E1 – Mauer nach Mühlhausen

Es war nass, und es war kalt. Und es war trotzdem eine wunderschöne Wanderung:

Ein trüber Novembertag im Kraichgau bringt die Farben des Herbstes erst richtig zum Leuchten. 

Meine zweite Etappe auf dem europäischen Fernwanderweg E1 führte mich von Mauer – dem ersten Fundort eines Homo heidelbergensis – über die Hügel und durch manche herbstlich-bunten Wälder im Kraichgau nach Mühlhausen (Was es mit diesem Projekt auf sich hat, könnt Ihr hier nachlesen).

Start und Ziel: Die dem E1 am nächsten gelegene Haltestelle liegt in der Gemeinde Mauer und ist mit der S-Bahn-Linie 51 von Heidelberg aus zu erreichen. Ziel ist die Gemeinde Mühlhausen im Kraichgau.

Hin und Weg: Um von Mauer zum E1 zu kommen, läuft man vom Bahnhof durch den Wald ca. 2,1 Kilometer bis zur Wegkreuzung Rosengarten. Zwischendurch gibt es nur in Unterhof eine Bushaltestelle, von der man mit der Linie 702 nach Wiesloch/Walldorf gelangt (Fahrplan als pdf). In Mühlhausen besteht mit dem Bus ein regelmäßiger Anschluss zum Bahnhof Rot, Malsch bei Wiesloch.

Daten: Inklusive der 2,1 Kilometer Anmarsch von Mauer zum E1 hat diese Etappe eine Länge von 17,3 Kilometern. Knapp die Hälfte der 400 Höhenmeter läuft man gleich zu Beginn. Insgesamt ist die Strecke aber eher flach und – von ein paar matschigen Passagen bei nassem Wetter  abgesehen – durchweg einfach zu laufen. Die Gehzeit betrug 4:30 Stunden, wobei ich mir ausgiebig Zeit zum Fotografieren genommen habe.

Als Service für Euch hier die Route interaktiv und mit ein paar Zusatzinfos angereichert:

Wegbeschreibung: Wer mit dem Zug anreist wird dies in Regel mit der Elsenztalbahn tun, und zwar mit der Linie 5 bzw. 51 der S-Bahn Rhein-Neckar von Heidelberg kommend (Streckenkarte der Region als pdf). Vom Bahnsteig geht es an der Bahnhofsgaststätte vorbei, links in die Elsenzstraße, rechts in die Silberbergstraße, und Am Silberberg auf den Pfad zum Waldrand. Dort erst rechts, und dann dem linkerhand in den Wald hineinführenden Pfad folgen, der Euch zum ersten Wegweiser für den E1 bringt. Den E! erreicht man schließlich nach zwei weiteren Wegkreuzungen am Rosengarten – jener Ort, an dem wir die vorherige Etappe beendet hatten.

Von hier ab ist wieder alles sehr engmaschig ausgeschildert und mit dem grünen Kreuz auf weißem Grund markiert. Im Zweifel geht´s nach Süden. Meist sind die Wege breit, gelegentlich auch asphaltiert. Sie führen über offenes Feld, an Waldrändern entlang, und immer wieder ´mal durch kleinere Waldstücke hindurch.

Kurz nach einem Unterstand auf halber Strecke und Melissas Eier-Shop erreichen wir Unterhof, wo die Buslinie 702 etwa im Stundentakt einen Anschluss nach Wiesloch/Walldorf ermöglicht.

Gleich nach der Überquerung der Landstr. weist uns ein Schild darauf hin, dass wegen Bauarbeiten an der A6 die normale Unterquerung nicht möglich ist. Stattdessen werden wir über Dielheim geleitet. Auch hier ist alles perfekt ausgeschildert, statt grünem Kreuz auf weißem Grund hat die Umleitung als Symbol ein weißes Kreuz auf braunem Grund.

Nach ca. 4 Kilometern trifft die Umleitung wieder auf den „eigentlichen“ E1. Im Wald passieren wir eine eher ungewöhnliche Gedenkstätte für einen „Otto J. Braun“, der hier womöglich Förster war. Danach verlassen wir den Wald und der Weg schlängelt sich der Weg die letzten paar Kilometer über die Felder auf Mühlhausen zu. Die von mir empfohlene Kraichgaustube liegt sehr nahe am E1, ich habe den Weg dahin deshalb in die Route und die Downloads mit einbezogen.

