Vom Titisee zum Hochfirst

Große Klappe und nichts dahinter: Zwei Monate sind vergangen seit meiner Ankündigung, die GPS-Dateien zur 3-Länderrundfahrt hier einzustellen. Zu dumm, dass ich nicht einfach nur bloggen kann, worauf ich Lust habe, sondern dass ich meinen Lebensunterhalt mit Zeit fressender Arbeit verdienen muss. Aber ich gelobe Besserung und präsentiere deshalb hier eine kurze Wanderung, die ich gestern absolviert habe. Die Gelegenheit dazu verdanke ich einer großzügig bemessenen Mittagspause während der Titisee-Konferenz „Genomic Regulation“, die vom Boehringer Ingelheim Fonds gefördert wurde. Da ich bei diesen halbjährlich stattfindenden Konferenzen häufig von den Teilnehmern gefragt werde, welche Ziele denn zu Fuß erreichbar wären, habe ich hier die Google-Karte eingestellt und mit einer kurzen Beschreibung versehen. Wer sich beeilt, kann in der Mittagspause die ganze Runde schaffen. Wem das zu knapp erscheint, der sollte vom Hochfirst aus den gleichen Weg zurück gehen und auf die Schleife via Vögelefelsen und Batzenwaldhütte verzichten:

Vom Titisee zum Hochfirst (um die Datei im KML-Format herunter zu laden, einfach den Namen anklicken). Start und Ziel ist Treschers Schwarzwaldhotel. Von dort entlang der Bootsanlegestellen und vom Seerundweg nach links abzweigend nimmt man die Unterführung unter der Schwarzwaldhochstraße B500, dann geht es auf dem breiten Schotterweg bergauf und nach wenigen Minuten links ab der rot-weißen Raute folgend bis zum Hochfirst, wo man sich im gleichnamigen Berggasthaus stärken kann. In einer Viertelstunde erreicht man dann den Vögelefelsen und macht sich an der Batzenwaldhütte auf den Rückweg, der an zahlreichen Ameisenhaufen vorbei und dann zum Sporthotel Sonnhalde in Saig führt. Im Ort geht es dann vom Hochfirstweg rechts auf den Turmweg, dann links der Titiseestraße folgend zur Rodelstrecke, die wieder steil bergab zum See führt.

Das beste an der Tour ist natürlich die Aussicht von oben auf den Titisee und den nur wenige Kilometer entfernten Feldberg, außerdem kann man (für einen Euro) auch noch den Fernmelde- und Aussichtsturm auf dem Hochfirst besteigen und hat dann eine schöne Rundumsicht. Im Gasthaus Hochfirst gibt es reichlich zu essen und zu trinken und wer eine mehrtägige Wanderung durch den Schwarzwald unternimmt, kann hier auch übernachten. Ansonsten ist dies eine eher durchschnittliche Wanderstrecke, die man inklusive Einkehr ohne zu hetzen in drei Stunden bewältigen kann

Den Titisee zu umwandern ist übrigens ein zweifelhaftes Vergnügen, denn auf der nordwestlichen Seite des Sees ist man gezwungen, dafür entlang der Straße zu laufen. Dann schon lieber Bootfahren oder – für die sportlich ambitionierten – ein Mountainbike leihen. Und hinterher die Belohnung nicht vergessen: Ich empfehle eine Schwarzwälder Kirschtorte, zu genießen inklusive Seeblick am schönsten von der Terrasse des Trescher Schwarzwaldhotels.

3-Länder-Rad-Event

Drei Tage, drei (Bundes-)Länder, 300 Kilometer. Dies ist die kürzeste mögliche Zusammenfassung meiner jüngsten Tour. Sie hätten es gerne etwas ausführlicher? Also bitte: Inspiriert von einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich eine günstige Gelegenheit genutzt, mit dem Fahrrad den Odenwald zu erkunden. Und zwar gründlich. Angeboten wurde die Rundfahrt von der Odenwald Tourismus GmbH, die mit dem „3-Länder-Rad-Event“ seit 1999 Besucher anlockt. Alljährlich im August geht es dabei mit immer wieder anderem Streckenverlauf und Etappenorten durch die drei Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Mit 125 Euro pro Person im Doppelzimmer ist die Tour auch für schmale Geldbeutel erschwinglich. Dass dafür außer zwei Übernachtungen inklusive Frühstück auch noch Gepäcktransport, Tourbegleitung und Besichtigungen geboten werden, macht die Sache fast schon zum Schnäppchen.

