Fenix 5 – Ein Verriss

Soeben ist bei Garmin die neueste Reihe von Sportuhren der Oberklasse erschienen – die Fenix 6 mit einem halben Dutzend Modellen und Sonderausstattungen, mit Preisen zwischen 600 und 1150 Euro. Bevor ihr nun aber losrennt und Euer sauer verdientes Geld für einen dieser vermeintlichen Alleskönner ´raushaut, habe ich einen Tipp für Euch: Tut es nicht.

Ich sage das, ohne die Fenix 6 getestet oder auch nur in Händen gehabt zu haben. Denn die Wahrscheinlich ist groß, dass ihr davon genauso enttäuscht sein werdet wie ich von meiner Fenix 5 Plus, die ich vor etwa einem Jahr zum stolzen Preis von € 650 (jetzt € 580 bei Amazon) guter Hoffnung erworben habe.

Aber lasst uns positiv beginnen: Die Uhren der Fenix-Serie von Garmin sehen schick aus, haben im Gegensatz zu typischen Smartwatches ordentliche Laufzeiten im GPS-Betrieb, und sie können alles, was ein gutes Fitnessarmband auch kann, und sogar noch ein bisschen mehr. Allerdings kosten sie auch mindestens drei Mal so viel – und dann will man schon wissen, wofür.

Ich habe meine Garmin gekauft wegen der Navi-Funktion mit der eingebauten, hochauflösenden Europakarte, und wegen des Roundtrip-Routings, bei dem man vom eigenen Standort aus Vorschläge bekommt, wobei man die Streckenlänge und Richtung vorgeben kann. Dumm nur, dass beide Funktionen so wenig ausgereift sind, dass sie praktisch nutzlos sind.

Fangen wir mit dem Roundtrip-Routing an: Es schlägt einigermaßen sinnvolle Touren vor, und auf dem Mountainbike kann ich die Richtungs- und Abbiegehinweise auch gut lesen. Das Problem: Nach jeweils etwa 10 Minuten Fahrt geht die Uhr in den Schlafmodus. Davor wird zwar eine 30 Sekunden lange Warnung eingeblendet. Wenn man die aber übersieht, und nicht rechtzeitig einen der Knöpfe an der Uhr drückt, landet die Tour im Orkus. Eine Fortsetzung ist nicht möglich, die Daten sind unwiederbringlich verloren, und wenn man zum Ausgangspunkt zurück will, ist auch diese Information verschwunden. Auf den ersten sieben Ausfahrten ist mir das sechs Mal passiert. Man steht dann in der Pampa und muss sich mit anderen Funktionen abkämpfen, um wieder nach Hause zu finden.

Wie findet man überhaupt die Ziele in der Umgebung mit der Fenix 5? Nun, eigentlich sollte das Dank der unzähligen eingespeicherten Ortsmarken (Points of Interest, POI) kein Problem sein. Die sind im Navigiermodus ebenso zu erreichen wie beim Start der verschiedenen Aktivitäten wie Laufen, Wandern oder Radfahren. Städte, Restaurants, Tankstellen, Unterkünfte, Sehenswertes, Bahn- und Busstationen und vieles mehr machen Lust auf Erkundungen aber ach: Der erhoffte Wegbegleiter, auf den man sich in fremdem Gelände verlassen kann, ist diese Funktion leider auch nicht.

Konkretes Beispiel: Ich habe mit dem Mountainbike einen Hügel erklommen und möchte auf dem Heimweg noch bei einem mir bereits bekannten Restaurant halt machen. Bin gespannt, welchen Weg die Uhr mir zu dieser Lokation vorschlägt, die gerade einmal fünf Kilometer Luftlinie entfernt ist. Ziemlich umständlich (es gibt keinen Touchscreen, und man muss mit den schwergängigen Knöpfen in einem Auswahlmenü die Buchstaben der Kneipe einzeln anfahren) gebe ich „Großer Deich“ ein, und warte zunehmend ungeduldig, während die Uhr „berechne“ anzeigt. Eine Viertel Stunde später hat sie das Ziel immer noch nicht gefunden, und als ich es mit der korrigierten Eingabe „Zum großen Deich“ versuche, wiederholt sich das Trauerspiel, bis ich entnervt abbreche.