Kartenmaterial: Obwohl es schwer ist, sich hier zu verlaufen, habe ich eigentlich immer eine oder mehrere Karten dabei.  Die Auswahl für diese Region ist überschaubar, eigentlich kann man nur das Kartenset 827 Bergstraße-Odenwald / Neckartal von Kompass empfehlen. Es deckt auch die vorherige, und die nächsten beiden Etappen ab, über die ich hier berichte.

Download-Link: In der Regel wandere ich mit Karte und nutze die Segnungen der Technik in Form von GPS-Daten. Die meinen habe ich ziemlich sorgfältig aufgearbeitet und stelle sie hier als Dank an meine zahlreichen Vorgänger und als Service für meine Leser zur nicht-kommerziellen Verwendung kostenlos zur Verfügung:
Route E1 von Mauer nach Mühlhausen zum Download

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Sehenswert: Erst war ich etwas angesäuert von dem Nieselregen, der mich Mitte November zwei Drittel des Weges begleitet hat. Dann habe ich aber  bemerkt, dass mir dafür Einsamkeit und wunderbare Herbstfarben beschert wurden. Ein fast schon meditatives Erlebnis war es, hier den Blick auf das Laub unter den Füßen zu lenken, und ihn dann wieder schweifen zu lassen über die Landschaft in ihrer pointillistischen Farbenpracht.

Ob man das Urgeschichtliche Museum in Mauer gesehen haben muss? Ich bin mir da nicht so sicher, es liegt aber nicht weit vom Bahnhof und hat werktags bereits ab 8:00 geöffnet, sodass Frühaufsteher den Abstecher zu Beginn der Wanderung problemlos einbauen könnten.

Über den Kraichgau, den wir teilweise durchwandern, steht noch einiges auf Wikipedia. Wenn ich das mal kurz zusammenfassen darf, so ist diese Landschaft zwischen Schwarzwald und Odenwald ein durch Löss- und Lehmbedeckung besonders fruchtbares Gebiet mit intensiver Landwirtschaft. Das ist streckenweise ganz hübsch anzusehen, aber seien wir ehrlich: Große Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne hat diese Etappe nicht zu bieten.

Einkehr / Pausen: Unterwegs gibt es keine Brunnen, und erst recht keine Restaurants am Wegesrand. Immerhin haben die Naturfreunde Krebsbachaue etwa in der Mitte dieser Etappe vor der Gemeinde Unterhof einen Unterstand mit Tisch und Bänken errichtet, wo man vespern könnte und auf einer Infotafel auch noch nebenher den Verlauf des E1 abchecken. Spoiler: Von hier aus ist es noch ziemlich weit bis zum südlichsten Punkt…

Buchstäblich um´s Eck findet sich Melissas Eier-Shop, eine Minihütte am Rande eines großen Bauernhofes. Sie ist „durchgehend, 24 Stunden geöffnet“, und freut sich über ehrliche Menschen, die im Austausch für Dosenwurst, Marmelade und andere Spezereien ihr Geld in eine kleine Kasse werfen.

Da der Weg noch bis weit ins Jahr 2020 über Dielheim umgeleitet wird, könnte man sich theoretisch auch dort in der Bäckerei Breiter oder bei einem Döner (beide in der Hauptstraße) den Bauch füllen, oder einen Kaffee nehmen.

Am Zielort Mühlhausen gibt es entlang der Hauptstraße diverse Möglichkeiten, sich zu verpflegen und für Gäste auch mindestens zwei Übernachtungsmöglichkeiten.

Übernachtung: Ich habe sowohl für die Übernachtung, als auch fürs Abendessen die Kraichgaustube gewählt und war damit sehr zufrieden.

E1 von Heidelberg nach Süden

Ein richtig gutes Gefühl ist das: Mit einer Sache zu beginnen, die man schon sehr lange Zeit machen wollte, und immer wieder aufgeschoben hat. Eine dieser „Sachen“, war für mich der europäische Fernwanderweg E1.

