Seelbach

Vorgestern war ich wieder mal in diesem schönen Ort (per Rennrad), für den ich gerne ein wenig Reklame mache: Seelbach liegt im Schuttertal und gehört zur Ortenau in Baden. Es hat knapp 5000 Einwohner und ist als Luftkurort anerkannt. Am Ortsrand fließt die Schutter durch, und auf einem Hügel thront in östlicher Richtung die Burgruine Hohengeroldseck. Erwähnt wurde Seelbach erstmal 1179, damals als Besitz des Klosters St. Georgen.

Landschaft bei Seelbach am Westrand des Schwarzwaldes

Essen kann man in Seelbach im Bären mit badischer Küche und großen Portionen – zumindest bei Google ist es das beliebteste Restaurant im Ort. Auch der günstige Italiener Belmondo scheint empfehlenswert. Einer von mehreren Gasthöfen, der sich Deutschlands ältester nennt, liegt in Richtung Biberach an der Bundesstraße auf der Passhöhe. Allerdings ist die Herberge zum Löwen, die seit 1231 belegt war, aktuell geschlossen.  Geöffnet ist dagegen trotz Corona das Freizeitbad in Seelbach. Vor allem lohnt sich ein Besuch aber für Mountainbiker, Rennradfahrer und Wanderer.

So liegt Seelbach an der 4. und letzten Etappe des Schwarzwald-Querweges von Rottweil nach Lahr. In östlicher Richtung trifft sich dieser Weg auf 500 Metern Höhe am Sodhof mit dem Kandel-Höhenweg. Um 1900 war der Sodhof noch ein Sudhaus, zu dem der Gerstensaft mit Pferdegespannen angeliefert wurde. Heute ist es eine beliebte Gartenwirtschaft (Montag und Dienstag geschlossen).

In der Radkarte für den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, die unter dem Titel „Sagen und Mythen der Ortenau“ 30 magische E-Bike- und Tourenradstrecken verspricht, starten und enden gleich 3 dieser Touren in Seelbach, jeweils an der Sporthalle:

    • die 46,5 Kilometer lange „Geroldseck-Tour“ wird gerade noch als leicht eingestuft. Sie führt über Lahr am Rande des nördlichen Zipfels des „Vorgebirges“ entlang, dann über Gengenbach und Biberach nach länglichem Anstieg unter die Burgruine Geroldseck, die der Tour ihren Namen gab, und zu der man einen Abstecher machen sollte. Zurück auf der Passhöhe am Denkmal auf der Alten Landstraße bergab hat man zurück in Seelbach 315 Meter Gesamtanstieg geschafft.
    • die 31 Kilometer lange „Silbererz-Tour“ ist schon etwas schieriger, denn sie hat 420 Höhenmeter. Sie führt zunächst auf die Passhöhe nach Schönberg, ins Kinzigtal nach Biberach und von Steinach wieder bergauf bis zum Langbrunnenpass, von wo man abwärts durch das Schuttertal zurück nach Seelbach gelangt.
    • Die „Grüselhorn-Tour“ mit ihren 47 Kilometern Länge und 560 Höhenmetern ist mittelschwierig. Der Anstieg ist zum größten teil auf den 12 Kilometern zu bewältigen und führt das Schuttertal hinauf. Dann biegt man ab in Richtung Ettenheim um kurz davor in nördlicher Richtung nach Schmieheim zu fahren, wo sich eine Rast in der Brauerei anbietet. Weiter geht´s am Waldrand entlang über Kippenheim, Sulz und schießlich ab Lahr entlang der Schutter stromauf zurück zum Ausgangspunkt.

Hagia Sophia

Wie kann das sein? Wie konnten die Menschen im 6. Jahrhundert binnen 5 Jahren solch ein Bauwerk erstellen? Mir ging es wie den meisten Besuchern der Hagia Sophia in Istanbul: Schon beim Eintritt überfiel mich eine Mischung aus ungläubigem Stauen und Demut. Und genau so sollte das wohl sein. Die Hagia Sophia ist ein Monument, das den Glauben an Größeres fördert. Ganz egal, ob man zum Beten hingeht, oder mit der Volkshochschule. Das Gotteshaus zählt noch heute zu den imposantesten Gebäuden der Menschheitsgeschichte. Ich frage mich, wie es wohl auf die ersten Besucher gewirkt hat, die es betraten, als hier Kaiser Justinian regierte und Istanbul (damals noch „Konstantinopel“) das kulturelle Zentrum der Welt war?

Hagia Sophia Außenansicht

Bild 1 von 8

In 55 Metern Höhe schwebt eine riesige Kuppel über dem Boden. Sie hat einen Durchmesser von 31 Metern, zieht den Blick immer wieder nach oben, und sorgt mit ihren 40 Fenstern für ein magisches, sich stetig wandelndes Licht im Inneren. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die zahlreichen, goldglänzenden Mosaiken. Während man sonst meist nur den Kaiser kennt, „unter dem“ ein Bauwerk errichtet wurde, haben bei der Hagia Sophia auch die Architekten ewigen Ruhm erlangt. Es sind Anthemios von Tralleis und Isidor von Milet, die sich offensichtlich mit Mathematik, Mechanik und Statik besser auskannten, als sämtliche Baumeister vor ihnen. Fünf Jahre haben sie gebraucht, von 532 – 537.

Seitdem sind nahezu 1500 Jahre vergangenen. Endlose Umwälzungen, Umstürze, Kriege und Naturkatastrophen hat das Gebäude seitdem überstanden, und natürlich auch zahlreiche Reparaturen und bauliche Veränderungen. So stürzte 558 bei einem Erdbeben ein Teil des Doms herab, die Kirche wurde 1206 durch die Kreuzfahrer (!) ausgeplündert, und nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 in eine Moschee verwandelt. Außenrum wurden vier Minarette hochgezogen und der Großteil der christlichen Mosaiken mit Wandputz überdeckt. Auf Erlass von Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei, wurde die Hagia Sophia dann 1935 in ein Museum verwandelt. Sie ist seit 1985 Teil des Weltkulturerbes, und für die meisten Menschen war das wohl eine gute Lösung.

Nicht aber für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Der gab im Juli 2020 die jüngste „Statusänderung“ bekannt und öffnete die ehemalige Kirche wieder für Muslime zum Gebet. Der Status als Museum wurde vom Obersten Verwaltungsgericht der Türkei aberkannt, und unmittelbar danach begannen – unter Protesten vor allem aus Griechenland und Russland – die Arbeiten zur „Umwidmung“.