Einer Eingebung folgend, frage ich mal bei Google Maps auf meinem Android-Handy nach der gleichen Kneipe. Das für Garmin absolut blamable Ergebnis: Google findet den Zielort binnen Sekunden, egal mit welcher Eingabe und liefert auf Wunsch ebenfalls im Handumdrehen eine für das (Touren)Fahrrad optimierte Route dorthin.

Zugegeben – manchmal klappt es auch mit der Navigation. Aber auch dann nerven die Wartezeiten und die mühsame Eingabe des Zieles.

Nun könnte man ja die etwas schwerfällige Software vielleicht überlisten, indem man eine andere Funktion nutzt: Auf der Garmin-Webseite finden sich ja bereits jede Menge Touren, die andere Sportler absolviert und dort eingestellt haben. Die kann man auf der Landkarte anzeigen, bearbeiten und auch auf die Garmin-Uhren schicken, und natürlich geht das ebenso mit den eigenen Touren, wie mit solchen, die man aus anderen Quellen importiert hat. Gesagt getan: Ich erschaffe auf der Webseite eine Route von Heidelberg ins 30 Kilometer entfernte Waghäusel. Die Software schlägt besonders beliebte Strecken vor, ich kann wählen zwischen Mountainbike, Rennrad oder „Off-Road-Radfahren“, und weil ich gerne Vögel beobachte lege ich meine Route noch extra sorgfältig durch ein Schutzgebiet wenige Kilometer vor dem Zielpunkt in Waghäusel. Dann wird das Ganze abgespeichert, auf die Uhr übertragen, und schließlich am Startpunkt wieder aufgerufen.

Und schon beginnt das Ärgernis auf´s Neue. Ich rufe die bereits gespeicherte Strecke auf, und blicke ungeduldig auf die Anzeige, die da sagt: „berechne“. Dies dauert bei mir regelmäßig zwischen 10 und manchmal bis zu 40 Minuten (!), und das, liebe Garmin-Leute, ist ein Armutszeugnis. Wieder mache ich den Vergleich mit Google Maps und wieder habe ich den Zielpunkt und die Strecke binnen weniger Sekunden vor Augen. Ich fahre los, und lasse die Garmin derweil berechnen, bis sie sich nach ca. acht Kilometern Strecke gnädigerweise einklinkt. „Geschafft“, denke ich mir, freue mich an der superhochauflösenden topographischen Karte, die ich abwechselnd mit einem halben Dutzend frei wählbarer Infos auf dem Display anzeigen lasse. Misstrauisch werde spätestens dann, als ich zum zweiten Mal über die Autobahn geroutet werde, und leicht nervös, als zwischendurch das Display stockt und ich wieder zwei Minuten „berechne“ sehe. Ja, und irgendwann (die Autobahn wurde ein Drittes Mal überquert, sodass ich wieder auf der richtigen Seite bin), habe ich dann tatsächlich auch mein Ziel erreicht. Mit vier zusätzlichen Kilometern, und an dem eigentlich geplanten Höhepunkt vorbei!

Die folgenden zwei Bilder zeigen zuerst die geplante Route, und dann die streng nach Anweisung gefahrene Strecke, auf die ich geschickt wurde. Nicht gut!

Natürlich könnte ich auch jede Menge Dinge erzählen, die die Fenix 5 ganz toll hinkriegt, aber es bleibt das schlechte Gefühl, dass ich wieder einmal den Beta-Tester für ein unfertiges, überteuertes Produkt gemacht habe. Für heute will ich meinen Rant beenden; alles, was man sonst noch so über die Uhr wissen mag, lest ihr am Besten in den zahlreichen Berichten auf Amazon nach.