Der Herbst ist da. Blick von der Aukopfhütte nach Norden über den Odenwald

Und so stand ich an diesem trüben Herbsttag am S-Bahnhof in Schlierbach bei Heidelberg und bin endlich losgelaufen. Mit kleinem Rucksack über den Berg und auf der anderen Seite wieder ´runter. Vorbei am Heidelberger Hausberg, dem Königstuhl, durch den südwestlichsten Zipfel des Odenwaldes und hinein in den Kraichgau. Nach 14 Kilometern zum nächsten Bahnhof und wieder heim mit dem Vorsatz: Bald geht´s weiter. 

Warum ich gerade den E1 laufe, und warum ich gerade hier damit anfange, könnt ihr in meiner Einleitung nachlesen. Ansonsten geht´s direkt ´los mit den Infos. Wenn Ihr Anregungen habt, oder Aktualisierungen vermelden wollt freue ich mich über Eure Kommentare.

Start und Ziel: Los geht´s auf der Südseite des Neckars an der S-Bahn-Station Heidelberg-Schlierbach / Ziegelhausen

Hin und Weg: Ein halbes Dutzend S-Bahnen führen von Mannheim und Heidelberg bzw. aus dem Neckartal kommend zum Startpunkt. Gegen Ende der Etappe kommt man von Gaiberg und Gauangelloch mit der Buslinie 757 in ca. 30 Minuten zum Bahnhof Heidelberg. Alternativ kann man den E1 in östlicher Richtung verlassen und erreicht nach zwei zusätzlichen Kilometern die Haltestellen der Elsenzbahn (S5 und S51) in Mauer oder Meckesheim, von wo man zurück nach Heidelberg gelangt.

Daten: Auf einer Entfernung von 14 Kilometern waren 465 Höhenmeter zu bewältigen. Die reine Gehzeit betrug 3 Stunden. Ich bin dann noch 2 km zum Bahnhof in Mauer gelaufen, von wo die S-Bahn zurück nach Heidelberg fährt. Nahe dem Bahnhof gibt es sowohl ein ordentliches Restaurant, als auch direkt am Bahnsteig eine Pizzeria.

Als Service für Euch hier die Route interaktiv und mit ein paar Zusatzinfos angereichert:

Wegbeschreibung: Der E1 beginnt direkt an der Schranke am Ende des Bahnsteigs in Heidelberg-Schlierbach. Nach wenigen Schritten sehen wir die ersten Markierungen in Form eines grünen Kreuzes auf weißem Grund. Von denen gibt es auf dieser Etappe so viele, dass man sich eigentlich kaum verirren kann. Nach wenigen Schritten schon verlassen wir Schlierbach und laufen auf einem breiten Waldweg stets bergauf. Die Steigung ist eher sanft, aber etwa drei Kilometer lang.

Im typisch Odenwälder Mischwald liegen immer wieder Hütten und Brunnen, auf die man sich allerdings nicht verlassen sollte. Ende Oktober fand ich auf der ganzen Strecke nur eine Trinkwasserquelle, und zwar neben einer namenlosen Hütte ganz in der Nähe der Stelle, wo der E1 auf den Neckarsteig trifft (in der Karte markiert).

Von dort geht es stetig und sanft bergab. Der Weg ist wirklich sehr angenehm und bis Gaiberg völlig frei von Asphalt. In diesem Dorf gibt es eine Bäckerei direkt an der Strecke und als freundliche Geste für den Wanderer haben die Kollegen aus Gaiberg am Ortsrand ein Gästebuch ausgelegt, in das man sich eintragen kann.

Nun öffnet sich die Landschaft, man läuft über schöne Obstwiesen und durch ein letztes Stück Odenwald, bevor man dann in Gauangelloch die Grenze zum Kraichgau erreicht. Die ist mit einem großen Wegstein markiert und bietet sich zur Rast an, wenn man nicht im Ort essen und / oder übernachten möchte.

Nach weiteren 2 Kilometern geradeaus habe ich die Wanderung beendet, den E1 verlassen und bin von der Wegkreuzung Rosengarten nach Osten in das zwei Kilometer entfernte Mauer hinabgelaufen, von wo ich mit der S-Bahn wieder zurück in Richtung Heidelberg fuhr.

