Costa Rica Update 08 – Selva Bananito Lodge

Heute geht´s mal weniger um die Suche nach einem Wohnsitz, sondern eher um Natur im Allgemeinen und Ökotourismus im Besonderen. Da Ökotourismus einschließlich der Vogelbeobachtung eine der Haupteinnahmequellen des Landes ist, findet man zahlreiche Lodges, die sich auf Verrückte wie mich spezialisiert haben.

Eine davon ist die Selva Bananito Lodge, am Fuße des Talamanca-Gebirges auf der karibischen Seite von Costa Rica und an der Grenze zum riesigen Nationalpark La Amistad, den man sich mit Panama teilt. Zu erreichen ist die Lodge ab Bananito Sur nur über eine ca. 15 Kilometer lange Allradpiste inklusive Durchquerung eines breiten und mehrerer kleiner Bäche. Wieder darf ich mich fühlen wie auf der Camel Trophy – und schiefgehen kann ja eigentlich nichts, weil die Betreiber der Lodge zur Not noch ein paar ernsthafte Geländewagen haben, um einen abzuholen.

Gerne erzählt der deutschstämmige Besitzer Jürgen Stein die Geschichte des Anwesens mit seinen 850 Hektar (!) Land, die der Vater hier 1974 den Einheimischen abgekauft hat. Der in Kolumbien nach dem ersten Weltkrieg eingewanderte Papa war ein erfolgreicher Agarunternehmer hatte sich aber wegen drohender Entführung / Schutzgelderpressung entschlossen, mit seiner Familie das Land blitzartig zu verlassen. Erst wurde die neue Heimat landwirtschaftlich (zur Viehzucht und zum Bananenanbau) genutzt, außerdem wurde auch Holz gewonnen – was man damals halt so unter der Erschließung des Landes verstanden hat. Dies war damals so gewünscht und aus dieser Zeit stammt wohl auch noch eine interessante Klausel im Besitzrecht Costa Ricas: Wer sein Land 5 Jahre lang nicht nutzt / bewirtschaftet, kann den Anspruch darauf verlieren und hat dann angeblich auch keine Handhabe gegen Leute, die dieses Land besetzen. Ich finde, das ist eine recht interessante Auslegung von „Eigentum verpflichtet“, und womöglich eine ganz gute Maßnahme gegen Grundstücksspekulationen. Außerdem ist beim Immobilienerwerb zu bedenken, dass auch ältere Verträge angefochten werden können, insbesondere in Regionen, die als traditionelles „Indianerland“ gelten, und wo die Grenzziehungen nicht eindeutig nachzuvollziehen sind – z.B. weil es noch kein GPS gab, Flüsse ihren Lauf verändert haben etc.). Getrieben wird dies offenbar weniger von den „Ureinwohnern“ (Indigenes), sondern von Anwälten, die sich eine ordentliche Provision aus der resultierenden Abfindung sichern wollen. 

Solche Dinge nebenbei zu lernen ist einer der Gründe, warum sich diese Reise jetzt schon gelohnt hat. Aber zurück zur Geschichte der Lodge – so wie sie vom Sohnemann gerne erzählt wird: Der hatte nämlich als Jugendlicher jede Menge Ökoflausen im Kopf: Bewahrung der Natur, nachhaltiges wirtschaften, Geld verdienen mit Umweltschutz usw., die dem Senior wohl zunächst als Hirngespinste erschienen (eine Kontroverse, die mich ein bisschen an meine eigene Jugend erinnert hat). Jedenfalls haben die beiden sich geeinigt, der Senior lies dem Junior freie Hand, und der Junior hat über die Jahre das Anwesen in ein privates Reservat umgewandelt, eine Stiftung gegründet, eine Cabina nach der anderen hineingestellt, und ein umfassendes „ökotouristisches“ Angebot entwickelt. Hier kann man reiten, lernen auf einen Baum zu klettern, wandern und im Dschungel übernachten, oder einfach „nur“ birden.

Jürgen Stein und seine Angestellten leiden natürlich ebenso unter der Corona-Krise wie das ganze Land. Nur 3 der 19 Hütten waren besetzt, eine US-Reisegesellschaft, die sonst im Alleingang alles belegt hatte, hat die Buchungen storniert. So kam ich mit zwei Schweizer Pärchen in den Genuss einer besonders intensiven Betreuung inklusiver zweier Vorträge. Der eine drehte sich um die letzten hier noch vorkommenden Großkatzen – sowohl Pumas als auch Jaguare, die mit zahlreichen Fotofallen dokumentiert wurden, aber teilweise der Wilderei zum Opfer fielen (oder genauer: Dem Aberglauben reicher, impotenter Chinesen). Jürgens Verbitterung darüber, dass einer der Wilderer unbehelligt von den Behörden im Nachbarort lebt, obwohl er auf Facebook mit einem abgetrenntem Jaguar-Kopf posiert hat, verstehe ich gut. Seine Reaktion – die Schulklassen aus der Umgebung auf die Lodge einzuladen und die Einzigartigkeit dieser Wildkatzen zu erklären – finde ich großartig.

Der 2. Vortrag ist Jürgens neuestem Hobby und Angebot gewidmet: Er bietet Flüge mit dem Gyrocopter an, einer Art Mini-Helikopter mit offener Kabine für 2 Personen. In geringer Höhe hat man ein tollen Blick auf den Regenwald, samt Wasserfällen oder checkt ´mal eben die Lage im 70 Kilometer entfernten Puerto Viejo. Merian, GEO und natürlich das deutsche Fernsehen waren auch schon da, und haben alles ganz toll gefunden. Ich verkneife mir die Frage, wie sich das Rumfliegen mit dem Umweltschutz verträgt. Der Schweizer Kollege pflanzt tags darauf einen Baum (für 20 Dollar), aber meine Skepsis zum Thema Ökotourismus wird damit nicht kleiner. Jeder von uns 5 Gästen muss ca. 20000 Kilometer für die Hin- und Rückreise zurücklegen. Wir fahren mit Geländewagen von Lodge zu Lodge, übernachten in Hotels mit Klimaanlagen (die ich auch häufig brauche), gelegentlich auch mit Pool, selbst in Gegenden absoluter Dürre. Also für meine CO2-Bilanz ist das nicht so toll, und wer glaubt, er könne dies durch eine Zahlung an Plant for the Planet oder ähnliche Firmen wettmachen, dem sei der Artikel „Der Märchenwald“ aus der Zeit empfohlen. Andererseits: Welchen Anreiz hätten Länder wie Costa Rica, die letzten Wildnisse der Erde zu bewahren, wenn Typen wie ich sie nicht dafür bezahlen würden? 