Hügel um Offenburg – Kammweg Ohlsbach

Ok, nachdem ich bei Offenburg nur einen echten Dreihunderter gefunden habe, kommen jetzt die Vierhunderter ´dran.  Wieder fange ich mit dem Kartenstudium an. Gut lesbar, reiß- und wasserfest ist die Rad- und Wanderkarte „Kinzigtal im Schwarzwald“.  Die hat zwar nur einen Maßstab von 1:50.000, dennoch finde ich dort im Planquadrat nördlich von Gengenbach das Scheibenköpfle (466 Meter), das in der Open Street Map noch nicht verzeichnet ist, und deshalb auch vom Navi in meiner Garmin-Uhr Fenix 5 Plus nicht gefunden wird. Recht prominent und zwischen zwei Mountainbike-Strecken findet sich das Scheibenköpfle auch in der Karte „Offenburg und Renchtal“ (Maßstab 1:30.000). Man hätte das auch als Hinweis nehmen können, dass der Hügel möglicherweise mit dem Rad nicht so ohne weiteres zu erreichen ist – aber so schlau war ich halt nicht…

Jedenfalls erfahre ich nach einiger ´rumgoogelei, dass das Scheibenköpfle wohl früher einmal der Austragungsort des Scheibenschießens war, ein Fasent-Brauch, der mittlerweile als „Schiewerädli-Schießen“ direkt oberhalb von Ohlsbach stattfindet. Im Wesentlichen geht es darum, brennende Holzscheiben der Dame seines Herzens oder anderen hochverehrten Personen zu widmen, und diese  (die Holzscheiben, natürlich) dann mehr oder weniger gekonnt bergab zu schlagen, sodass sie eine feurige Spur am Himmel hinterlassen.

Die Anfahrt von Offenburg zum Scheibenköpfle mit dem Mountainbike führt auf Radwegen über Ortenberg nach Ohlsbach und dort von der Ortsmitte über das Mühleckle in den Wald auf den Kammweg, der an der Gemarkungsgrenze zwischen Ohsbach und Gengenbach verläuft. Der erste Teil ist wunderbar zu fahren, dann kommen immer wieder extrem steile Passagen auf denen man das Bike vor sich her drücken muss (oder man ist gleich so schlau, das Fahrrad stehen zu lassen und den Kammweg bis zum Brandeck-Lindle und zurück zu erwandern). Ziemlich viel Schweiß habe ich dabei an einem Nachmittag im August vergossen, wurde aber belohnt mit Einsamkeit, Wald, und dem gelegentlichen Ausblick über Ohlsbach in das untere Kinzigtal.

Der Bonus für mich war, dass ich nicht nur das Scheibenköpfle erreicht habe, sondern auf dem Weg dahin auch noch zwei weitere „Gipfel“, die auf meinen Karten nicht verzeichnet waren: Hoher Stein (409 M, Geokoordinaten 48,43876618,0166562) und Buchenkopf (460 M, 48,4448438, 8,0206604). Dabei muss man für Ersteren fast schon kraxeln, während Zweiterer halt eher flach ist und „nur“ die höchste Erhebung auf einem Teil des Kammweges darstellt. Beim Hohen Stein gibt´s zwei Betonhocker zum Ausruhen und beide Stellen sind mit Holzschildern und Höhenangaben markiert.

Während der Tour habe ich mich ein bisschen wie Humboldt gefühlt, der auch so einiges „entdeckt“ hat – obwohl natürlich die Einheimischen ihre Hügel schon seit grauer Vorzeit kannten. Jedenfalls bin ich dann noch zum Hauptziel des Tages weitergeradelt, dem Scheibenköpfle (Geokoordinaten 48,4491457, 8,0225519), und dann weiter zum Brandecklindle und auf der anderen Seite des Berges hinunter nach Durbach und zurück nach Offenburg. So ganz perfekt ist diese Entdeckertour noch nicht, daher verlinke ich hier auch noch nicht auf den GPS-Track. Das hole ich dann nach, wenn ich die Strecke in der Gegenrichtung gefahren bin und meine Vermutung sich bestätigt, dass man dabei größere Teile des Kammwegs auf zwei Rädern schaffen kann. Einstweilen habe ich die „fehlenden Berge“ jedenfalls bei Open Street Map eingetragen.

