Besitztümer werden systematisch verwertet – und Ihr dürft an diesem Experiment teilhaben.

Bücher im RegalInsgesamt vier Tage habe ich eingeplant und hoffe auf Belohnung in Form von weniger Gerümpel in meinem Leben sowie zusätzlich noch ein paar Euro für die neue Küche. Außerdem werde ich in dieser Zeit einen guten Überblick meiner Habseligkeiten bekommen und einige Dinge zur Seite legen, mit denen ich meine Umzugshelfer belohnen werde.

Wenn man viel Zeit hat, kann man seinen Kram natürlich auch bei Amazon verkaufen. Im Bereich „sellercentral“ findet ihr dazu alle Infos. Der Nachteil ist jedoch, dass Ihr warten müsst, bis eine Bestellung eingeht, und diese dann einzeln bearbeiten müsst. So etwas kann man nebenher machen, und ich bin auch sehr zufrieden mit diesem Dienst. Aber ein paar Tage vor dem Umzug ist von dieser Variante abzuraten. Abgesehen von dem Zeitaufwand gibt es noch einen großen Nachteil: Ihr müsstet nämlich alle angebotenen Gegenstände griffbereit haben, damit sie entsprechend der Geschäftsbedingungen binnen weniger Tage versandt werden – und wer kann das schon mitten im Umzug garantieren? Jetzt aber zu meiner Lösung des Problems: Man nehme ein Smartphone und bespiele es mit der App von „Wer zahlt mehr?„. Damit könnt Ihr nämlich auf sehr elegante Weise herausfinden, was Eure Musik-CDs, Bücher, Spiele oder auch Software noch wert ist – und wer am meisten dafür zahlt. Das Ganze geht zwar auch online, aber der Clou mit dieser App ist, dass diese einen Scanner besitzt. Ihr sucht also auf der Verpackung den Strichcode, tippt auf „einscannen“ – und bei mindestens 95 % aller Gegenstände bekommt ihr sofort eine aktuelle Liste der Anbieter, absteigend sortiert nach den höchsten Preisen. Manche älteren Bücher haben noch keinen Strichcode auf dem Umschlag, dann müsst Ihr nach der ISBN-Nummer oder der EAN-Nummer suchen und sie per Hand eintippen. Auch das funktioniert ganz wunderbar; unter den Hunderten von Gegenständen, deren Preis ich wissen wollte, bekam ich nur geschätzte zehn Mal die Antwort, dass nichts gefunden wurde. Die Zahl der Anbieter schwankt stark und ist auch innerhalb einer Produktklasse nicht einheitlich. Mal sind es nur zwei, dann wieder 22. Auf jeden Fall vermeidet Ihr durch den Vergleich, Eure Sachen zu billig herzugeben – und das ist ja der Sinn der Sache. Meine Strategie war nun, mich auf einige wenige Anbieter zu beschränken, in meinem Fall waren das der aktuell wohl größte Online-Ankäufer Momox.de, sowie rebuy.de und zoxs.de.

Diese drei tauchten gefühlsmäßig bei den meisten Gegenständen am häufigsten auf. Natürlich kann man auch 20 Kartons ins Wohnzimmer stellen – für jeden Anbieter einen – und immer nur an den Bestbietenden verkaufen. Dann kann es aber passieren, dass in jedem Körbchen nur zwei CDs landen und Ihr den Mindestpreis für den Ankauf nicht erreicht, den viele Anbieter aus verständlichen Gründen haben. Also rate ich Euch: Beschränkt Euch auf maximal 5 Anbieter und schaut im Zweifelsfall im Internet nach, wie zufrieden deren Kunden sind. Schließlich wollen wir ja nicht nur tolle Angebote sehen, sondern auch unser Geld schnell und ohne Ärger überweisen bekommen. Wo wir gerade beim Geld sind: Dies ist ja der Zweck der ganzen Übung, und dass das Leben ohne den ganzen alten Krempel leichter wird, dürfte für Viele nur ein nützlicher Nebeneffekt sein. Dann müsst Ihr aber auch bedenken, wie viel Zeit Euch die ganze Aktion kostet. Wie lange braucht Ihr, um all Eure Bücher, CDs usw. aus dem Regal zu holen, zu scannen (mit werzahltmehr), zu sortieren, nochmal zu scannen (mit der App des Meistbietenden) und schließlich zu versenden. Wenn Ihr z.B. Freiberufler seid, und 30 Euro die Stunde verdient, lohnt es sich wohl kaum, CDs für 15 Cent zu verkaufen. Die verschenke ich dann lieber und habe für mich einen Mindestpreis pro Gegenstand von einem Euro festgelegt. Natürlich bleibt dann vieles liegen, aber der Aufwand fürs Handling wird sonst einfach zu groß. Mein Tipp: Sachen, für die Ihr ohnehin keinen halbwegs akzeptablen Preis kriegt, kommen in getrennte Kisten, aus denen Eure Umzugshelfer mitnehmen dürfen, was ihnen gefällt. Nach meiner Erfahrung sind in bestimmten Kategorien manche Ankäufer besser als andere. Das sind jetzt allerdings nur Durchschnittswerte anhand meiner Sachen. Falls Ihr andere Erfahrungen macht, hinterlasst uns diese doch bitte als Kommentar. Bei mir war jedenfalls Zoxs am besten für Software, Rebuy hat relativ gute Preise für CDs bezahlt und Momox war häufig bei Büchern vorne und bei Landkarten (ich habe jede Menge Reiseliteratur ausgemistet). Die Ergebnisse im Einzelnen:

Momox Rebuy Zoxs
Mindestsumme (Euro) 30 10 10
erreicht 212,59 51,60 210,70
Anzahl Gegenstände 97 33 13
Eingangsbestätigung (Tage) 1 1 1
Eingang Geld (Tage) 7 13 14

Die erste Überweisung erreichte mich eine Woche nachdem ich die drei Pakete zur Post geschleift hatte. Das Geld kam von Momox und hier lief alles reibungslos. Zeitgleich – nämlich nach einem Tag – haben zwar auch reBuy und Zoxs den Eingang meiner Pakete per E-Mail bestätigt. Bei reBuy musste ich dann aber erst noch auf die Webseite gehen und meine Kundendaten um die Bankverbindung ergänzen. Und bei Zoxs wollte man eine eidesstatliche Erklärung, dass ich mein Microsoft Outlook auch wirklich gelöscht habe und nicht etwa weiter benutze. Außerdem waren ärgerlicherweise zwei Bücher (beide in Top-Qualität) abgelehnt worden, für die ich beim vorherigen Einscannen ein festes Angebot bekommen habe. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, habe ich nicht auf einer Rücksendung bestanden und für diese beiden Bücher das „Angebot“ von jeweils 0 Euro akzeptiert. Unterm Strich kamen also bei der ganzen Aktion knapp 500 Euro heraus, und gedauert hat die Prozedur an die 20 Stunden. Der Stundenlohn von 25 Euro ist also eher grenzwertig. Dennoch würde ich es beim nächsten Umzug wieder so machen. Ich habe meinen Hausstand verkleinert, etwas mehr Übersicht und Platz gewonnen, die Umzugshelfer entlastet und am Ende ist sogar noch dieser Erfahrungsbericht für meinen Blog herausgesprungen, den Ihr hoffentlich nützlich findet!

Ein Nachruf auf Oasis

Vorwarnung: Bevor Ihr Euch jetzt fragt, was denn der Michel genommen hat, dass der auf einmal so ganz anders schreibt, werft bitte einen Blick auf die Autorenzeile. Der folgende Text stammt von nämlich von meinem Freund Grillo und der hat nicht nur ein paar Jahrzehnte lang den Musikexpress gelesen und sich auf ungezählten Konzerten herum getrieben. Nein, Grillo ist auch Meinungs- und Ausdrucksstark, wie der folgende Abgesang auf Oasis beweisen dürfte. Ich freue mich, nicht einsam durch´s Weltall eiern zu müssen und habe dem Kerlin der Hoffnung auf weitere Beiträge gleich eine eigene Kategorie eingerichtet. Sie heißt Grillo´s Planet. Und jetzt enttäusche uns nicht, Mann…

Don’t look back in anger

Ich habe sie geliebt! Seit ich das erste mal „Wonderwall“ gehört hab, habe ich sie geliebt. Weil ich so was nicht kannte, weil sie mir zeigten dass es Britpop gibt und weil das einfach großartig war. Liam und Noel Gallagher, zwei Brüder aus Manchester und noch ein paar Typen, die keiner braucht und die kamen und gingen ohne dass es einer wirklich bemerkt hätte. Ich war hin und weg von dem Album „What´s the story…„, sog es in mich auf und kaufte mir gleich hintendrauf „Definetely maybe“.