Genug philosophiert für heute: Der freundliche Allen, der hier als Guide und Mädchen für Alles arbeitet, entdeckt im Dunkeln im Baum einen Wickelbär – der erste, den ich in freier Wildbahn sehe. Weniger süß, und lieb, und niedlich ist die Lanzettotter, die einer der Schweizer Kollegen kurz darauf auf dem Weg zu seiner Cabina sieht. Laut Wikipedia ist sie „leicht erregbar, bewegt sich sehr schnell und ist extrem giftig“.  Es ist meine 2. Begegnung mit dieser Schlange. Zwar gibt es hier an die 130 Arten, darunter Dutzende giftige. Die Lanzettotter ist aber für die meisten schwerwiegenden Vergiftungen und Todesfälle verantwortlich, weshalb ich abseits der angelegten Pfade hier nur in Stiefeln unterwegs bin. In meiner Cabina, die auf Holzpfeilern steht, fühle ich mich aber recht sicher und träume schön, mit offenen Verandatüren in Richtung Dschungel. 

Die Lodge ist einer der ganz wenigen Orte in Costa Rica, an dem ich weder Handy-Empfang noch W-LAN hatte – aber das ist Teil von Jürgens Plan. Schon um 5:30 treffe ich mich mit Allen zur Vogeltour auf einem kleinen Rundweg. Er hat ein gutes Auge und ein hervorragendes Spektiv von Swarowski. Am Ende habe ich ca. 35 Vogelarten auf der Liste und wir sind beide happy. Die Selva Bananito Lodge ist ein gelungenes Experiment in Sachen Umweltschutz. Meine Empfehlung hat sie und Jürgen Stein meinen Respekt für seine Weitsicht. Dass ich der Verlockung eines Gyrocopter-Fluges widerstanden habe, möge er mir verzeihen… 

Fortsetzung folgt…

Costa Rica – Update 03 – Ankunft / Santa Ana

Hinweis: Viele der folgenden Adressen sind dem „Stefan Loose Reiseführer Costa Rica“ entnommen, der mir im Quervergleich der beste und aktuellste in deutscher Sprache zu sein scheint. Ich betrachte das Land auch als möglichen Ruhesitz und versuche, das Ganze um eigene Eindrücke in Zeiten von Corona zu ergänzen (siehe Einleitung).

Wer aus Europa kommend in Costa Rica landet, trifft hier meist am Abend auf einem der beiden internationalen Flughäfen ein: Liberia auf der Pazifik-Seite, oder für die meisten am Juan Santamaria-Flughafen, der zwischen der Hauptstadt San Jose und Alajuela liegt. Theoretisch könnte man mit dem Mietwagen gleich weiterfahren in Richtung Küste. Manche Reiseveranstalter organisieren auch die Abholung und einen nächtlichen Transfer zur ersten Unterkunft. Klüger ist es aber, in der näheren Umgebung zu übernachten und vielleicht noch ein paar Tage einzuschieben, um das zentrale Hochland zu erkunden (Valle Central), in dem die Hälfte aller Ticos lebt.

Ich habe mich dabei für die Posada Nena in Santa Ana entschieden, was sich als glückliche Wahl erweisen sollte, denn die wird, wie ich eben bei ein paar Bierchen erfahren habe, vom Hauptautor des obigen Reiseführers  mit seiner venezolanischen Ehefrau Minerva betrieben (mehr dazu). Volker Alsen – so heißt er – dürfte durch seinen Job einer der besten deutschsprachigen Kenner der Landes sein. Er bietet zahlreiche eigene Touren an und ist hervorragend vernetzt, sodass ich ihn mit seinem Insiderwissen sofort angezapft habe.

Das Städtchen Santa Ana, um das es in diesem Bericht hauptsächlich geht, liegt nur 10 Kilometer vom Flughafen entfernt im Speckgürtel der Hauptstadt San José. Der Ort mit seinen 11000 Einwohnern hat alle Annehmlichkeiten der Zivilisation und ist auf einer Höhe von 900 Metern auch klimatisch rund ums Jahr eine Wohlfühlzone. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 30 Grad bei gemäßigten Niederschlägen. Zahlreiche  „Expats„, also gebürtige Ausländer, haben sich hier niedergelassen und genießen die Mischung aus (für uns) erschwinglichen Preisen, Mieten oder Grundstücken und einer Top-Infrastruktur inklusive jeder Menge guter Restaurants und alle erdenklichen Dienstleistungen.

Zum Glück wird Santa Ana trotzdem von Einheimischen dominiert, die mit ihrer freundlichen Art durchaus typische Vertreter ihres Landes sind. Gestern etwa, im beliebten Restaurant „El Coco“ gab´s zu Quesadillas und Bier eine Gesangseinlage der Bedienung, die ebenso wie der Barkeeper unter ihrer Maske die kitschigen Schlager aus der Jukebox mitträllerte. Auch sonst werden die Masken auf der Straße einigermaßen diszipliniert getragen, an Bushaltestellen und anderen Orten, wo es eng wird, sowieso.