Neckargemünd

Kindheit und Jugend habe ich hier verbracht, den Neckar vorbeifließen sehen, die vielen Burgen in der Umgebung entdeckt und den Odenwald durchstreift. Schön war´s, und schön ist es dort noch immer, deshalb würde ich es gerne mit Euch teilen:

Hin & Weg: Neckargemünd liegt im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und ist gleichzeitig Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald. Neben Bussen, die ins etwa 10 Kilometer entfernte Heidelberg und (seltener) ins Umland fahren, halten in Neckargemünd die Linien 1, 2, 5 und 51 der S-Bahn Rhein-Neckar (Streckenplan als pdf), sowie verschiedene Regionalbahnen. Es gibt zwei Haltestellen: Bahnhof Neckargemünd und Neckargemünd Altstadt. Sie liegen beide etwa 700 Meter vom eigentlichen Ortszentrum entfernt.

Neckargemünd, Kupferstich nach Matthäus Merian. Der Ortskern sieht immer noch so aus (Quelle: Wikipedia)

Speis´ & Trank: Solange ich zurückdenken kann gibt es hier schon das „Roma“, ein Eiscafé und mittlerweile auch Pizzeria, von wo aus man das Kommen und Gehen der Gäste und Einheimischen beobachten kann. In der Gasse, die schräg gegenüber zum Neckar hinführt, befindet sich die 2. Neckargemünder Institution: Das „Schiff“, wo es neben gutem Essen auch jede Menge Sammlerstücke zu bewundern gibt, die der unermüdliche Inhaber Edgar von nah und fern zusammengetragen hat.

Aktivitäten: Für Wanderer ist Neckargemünd interessant, weil es am Neckarsteig liegt, was wiederum ein besonders schöner Abschnitt des Neckarwegs ist, der von der Quelle bis zur Mündung dieses Flusses führt (Buch und Karte bei Amazon). Der Neckarsteig (er läuft übrigens direkt an meinem Elternhaus vorbei) wurde 2018 vom Wandermagazin zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt; beim Trecking Magazin war er 2019 der zweitbeliebteste Fernwanderweg – und entsprechend viel begangen ist er auch!

Kommt man von Heidelberg und hat den heftigen Aufstieg hinter sich gebracht, so liegt die Neckarriedkopf-Hütte als erste bewirtete Hütte quasi auf der Zielgeraden nach Neckargemünd (aktuell Fr. – So. bis 19:00 geöffnet). Zum Übernachten gibt es mindestens 3 Hotels und einen ziemlich zentral gelegenen Campingplatz.

Radfahrer können von Neckargemünd stromaufwärts die 52 Kilometer bis zur Quelle auf dem Elsenztal-Radweg strampeln. Oder wenn´s ein wenig mehr sein darf, von Mannheim kommend auf dem 370 Kilometer langen Neckartal-Radweg bis nach Villingen-Schwenningen.

Erwähnenswert ist auch das große Freischwimmbad (das übrigens mein Vater geplant hat, ebenso wie das benachbarte Sportstadium und diverse Häuschen im Ort und außenrum) Eine Übersicht dieser und weiterer Aktivitäten hält die Stadt auf ihrer Webseite bereit.

Geschichte: Der Ort, in der ich groß geworden bin, wird zuerst 988 als Gemundi erwähnt, und ist somit über 1000 Jahre alt. Im 13. und 14. Jahrhundert freie Reichsstadt, dann an die Kurpfalz und 1803 an Baden gekommen. Somit bin ich beides: Kurpfälzer und Badener! Der Name Neckargemünd bezieht sich auf die Elsenz, die hier in den Neckar mündet. Im Brockhaus von 1906 liegt Neckargemünd noch im badischen Kreis Heidelberg, hat 2205 Einwohner, und „wird als Luftkurort viel besucht“.

In meiner Jugend presst das Bertelsmann-Lexikon alles Wissenswerte in nur einen Absatz: „Stadt in Baden-Württemberg, Rhein-Neckar-Kreis, an der Mündung der Elsenz in den Neckar, östlich von Heidelberg, 14500 Einwohner (1983); Pfarrkirche (14 Jh.), Karlstor (1788) ; Weinmarkt, Leder, Textil- und landwirtschaftl. Industrie. -1240 Freie Reichsstadt.“

20 Jahre später ist mein Lexikon zwar digital, in Neckargemünd hat sich aber nicht viel verändert: Hinzugekommen ist das Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche (inzwischen umfirmiert zum SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd), die Einwohnerzahl (14200) ist aber nicht weiter gestiegen.

Und sonst? Ob es Euch gefällt oder nicht – Neckargemünd hat eine ganz besondere Verbindung zum FC Bayern München. Ein Sohn der Stadt (genauer gesagt des heutigen Ortsteils Dilsberg) war nämlich Rainer Ohlhauser. Und der spielte beim FCB von 1961 bis 1970, schoss in 286 Spielen 186 Tore – und ballerte sie damit auch in die Bundesliga. Auch Hansi Flick hat in Neckargemünd Station gemacht. Er verbrachte die Jahre 1976 – 81 als Jugendspieler bei der SpVgg Neckargemünd.

Quellen & Infos:

Schalk wecken in Gengenbach

Es ist vollbracht! Vergangenen Samstag haben wir in Gengenbach den Schalk geweckt. Es war ´mal wieder eine großartige Veranstaltung und für mich zugleich der Startschuss in die diesjährige Fasent-Saison.

Im Gengenbacher Niggelturm (Hintergrund) hat der Schalk fast ein Jahr lang geschlafen. Nun wurde er mit viel Radau von seinem Volk geweckt. Dann versammeln sich alle in Nachthemden und mit Schlafmützen auf dem Marktplatz, um die Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister zu beobachten.

Was auf den ersten Blick vielleicht aussieht wie das Jahrestreffen des Ku-Klux-Clans erweist sich bei näherer Betrachtung als ein überwältigendes, gemeinschaftliches Ereignis. Wie der Titel schon sagt geht es darum, den Schalk zu wecken. Der ist die wichtigste Figur der Gengenbacher Fasent, und bis zum Aschermittwoch wird er die Stadt regieren – und nicht etwa der Bürgermeister.