Schon stand ich das erste Mal hilflos vor Oasis. Das Debut-Album, hochgelobt, aber warum eigentlich? Ich weiß es bis heute nicht. Es ist okay, mehr nicht. Bald stellten sich erste Anzeichen von Größenwahn bei den beiden ein. Sie fingen an, sich albern mit Damon Albarns Blur zu fetzen (um am Ende doch den Kürzeren zu ziehen) und fanden sich größer als die Beatles von denen sie so gerne ihre Ideen klauten.

Es erschien „Be here now“ auf dem tonnenschwere Erwartungen lagen und ich fand mich mit meinen Zweifeln plötzlich in bester Gesellschaft wieder. Großartig, genial und ein würdiger Nachfolger befanden die einen, gaben die volle Punktzahl. Überambitioniert, überproduziert und blutleer fanden die anderen, was sie mit einem einzigen niederschmetternden Stern abstraften. Trotzdem hatten sie mit „Stand by me“ und „All around the world“ nochmals allen Dummbrazzen und Neidhammeln gezeigt wo der Hammer hängt. Aber der absaufende Rolls Royce im Pool auf dem Cover sollte mehr als nur ein Fingerzeig sein!

Was folgte machte es mir nicht leichter Oasis-Fan zu bleiben. Suff, Prügelein, Rumgedisse gegen den Rest der Welt. Kann man machen, muss man aber nicht. Streit zwischen den Brüdern und ein desaströses MTV unplugged, das uns schmerzlich zeigte, dass Noel so gar nicht singen kann, haben meine Nerven arg strapaziert. Liam hatte es vorgezogen sich nach einer Wohnung für sich und seine neue Perle umzusehen. Ich glaube der Alkohol und andere bewusstseinsverändernde Substanzen hatten schon damals seinen Bezug zur Realität weitestgehend geschluckt.

Danach kam ein Album nach dem anderen, immer wieder mit kurzen hellen Momenten, manche davon genial, aber insgesamt deutlich in der Abwärtsbewegung wenn nicht sogar im freien Fall. Es wurde zäher und zäher und irgendwann schrieb ein schlauer Mensch, „sind wir doch mal ehrlich, das letzte gute Oasis-Album ist sieben Jahre her. Da kommt jetzt nichts mehr, man muss auch loslassen können.“ Dieser Satz traf mich hart aber sprach mir aus der Seele. Ich musste es erst lesen um es zu begreifen.

Den nächsten beiden CDs trat ich mit großem Sicherheitsabstand entgegen und versuchte nicht allzu sehr darüber enttäuscht zu sein, was mir glücklicherweise auch gelang. Das Ding war durch. Ich stellte Oasis auf einen Sockel in den Park, denn unter einer dicken Schicht Taubendreck verwischen sich die Grenzen zwischen Realität und Verklärung. Wohlwollend. Ab jetzt darf die Erinnerung ihren Beitrag zur Legendenbildung leisten. Noel Gallagher hat Oasis ein Ende gesetzt. Grund war, wir ahnen es bereits, Zoff mit seinem Bruder, der ihm eine Gitarre zertreten haben soll. Und eigentlich war das Ende längst überfällig, um nicht als lächerliche Dinos durch die Welt zu tingeln, um nicht als Deep Purple zu enden, die bei Rock am See für sie den Headliner(!) gaben.

Ihr zwei, vertragt Euch wieder aber bitte lasst Oasis in Frieden ruhen. Ihr sollt nicht enden wie Deep Purple, deren Reunion vor 25 Jahren schon überflüssig war wie’n Kropf und die (warum wohl?) innerhalb von 24 Stunden für Euch einspringen konnten. So, ich geh jetzt an den CD-Player, leg diese eine CD ein, drück Song 4 und spul auf 4:20 vor. Und wenn ich dann loslasse, dann ist für einen Moment wieder alles gut. „and don’t look back in anger, don’t look back in anger, I heard you say“.

Kurze Pause – Noel streichelt noch mal zärtlich seine Gitarre (bitte nicht die!) und eine Wand aus Streichern mindestens so breit wie der Ärmelkanal schmeißt uns raus. Das ist groß, das wird für immer groß bleiben! You’ll never walk alone, aber das ist ne andere Stadt, mit ner anderen großen Band…