Hügel um Offenburg – Keugeleskopf und Silberlöchlebühl

Sie suchen extreme körperliche Herausforderungen und unberührte Bergwelten? Dann sind sie hier falsch. Meine Wahlheimat Offenburg liegt am Fuße des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und inmitten einer vielfältigen Kulturlandschaft, so dass man hier Rhein, Reben und Wald jeweils in kürzester Zeit erreichen kann. Für diese Miniserie habe ich einfach nur systematisch die Hügel um Offenburg besucht und aufgeschrieben, was es dort zu sehen gibt. Laut Wikipedia gelten in Deutschland bereits Erhebungen ab 300 Metern als „Berge“. Es ist bei uns also ziemlich einfach, zum Gipfelstürmer zu werden – sogar mit dem Mountainbike.

Wir fangen an mit Keugeleskopf und Silberlöchlebühl. Beides sind (angeblich) „Dreihunderter“, und damit die niedrigsten Erhebungen, die  in meiner Landkarte und bei OpenStreetMap verzeichnet sind. Der schönere und mit 7 Metern auch Höhere der beiden ist mit 372 Metern der Keugeleskopf, manchmal auch „Kügelskopf“ genannt (Geokoordinaten: 48,4439508; 7,9831146). An seinem Westhang liegt Schloss Ortenberg und nicht weit entfernt in südöstlicher Richtung das urige, aber nur Sonntags geöffnete Naturfreundehaus Nothalde. Will man den Keugeleskopf aus südlicher Richtung von Ohlsbach her an einem anderen Tag erwandern, so bietet sich „Im Schlauchberg“ (Geokoordinaten: 48,4418519; 7,9845933) als schöner Rats- und Aussichtspunkt an.

Blick vom Hohen Horn auf den Keugeleskopf (Bildmitte links), einen Hügel oberhalb von Ohlsbach am Eingang zum Kinzigtal.

Vom flachen Gipfel sind es in nordöstlicher Richtung nur etwa 600 Meter bis zum Freudentaler Eck (Geokordinaten: 48,44592367,9869662), wo gleich ein halbes Dutzend Wege zusammentreffen und ebenfalls eine Hütte zur Rast einlädt. Von dieser Seite lässt sich der Keugeleskopf übrigens auch mit dem Mountainbike fahrenderweise erreichen, die anderen Zugangswege sind über weite Strecken dafür zu steil. Ein Fahrverbot, das dort noch vor einigen Jahren wegen archäologischer Ausgrabungen galt, ist offenbar aufgehoben.

Der Hügel selbst ist zumeist mit Buchenwald bedeckt, und die kahl gefegten Flächen, die der Sturm Lothar an Weihnachten 1998 hinterlassen hat, sind weitgehend zugewachsen. Leider bedeutet dies, dass man von hier oben nicht in die Ebene schauen kann. Aber was soll´s – dafür hat man einen schönen Wald und sobald man ihn wieder verlässt gibt´s entlang der Reben wieder Aussicht satt.

Geschichtsträchtig ist der Keugeleskopf auch, wie die Ortsverwaltung Ortenberg auf ihrer Webseite verkündet. Demnach hausten hier etwa 600 v. Ch. die Kelten, und 1000 Jahre später auf den Überresten der alten Befestigungen die Alemannen. Von dort oben hatte man wohl die Kontrolle über eine wichtige Handelsroute, die zu Zeiten der Römer von Straßburg durch das Kinzigtal nach Rottweil ging. Zahlreiche Gegenstände aus Metall und Keramik hat man auf dem Keugeleskopf entdeckt, lese ich. Wo die ausgestellt sind, habe ich aber nicht heraus gefunden. Nun ja, wer mehr darüber wissen will kann ja bei Amazon die Bücher bestellen, die der Leiter der Ausgrabungen Michael Hoeper geschrieben hat.