Nach der Besichtigung des Ortskerns, der wie jede ordentlich Stadt hier einen zentralen (Treff)platz zum Chillen, für Konzerte o.ä. besitzt, sowie eine katholische Kirche, mache ich einen Spaziergang zum Centro de Conservatión de Santa Ana. Auf dem Gelände einer historischen Farm werden dort diverse Tiere in Käfigen zur Schau gestellt und – wesentlich interessanter – das damalige Leben auf diversen Schautafeln erklärt und in einem kleinen Museum erklärt. Der Pflanzenbestand ist sehr abwechslungsreich, es gibt kleine Schaugärten dazu, und vieles ist ebenfalls beschildert erklärt, allerdings nur auf spanisch. Von außen wirkt es auf den ersten Blick etwas heruntergekommen; doch drinnen gibt es schöne Wege durch den Wald und zu einem kleinen Flüsschen, außerdem einen großen Picknickplatz und offenbar diverse Einrichtungen, um den hiesigen Schülern Natur und Geschichte näher zu bringen. Vögel habe ich natürlich auch gesehen. Unter den 10 Arten, die ich eindeutig identifizieren konnte war auch ein Linienspecht, der mit seiner roten Haube aussah wie ein Punk, sowie ein prächtiger Diademmotmot. Der Park ist sicherlich keines des spektakulären Highlights Costa Ricas, die man gesehen haben muss. Aber als Naturschutzgebiet mitten in der Stadt doch ein Gewinn für die Einwohner und durchaus vorzeigbar (4,2 von 5 möglichen Punkten aus 642 Rezensionen bei Google, dort auch zahlreiche Fotos). Eintritt war 4000 Colones, also gut 5 Euro. Dem stehen gegenüber ca. 7000 Colones (also 8 Euro) im empfehlenswerten und preiswerten Restaurant El Jardin , wo ich mir auf dem Rückweg einen Burrito und ein Bier gönne. Dass die Biere hier ungefähr ein Drittel der Rechnung ausmachen ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber was will man machen, bei der Hitze 😉

Auf dem Weg zum Park fallen mir diverse schicke neue Gebäude auf. Besonders am Santa Ana Town Center mit seinen Geschäften und Restaurants sieht man, dass die Amerikanisierung schon weit fortgeschritten ist. Einen Steinwurf entfernt sind die Santa Ana Flats, ein Appartementkomplex, der hier nahe der Straße steht, und der Wohnungen zum Vermieten anpreist, jedoch erfahre ich nicht, wie viel sie kosten. Ein deutscher Immobilienmakler hatte offenbar eine der Wohnungen dort für $ 340.000 im Angebot, und in einem ähnlichen Apartmentkomplex verlangt man zur Miete $ 750 / Monat. In Deutschland wäre das sicher ein tolles Preis/Leistungsverhältnis, aber für die meisten Einheimischen unerschwinglich. Generell scheinen die Immobilienpreise in diesem angesagten Vorort durch die Decke zu gehen. Ein Makler preist Häuser ab $ 118.000 Dollar an, und dann geht es nach oben bis über 2 Millionen. Als nächstes werden dann wohl die umliegenden grünen Hügel bebaut, wie erste Baustellen andeuten. Der Vorteil solch einer Entwicklung ist natürlich eine hervorragende Infrastruktur, einschließlich jeder Menge Kliniken, Läden und Restaurants. Hmm. Ich stehe ja erst am Anfang meiner Reise, habe noch kaum Vergleichsmöglichkeiten, und enthalte mich daher einer Bewertung.

Fortsetzung…

Apps für Vogelfreunde

Was will man machen, wenn der Lock-Down einem das Leben vermiest? Die Stammkneipe und die meisten Läden sind geschlossen, man darf die Freunde nur noch einzeln empfangen, und hat alle Filme auf Netflix und Amazon schon zwei Mal gesehen.

Hier ist mein Tipp: Gehen Sie raus in die Natur und beobachten Vögel. Das verschafft Bewegung, beruhigt die Nerven und ist lehrreich dazu. Schon in jedem Stadtpark gibt es was zu sehen, und alles, was man braucht ist ein Fernglas und ein bisschen Know-How, das heutzutage kostenlos in Form verschiedener Apps zu haben ist. Unter den Dutzenden dieser Mini-Programme gibt es einige sehr empfehlenswerte, die Ihnen dabei helfen, die Vögel anhand ihres Aussehens, der Verhaltensweise oder ihres Gesanges zu erkennen. Die folgenden fünf habe ich getestet und präsentiere hier meine Rangliste, samt ausführlicher Begründungen. Mit Ausnahme des Kosmos Vogelführer sind sie in der Basisversion alle kostenlos.

Platz 5: NABU Vogelwelt

Orientierungshilfe bei der Vogelbestimmung: Die Einstiegsseite der NABU Vogel-App.

Herausgegeben vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und von den Nutzern bei GooglePlay heute mit durchschnittlich 3,8 von 5 möglichen Punkten bewertet. Zum Einstieg gut geeignet, enthält in der neuen Version Informationen zu 308 regelmäßig bei uns vorkommenden Vogelarten. Die kann man sich anhand der Bilder nach Gruppen (Gänse, Möwen, Falken..) anzeigen lassen, oder alphabetisch nach Artnamen (Alpenbraunelle, Alpendohle…) oder nach Gruppennamen.

Die Seite „Identifikation“ erleichtert die Bestimmung unbekannter Arten. Hier kann man Eigenschaften wie Größe, Umgebung (Habitat), Farbe von Gefieder oder Füßen, oder die Schnabelform jeweils unter mehreren Möglichkeiten anklicken, bis die Zahl der möglichen Vögel auf eine Handvoll geschrumpft ist. Die schaut man sich dann an und hat sehr gute Chancen, seiner Beobachtung einen Namen geben zu können. Die eigenen Sichtungen können samt der Zahl der Vögel erfasst und verschiedenen Orten zugeordnet werden – eine für „Birder“ unentbehrliche Funktion.

Für solche Apps eigentlich unentbehrlich ist die Suchfunktion. Nehmen wir an, Sie glauben, gerade einen Grünfink gesehen zu haben, tippen die ersten Buchstaben ein und landen auf einer Seite mit 5 Bildern, die Männchen und Weibchen darstellen, sowie ein Flugbild. Es folgt die Beschreibung von Aussehen, Verhalten und bevorzugtem Lebensraum; zudem einige Angaben zum Gesang und eine Verbreitungskarte. Sehr nützlich ist die Vergleichsfunktion, bei der man auf einen Blick die Unterschiede etwa zu einem Erlenzeisig oder Girlitz sehen kann. Wer mag, darf weitere Infos wie Tonaufnahmen der Vogelstimmen oder Videos einzeln dazukaufen, oder als Gesamtpacket, was dann aber schon 20 Euro kostet und angesichts der Leistungen anderer, kostenloser Apps eher eine Spende an den NABU darstellt.

Platz 4: NaturaList

Wer hat wann und wo welchen Vogel gesehen? Diese Infos liefert die App NaturaList

Optisch weniger ansprechend als die Konkurrenz, ist diese App eher für fortgeschrittene Vogelbeobachter gedacht, mit der aber auch alle anderen Tierarten erfasst werden können. Dazu muss man sich allerdings auskennen, denn eine Bestimmungsfunktion oder schöne Bilder sucht man hier vergeblich.