Damit das funktioniert, muss der Schalk allerdings erstmal aus dem Schlaf geholt werden. Fast ein ganzes Jahr hat er nämlich im schönsten Turm der Stadt geschlummert, im Niggelturm. Dort ist der Fasent im Rest des Jahres übrigens auf 7 Stockwerken ein ganzes Museum gewidmet, doch heute  interessiert das Keinen. Das Museum ist geschlossen und es geht nicht um die Theorie, sondern um die Praxis. Und die sieht so aus:

Ab 18:00 ziehen vom Bahnhof aus vorwiegend die Kinder des närrischen Gengenbacher Volkes durch die Stadt. Sie sind ausgestattet mit Rasseln, Kleppern, Töpfen, Deckeln und allem, was Krach macht. Denn darum geht es: Krach machen, bis der Schalk erwacht. Ganz Gengenbach versammelt sich dazu gegen 18:20 unter dem Niggelturm, und alle sind sie in der gleichen Tracht erschienen: Im Nachthemd nämlich, mit roten Halstüchern, Schlafmützen, und bunt gestrickten Socken dazu. Hemdeglunker hast diese Verkleidung, und wer dazugehören will, der hält sich auch an diesen „Dresscode“. Jetzt ist es Zeit, den Spruch anzustimmen, den hier jeder kennt:

Schalk wach uf, Schalk mach mit,
Schalk kum ra, s’isch Fasendszit

Doch der Schalk schläft tief. Und es braucht Dutzende Versuche. Immer lauter wird das Geschrei, dazu die Trommeln und die Rasseln – und ja – sogar ein Feuerwerk brennen die Gengenbacher ab, um ihren Schalk zu wecken. Es herrscht Gänsehautstimmung. Und die erreicht ihren Höhepunkt, als oben im Turm ein Licht erscheint und endlich seine Silhouette erscheint. Der Schalk steigt herab, klettert auf das Tor zur Straße, und grüßt sein Volk mit einem Spruch, in den sie alle einstimmen:

Hoorig hoorig hoorig isch de Bär,
un wenn de Bär nit hoorig wär,
dann wär er au kei Bär!

Schelle, schelle sechse alli alde Hexe – Narro!!!

Oh, du alder Lumpehund, hesch
nit g´wisst, wenn d´Fasend kunnt?
Hätt´sch di Mul mit Wasser g´riebe,
wär der´s Geld im Beutel bliebe! Narro!!!

Nun geht´s zum Marktplatz, wo Tausende von Narren sich versammeln und zuschauen, wenn auf dem Balkon des Rathauses der Schalk die Schlüssel vom Bürgermeister übernimmt. Was für eine Kulisse! Die Kneipen des wunderschönen Städtchens füllen sich, man stärkt sich für die Nacht und trinkt die ersten Gläschen, bald darauf beginnt die Party in dem riesigen Hexenkeller direkt unter dem Rathaus. Eintritt nur im Hemdeglunker – und das wird hoffentlich auch in Zukunft so bleiben!

 

  • Auf der Seite der Narrenzunft Gengenbach präsentieren sich Schalk, Hexen, Spättlehansel und andere Figuren des Fasent samt einer Geschichte, die bis ins Jahr 1499 zurück reicht.
  • In der Wikipedia finden sich einige ganz interessante Details zu Fasent in Gengenbach. Unter anderem habe ich dort erfahren, dass die Narrenzunft mit mehr als 1200 Mitgliedern (Stand 2013) der größte Verein der Stadt ist!
  • Einen schönen Bericht über die Traditionen der Gengenbacher Hexen fand ich in der Zeitschrift Narri-Narro.

Fasent in der Ortenau – was geht?

Sorry Duden, aber ihr liegt leider völlig falsch. Es heißt nicht Fastnacht, und nicht Fasching, und erst recht nicht Karneval. Hier geht es um die Fasent, und die ist nicht nur ziemlich anderes, sondern auch etwas ganz Besonderes. Im Übrigen geht die Fasent nicht nur sechs Tage, sondern der Spaß dauert mindestens einen Monat lang. Und dafür gibt es wohl nirgendwo auf der Welt eine ähnliche Vielfalt von Verkleidungen, Masken, Bräuchen und Traditionen wie bei uns – also in der schönen Ortenau und dem anschließenden Südschwarzwald. Historisch-theoretisch dreht sich alles darum, die Zeit zu feiern, in der man noch nicht fasten muss. Praktisch-realistisch gesehen ist es eine aufregende, bunte, spannende und gerne auch ´mal ausschweifende Zeit. Eine Gelegenheit, aus der eigenen Haut zu schlüpfen, Menschen (neu) kennen zu lernen, und zu feiern, (fast) ohne Ende. Das Angebot ist überwältigend.

Hoorig, hoorig, hoorig isch die Sau: Gemälde im Offenburger Hexenkeller (Copyright M. Simm)

Ärgerlich ist nur, dass es zwar mehrere Hundert Termine gibt, aber keine Übersicht, die alles klar und vollständig präsentiert. Am nächsten kommt dem wohl noch der „Narrenfahrplan“ der Vereinigung schwäbisch-allemanischer Narrenzünfte. Er hat 24 Seiten und kann hier im pdf-Format heruntergeladen werden.

Das kann man besser machen, habe ich mir gedacht, und für Euch eine Art Fahrplan für die Fasent-Saison 2020 erstellt. Er ist das Ergebnis eines guten Jahrzehnts eigener Erfahrungen in und um Offenburg, plus Internet-Recherchen und Gesprächen mit alten Hasen und Häsinnen, die sich in der Gegend auskennen.

Zeitlich spielt sich alles zwischen dem 1. Februar und dem 4. März 2020 ab. Als offiziellen Beginn der Fasent-Zeit sehen manche zwar den 11.11., doch dieses „närrische“ Datum hat für die schwäbisch-alemannische Fasent nur geringe Bedeutung. Schon wichtiger ist dagegen der 6. Januar, wenn mit dem Dreikönigstag die Weihnachtszeit offiziell endet. Dann werden in einigen Städten wie Villingen, Neustadt (Schwarzwald) und Frommern die Narrenkleider und Masken („Häs“) aus dem Keller geholt und entstaubt. Von da an geht´s „dagege“, also auf den Aschermittwoch zu. Ein Narrentreffen jagt das nächste, die Zahl der Umzüge und Feste wird unüberschaubar und erreicht etwa in der Woche zwischen „schmutzigem“ Donnerstag und dem nachfolgenden Aschermittwoch ihren Höhepunkt. Das wäre in diesem Jahr der 26. Februar. Während für Andere dann alles vorbei ist, setzen die Schweizer noch einen oben ´drauf: Sie feiern jeweils ab dem Montag drei Tage lang die Basler Fasnacht. Wow.

Jetzt aber wie versprochen zu Michels Fasent-Kalender. Möglichst viel Events will ich selbst besuchen und vielleicht schreibe ich dann auch hier ein paar Berichte (grün markiert). Weitere Tipps nehme ich nach Prüfung gerne in die Liste auf.