Dann wäre noch die Sache mit dem Zweitnamen „Kügelskopf“ zu klären. Der kommt – so wird vermutet – aus der Zeit des französisch-holländischen Krieges als Ludwig XIV. die Burg zu Ortenberg zerstören ließ. Die Kanonenkugeln (Kügels) wurden demnach von hier oben auf das tiefer liegende Ziel abgefeuert.

Der zweite „Dreihunderter“ sollte laut Open Street Map das Silberlöchlebühl sein. Es liegt demnach in nordöstlicher Richtung auf dem Gebiet der Gemeinde Ohlsbach und hat die Geokoordinaten 48,4500223; 8,0030067. Zunächst musste ich ein wenig über meinen Karten brüten , um letztlich eine sinnvolle Anfahrtsroute zu entwerfen. Ein guter Orientierungspunkt ist, von Ohlsbach kommend, die Kapelle Maria im Weinberg (Geokordinaten 48,43643057,9950024), die gleichermaßen prominent und schön in den Reben oberhalb der Ortschaft thront. Im Inneren informiert ein Gedicht über den Stifter und die vielen Freiwilligen, die die Kapelle binnen kürzester Zeit erbaut haben.

Die kürzeste Verbindung von hier zum Silberlöchlebühl führt über den Kammweg, der oberhalb der Kapelle am Waldrand links beginnt. Das ständige auf und ab mag Wanderer erfreuen, für Mountainbiker ist diese Route aber nicht so spaßig. Denen würde ich daher empfehlen, vom Kammweg die erste Abzweigung links zu nehmen, und die nächste rechts, sodass man auf der nördlichen Seite des Kamms bleibt, bis man auf einen breiten Fahrweg trifft. Von hier sind es dann in Fahrtrichtung leicht bergab nochmals ca. 100 Meter, bis zu… Ja bis wohin eigentlich? Tatsächlich handelt es sich beim Silberlöchlebühl um eine Wegkreuzung und mitnichten um einen Gipfel! Denn die ursprünglich auf der Karte angegebene Position liegt 50 Meter weiter im Wald, und die einzigen Hügel, die ich dort gesehen habe, gehören mehreren Ameisenvölkern. An der Kreuzung selbst steht dagegen ein Pfosten mit drei Wegweisern und darauf ganz unmissverständlich die Positions- und Höhenangabe: „Silberlöchlebühl“, 370 Meter (Geokoordinaten 48,45035988,0040632).

Erst habe ich mich geärgert, dass ich dermaßen um den Gipfel betrogen wurde, nur weil vor acht Jahren jemand in der Karte einen falschen Eintrag gemacht hat. Dann aber habe ich es positiv gesehen: In einer Zeit, in der es fast nichts mehr zu entdecken gibt, habe ich einen falschen Gipfel enttarnt. Wieder daheim wurde der dann auch bei Open Street Map entfernt und in eine Kreuzung zweier Waldwege umgewandelt. Wie dem auch sei, gibt es von hier aus zwei Wege zurück nach Ohlsbach. Der eine führt von der Kreuzung talwärts durch den Riesenwald, bis er unweit des Naturfreundehauses Nothalde (nur Sonntag geöffnet) wieder auf den Ortsrand von Ohlsbach trifft. Die andere Route geht zunächst einige wenige Höhenmeter bergauf und dann am Jugendheim Schindelhof durchs Dorf zurück.

Merke: es gibt bei Offenburg nur einen „Dreihunderter“, und das ist der Keugeleskopf. Und was es an „Vierhundertern“ zu erklimmen gibt, will ich in der nächsten Folge ausloten.