Dafür erlaubt die Vernetzung mit Datenbanken wie Ornitho.de es, die Beobachtungen von unterwegs dort automatisch zu speichern. Sie können dann anderen Birdern zugänglich gemacht werden und in wissenschaftliche Untersuchungen einfließen. Das funktioniert auch in die umgekehrte Richtung und dies ist für mich der größte Vorteil von NaturaList.

Nachdem ich mich auf der Webseite registriert und die bevorzugten Gebiete markiert habe, kann ich mir in der App anzeigen lassen, was die Kollegen in jüngster Zeit dort alles gesehen haben. Jede einzelne Beobachtung ist mit einer Ortsangabe versehen, und die wiederum wurde mit Google Maps vernetzt, sodass man sich auch routen lassen kann. Das ist eine sehr schöne Art, gute Beobachtungsgebiete zu entdecken und sie wird noch getoppt durch die Funktion „Rund um mich (selten)“ Ein Blick auf die aktuellen Einträge zeigt mir z.B. Prachttaucher, Eistaucher, Zwergsäger und einen Seeadler. Die Nutzer sind´s offenbar zufrieden: Durchschnittlich erhielt die App auf GooglePlay bisher eine Bewertung von 4,5.

Platz 3: Der Kosmos Vogelführer

Der Klassiker als App: Beschreibung des Wiedehopfs im Kosmos Vogelführer

Basierend auf dem gleichnamigen, meines Wissens besten Bestimmungsbuch für die Vögel Europas (aktuell für € 32 bei Amazon), eignet sich diese App durchaus als Ersatz für den Schmöcker. Sie ist nämlich mit € 14,99 nicht nur billiger, wiegt nichts, und ist per Handy immer am Mann.

Die Informationen zu 900 Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens sind genauso hochwertig und vollständig wie im im Buch, die Qualität der gezeichneten Bilder ist eher noch besser (weil man sie vergrößern kann), und per Suchfunktion findet man seine Piepmätze zudem leichter und schneller. Auch eine gute Bestimmungsfunktion gibt es.  Die habe ich leider lange Zeit übersehen. 

Leicht zu übersehen: Die Bestimmungsfunktion des Kosmos Vogelführers steckt hinter dem rot markierten Symbol.

Mensch Michel! Man muss doch nur auf dem Startbildschirm oben das 2. Symbol von rechts antippen (siehe Bild).

Was noch bietet diese App? Für die meisten Vogelstimmen gibt es Tonaufnahmen inklusive. Videos werden als in-App-Käufe für extra Geld angeboten – die habe ich nicht getestet. Im Zweifel hilft eine sehr gute Vergleichsfunktion, und die gesehen Arten kann man auch in Listen speichern (Import/Export ist möglich).

Für den Austausch mit anderen Vogelfreunden ist diese App ungeeignet. Oder anders gesehen: Sie ist ideal für jene, die ihre Daten für sich behalten wollen. Ich benutze sie vorwiegend, als 2. Autorität, wenn ich mir nicht sicher bin, und als „Backup“ in Gegenden mit schlechtem Empfang, weil alle Funktionen auch offline verfügbar sind. Der durchschnittlichen Nutzerbewertung mit 4,5 von 5 Punkten kann ich mich durchaus anschließen. 

Platz 2: Merlin

Unter allen Apps macht diese hier am meisten Spaß. Sie hat mindestens 10 Mal so viele Bewertungen wie die vorherigen Apps und deren Drchschnitt liegt bei 4,7 von 5 möglichen Punkten! Entwickelt wurde Merlin vom Cornell Lab of Ornithology, der vielleicht besten wissenschaftlichen Institution für Vogelkunde weltweit. Die App ist hierzulande in deutscher Sprache verfügbar, im Gegensatz zu NABU Vogelwelt, NaturaList und Kosmos-Vogelführer funktioniert sie aber (mindestens auf englisch) auch in den USA, Kanada, Mexiko, in den Vogelparadiesen Mittel- und Südamerikas, sowie in Asien und Australien. Im Wesentlichen ist Merlin ein verdammt guter Assistent, der beim Bestimmen hilft. Er stellt dazu nur fünf Fragen:

  • Wo haben Sie den Vogel gesehen? Angenommen wird der aktuelle Standort, man kann aber auf der Karte auswählen.
  • Wann haben Sie den Vogel gesehen? Angenommen wird das aktuelle Datum, das man natürlich für zurückliegende Beobachtungen ändern kann.
  • Wie groß war der Vogel? Nun werden zum Vergleich mehrere bekannte Arten wie Spatz, Amsel oder Gans eingeblendet, zwischen denen man seine Sichtung einordnet.
  • Was waren die Hauptfarben? Nun wählt man bis zu 3 Farben aus 9 Möglichkeiten aus.
  • War der Vogel… (Auswahlmöglichkeit) fressend an Futterstelle, schwimmend oder watend, am Boden, in Bäumen oder Büschen, am Zaun oder Draht, kreisend oder fliegend?

Sofort präsentiert Merlin eine Liste mit Vorschlägen, allesamt bebildert, mit einer guten Beschreibung inklusive dem Gesang zum Anhören. Die Trefferquote ist sehr hoch, und wenn man nicht den richtigen Vogel findet, so liegt es meiner Erfahrung nach häufiger an falschen Antworten auf die Fragen als an der App. Ersteres lässt sich durch eine Korrektur leicht ändern, letzteres durch eine Rückmeldung mit einem Klick erledigen.

Einfach zu bedienen mit hohem Spaßfaktor: Merlin ist der beste Assistent, um Vögel zu bestimmen.