Samstag, 1. Februar: ab 18:00 Schalk wecken in Gengenbach 
Samstag, 8. Februar: ab 11:00 Narrentag in Offenburg
Samstag, 8. Februar: 20:30 Reblandtreffen in Ebersweier
Sonntag, 9. Februar: 14:00 Umzug Reblandtreffen in Ebersweier
Freitag, 14 Februar: 20:00 Rockschwoof in Fessenbach (Reblandhalle)
Samstag, 15. Februar: 19:00 Lumpenball in Haslach
Dienstag, 18. Februar: ab 20:00 Altweiberball in Appenweier
Mittwoch, 19. Februar: 19:00 Fasent-Ausrufen in Wolfach
Mittwoch 19. Februar: 20:00 Krankenhausball Rammersweier (Festhalle)
Donnerstag, 20. Februar: 6:00 Fasent-Daifi in Offenburg (Lindenplatz)
Donnerstag 20. Februar: 20:00 Hexenball in Zell-Weierbach (Abtsbergh.)
Donnerstag, 20 Februar: ab 20:00 Hermännle-Obend in Ortenberg
Samstag, 22. Februar: ab 11:00 Gugge-Explosion in Lörrach
Samstag, 22. Februar: ab 20:00 Kappeobend in Offenburg
Sonntag, 23. Februar: ab 10:00 Johrmärkt („Montenegro„) in Käfersberg
Sonntag, 23. Februar: ab 15:00 Umzüge und Straßenfasent in Elzach
Montag, 24. Febuar: ab 5:30 Schellemendig in Wolfach
Montag, 24. Februar: ab 20:00 Zunftball in Offenburg (Reithalle)
Dienstag, 25. Februar: 14:00 Hexenfraß – Schlussrambo Offenburg
Dienstag, 25. Februar: 17:00 Nasenzug in Wolfach
Samstag, 29. Februar: ab 14:00 Guggemonsterkonzert etc. Weil am Rhein
Montag, 2. März: 4:00 Morgenstraich etc. in Basel (bis 4.März)

P.S.: Bevor einer in den Kommentar schreibt „Aber in Köln…“ möchte ich anmerken, dass ich dort schon war, ebenso wie in Bonn, in Mainz und München, in Barcelona, New Orleans, Miami, und sogar in Panama (Rio fehlt noch und Basel werde ich dieses Jahr besuchen). Keine Frage: Auch anderswo kann man schön feiern, und ich wünsche Euch dabei viel Spaß. Aber wenn ihr später einmal auf dem Sterbebett liegt und feststellt, dass ihr die Fasent verpasst habt, will ich kein Gejammer hören. ICH hab´s Euch nämlich gleich gesagt 😉

  • Die Deutsche UNESCO-Kommission bringt das Wesen der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht gut auf den Punkt
  • Der Narrenfahrplan 2020 der Vereinigung schwäbisch-allemanischer Narrenzünfte hat 24 Seiten und bietet wohl die längste Liste von Veranstaltungen
  • Ein gute Auswahl von Terminen in der Region hat auch die Brauerei Bauhöfer zusammengestellt. Darauf trink ich eine Schwaerzwaldmarie!
  • Es gibt sogar eine eigene Zeitschrift zur schwäbisch-alemannischen Fasent. Narri-Narro, heißt sie und hat wirklich viele tiefgründige Berichte, plus die gesammelten Sprüche, Predigten, und vieles mehr. Sehr empfehlenswert!
  • Google ist auch nicht schlecht. Bei mir lieferte das Stichwort „Fasnacht Terminkalender“ jedenfalls immer wieder zusätzliche, gute Treffer.

E1 – Mauer nach Mühlhausen

Es war nass, und es war kalt. Und es war trotzdem eine wunderschöne Wanderung:

Ein trüber Novembertag im Kraichgau bringt die Farben des Herbstes erst richtig zum Leuchten. 

Meine zweite Etappe auf dem europäischen Fernwanderweg E1 führte mich von Mauer – dem ersten Fundort eines Homo heidelbergensis – über die Hügel und durch manche herbstlich-bunten Wälder im Kraichgau nach Mühlhausen (Was es mit diesem Projekt auf sich hat, könnt Ihr hier nachlesen).

Start und Ziel: Die dem E1 am nächsten gelegene Haltestelle liegt in der Gemeinde Mauer und ist mit der S-Bahn-Linie 51 von Heidelberg aus zu erreichen. Ziel ist die Gemeinde Mühlhausen im Kraichgau.

Hin und Weg: Um von Mauer zum E1 zu kommen, läuft man vom Bahnhof durch den Wald ca. 2,1 Kilometer bis zur Wegkreuzung Rosengarten. Zwischendurch gibt es nur in Unterhof eine Bushaltestelle, von der man mit der Linie 702 nach Wiesloch/Walldorf gelangt (Fahrplan als pdf). In Mühlhausen besteht mit dem Bus ein regelmäßiger Anschluss zum Bahnhof Rot, Malsch bei Wiesloch.

Daten: Inklusive der 2,1 Kilometer Anmarsch von Mauer zum E1 hat diese Etappe eine Länge von 17,3 Kilometern. Knapp die Hälfte der 400 Höhenmeter läuft man gleich zu Beginn. Insgesamt ist die Strecke aber eher flach und – von ein paar matschigen Passagen bei nassem Wetter  abgesehen – durchweg einfach zu laufen. Die Gehzeit betrug 4:30 Stunden, wobei ich mir ausgiebig Zeit zum Fotografieren genommen habe.

Als Service für Euch hier die Route interaktiv und mit ein paar Zusatzinfos angereichert:

Wegbeschreibung: Wer mit dem Zug anreist wird dies in Regel mit der Elsenztalbahn tun, und zwar mit der Linie 5 bzw. 51 der S-Bahn Rhein-Neckar von Heidelberg kommend (Streckenkarte der Region als pdf). Vom Bahnsteig geht es an der Bahnhofsgaststätte vorbei, links in die Elsenzstraße, rechts in die Silberbergstraße, und Am Silberberg auf den Pfad zum Waldrand. Dort erst rechts, und dann dem linkerhand in den Wald hineinführenden Pfad folgen, der Euch zum ersten Wegweiser für den E1 bringt. Den E! erreicht man schließlich nach zwei weiteren Wegkreuzungen am Rosengarten – jener Ort, an dem wir die vorherige Etappe beendet hatten.

Von hier ab ist wieder alles sehr engmaschig ausgeschildert und mit dem grünen Kreuz auf weißem Grund markiert. Im Zweifel geht´s nach Süden. Meist sind die Wege breit, gelegentlich auch asphaltiert. Sie führen über offenes Feld, an Waldrändern entlang, und immer wieder ´mal durch kleinere Waldstücke hindurch.

Kurz nach einem Unterstand auf halber Strecke und Melissas Eier-Shop erreichen wir Unterhof, wo die Buslinie 702 etwa im Stundentakt einen Anschluss nach Wiesloch/Walldorf ermöglicht.