Schöne Landschaft und gute Organisation, aber nichts für Rennfahrer: Beim 3-Länder-Rad-Event 2011 fuhren 320 Hobbyradler in drei Tagen 300 Kilometer durch den Odenwald, das Neckartal und entlang der Bergstraße.

Außerdem hat die Odenwald Tourismus GmbH auch noch Zusatzleistungen angeboten wie Übernachtungen am Vorabend des Events und am Ankunftstag. Auch Bustransporte zurück zum Startort der jeweiligen Tagesetappen waren möglich, sodass die Teilnehmer auch die Möglichkeit hatten, jeweils nur einzelne Abschnitte zu befahren und am Abend trotzdem samt Fahrrad wieder zurück zu ihrem Ausgangspunkt gelangen konnten. All diese Optionen ließen sich bequem auf einem Fax an die Organisatoren des Events ankreuzen. Drei Wochen vor dem Start fand ich dann die Buchungsbestätigung samt Rechnung, Gepäckanhängern und weiteren Infos in meinem Briefkasten. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt für eine dreitägige Tour so wenig Zeit auf die Organisation verwendet habe.

Wer nicht gerade Radprofi ist findet beim 3-Länder-Rad-Event eine der wenigen Gelegenheiten sich von der Polizei auf Motorrädern eskortieren zu lassen – inklusive Straßensperrungen und den dazugehörigen irritierten Gesichtsausdrücken mancher Autofahrer ob des kilometerlangen Lindwurms, der da im Schneckentempo über die Straße zockelt. Etwa 320 Teilnehmer waren in diesem Jahr mit dabei, ein Großteil davon Herren in den besten Jahren. Auch ein paar Elektrofahrräder wurden gesichtet, und spätestens hier muss ich wohl eine Warnung aussprechen für alle sportlich ambitionierten Radfahrer und Mountainbiker: Diese Tour ist nichts für Euch. Das Tempo ist dafür viel zu langsam. Immer wieder heißt es zudem „Stopp & Go“ wenn beispielsweise ein Bahnübergang überquert werden muss, der Weg enger wird und andere Radfahrer oder Autos entgegen kommen. Abstiegen musste ich auch mit unschöner Regelmäßigkeit immer dann, wenn mal eben ein paar Meter Wiese zu überqueren waren, der Belag von Asphalt zu Schotter wechselte oder die Steigung auf mehr als fünf Prozent anstieg. Denn allzu oft waren manche Teilnehmer damit überfordert, vorher einen Gang ´runter zu schalten oder einfach nur Schwung zu holen, sodass es immer wieder zu Staus „aus dem Nichts“ kam.

Durch das derart erzwungene gemächliche Tempo wurde die Tour auch nicht sicherer oder für Senioren attraktiver. Im Gegenteil war man gut beraten, ständig auf den Vordermann zu achten. Eine Sekunde der Unachtsamkeit genügt und so kam es zu vier Auffahrunfällen, obwohl die allermeisten Teilnehmer offenbar erfahrene Radfahrer waren und sich sehr rücksichtsvoll verhalten haben. Apropos Erfahrung: Die sollte man schon auch mitbringen, ebenso wie eine gewisse Grundkondition und einen trainierten Hintern. Während wir am ersten Tag von Großheubach nach Mosbach knapp 80 Kilometer und 500 Höhenmeter zu bewältigen hatten waren es am zweiten Tag sogar 125 Kilometer – und dies bei hochsommerlichen Temperaturen.