Ebenso faszinierend ist die zweite Möglichkeit, mit Merlin Vögel anhand von Fotos zu identifizieren. Dabei kommen offenbar Techniken der künstlichen Intelligenz und des Deep Learning zum Einsatz – also die Art von Erkennung, mit der China seine Bevölkerung überwacht. Hier aber ist der Zweck ein guter, und die Ergebnisse mindestens so gut wie mit dem Fragespiel. Selbst ziemlich unscharfe Bilder werden akzeptiert und meist richtig gedeutet. Wirklich toll! Bleibt nur das Problem, wie man die Bilder auf´s Handy kriegt, denn mit den eingebauten Kameras alleine wird´s schwer. Mögliche Lösungen sind: Kauft Euch ein Spektiv (also ein Fernrohr das speziell für die Vogelbeobachtung konstruiert wurde), und dazu einen Aufsatz, mit dem man das Handy hintendran schrauben kann. Eine große Auswahl dieser Teile findet ihr auf Amazon, aber lest die Bewertungen aufmerksam durch, denn nicht alles funktioniert so toll, wie es beworben wird. Inzwischen bieten auch viele Kameras die Möglichkeit, Bilder drahtlos aufs Handy zuschicken (ich benutze dafür eine Sony Alpha 6400, aber es geht auch billiger). Wenn Eure Kamera das nicht kann, funktioniert immer noch die 3. Variante: Ihr ladet Eure Bilder auf einen der Clouddienste wie Google hoch, und von dort wieder ´runter auf´s Handy.

Platz 1: eBird

Die Hotspots in meiner Nähe – eine von sehr vielen, sehr nützlichen Funktionen bei eBird.

Der Alleskönner wurde ebenso wie Merlin von den Profi-Ornithologen der Cornell University entwickelt, und die zwei Apps arbeiten auch prima zusammen (wenn man sich bei beiden angemeldet/registriert hat). Als kleinen Vorgeschmack würde ich die Homepage von eBird empfehlen, wo man einen ersten Eindruck von der Qualität dieses Projekts gewinnt. Einige wenige Infos sind bisher nur auf englisch verfügbar, die App ist aber längst eingedeutscht, sodass es hier keine Hürden mehr gibt. Sie wurde mehr als 100000 Mal heruntergeladen und von über 2000 Benutzern mit durchschnittlich von 4,1 von 5 möglichen Punkten bewertet.

eBird kombiniert die Freude am Beobachten und Entdecken mit einem freundschaftlichen und zwanglosen Wettbewerb. „Diese kostenlose Dienstleistung macht es einfach für Sie nachzuvollziehen was sie gesehen haben, während Sie zugleich die Daten der Wissenschaft, Ausbildung und Naturschutz zur Verfügung stellen“, heißt es in den Infos zur App.

In Form von Checklisten kann jeder Benutzer an jedem Ort eintragen, was er gesehen hat. eBird weiß, welche Vögel hier am häufigsten vorkommen, und setzt diese nach oben auf die Liste, die Seltenheiten weiter unten. Die Merkmale der Vögel, ihr Gesang, Verbreitungsgebiet etc. sind nur einen Knopfdruck entfernt; was auf Merlin identifiziert wurde, kann an eBird übergeben werden. Es gibt Ranglisten, wer wo die meisten Vögel gesehen hat, und – ganz toll – die Möglichkeit, sich Hotspots (also Gegenden mit besonders vielen Arten) anzeigen zu lassen. Dies funktioniert schon aus der App heraus ganz prima, und von der Webseite aus kann man damit einen Traumurlaub für Birder planen, so wie ich es gerade für Costa Rica getan habe. Zu jedem Hotspot findet sich die Gesamtzahl der gesehen Arten, und welche dort wann und von wem beobachtet wurden.

Mir macht es großen Spaß mit buchstäblichen Hunderttausenden Gleichgesinnter zu diesem wissenschaftlichen Projekt beizutragen, aus dem schon Hunderte von Veröffentlichungen hervorgegangen sind. Mit dem Datenschutz sehe ich übrigens keine Probleme. Man kann nämlich auch als „anonymer eBirder“ teilnehmen, und ob man ein Profil anlegt oder teilt ist jedem selbst überlassen. Also worauf warten Sie noch? Probieren Sie es aus und hinterlassen Sie gerne ihre Erfahrungen hier, oder wir treffen uns bei eBird.

Hügel um Offenburg – Kammweg Ohlsbach

Ok, nachdem ich bei Offenburg nur einen echten Dreihunderter gefunden habe, kommen jetzt die Vierhunderter ´dran.  Wieder fange ich mit dem Kartenstudium an. Gut lesbar, reiß- und wasserfest ist die Rad- und Wanderkarte „Kinzigtal im Schwarzwald“.  Die hat zwar nur einen Maßstab von 1:50.000, dennoch finde ich dort im Planquadrat nördlich von Gengenbach das Scheibenköpfle (466 Meter), das in der Open Street Map noch nicht verzeichnet ist, und deshalb auch vom Navi in meiner Garmin-Uhr Fenix 5 Plus nicht gefunden wird. Recht prominent und zwischen zwei Mountainbike-Strecken findet sich das Scheibenköpfle auch in der Karte „Offenburg und Renchtal“ (Maßstab 1:30.000). Man hätte das auch als Hinweis nehmen können, dass der Hügel möglicherweise mit dem Rad nicht so ohne weiteres zu erreichen ist – aber so schlau war ich halt nicht…

Jedenfalls erfahre ich nach einiger ´rumgoogelei, dass das Scheibenköpfle wohl früher einmal der Austragungsort des Scheibenschießens war, ein Fasent-Brauch, der mittlerweile als „Schiewerädli-Schießen“ direkt oberhalb von Ohlsbach stattfindet. Im Wesentlichen geht es darum, brennende Holzscheiben der Dame seines Herzens oder anderen hochverehrten Personen zu widmen, und diese  (die Holzscheiben, natürlich) dann mehr oder weniger gekonnt bergab zu schlagen, sodass sie eine feurige Spur am Himmel hinterlassen.

Die Anfahrt von Offenburg zum Scheibenköpfle mit dem Mountainbike führt auf Radwegen über Ortenberg nach Ohlsbach und dort von der Ortsmitte über das Mühleckle in den Wald auf den Kammweg, der an der Gemarkungsgrenze zwischen Ohsbach und Gengenbach verläuft. Der erste Teil ist wunderbar zu fahren, dann kommen immer wieder extrem steile Passagen auf denen man das Bike vor sich her drücken muss (oder man ist gleich so schlau, das Fahrrad stehen zu lassen und den Kammweg bis zum Brandeck-Lindle und zurück zu erwandern). Ziemlich viel Schweiß habe ich dabei an einem Nachmittag im August vergossen, wurde aber belohnt mit Einsamkeit, Wald, und dem gelegentlichen Ausblick über Ohlsbach in das untere Kinzigtal.