Gleich nach der Überquerung der Landstr. weist uns ein Schild darauf hin, dass wegen Bauarbeiten an der A6 die normale Unterquerung nicht möglich ist. Stattdessen werden wir über Dielheim geleitet. Auch hier ist alles perfekt ausgeschildert, statt grünem Kreuz auf weißem Grund hat die Umleitung als Symbol ein weißes Kreuz auf braunem Grund.

Nach ca. 4 Kilometern trifft die Umleitung wieder auf den „eigentlichen“ E1. Im Wald passieren wir eine eher ungewöhnliche Gedenkstätte für einen „Otto J. Braun“, der hier womöglich Förster war. Danach verlassen wir den Wald und der Weg schlängelt sich der Weg die letzten paar Kilometer über die Felder auf Mühlhausen zu. Die von mir empfohlene Kraichgaustube liegt sehr nahe am E1, ich habe den Weg dahin deshalb in die Route und die Downloads mit einbezogen.

Kartenmaterial: Obwohl es schwer ist, sich hier zu verlaufen, habe ich eigentlich immer eine oder mehrere Karten dabei.  Die Auswahl für diese Region ist überschaubar, eigentlich kann man nur das Kartenset 827 Bergstraße-Odenwald / Neckartal von Kompass empfehlen. Es deckt auch die vorherige, und die nächsten beiden Etappen ab, über die ich hier berichte.

Download-Link: In der Regel wandere ich mit Karte und nutze die Segnungen der Technik in Form von GPS-Daten. Die meinen habe ich ziemlich sorgfältig aufgearbeitet und stelle sie hier als Dank an meine zahlreichen Vorgänger und als Service für meine Leser zur nicht-kommerziellen Verwendung kostenlos zur Verfügung:
Route E1 von Mauer nach Mühlhausen zum Download

-> im gpx-Format

-> als KML-Datei

Sehenswert: Erst war ich etwas angesäuert von dem Nieselregen, der mich Mitte November zwei Drittel des Weges begleitet hat. Dann habe ich aber  bemerkt, dass mir dafür Einsamkeit und wunderbare Herbstfarben beschert wurden. Ein fast schon meditatives Erlebnis war es, hier den Blick auf das Laub unter den Füßen zu lenken, und ihn dann wieder schweifen zu lassen über die Landschaft in ihrer pointillistischen Farbenpracht.

Ob man das Urgeschichtliche Museum in Mauer gesehen haben muss? Ich bin mir da nicht so sicher, es liegt aber nicht weit vom Bahnhof und hat werktags bereits ab 8:00 geöffnet, sodass Frühaufsteher den Abstecher zu Beginn der Wanderung problemlos einbauen könnten.

Über den Kraichgau, den wir teilweise durchwandern, steht noch einiges auf Wikipedia. Wenn ich das mal kurz zusammenfassen darf, so ist diese Landschaft zwischen Schwarzwald und Odenwald ein durch Löss- und Lehmbedeckung besonders fruchtbares Gebiet mit intensiver Landwirtschaft. Das ist streckenweise ganz hübsch anzusehen, aber seien wir ehrlich: Große Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne hat diese Etappe nicht zu bieten.

Einkehr / Pausen: Unterwegs gibt es keine Brunnen, und erst recht keine Restaurants am Wegesrand. Immerhin haben die Naturfreunde Krebsbachaue etwa in der Mitte dieser Etappe vor der Gemeinde Unterhof einen Unterstand mit Tisch und Bänken errichtet, wo man vespern könnte und auf einer Infotafel auch noch nebenher den Verlauf des E1 abchecken. Spoiler: Von hier aus ist es noch ziemlich weit bis zum südlichsten Punkt…

Buchstäblich um´s Eck findet sich Melissas Eier-Shop, eine Minihütte am Rande eines großen Bauernhofes. Sie ist „durchgehend, 24 Stunden geöffnet“, und freut sich über ehrliche Menschen, die im Austausch für Dosenwurst, Marmelade und andere Spezereien ihr Geld in eine kleine Kasse werfen.

Da der Weg noch bis weit ins Jahr 2020 über Dielheim umgeleitet wird, könnte man sich theoretisch auch dort in der Bäckerei Breiter oder bei einem Döner (beide in der Hauptstraße) den Bauch füllen, oder einen Kaffee nehmen.

Am Zielort Mühlhausen gibt es entlang der Hauptstraße diverse Möglichkeiten, sich zu verpflegen und für Gäste auch mindestens zwei Übernachtungsmöglichkeiten.

Übernachtung: Ich habe sowohl für die Übernachtung, als auch fürs Abendessen die Kraichgaustube gewählt und war damit sehr zufrieden.

E1 von Heidelberg nach Süden

Ein richtig gutes Gefühl ist das: Mit einer Sache zu beginnen, die man schon sehr lange Zeit machen wollte, und immer wieder aufgeschoben hat. Eine dieser „Sachen“, war für mich der europäische Fernwanderweg E1.

Der Herbst ist da. Blick von der Aukopfhütte nach Norden über den Odenwald

Und so stand ich an diesem trüben Herbsttag am S-Bahnhof in Schlierbach bei Heidelberg und bin endlich losgelaufen. Mit kleinem Rucksack über den Berg und auf der anderen Seite wieder ´runter. Vorbei am Heidelberger Hausberg, dem Königstuhl, durch den südwestlichsten Zipfel des Odenwaldes und hinein in den Kraichgau. Nach 14 Kilometern zum nächsten Bahnhof und wieder heim mit dem Vorsatz: Bald geht´s weiter. 

Warum ich gerade den E1 laufe, und warum ich gerade hier damit anfange, könnt ihr in meiner Einleitung nachlesen. Ansonsten geht´s direkt ´los mit den Infos. Wenn Ihr Anregungen habt, oder Aktualisierungen vermelden wollt freue ich mich über Eure Kommentare.

Start und Ziel: Los geht´s auf der Südseite des Neckars an der S-Bahn-Station Heidelberg-Schlierbach / Ziegelhausen

Hin und Weg: Ein halbes Dutzend S-Bahnen führen von Mannheim und Heidelberg bzw. aus dem Neckartal kommend zum Startpunkt. Gegen Ende der Etappe kommt man von Gaiberg und Gauangelloch mit der Buslinie 757 in ca. 30 Minuten zum Bahnhof Heidelberg. Alternativ kann man den E1 in östlicher Richtung verlassen und erreicht nach zwei zusätzlichen Kilometern die Haltestellen der Elsenzbahn (S5 und S51) in Mauer oder Meckesheim, von wo man zurück nach Heidelberg gelangt.