Spaß gemacht hat mir die Rundfahrt auf jeden Fall, auch wegen der guten Stimmung, den neuen Bekanntschaften und dem gemütlichen Beisammensein am Abend. Man fährt durch eine wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft und bekommt für wenig Geld ein Rundum-sorglos-Paket geboten. Die einzelnen Etappen schildere ich in den folgenden drei Teilen meines Berichtes – wer will kann sich dort auch die Tourdaten im GPS-Format herunter laden und die Strecke mit entsprechendem technischen Zubehör dann auch alleine oder in kleiner Runde abfahren.

Auf dem Mühlenweg durchs Ried

Update vom 1. Mai 2012: Der Mühlenradweg ist jetzt offiziell eröffnet, die Strecke komplett ausgeschildert und der Verlauf wurde gegenüber dem auf der Karte unten gezeigten geändert. Am Besten starten Sie jetzt am Schulzentrum in Ichenheim, denn dort gibt es eine schöne Übersichtskarte sowie kostenlos Faltpläne zum einstecken und mitnehmen – inklusive der Geschichte der Mühlen, die jetzt auch alle mit eigenen Erklärtafeln versehen wurden!

Dies ist die erste Tour, die ich auf meinen neuen Reiseseiten beschreiben will. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne„, erinnert mich Herrmann Hesse. Und weil ich diesen Anfang nicht vermasseln will, habe ich auch noch bei Johann Wolfgang von Goethe nachgeschlagen. Der fragte nicht nur: “Willst du immer weiter schweifen?“, sondern gab uns auch den Rat: „Sieh, das Gute liegt so nah!” Und da Goethe ja eigentlich immer irgendwie recht hat, geht es heute direkt vor meiner Haustür los.

Ich schwinge mich aufs Fahrrad und treffe nach ein paar Hundert Metern auf eine neu geschaffene Rundstrecke, die sich der Arbeitskreis Tourismus Neuried ausgedacht hat. Tatsächlich ist der Mühlenrundweg so neu, dass ich ihn gleich zwei Mal in Angriff nehmen musste, weil noch nicht alle Schilder angebracht waren. Inzwischen (2017) gab es auch kleine Änderungen an der Streckenführung, sodass ich den Link zu meiner alten gpx-datei hier entfernt habe. Aber immer noch ist die Strecke ca. 33 Kilometer lang und verläuft völlig flach, daher auch für kleine Familienausflüge gut geeignet. Etwa 90 Prozent des Weges sind mit Asphalt geteert, der Rest sind Schotter und Waldwege, also nichts für Rennradfahrer. Die Landschaft ist – nun ja – landwirtschaftlich geprägt, und die größte Attraktion sind weniger die Mühlen selbst als vielmehr das gute Essen (Stichwort: Flammkuchen!) das bei urgemütlicher Atmosphäre in drei der Mühlen geboten wird.

Starten kann man zum Beispiel in der Ortsmitte von Ichenheim, fährt dann am „Schwanen“ vorbei auf die Rheinstraße und biegt beim Hofweg rechts ab. Von hier aus ist alles prima ausgeschildert. Erst geht es über die Felder nach Altenheim mit seinen schmucken Fachwerkhäusern. Am schönsten wurde die Atmosphäre hier in Geo Saison, Heft 10 / 2004 in dem Artikel Radtour: Die Ortenau beschrieben:

Der Zauber einer beinahe vergessenen Zeit liegt über den Dörfern, in denen alles das rechte Maß hat. In der Mitte stehen die Kirche, das Rat- und das Wirtshaus, umgeben von einem Ring aus schmalen Bauernhäuschen, die nicht mit Kunstklinker verschandelt oder mit Eternit verschalt wurden. Umrahmt von blühenden Gärten, sehen sie immer noch so aus wie vor hundert Jahren.