3-Länder-Rad-Event

Drei Tage, drei (Bundes-)Länder, 300 Kilometer. Dies ist die kürzeste mögliche Zusammenfassung meiner jüngsten Tour. Sie hätten es gerne etwas ausführlicher? Also bitte: Inspiriert von einem Artikel in der online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich eine günstige Gelegenheit genutzt, mit dem Fahrrad den Odenwald zu erkunden. Und zwar gründlich. Angeboten wurde die Rundfahrt von der Odenwald Tourismus GmbH, die mit dem „3-Länder-Rad-Event“ seit 1999 Besucher anlockt. Alljährlich im August geht es dabei mit immer wieder anderem Streckenverlauf und Etappenorten durch die drei Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Mit 125 Euro pro Person im Doppelzimmer ist die Tour auch für schmale Geldbeutel erschwinglich. Dass dafür außer zwei Übernachtungen inklusive Frühstück auch noch Gepäcktransport, Tourbegleitung und Besichtigungen geboten werden, macht die Sache fast schon zum Schnäppchen.

Schöne Landschaft und gute Organisation, aber nichts für Rennfahrer: Beim 3-Länder-Rad-Event 2011 fuhren 320 Hobbyradler in drei Tagen 300 Kilometer durch den Odenwald, das Neckartal und entlang der Bergstraße.

Außerdem hat die Odenwald Tourismus GmbH auch noch Zusatzleistungen angeboten wie Übernachtungen am Vorabend des Events und am Ankunftstag. Auch Bustransporte zurück zum Startort der jeweiligen Tagesetappen waren möglich, sodass die Teilnehmer auch die Möglichkeit hatten, jeweils nur einzelne Abschnitte zu befahren und am Abend trotzdem samt Fahrrad wieder zurück zu ihrem Ausgangspunkt gelangen konnten. All diese Optionen ließen sich bequem auf einem Fax an die Organisatoren des Events ankreuzen. Drei Wochen vor dem Start fand ich dann die Buchungsbestätigung samt Rechnung, Gepäckanhängern und weiteren Infos in meinem Briefkasten. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt für eine dreitägige Tour so wenig Zeit auf die Organisation verwendet habe.

Wer nicht gerade Radprofi ist findet beim 3-Länder-Rad-Event eine der wenigen Gelegenheiten sich von der Polizei auf Motorrädern eskortieren zu lassen – inklusive Straßensperrungen und den dazugehörigen irritierten Gesichtsausdrücken mancher Autofahrer ob des kilometerlangen Lindwurms, der da im Schneckentempo über die Straße zockelt. Etwa 320 Teilnehmer waren in diesem Jahr mit dabei, ein Großteil davon Herren in den besten Jahren. Auch ein paar Elektrofahrräder wurden gesichtet, und spätestens hier muss ich wohl eine Warnung aussprechen für alle sportlich ambitionierten Radfahrer und Mountainbiker: Diese Tour ist nichts für Euch. Das Tempo ist dafür viel zu langsam. Immer wieder heißt es zudem „Stopp & Go“ wenn beispielsweise ein Bahnübergang überquert werden muss, der Weg enger wird und andere Radfahrer oder Autos entgegen kommen. Abstiegen musste ich auch mit unschöner Regelmäßigkeit immer dann, wenn mal eben ein paar Meter Wiese zu überqueren waren, der Belag von Asphalt zu Schotter wechselte oder die Steigung auf mehr als fünf Prozent anstieg. Denn allzu oft waren manche Teilnehmer damit überfordert, vorher einen Gang ´runter zu schalten oder einfach nur Schwung zu holen, sodass es immer wieder zu Staus „aus dem Nichts“ kam.

Durch das derart erzwungene gemächliche Tempo wurde die Tour auch nicht sicherer oder für Senioren attraktiver. Im Gegenteil war man gut beraten, ständig auf den Vordermann zu achten. Eine Sekunde der Unachtsamkeit genügt und so kam es zu vier Auffahrunfällen, obwohl die allermeisten Teilnehmer offenbar erfahrene Radfahrer waren und sich sehr rücksichtsvoll verhalten haben. Apropos Erfahrung: Die sollte man schon auch mitbringen, ebenso wie eine gewisse Grundkondition und einen trainierten Hintern. Während wir am ersten Tag von Großheubach nach Mosbach knapp 80 Kilometer und 500 Höhenmeter zu bewältigen hatten waren es am zweiten Tag sogar 125 Kilometer – und dies bei hochsommerlichen Temperaturen.