Daten: Auf einer Entfernung von 14 Kilometern waren 465 Höhenmeter zu bewältigen. Die reine Gehzeit betrug 3 Stunden. Ich bin dann noch 2 km zum Bahnhof in Mauer gelaufen, von wo die S-Bahn zurück nach Heidelberg fährt. Nahe dem Bahnhof gibt es sowohl ein ordentliches Restaurant, als auch direkt am Bahnsteig eine Pizzeria.

Als Service für Euch hier die Route interaktiv und mit ein paar Zusatzinfos angereichert:

Wegbeschreibung: Der E1 beginnt direkt an der Schranke am Ende des Bahnsteigs in Heidelberg-Schlierbach. Nach wenigen Schritten sehen wir die ersten Markierungen in Form eines grünen Kreuzes auf weißem Grund. Von denen gibt es auf dieser Etappe so viele, dass man sich eigentlich kaum verirren kann. Nach wenigen Schritten schon verlassen wir Schlierbach und laufen auf einem breiten Waldweg stets bergauf. Die Steigung ist eher sanft, aber etwa drei Kilometer lang.

Im typisch Odenwälder Mischwald liegen immer wieder Hütten und Brunnen, auf die man sich allerdings nicht verlassen sollte. Ende Oktober fand ich auf der ganzen Strecke nur eine Trinkwasserquelle, und zwar neben einer namenlosen Hütte ganz in der Nähe der Stelle, wo der E1 auf den Neckarsteig trifft (in der Karte markiert).

Von dort geht es stetig und sanft bergab. Der Weg ist wirklich sehr angenehm und bis Gaiberg völlig frei von Asphalt. In diesem Dorf gibt es eine Bäckerei direkt an der Strecke und als freundliche Geste für den Wanderer haben die Kollegen aus Gaiberg am Ortsrand ein Gästebuch ausgelegt, in das man sich eintragen kann.

Nun öffnet sich die Landschaft, man läuft über schöne Obstwiesen und durch ein letztes Stück Odenwald, bevor man dann in Gauangelloch die Grenze zum Kraichgau erreicht. Die ist mit einem großen Wegstein markiert und bietet sich zur Rast an, wenn man nicht im Ort essen und / oder übernachten möchte.

Nach weiteren 2 Kilometern geradeaus habe ich die Wanderung beendet, den E1 verlassen und bin von der Wegkreuzung Rosengarten nach Osten in das zwei Kilometer entfernte Mauer hinabgelaufen, von wo ich mit der S-Bahn wieder zurück in Richtung Heidelberg fuhr.

Kartenmaterial: Die beste Karte, die ich gefunden habe, kommt vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Die Karte für die hier durchlaufene Region heißt: 12 Heidelberg Neckartal-Odenwald. Die Auflösung ist mit 1:20.000 sehr hoch und sie enthält so viele Wander- und Radwege, dass man damit eine ganze Zeitlang beschäftigt sein dürfte. In der gleichen Aufmachung gibt es noch 20 weitere Karten der Region, die man z.B. bei Amazon bestellen kann oder auch beim Geo-Naturpark selbst, wo mir der Bestellvorgang aber etwas umständlicher erscheint.

Auch gut, aber mit nicht einmal halb so hoher Auflösung (1:50.000) kommt das Kartenset 827 Bergstraße-Odenwald / Neckartal von Kompass daher. Es deckt im Gegensatz zur obigen Empfehlung auch die nächsten beiden Etappen ab, über die ich hier berichte.

Download-Link: Zwar wandere ich nie ohne Karte(n), freue mich aber auch an den Segnungen der Technik in Form von Navigationsgeräten und -Software. Als Dank an meine zahlreichen Vorgänger und als Service für meine Leser gibt´s hier zur nicht-kommerziellen Verwendung kostenlos die
Route E1 von Heidelberg nach Mauer zum Download

-> im gpx-Format

-> als KML-Datei

Sehenswert: Charakteristisch für die Gegend sind die moosbewachsenen Felsbrocken aus Sandstein, die wir häufig am Wegesrand liegen sehen. Am eindruckvollsten sind sie im Naturschutzgebiet Heidelberger Felsenmeer. Dieses erreichen wir mit einem Umweg von 700 Metern (einfache Strecke), ausgehend von der Hohler Kästenbaum-Hütte. Eigentlich sollte der 1956 unter Schutz gestellte „Urwald“ ungestört wuchern dürfen. Als dann aber einige der „falschen“ Baumarten sich ausbreiteten, hat man im Jahr 2011 ein wenig ausgemistet um diese ökologische Nische mit ihren seltenen Pflanzenarten wie Keulenbärlapp, Grünes Koboldmoos und Leuchtmoos zu erhalten.

Erwähnt sei auch der Evolutionsweg, der am Ortsrand von Gauangelloch entlang verläuft, und den wir vom Ende her erreichen. Auf zahlreichen Infotafeln wird dort die gesamte, vier Milliarden Jahre umfassende Evolutionsgeschichte der Erde in einen Kilometer Strecke gepresst und die riesigen Zeiträume durch die entsprechenden Abstände veranschaulicht. Ich finde das eine gute Idee, die hoffentlich Schule macht.

Einkehr / Pausen: Es gibt keine Gasthäuser direkt am Weg und auf Trinkwasser führende Brunnen unterwegs würde ich mich auch nicht verlassen. Daher empfiehlt es sich, ein Vesper für eine der zahlreichen Hütten auf dieser Etappe einzupacken. Alternativ gibt es an der Hauptstraße in Gaiberg die Bäckerei Schneider.

Übernachtung: Ziemlich am Ende des Weges liegt in der Ortsmitte von Gauangelloch der Gasthof Hotel zum Schwanen.

Ein Traum vom Wandern

Endlich. Endlich habe ich meinen Hintern hochgekriegt und diese Sache angefangen. Ein Traum, eine Fantasie, ein Wahn? Nennt es wie ihr wollt. Aber vorgestern bin ich meine erste Etappe auf dem E1 gewandert, dem Europäischen Fernwanderweg Nr. 1. 

Der europäische Fernwanderweg E1 führt vom Nordkap bis nach Sizilien. Auf ein einheitliches Symbol konnte man sich aber nicht einigen…

Der E1 führt, wie man anderswo im Detail nachlesen kann, vom Nordkap bis nach Sizilien und ist an die 8000 Kilometer lang. Dass ich die alle schaffen werde, ist äußerst unwahrscheinlich, aber wie Herman Hesse schon sagte: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Den Gedanken, dass man theoretisch ganz Europa auf diesem Weg von Nord nach Süd (oder umgekehrt) durchqueren könnte, finde ich jedenfalls sehr inspirierend.

Einige Menschen haben das tatsächlich geschafft, und einige wenige sind den ganzen Weg sogar am Stück gelaufen (bis auf die Lücken, die es ärgerlicherweise in Italien immer noch gibt). Hut ab. Da kann ich nicht mithalten. Und werde auch nicht die ultimative Webseite zum E1 basteln, oder das allertollste Blog dazu schreiben.