Weniger schön, aber ebenfalls Teil der Geschichte ist ein gesprengter Bunker, an dem wir vorbeikommen, nachdem wir Altenheim durchquert haben und nahe der Altenheimer Mühle auf einen Waldweg abgebogen sind. Nach Überquerung der L98 führt uns die Industriestraße zu einem Verkehrskreisel. Dort links zum Ortsrand von Goldscheuer, dann rechts auf den Sonnenweg und via Kittersburger Straße den Schildern folgend zur Kittersburger Mühle (Tel. 07854-1255). Die hat zwar noch keine Webseite, dafür aber einen der schönsten Biergärten in der Region. Natürlich gibt´s auch Wein, leckere Hähnchen und vor allem den Rahmkuchen in diversen Varianten. Das ist die Badische Antwort auf den Elsässer Flammkuchen – und ob es da einen Unterschied gibt wird der schlacksige Kellner dort in seiner unnachahmlichen Art sicher gerne erläutern 😉

Jedenfalls ist die Kittersburger Mühle der nördlichste Punkt unserer Reise. Falls die geschlossen hat gibt es noch zwei weitere Chancen, einen Rahm- bzw. Flammkuchen zu genießen. Dazu müsst ihr aber erst wieder ein paar Kilometer strampeln. Im Sommer wird einem dabei schon ´mal die Sicht versperrt durch die zahlreichen Maisfelder, die dank der unsinnigen Biosprit-Subventionen hier seit einigen Jahren in die Höhe schießen.

Lange Tradition hat „im Ried“ dagegen der Tabakanbau. Mit 470m Hektar Fläche ist Neuried noch heute die größte Tabakanbaugemeinde Deutschlands, belehrt mich die Wikipedia. Ich frage mich, warum die Leute sich aufregen über ein paar Cannabis-Felder in Mexiko und wer wohl die größeren Gesundheitsschäden verursacht? Wenn schon Subventionen, warum dann nicht für Blumenfelder und Streuobstwiesen? Dann erinnere ich mich daran, dass Logik und Gesetzgebung schon lange nicht mehr zusammen passen und fahre weiter.

Kaum zu übersehen ist die Rohrburger Mühle (wo es aber nichts zu essen gibt), die als nächste Station etwa auf halber Strecke liegt. Dann überqueren wir zwei Mal die Schutter, jenes 55 Kilometer lange Flüsschen, das ursprünglich die Mühlen angetrieben hat. Weiter geht es durch Müllen, bis wir an der Dundenheimer Mühle erneut auf die Schutter treffen. Auch hier gibt es Flammkuchen, allerdings nicht durchgehend, sodass man sich besser vorher nach den aktuellen Öffnungszeiten erkundigt (Tel.: 07807-3380). Die letzte Chance auf einen Flammkuchen bietet dann die Schutterzeller Mühle (Tel.: 07807-401), aktuell die einzige der fünf Mühlen mit eigener Webseite. Die restlichen vier Kilometer zurück zum Ausgangspunkt führen vorbei am Ottenweier Hof, dessen Geschichte sich bis zum Jahr 1347 zurück verfolgen lässt und der auch in diesem Jahr wieder zur Riedwoche mit einem mittelalterlichen Hoffest für Besucher geöffnet sein wird (am 13. und 14.August 2011., von 14:00 bis 20:00).

Damit genug der Heimatkunde für heute. Weiter geht es in der kommenden Woche. Wenn alles klappt blogge ich dann live vom 3-Länder-Rad-Event, der mich auf knapp 300 Kilometern in drei Tagen durch den Naturpark Odenwald führen wird…

Ichenheim – Mein neues Leben im Ried

Ich habe es getan: Der nunmehr zehnte Umzug meines Lebens liegt (größtenteils) hinter mir und mit der Ummeldung bin ich seit dem 1. Januar 2011 nun auch offiziell ein Ichenheimer. Inspiriert von zweien meiner Lieblingsbücher und voller guter Vorsätze habe ich beschlossen, diese Herausforderung anzunehmen, die Kunst des Reisens auch in der neuen Heimat zu praktizieren und von der Schönheit des Guten zu berichten – auch wenn es mich ganz schön nervt, dass ich hier Internet-mäßig offenbar am A…… der Welt gelandet bin.

Ichenheim ist der bislang kleinste Ort, an dem ich gelebt habe und der erste, der in meinem Lieblingslexikon Encyclopedia Britannica nicht erwähnt wird („Sorry, we were unable to find an exact match“). Nein, ich habe nicht Hildesheim gemeint und auch nicht Rüdesheim!