Kartenmaterial: Die beste Karte, die ich gefunden habe, kommt vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Die Karte für die hier durchlaufene Region heißt: 12 Heidelberg Neckartal-Odenwald. Die Auflösung ist mit 1:20.000 sehr hoch und sie enthält so viele Wander- und Radwege, dass man damit eine ganze Zeitlang beschäftigt sein dürfte. In der gleichen Aufmachung gibt es noch 20 weitere Karten der Region, die man z.B. bei Amazon bestellen kann oder auch beim Geo-Naturpark selbst, wo mir der Bestellvorgang aber etwas umständlicher erscheint.

Auch gut, aber mit nicht einmal halb so hoher Auflösung (1:50.000) kommt das Kartenset 827 Bergstraße-Odenwald / Neckartal von Kompass daher. Es deckt im Gegensatz zur obigen Empfehlung auch die nächsten beiden Etappen ab, über die ich hier berichte.

Download-Link: Zwar wandere ich nie ohne Karte(n), freue mich aber auch an den Segnungen der Technik in Form von Navigationsgeräten und -Software. Als Dank an meine zahlreichen Vorgänger und als Service für meine Leser gibt´s hier zur nicht-kommerziellen Verwendung kostenlos die
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Sehenswert: Charakteristisch für die Gegend sind die moosbewachsenen Felsbrocken aus Sandstein, die wir häufig am Wegesrand liegen sehen. Am eindruckvollsten sind sie im Naturschutzgebiet Heidelberger Felsenmeer. Dieses erreichen wir mit einem Umweg von 700 Metern (einfache Strecke), ausgehend von der Hohler Kästenbaum-Hütte. Eigentlich sollte der 1956 unter Schutz gestellte „Urwald“ ungestört wuchern dürfen. Als dann aber einige der „falschen“ Baumarten sich ausbreiteten, hat man im Jahr 2011 ein wenig ausgemistet um diese ökologische Nische mit ihren seltenen Pflanzenarten wie Keulenbärlapp, Grünes Koboldmoos und Leuchtmoos zu erhalten.

Erwähnt sei auch der Evolutionsweg, der am Ortsrand von Gauangelloch entlang verläuft, und den wir vom Ende her erreichen. Auf zahlreichen Infotafeln wird dort die gesamte, vier Milliarden Jahre umfassende Evolutionsgeschichte der Erde in einen Kilometer Strecke gepresst und die riesigen Zeiträume durch die entsprechenden Abstände veranschaulicht. Ich finde das eine gute Idee, die hoffentlich Schule macht.

Einkehr / Pausen: Es gibt keine Gasthäuser direkt am Weg und auf Trinkwasser führende Brunnen unterwegs würde ich mich auch nicht verlassen. Daher empfiehlt es sich, ein Vesper für eine der zahlreichen Hütten auf dieser Etappe einzupacken. Alternativ gibt es an der Hauptstraße in Gaiberg die Bäckerei Schneider.

Übernachtung: Ziemlich am Ende des Weges liegt in der Ortsmitte von Gauangelloch der Gasthof Hotel zum Schwanen.

Ein Traum vom Wandern

Endlich. Endlich habe ich meinen Hintern hochgekriegt und diese Sache angefangen. Ein Traum, eine Fantasie, ein Wahn? Nennt es wie ihr wollt. Aber vorgestern bin ich meine erste Etappe auf dem E1 gewandert, dem Europäischen Fernwanderweg Nr. 1. 

Der europäische Fernwanderweg E1 führt vom Nordkap bis nach Sizilien. Auf ein einheitliches Symbol konnte man sich aber nicht einigen…

Der E1 führt, wie man anderswo im Detail nachlesen kann, vom Nordkap bis nach Sizilien und ist an die 8000 Kilometer lang. Dass ich die alle schaffen werde, ist äußerst unwahrscheinlich, aber wie Herman Hesse schon sagte: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Den Gedanken, dass man theoretisch ganz Europa auf diesem Weg von Nord nach Süd (oder umgekehrt) durchqueren könnte, finde ich jedenfalls sehr inspirierend.