Der Bonus für mich war, dass ich nicht nur das Scheibenköpfle erreicht habe, sondern auf dem Weg dahin auch noch zwei weitere „Gipfel“, die auf meinen Karten nicht verzeichnet waren: Hoher Stein (409 M, Geokoordinaten 48,43876618,0166562) und Buchenkopf (460 M, 48,4448438, 8,0206604). Dabei muss man für Ersteren fast schon kraxeln, während Zweiterer halt eher flach ist und „nur“ die höchste Erhebung auf einem Teil des Kammweges darstellt. Beim Hohen Stein gibt´s zwei Betonhocker zum Ausruhen und beide Stellen sind mit Holzschildern und Höhenangaben markiert.

Während der Tour habe ich mich ein bisschen wie Humboldt gefühlt, der auch so einiges „entdeckt“ hat – obwohl natürlich die Einheimischen ihre Hügel schon seit grauer Vorzeit kannten. Jedenfalls bin ich dann noch zum Hauptziel des Tages weitergeradelt, dem Scheibenköpfle (Geokoordinaten 48,4491457, 8,0225519), und dann weiter zum Brandecklindle und auf der anderen Seite des Berges hinunter nach Durbach und zurück nach Offenburg. So ganz perfekt ist diese Entdeckertour noch nicht, daher verlinke ich hier auch noch nicht auf den GPS-Track. Das hole ich dann nach, wenn ich die Strecke in der Gegenrichtung gefahren bin und meine Vermutung sich bestätigt, dass man dabei größere Teile des Kammwegs auf zwei Rädern schaffen kann. Einstweilen habe ich die „fehlenden Berge“ jedenfalls bei Open Street Map eingetragen.

Naturkatastrophen – Eine Bilanz

Acht Millionen Tote und umgerechnet mehr als sechs Billionen Euro Schaden. Dies ist die Bilanz aller großen Naturkatastrophen im Zeitraum von 1900 – 2015. Zusammengerechnet hat diese Zahlen James Daniell vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und dafür gebührt dem australischen Geophysiker ein großer Dank. Die von Daniell entwickelte Datenbank CATDAT soll Regierungen und Hilfsorganisationen beim Abschätzen des Ausmaßes einer Katastrophe und dem Katastrophenmanagement unterstützen, entnehme ich einer Pressemitteilung.

Für mich bietet das Zahlenwerk vor allem eine solide Grundlage, um langfristige Trends zur erkennen. Nützlich ist die Zusammenstellung aber auch für Vergleiche zwischen den Folgen von Naturkatastrophen einerseits und menschlichem Versagen andererseits.

35000 Ereignisse wurden erfasst und deren wirtschaftlicher Schaden geschätzt. Den größten Anteil mit etwa einem Drittel hatten dabei Flutkatastrophen, gefolgt von Erdbeben (ein Viertel aller Schäden) und Stürmen. Letztere verursachen in der Gesamtbilanz ein knappes Fünftel aller Schäden, Tendenz steigend.

Schäden durch Naturkatastrophen 1900 - 2015 (James Daniell, KIT)
Schäden durch Naturkatastrophen 1900 – 2015 (James Daniell, KIT)

Die Analyse zeigt allerdings auch, dass der Anteil der Schäden im Verhältnis zum Gesamtwert der Besitztümer kleiner geworden ist. Daniell bestätigt eine wichtige Erkenntnis: Wohlstand bringt Sicherheit. In seinen eignen Worten: „Grundsätzlich sind weniger entwickelte Länder durch Katastrophen verwundbarer, das heißt – bezogen auf Bevölkerungszahl und Vermögen – sind mehr Tote und ein höherer wirtschaftlicher Schaden zu befürchten als in besser entwickelten Ländern“, so der Geophysiker und Bauingenieur. Ein häufiger Grund sei, dass entsprechende Baurichtlinien nicht umgesetzt würden. Zudem bildeten, wie etwa in Bangladesh, die Küstenregionen die wirtschafltichen Zentren und sind entsprechend stark besiedelt. Hochwasserschutz wirkt und senkt die Schadensbilanz – so lautet eine weitere wichtige Erkenntnis.

Das „Preisschild“ von annähernd sechs Billionen Euro für alle Schäden im Untersuchungszeitraum ist natürlich nur eine Schätzung. Je nachdem, ob man die unteren oder oberen Werte nimmt, ergibt sich ein Spanne zwischen € 5,8 und € 12,5 Billionen. Die teuerste Naturkatastrophe war das Tohoku-Erdbeben am 11. März 2011 in Japan. Es hat einen Tsunami verursacht, der 18500 Menschen das Leben kostete und 450000 obdachlos machte. Außerdem war dieses Erdbeben der Auslöser für die Reaktorkatastrophe von Fukushima.

Lesefutter für Vogelfreunde

Unter vielen der Beste: Der neue Kosmos Vogelführer ist das einzige Buch, das Sie brauchen, um sämtliche bei uns vorkommenden Piepmätze zu bestimmen und außerdem alle Arten, die beim Urlaub in Europa, Nordafrika und Vorderasien an Ihnen vorbeifliegen, -wackeln oder -schwimmen könnten. 758 Arten auf 400 Seiten, mit mehreren Tausend Zeichnungen plus Verbreitungskarten ist dieser Schmöker die „Bibel aller Birder“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu Recht urteilte.

Wo fliegen sie denn? Wer sich nicht damit begnügen mag, Vögel am winterlichen Futterhäuschen, am Ententeich im Park oder hinter Draht im Zoo zu beobachten, wird begeistert sein von der Kosmos Naturführer-Reihe „Vögel beobachten in…“. Ich habe mich von Christoph Moning und Christian Wagner mit „Vögel beobachten in Süddeutschland“ dazu verführen lassen, einige der „besten Beobachtungsgebiete zwischen Mosel und Watzmann“ aufzusuchen. In übersichtlichen Karten sind nicht nur Anfahrtswege und Parkmöglichkeiten dargestellt, sondern auch Rundgänge und Wanderungen mit exakten Markierung für jene Stellen, an denen es beispielsweise Eisvögel oder Neuntöter, Blaukelchen oder Beutelmeisen zu sehen gibt. Wer das Pech hat, nicht in Süddeutschland zu wohnen, braucht nicht traurig zu sein: Das Konzept war offensichtlich so erfolgreich, dass in kurzer Folge auch Bücher für den Rest von Deutschland vorgelegt wurden, nämlich „Vögel beobachten in Nordeutschland: Die besten Beobachtungsgebiete zwischen Sylt und Niederrhein“ und  „Vögel beobachten in Ostdeutschland: Die besten Beobachtungsgebiete zwischen Rügen und Thüringer Wald