Nein, der Michel fängt bescheiden an, und zwar ganz nah seiner Heimatstadt Neckargemünd. Dort kreuzen sich der E1 und ein weiterer europäischer Fernwanderweg, der in west-östlicher Richtung verlaufende E8. Und von dieser Kreuzung aus wird der Michel in eher kleinen Etappen nach Süden laufen. Voraussichtlich werden ihm schon bald die Füße wehtun, oder das Wetter ist zu schlecht, oder er hat keine Lust mehr und außerdem muss er ja eigentlich arbeiten (wobei das theoretisch ja von unterwegs klappen könnte, aber das wäre dann ein anderes Experiment…).  

Wie dem auch sei: Wer mich virtuell begleiten will findet die einzelnen Beiträge in der Kategorie Wandern unter „E1„. Dort werde ich in strukturierter Form berichten und Informationen bereitstellen. Kein enzyklopädisches Gesamtwerkes ist zu erwarten, sondern lediglich Mosaiksteinchen zu einzelnen Etappen, aber die will ich dafür ordentlich machen. Für einen kompletten Überblick empfehle ich die Webseite Hiking Europe, da kommen auch Profiwanderer auf ihre Kosten!

Zur ersten Etappe…

Fenix 5 – Ein Verriss

Soeben ist bei Garmin die neueste Reihe von Sportuhren der Oberklasse erschienen – die Fenix 6 mit einem halben Dutzend Modellen und Sonderausstattungen, mit Preisen zwischen 600 und 1150 Euro. Bevor ihr nun aber losrennt und Euer sauer verdientes Geld für einen dieser vermeintlichen Alleskönner ´raushaut, habe ich einen Tipp für Euch: Tut es nicht.

Ich sage das, ohne die Fenix 6 getestet oder auch nur in Händen gehabt zu haben. Denn die Wahrscheinlich ist groß, dass ihr davon genauso enttäuscht sein werdet wie ich von meiner Fenix 5 Plus, die ich vor etwa einem Jahr zum stolzen Preis von € 650 (jetzt € 580 bei Amazon) guter Hoffnung erworben habe.

Aber lasst uns positiv beginnen: Die Uhren der Fenix-Serie von Garmin sehen schick aus, haben im Gegensatz zu typischen Smartwatches ordentliche Laufzeiten im GPS-Betrieb, und sie können alles, was ein gutes Fitnessarmband auch kann, und sogar noch ein bisschen mehr. Allerdings kosten sie auch mindestens drei Mal so viel – und dann will man schon wissen, wofür.

Ich habe meine Garmin gekauft wegen der Navi-Funktion mit der eingebauten, hochauflösenden Europakarte, und wegen des Roundtrip-Routings, bei dem man vom eigenen Standort aus Vorschläge bekommt, wobei man die Streckenlänge und Richtung vorgeben kann. Dumm nur, dass beide Funktionen so wenig ausgereift sind, dass sie praktisch nutzlos sind.

Fangen wir mit dem Roundtrip-Routing an: Es schlägt einigermaßen sinnvolle Touren vor, und auf dem Mountainbike kann ich die Richtungs- und Abbiegehinweise auch gut lesen. Das Problem: Nach jeweils etwa 10 Minuten Fahrt geht die Uhr in den Schlafmodus. Davor wird zwar eine 30 Sekunden lange Warnung eingeblendet. Wenn man die aber übersieht, und nicht rechtzeitig einen der Knöpfe an der Uhr drückt, landet die Tour im Orkus. Eine Fortsetzung ist nicht möglich, die Daten sind unwiederbringlich verloren, und wenn man zum Ausgangspunkt zurück will, ist auch diese Information verschwunden. Auf den ersten sieben Ausfahrten ist mir das sechs Mal passiert. Man steht dann in der Pampa und muss sich mit anderen Funktionen abkämpfen, um wieder nach Hause zu finden.

Wie findet man überhaupt die Ziele in der Umgebung mit der Fenix 5? Nun, eigentlich sollte das Dank der unzähligen eingespeicherten Ortsmarken (Points of Interest, POI) kein Problem sein. Die sind im Navigiermodus ebenso zu erreichen wie beim Start der verschiedenen Aktivitäten wie Laufen, Wandern oder Radfahren. Städte, Restaurants, Tankstellen, Unterkünfte, Sehenswertes, Bahn- und Busstationen und vieles mehr machen Lust auf Erkundungen aber ach: Der erhoffte Wegbegleiter, auf den man sich in fremdem Gelände verlassen kann, ist diese Funktion leider auch nicht.

Konkretes Beispiel: Ich habe mit dem Mountainbike einen Hügel erklommen und möchte auf dem Heimweg noch bei einem mir bereits bekannten Restaurant halt machen. Bin gespannt, welchen Weg die Uhr mir zu dieser Lokation vorschlägt, die gerade einmal fünf Kilometer Luftlinie entfernt ist. Ziemlich umständlich (es gibt keinen Touchscreen, und man muss mit den schwergängigen Knöpfen in einem Auswahlmenü die Buchstaben der Kneipe einzeln anfahren) gebe ich „Großer Deich“ ein, und warte zunehmend ungeduldig, während die Uhr „berechne“ anzeigt. Eine Viertel Stunde später hat sie das Ziel immer noch nicht gefunden, und als ich es mit der korrigierten Eingabe „Zum großen Deich“ versuche, wiederholt sich das Trauerspiel, bis ich entnervt abbreche.

Einer Eingebung folgend, frage ich mal bei Google Maps auf meinem Android-Handy nach der gleichen Kneipe. Das für Garmin absolut blamable Ergebnis: Google findet den Zielort binnen Sekunden, egal mit welcher Eingabe und liefert auf Wunsch ebenfalls im Handumdrehen eine für das (Touren)Fahrrad optimierte Route dorthin.

Zugegeben – manchmal klappt es auch mit der Navigation. Aber auch dann nerven die Wartezeiten und die mühsame Eingabe des Zieles.

Nun könnte man ja die etwas schwerfällige Software vielleicht überlisten, indem man eine andere Funktion nutzt: Auf der Garmin-Webseite finden sich ja bereits jede Menge Touren, die andere Sportler absolviert und dort eingestellt haben. Die kann man auf der Landkarte anzeigen, bearbeiten und auch auf die Garmin-Uhren schicken, und natürlich geht das ebenso mit den eigenen Touren, wie mit solchen, die man aus anderen Quellen importiert hat. Gesagt getan: Ich erschaffe auf der Webseite eine Route von Heidelberg ins 30 Kilometer entfernte Waghäusel. Die Software schlägt besonders beliebte Strecken vor, ich kann wählen zwischen Mountainbike, Rennrad oder „Off-Road-Radfahren“, und weil ich gerne Vögel beobachte lege ich meine Route noch extra sorgfältig durch ein Schutzgebiet wenige Kilometer vor dem Zielpunkt in Waghäusel. Dann wird das Ganze abgespeichert, auf die Uhr übertragen, und schließlich am Startpunkt wieder aufgerufen.