Selbst die Wikipedia befindet meine neue Heimat offenbar nicht würdig für einen eigenen Eintrag. Und wer jetzt schon ´mal in seinen großen Weltaltlas zu suchen beginnt, wird wahrscheinlich ebenfalls nicht fündig – es sei denn, das Teil ist mindestens 37 Jahre alt. Das liegt nicht etwa daran, dass Ichenheim eine Geisterstadt wäre. Vielmehr wurde der Ort am 1. Januar 1973 ein Opfer der baden-württembergischen Gemeindereform. Zusammen mit Altenheim, Dundenheim, Müllen und Schutterzell wurde Ichenheim an diesem Tag zum Ortsteil der Großgemeinde Neuried degradiert – und verschwand damit von zahlreichen Landkarten. Dies ist auch der Grund, warum mich mit dem Navi, dem Tripadvisor oder -zig anderen nützlichen Einrichtungen keiner findet: Wer „Ichenheim“ statt „Neuried“ eingibt bekommt lediglich eine Fehlermeldung.

Schade eigentlich, denn auch wenn Ichenheim mit seinen aktuell 2870 Einwohnern nicht gerade der Nabel der Welt ist, so gibt es „im Ried“ doch einiges zu entdecken. Früher wurde hier vorwiegend Tabak für Roth-Händle & Co angebaut und noch immer ist Neuried eine der größten Tabakanbaugemeinden Deutschlands. Weil aber heute kaum einer mehr ungestraft rauchen darf und weil sogar die EU ihre Subventionen für das tödliche Kraut nach jahrelangem Gezeter auslaufen lies, haben die hiesigen Bauern flexibel reagiert. Jetzt versperren sie uns im Sommer mit Maisfeldern die Sicht, die das Rohmaterial für ökologisch völlig unsinnigen Biosprit liefern und die natürlich ebenfalls subventioniert werden. Grummel. Und nun zurück zum Thema – Michel!

Gleich hinter den Maisfeldern liegt im Westen der Rhein mit seinen stillen Altwassern und Seegraswiesen, umgeben von oft dichtem Unterholz und bewohnt von zahlreichen Vogelarten. Pflanzenfreunde dürfen sich an allerlei Sumpfgewächsen und den gelegentlichen Orchideen freuen, und auf den vielen Streuobstwiesen könnte man das halbe Jahr über Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Mirabellen klauen – wenn das nicht verboten wäre und wenn nicht all die feinen Früchtchen für das Obstwasser gebraucht würden. Diese Landschaft ist dem 20 Kilometer entfernten Taubergießen recht ähnlich, wenn auch weitaus weniger Besucher hierher finden.

Am schönsten erlebt man den Altrhein mit dem Kanu, das Eingeweihte z.B. in der Rheinstraße in Ottenheim ins Wasser lassen. Von dort dümpelt man dann gemütlich westlich an Meißenheim vorbei, um nach einer Rast am Ichenheimer Anglerheim mit ein oder zwei kurzen Umtragungen weiter zu paddeln hinter Altenheim vorbei bis knapp südlich der dortigen Rheinbrücke (eine genauere Beschreibung gibt es z.B. bei Kanu-Wolf unter „Ottenheimer“).

Erfrischung ohne Kanu bieten nahe gelegene Baggerseen, wie z.B. der bei Tauchern sehr beliebte Matschelsee an der B36 in Richtung Lahr oder der Blattsee, die allerdings beide in Privatbesitz sind und deren Zugänglichkeit daher schwankt.

Verhungern muss in Ichenheim auch keiner. Gut geschmeckt hat es mir im vorwiegend vegetarisch orientierten Löwen (Hauptstr. 40), der allerdings nur an Mittwoch- und Donnerstagsabenden geöffnet hat(!). Schräg gegenüber gibt es den nur Montags geschlossenen Schwanen, der auf seiner langen Speisekarte ökologisch korrekt vorwiegend regionale Gerichte aus einheimischen Zutaten anpreist, und zwischen Löwen und Schwanen liegt der Prinzen, wo ich trotz Fastnachtstrubel auch schon ein ordentliches Schnitzel gekriegt habe.