Geadelt für seine Naturfilme: Sir David Attenborough (Foto: www.wildscreen.org, (c) 2003)
Geadelt für seine Naturfilme: Sir David Attenborough (Foto: www.wildscreen.org, (c) 2003)

Eigentlich wollte ich hier ja nur über den Glatzköpfigen Bülbül erzählen. Aber nachdem Sie mir nun schon so weit gefolgt sind, schreibe ich einfach weiter und lobe noch einen Menschen über den grünen Klee, der die für mich eindrucksvollste Doku-Serie über die Vogelwelt produziert hat: Was für die Deutschen Bernhard Grzimek ist der geadelte Tierfilmer Sir David Attenborough für Großbritannien und darüber hinaus.

Mit seinen unnachahmlichen, gleichermaßen liebenswerten wie lehrreichen Moderationen zu Filmaufnahmen auf höchstem technischen Niveau hat der mittlerweile 82-jährige sich eine riesige Fangemeinde erobert. Die schlechte Nachricht ist, dass Attenboroughs Werke in Deutschland (und auf deutsch) nur zum Teil erhältlich sind und dann oft nur zu überhöhten Preisen. So kostet das deutsche DVD-Set zur BBC-Reihe „Das geheime Leben der Vögel“ stolze 116 Euro. Nicht viel besser sieht es mit den Büchern zur Serie aus. „Das geheime Leben der Vögel“ wird wohl nicht mehr gedruckt und muss ebenso wie das englische Original „The Life of Birds“ z.B. bei Amazon indirekt über Zweitanbieter erworben werden.

Mein Tipp lautet daher 1. Abwarten und die TV-Zeitschrift studieren, bis einer unserer Staatssender sich bequemt, neben den Unmengen von Gebühren-finanziertem Müll auch Attenboroughs Vogel-Serie zu wiederholen. Dann mitschneiden und aufheben für einen schönen, lehrreichen und unterhaltsamen Familienabend. Und der zweite Tipp: Da es noch jede Menge andere Bücher und Filme (als DVDs) von David Attenborough gibt, suchen Sie sich diejenigen aus, die zu fairen Preisen angeboten werden. Meine Favoriten sind die DVD-Box „Verborgene Welten – Das geheime Leben der Insekten“ und das Buch „Das geheime Leben der Pflanzen„. Der dritte Tipp lautet: Lernen Sie englisch und genießen Sie Attenborough im Original. Oder umgekehrt: Genießen Sie Attenborough im Original und lernen Sie dabei englisch. Am besten und – im Vergleich zu den obigen Angeboten – auch noch äußerst preiswert geht das mit: „David Attenborough: The Life Collection„. Die von der BBC veröffentlichte Sammlung von Meilensteinen des Naturfilms umfasst auf 24 DVDs acht von neun „Life“-Serien Attenboroughs, nämlich Life on Earth (1979), The Living Planet (1984), The Trials of Life (1990), Life in the Freezer (1993), The Private Life of Plants (1995), The Life of Birds (1998), The Life of Mammals (2002) und Life in the Undergrowth (2005). Es fehlt lediglich die jüngste Produktion „Live In Cold Blood“ über Amphibien und Reptilien und die ist – sorry Sir David – zwar ebenfalls gut, aber für mich längst nicht so toll wie die Vögel-, Pflanzen- und Insektenserie.

Erderwärmung ohne Pause

Ausgerechnet ein Außenseiter hat offenbar einen Rechenfehler der Klimaforscher gefunden und beim Nachrechnen festgestellt, dass die Erde sich in den vergangenen 15 Jahren sehr wohl weiter erwärmt hat. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil eines der am meisten genannten Argumente der Klimaskeptiker lautet, dass die globale Erwärmung in den vergangenen 10  – 15 pausiere, was in Widerspruch zu den Modellen stehen würde.

Wie das Wissenschaftsmagazin Science meldet, hat  Kevin Cowtan, ein skeptischer, aber mathematisch beschlagener Kristallograph sich des Problems angenommen: Dabei hat Cowtan (angeblich) gezeigt, dass im fraglichen Zeitraum sehr wohl eine Temperaturerhöhung statt gefunden hat, die deutlich höher ist als bislang berechnet und die im (unteren) Bereich dessen liegt, was die Klimamodelle vorhersagen. Der Fehler soll darauf beruhen, dass sowohl ein britisches Forscherkonsortium als auch die NASA fehlende Daten hauptsächlich in der Arktis durch falsche Extrapolation aufgefüllt haben. Überprüft hat Cowtan sein Modell, indem er die bekannten Daten vieler Messstationen weggelassen und aus Daten der benachbarten Stationen extrapoliert hat. Im Vergleich zu den Modellen der Briten und der NASA hat der Außenseiter dabei die fehlenden Temperaturdaten wesentlich genauer errechnen können.

Bericht zum Klimawandel

Mehr als 2000 Seiten umfasst Teil 2 des jüngsten Berichtes der tonangebenden Vereinigung von Klimaforschern. Eigentlich gehören die Schlussfolgerungen des  Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in jeden Lehrplan, de facto dürfte jedoch selbst den meisten Umweltschützern die Zeit fehlen (und die Sprachkenntnisse), um sich den Stand der Wissenschaft im Original durchzulesen. Deshalb verlinke ich hier lediglich auf die Webseite mit sämtlichen Berichten des IPCC. Für ganz Eilige geht es hier zur Zusammenfassung.