Spaß gemacht hat mir die Rundfahrt auf jeden Fall, auch wegen der guten Stimmung, den neuen Bekanntschaften und dem gemütlichen Beisammensein am Abend. Man fährt durch eine wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft und bekommt für wenig Geld ein Rundum-sorglos-Paket geboten. Die einzelnen Etappen schildere ich in den folgenden drei Teilen meines Berichtes – wer will kann sich dort auch die Tourdaten im GPS-Format herunter laden und die Strecke mit entsprechendem technischen Zubehör dann auch alleine oder in kleiner Runde abfahren.

Nachtrag: Am Samstag ist in der FAZ der Bericht von Werner Breunig erschienen, der auf dieser Tour ebenfalls dabei war.

Auf dem Mühlenweg durchs Ried

Update vom 1. Mai 2012: Der Mühlenradweg ist jetzt offiziell eröffnet, die Strecke komplett ausgeschildert und der Verlauf wurde gegenüber dem auf der Karte unten gezeigten geändert. Am Besten starten Sie jetzt am Schulzentrum in Ichenheim, denn dort gibt es eine schöne Übersichtskarte sowie kostenlos Faltpläne zum einstecken und mitnehmen – inklusive der Geschichte der Mühlen, die jetzt auch alle mit eigenen Erklärtafeln versehen wurden!

Dies ist die erste Tour, die ich auf meinen neuen Reiseseiten beschreiben will. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne„, erinnert mich Herrmann Hesse. Und weil ich diesen Anfang nicht vermasseln will, habe ich auch noch bei Johann Wolfgang von Goethe nachgeschlagen. Der fragte nicht nur: “Willst du immer weiter schweifen?“, sondern gab uns auch den Rat: „Sieh, das Gute liegt so nah!” Und da Goethe ja eigentlich immer irgendwie recht hat, geht es heute direkt vor meiner Haustür los.

Ich schwinge mich aufs Fahrrad und treffe nach ein paar Hundert Metern auf eine neu geschaffene Rundstrecke, die sich der Arbeitskreis Tourismus Neuried ausgedacht hat. Tatsächlich ist der Mühlenrundweg so neu, dass ich ihn gleich zwei Mal in Angriff nehmen musste, weil noch nicht alle Schilder angebracht waren. Inzwischen (2017) gab es auch kleine Änderungen an der Streckenführung, sodass ich den Link zu meiner alten gpx-datei hier entfernt habe. Aber immer noch ist die Strecke ca. 33 Kilometer lang und verläuft völlig flach, daher auch für kleine Familienausflüge gut geeignet. Etwa 90 Prozent des Weges sind mit Asphalt geteert, der Rest sind Schotter und Waldwege, also nichts für Rennradfahrer. Die Landschaft ist – nun ja – landwirtschaftlich geprägt, und die größte Attraktion sind weniger die Mühlen selbst als vielmehr das gute Essen (Stichwort: Flammkuchen!) das bei urgemütlicher Atmosphäre in drei der Mühlen geboten wird.

Starten kann man zum Beispiel in der Ortsmitte von Ichenheim, fährt dann am „Schwanen“ vorbei auf die Rheinstraße und biegt beim Hofweg rechts ab. Von hier aus ist alles prima ausgeschildert. Erst geht es über die Felder nach Altenheim mit seinen schmucken Fachwerkhäusern. Am schönsten wurde die Atmosphäre hier in Geo Saison, Heft 10 / 2004 in dem Artikel Radtour: Die Ortenau beschrieben:

Der Zauber einer beinahe vergessenen Zeit liegt über den Dörfern, in denen alles das rechte Maß hat. In der Mitte stehen die Kirche, das Rat- und das Wirtshaus, umgeben von einem Ring aus schmalen Bauernhäuschen, die nicht mit Kunstklinker verschandelt oder mit Eternit verschalt wurden. Umrahmt von blühenden Gärten, sehen sie immer noch so aus wie vor hundert Jahren.