Und schon beginnt das Ärgernis auf´s Neue. Ich rufe die bereits gespeicherte Strecke auf, und blicke ungeduldig auf die Anzeige, die da sagt: „berechne“. Dies dauert bei mir regelmäßig zwischen 10 und manchmal bis zu 40 Minuten (!), und das, liebe Garmin-Leute, ist ein Armutszeugnis. Wieder mache ich den Vergleich mit Google Maps und wieder habe ich den Zielpunkt und die Strecke binnen weniger Sekunden vor Augen. Ich fahre los, und lasse die Garmin derweil berechnen, bis sie sich nach ca. acht Kilometern Strecke gnädigerweise einklinkt. „Geschafft“, denke ich mir, freue mich an der superhochauflösenden topographischen Karte, die ich abwechselnd mit einem halben Dutzend frei wählbarer Infos auf dem Display anzeigen lasse. Misstrauisch werde spätestens dann, als ich zum zweiten Mal über die Autobahn geroutet werde, und leicht nervös, als zwischendurch das Display stockt und ich wieder zwei Minuten „berechne“ sehe. Ja, und irgendwann (die Autobahn wurde ein Drittes Mal überquert, sodass ich wieder auf der richtigen Seite bin), habe ich dann tatsächlich auch mein Ziel erreicht. Mit vier zusätzlichen Kilometern, und an dem eigentlich geplanten Höhepunkt vorbei!

Die folgenden zwei Bilder zeigen zuerst die geplante Route, und dann die streng nach Anweisung gefahrene Strecke, auf die ich geschickt wurde. Nicht gut!

Natürlich könnte ich auch jede Menge Dinge erzählen, die die Fenix 5 ganz toll hinkriegt, aber es bleibt das schlechte Gefühl, dass ich wieder einmal den Beta-Tester für ein unfertiges, überteuertes Produkt gemacht habe. Für heute will ich meinen Rant beenden; alles, was man sonst noch so über die Uhr wissen mag, lest ihr am Besten in den zahlreichen Berichten auf Amazon nach.

Hügel um Offenburg – Kammweg Ohlsbach

Ok, nachdem ich bei Offenburg nur einen echten Dreihunderter gefunden habe, kommen jetzt die Vierhunderter ´dran.  Wieder fange ich mit dem Kartenstudium an. Gut lesbar, reiß- und wasserfest ist die Rad- und Wanderkarte „Kinzigtal im Schwarzwald“.  Die hat zwar nur einen Maßstab von 1:50.000, dennoch finde ich dort im Planquadrat nördlich von Gengenbach das Scheibenköpfle (466 Meter), das in der Open Street Map noch nicht verzeichnet ist, und deshalb auch vom Navi in meiner Garmin-Uhr Fenix 5 Plus nicht gefunden wird. Recht prominent und zwischen zwei Mountainbike-Strecken findet sich das Scheibenköpfle auch in der Karte „Offenburg und Renchtal“ (Maßstab 1:30.000). Man hätte das auch als Hinweis nehmen können, dass der Hügel möglicherweise mit dem Rad nicht so ohne weiteres zu erreichen ist – aber so schlau war ich halt nicht…

Jedenfalls erfahre ich nach einiger ´rumgoogelei, dass das Scheibenköpfle wohl früher einmal der Austragungsort des Scheibenschießens war, ein Fasent-Brauch, der mittlerweile als „Schiewerädli-Schießen“ direkt oberhalb von Ohlsbach stattfindet. Im Wesentlichen geht es darum, brennende Holzscheiben der Dame seines Herzens oder anderen hochverehrten Personen zu widmen, und diese  (die Holzscheiben, natürlich) dann mehr oder weniger gekonnt bergab zu schlagen, sodass sie eine feurige Spur am Himmel hinterlassen.

Die Anfahrt von Offenburg zum Scheibenköpfle mit dem Mountainbike führt auf Radwegen über Ortenberg nach Ohlsbach und dort von der Ortsmitte über das Mühleckle in den Wald auf den Kammweg, der an der Gemarkungsgrenze zwischen Ohsbach und Gengenbach verläuft. Der erste Teil ist wunderbar zu fahren, dann kommen immer wieder extrem steile Passagen auf denen man das Bike vor sich her drücken muss (oder man ist gleich so schlau, das Fahrrad stehen zu lassen und den Kammweg bis zum Brandeck-Lindle und zurück zu erwandern). Ziemlich viel Schweiß habe ich dabei an einem Nachmittag im August vergossen, wurde aber belohnt mit Einsamkeit, Wald, und dem gelegentlichen Ausblick über Ohlsbach in das untere Kinzigtal.

Der Bonus für mich war, dass ich nicht nur das Scheibenköpfle erreicht habe, sondern auf dem Weg dahin auch noch zwei weitere „Gipfel“, die auf meinen Karten nicht verzeichnet waren: Hoher Stein (409 M, Geokoordinaten 48,43876618,0166562) und Buchenkopf (460 M, 48,4448438, 8,0206604). Dabei muss man für Ersteren fast schon kraxeln, während Zweiterer halt eher flach ist und „nur“ die höchste Erhebung auf einem Teil des Kammweges darstellt. Beim Hohen Stein gibt´s zwei Betonhocker zum Ausruhen und beide Stellen sind mit Holzschildern und Höhenangaben markiert.

Während der Tour habe ich mich ein bisschen wie Humboldt gefühlt, der auch so einiges „entdeckt“ hat – obwohl natürlich die Einheimischen ihre Hügel schon seit grauer Vorzeit kannten. Jedenfalls bin ich dann noch zum Hauptziel des Tages weitergeradelt, dem Scheibenköpfle (Geokoordinaten 48,4491457, 8,0225519), und dann weiter zum Brandecklindle und auf der anderen Seite des Berges hinunter nach Durbach und zurück nach Offenburg. So ganz perfekt ist diese Entdeckertour noch nicht, daher verlinke ich hier auch noch nicht auf den GPS-Track. Das hole ich dann nach, wenn ich die Strecke in der Gegenrichtung gefahren bin und meine Vermutung sich bestätigt, dass man dabei größere Teile des Kammwegs auf zwei Rädern schaffen kann. Einstweilen habe ich die „fehlenden Berge“ jedenfalls bei Open Street Map eingetragen.