Da wir nun schon mal in Downtown Ichenheim sind, will ich auch die katholische Kirche erwähnen, die 1822 von Hans Voss im Weinbrenner-Stil erbaut wurde. Heute wird die Kultur nicht nur von dem Verein „Läwe im Lewe“ gepflegt, sondern es gibt hier wie auch in den benachbarten Ortschaften eine sehr lebendige und m.E. unterschätzte Künstlergemeinde (z.B. die Malerin Ellen Vetter oder mein (nun ehemaliger) Nachbar, der Fotograf Jürgen Rudolf, sowie die aus Altenheim stammende und heute in Prag tätige Birgitt Fischer).

 

Weitere Informationen:

Helft mir in die Achterbahn – ich bin 47!

Gestern im Europapark Rust: Strahlende Sonne bei 28 Grad, gefühlte 40000 Besucher und der älteste Sack von allen – bin ich  😯 

Der Blue Fire ist eine von derzeit 13 Achterbahnen im Europapark Rust.

Aber was soll´s, versprochen ist versprochen und außerdem wollte ich es noch einmal wissen. Manche Leute kommen hierher, weil sie es süß finden, wie hier halb Europa in Form von liebevollen Nachbauten reproduziert wird, andere kommen wegen der Eventhotels und wieder andere wegen Partys, Kino oder Konzerten. Von mir aus. Ich aber bereise Europa lieber selbst, bevorzuge die Originale gegenüber den Kopien und hatte eigentlich nur einen Grund hierher zu kommen: Wer so wie ich ein eingefleischter Achterbahn-Fan ist, muss den Europapark in Rust einfach besucht haben, denn dort steht gleich ein halbes Dutzend dieser Teile (Anmerkung: Im Sommer 2017 sind es 13!).

In mehreren Hundert Kilometern Umkreis gibt es nichts vergleichbares, was auch die Schweizer und Franzosen längst entdeckt haben. Ob ich nicht ein wenig zu alt bin für solchen Kinderkram, höre ich Sie kopfschüttelnd fragen. Ach was! Schließlich hat es der NASA-Astronaut John Glenn mit 77 Jahren zum vorläufig letzten Mal in den Orbit und zurück geschafft. Warum sollte dann nicht ein halbwegs fitter 47-Jähriger ein paar Sekunden freien Fall durchstehen, gewaltige Beschleunigungen, Loopings und pulstreibende Ausblicke aus schwindelerregender Höhe?

Also los mit Nichte Kira, deren Freundin Celina und dem fast schon 15-jährigen Nicolas, der uns als Routinier durch die Besuchermassen von einer Attraktion zur anderen lotste, während die technischen Details und allgemein Wissenswertes aus ihm heraus sprudelten, als wäre er ein wandelndes Lexikon. Danke, Kids, das war ein gelungener Tag! Leider ist das Gefühl, in einer richtig guten Achterbahn zu fahren, nahezu unbeschreiblich. Deshalb kann ich jedem nur raten, es selbst einmal zu versuchen.

Trotz der ätzenden Ansteherei hat es Kira, Celina, Nicolas und mir gewaltigen Spaß gemacht und – nein, keinem von uns ist es so schlecht geworden, dass uns Zuckerwatte, Eis, Hotdogs oder sonstige Snacks aus dem Gesicht gefallen wären. Im Gegenteil: Ich habe Lust auf mehr und dies war sicher nicht mein letzter Besuch im Europapark. Nur eins habe ich mir geschworen: In den großen Ferien lockt mich so schnell keiner mehr hierher. Muss ich ja auch nicht, denke ich mir schelmisch auf der Heimfahrt. Ich komme in der Nachsaison oder in der nächsten Vorsaison und muss dafür nicht einmal die Schule schwänzen. Manchmal ist es eben doch ganz prima, ein alter Sack zu sein  😛