Weniger schön, aber ebenfalls Teil der Geschichte ist ein gesprengter Bunker, an dem wir vorbeikommen, nachdem wir Altenheim durchquert haben und nahe der Altenheimer Mühle auf einen Waldweg abgebogen sind. Nach Überquerung der L98 führt uns die Industriestraße zu einem Verkehrskreisel. Dort links zum Ortsrand von Goldscheuer, dann rechts auf den Sonnenweg und via Kittersburger Straße den Schildern folgend zur Kittersburger Mühle (Tel. 07854-1255). Die hat zwar noch keine Webseite, dafür aber einen der schönsten Biergärten in der Region. Natürlich gibt´s auch Wein, leckere Hähnchen und vor allem den Rahmkuchen in diversen Varianten. Das ist die Badische Antwort auf den Elsässer Flammkuchen – und ob es da einen Unterschied gibt wird der schlacksige Kellner dort in seiner unnachahmlichen Art sicher gerne erläutern 😉

Jedenfalls ist die Kittersburger Mühle der nördlichste Punkt unserer Reise. Falls die geschlossen hat gibt es noch zwei weitere Chancen, einen Rahm- bzw. Flammkuchen zu genießen. Dazu müsst ihr aber erst wieder ein paar Kilometer strampeln. Im Sommer wird einem dabei schon ´mal die Sicht versperrt durch die zahlreichen Maisfelder, die dank der unsinnigen Biosprit-Subventionen hier seit einigen Jahren in die Höhe schießen.

Lange Tradition hat „im Ried“ dagegen der Tabakanbau. Mit 470m Hektar Fläche ist Neuried noch heute die größte Tabakanbaugemeinde Deutschlands, belehrt mich die Wikipedia. Ich frage mich, warum die Leute sich aufregen über ein paar Cannabis-Felder in Mexiko und wer wohl die größeren Gesundheitsschäden verursacht? Wenn schon Subventionen, warum dann nicht für Blumenfelder und Streuobstwiesen? Dann erinnere ich mich daran, dass Logik und Gesetzgebung schon lange nicht mehr zusammen passen und fahre weiter.

Kaum zu übersehen ist die Rohrburger Mühle (wo es aber nichts zu essen gibt), die als nächste Station etwa auf halber Strecke liegt. Dann überqueren wir zwei Mal die Schutter, jenes 55 Kilometer lange Flüsschen, das ursprünglich die Mühlen angetrieben hat. Weiter geht es durch Müllen, bis wir an der Dundenheimer Mühle erneut auf die Schutter treffen. Auch hier gibt es Flammkuchen, allerdings nicht durchgehend, sodass man sich besser vorher nach den aktuellen Öffnungszeiten erkundigt (Tel.: 07807-3380). Die letzte Chance auf einen Flammkuchen bietet dann die Schutterzeller Mühle (Tel.: 07807-401), aktuell die einzige der fünf Mühlen mit eigener Webseite. Die restlichen vier Kilometer zurück zum Ausgangspunkt führen vorbei am Ottenweier Hof, dessen Geschichte sich bis zum Jahr 1347 zurück verfolgen lässt und der auch in diesem Jahr wieder zur Riedwoche mit einem mittelalterlichen Hoffest für Besucher geöffnet sein wird (am 13. und 14.August 2011., von 14:00 bis 20:00).

Damit genug der Heimatkunde für heute. Weiter geht es in der kommenden Woche. Wenn alles klappt blogge ich dann live vom 3-Länder-Rad-Event, der mich auf knapp 300 Kilometern in drei Tagen durch den Naturpark Odenwald führen wird…