Außerdem möchte ich hier drei Kollegen zu Wort kommen lassen, die bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung, bei der Süddeutschen Zeitung und beim Spiegel jeweils das Thema Umwelt & Klima bearbeiten:

Joachim Müller-Jung, den ich eher als Klima-Skeptiker einschätze, hebt hervor: „Bislang jedenfalls beeinflussen nach Aussagen der Forscher andere Faktoren wie Altersstruktur, technische Fortschritte, Wohlstandsentwicklung und staatliche Regelungen die meisten Wirtschaftssektoren noch immer deutlich stärker als der Klimawandel.“

Christopher Schrader in der Süddeutschen Zeitung, den ich als sehr gewissenhaften und kompetenten Kollegen kenne, zitiert einen der Vorsitzenden des Weltklimarates mit „Die Risiken häufen … und verstärken sich“, und er fast seine Auswertung des Berichts so zusammen: „Acht zentrale Risiken nennen die Forscher. Dazu gehören größere Unsicherheiten bei der Nahrungsmittelversorgung, weil Getreide wie Weizen und Mais schon jetzt im globalen Maßstab unter der eingetretenen Erwärmung leiden. Auch das Trinkwasser wird wohl Probleme bereiten, weil die verfügbaren Mengen zurückgehen; das droht auch in Industrieländern etwa am Mittelmeer. Zudem könnte praktisch überall die Aufbereitung von Abwasser in Kläranlagen schwieriger werden. Hitzewellen werden zur Gesundheitsgefahr für die Bewohner großer Städte – und für alle, die draußen arbeiten müssen. Weiter auf der Liste: Wetterextreme, die in vielen Ländern kritische Infrastrukturen wie das Strom- oder Trinkwassernetz beschädigen können. Und schließlich der Anstieg des Meeresspiegels, der auch größere Sturmfluten mit sich bringt. Sie bedrohen das Leben und die wirtschaftliche Existenz von Bewohnern vieler Küstenregionen. Manche Ökosysteme werden vermutlich in Zukunft nicht mehr existieren oder nur noch stark eingeschränkt funktionieren, heißt es im Bericht: Dazu gehören vor allem die tropischen Korallenriffe und die Arktis. Mit den Ökosystemen sind aber die Menschen bedroht, die in ihnen leben.

An der Natur lässt sich am besten erkennen, was der Klimawandel heute schon angerichtet hat. Das zeigt der Bericht verlässlicher als je zuvor: Zugvögel verschieben ihre Routen und Reisetermine, Arten verlegen ihre Lebensräume, wo es möglich ist, in kühlere Regionen – und werden seltener, wo das nicht so einfach geht. Zwar gibt es unter Tieren und Pflanzen auch einige Gewinner des Klimawandels. Wegen der dadurch ausgelösten Unsicherheiten wollten die Forscher keine Zahl der Arten mehr schätzen, die durch den Klimawandel wohl aussterben werden. Aber insgesamt rechnen die Wissenschaftler damit, dass viele Arten unwiederbringlich verloren gehen – wie schon bei früheren Klimaveränderungen in der Erdgeschichte, obwohl diese weit langsamer vonstatten gingen.“

Schließlich noch Axel Bojanowski bei Spiegel online, wo man mit der Schlagzeile aufmacht: „UNO sieht Fortschritte im Kampf gegen globale Erwärmung“. Das ganze ist garniert mit zahlreichen weiterführenden Links und enthält für Europa folgende Vorhersage: „Wahrscheinlich: mehr Flusshochwasser, Extremregen, Wasserknappheit im Süden. Möglich: mehr Hitzewellen.“

Ein ziemlich warmes Jahr 2013

Nicht erst seit gestern sorge ich mich um unsere Umwelt. Und es nervt mich, wenn die Leute mit Verweis auf einen kalten Winter hier oder einen verregneten Sommer dort alle Klimaforscher für Spinner erklären oder gar von einer Verschwörung reden. Deshalb möchte ich hier einfach auf eine Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes verweisen: „Der Klimarückblick für das vergangene Jahr zeige: 2013 lag weltweit bei der Mitteltemperatur mit einer globalen Abweichung von etwa 0,5 Grad erneut deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von etwa 14 Grad Celsius (°C). Es gehörte damit zu den zehn wärmsten Jahren seit etwa 1850. Der DWD weist auf einen weiteren „negativen“ Rekord hin: In der Nordhemisphäre war der 30jährige Zeitraum von 1983 bis 2012 wahrscheinlich der wärmste der vergangenen 1 400 Jahre. In Deutschland lag die Jahresmitteltemperatur 2013 bei 8,7 °C und damit um 0,5 Grad über dem Soll der Referenzperiode 1961-1990. Es war damit „nur“ das 40. wärmste Jahr seit 1881. Der Winter 2013/14 fiel dann allerdings mit einem Plus von 3,1 Grad deutlich zu mild aus. In den vergangenen 30 Jahren waren in Deutschland lediglich sechs Jahre zu kalt, in den zurückliegenden 20 Jahren waren es sogar nur zwei Jahre. Zudem ist es seit dem Ende der Referenzperiode 1961-1990, also in den vergangenen 23 Jahren, um 0,4 Grad wärmer geworden. Seit Beginn der inzwischen 132jährigen deutschen Temperatur-Zeitreihe sogar um gut 1,2 Grad. Es bestehe deshalb kein Anlass von einem Ende der allgemeinen Erwärmung auszugehen.

Tödliche Luftverschmutzung

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation fordert die Luftverschmutzung mehr als doppelt so viele Tote, wie bisher angenommen und ist damit zum größten Umweltrisiko geworden. Sieben Millionen Menschen verstarben im Jahr 2012 an den Folgen der Luftverschmutzung. Am schlimmsten betroffen sind Südost-Asien und der westpazifische Raum, berichtet unter anderem das Deutsche Ärzteblatt. Bemerkenswert fand ich vor allem, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle auf Luftverschmutzung im Haus zurückgeht, vor allem weil dort aus Kohle, Holz und anderen Biomaterialien Ruß freigesetzt wird.

Während in den Entwicklungsländern bessere Brennstoffe und Lüftungen Leben retten könnten, sind es bei uns wohl eher Filter für Kohlekraftwerke. Aber auch Umweltzonen können die Feinstaub-Belastung reduzieren, wie eine Studie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS), anhand der Umweltzone in Leipzig gezeigt hat. Dies sei „die erste wissenschaftliche Publikation zu Umweltzonen in Deutschland, die sowohl Ruß als auch ultrafeine Partikel beleuchtet“, sagen die Forscher. Sie erinnern daran, dass Ruß und ultrafeine Partikeln als bedeutendes Gesundheitsrisiko gelten. Für beide Faktoren sei ein deutlich abnehmender Trend festzustellen. Mehr dazu…