Einige Menschen haben das tatsächlich geschafft, und einige wenige sind den ganzen Weg sogar am Stück gelaufen (bis auf die Lücken, die es ärgerlicherweise in Italien immer noch gibt). Hut ab. Da kann ich nicht mithalten. Und werde auch nicht die ultimative Webseite zum E1 basteln, oder das allertollste Blog dazu schreiben.

Nein, der Michel fängt bescheiden an, und zwar ganz nah seiner Heimatstadt Neckargemünd. Dort kreuzen sich der E1 und ein weiterer europäischer Fernwanderweg, der in west-östlicher Richtung verlaufende E8. Und von dieser Kreuzung aus wird der Michel in eher kleinen Etappen nach Süden laufen. Voraussichtlich werden ihm schon bald die Füße wehtun, oder das Wetter ist zu schlecht, oder er hat keine Lust mehr und außerdem muss er ja eigentlich arbeiten (wobei das theoretisch ja von unterwegs klappen könnte, aber das wäre dann ein anderes Experiment…).  

Wie dem auch sei: Wer mich virtuell begleiten will findet die einzelnen Beiträge in der Kategorie Wandern unter „E1„. Dort werde ich in strukturierter Form berichten und Informationen bereitstellen. Kein enzyklopädisches Gesamtwerkes ist zu erwarten, sondern lediglich Mosaiksteinchen zu einzelnen Etappen, aber die will ich dafür ordentlich machen. Für einen kompletten Überblick empfehle ich die Webseite Hiking Europe, da kommen auch Profiwanderer auf ihre Kosten!

Zur ersten Etappe…

Hügel um Offenburg – Kammweg Ohlsbach

Ok, nachdem ich bei Offenburg nur einen echten Dreihunderter gefunden habe, kommen jetzt die Vierhunderter ´dran.  Wieder fange ich mit dem Kartenstudium an. Gut lesbar, reiß- und wasserfest ist die Rad- und Wanderkarte „Kinzigtal im Schwarzwald“.  Die hat zwar nur einen Maßstab von 1:50.000, dennoch finde ich dort im Planquadrat nördlich von Gengenbach das Scheibenköpfle (466 Meter), das in der Open Street Map noch nicht verzeichnet ist, und deshalb auch vom Navi in meiner Garmin-Uhr Fenix 5 Plus nicht gefunden wird. Recht prominent und zwischen zwei Mountainbike-Strecken findet sich das Scheibenköpfle auch in der Karte „Offenburg und Renchtal“ (Maßstab 1:30.000). Man hätte das auch als Hinweis nehmen können, dass der Hügel möglicherweise mit dem Rad nicht so ohne weiteres zu erreichen ist – aber so schlau war ich halt nicht…

Jedenfalls erfahre ich nach einiger ´rumgoogelei, dass das Scheibenköpfle wohl früher einmal der Austragungsort des Scheibenschießens war, ein Fasent-Brauch, der mittlerweile als „Schiewerädli-Schießen“ direkt oberhalb von Ohlsbach stattfindet. Im Wesentlichen geht es darum, brennende Holzscheiben der Dame seines Herzens oder anderen hochverehrten Personen zu widmen, und diese  (die Holzscheiben, natürlich) dann mehr oder weniger gekonnt bergab zu schlagen, sodass sie eine feurige Spur am Himmel hinterlassen.

Die Anfahrt von Offenburg zum Scheibenköpfle mit dem Mountainbike führt auf Radwegen über Ortenberg nach Ohlsbach und dort von der Ortsmitte über das Mühleckle in den Wald auf den Kammweg, der an der Gemarkungsgrenze zwischen Ohsbach und Gengenbach verläuft. Der erste Teil ist wunderbar zu fahren, dann kommen immer wieder extrem steile Passagen auf denen man das Bike vor sich her drücken muss (oder man ist gleich so schlau, das Fahrrad stehen zu lassen und den Kammweg bis zum Brandeck-Lindle und zurück zu erwandern). Ziemlich viel Schweiß habe ich dabei an einem Nachmittag im August vergossen, wurde aber belohnt mit Einsamkeit, Wald, und dem gelegentlichen Ausblick über Ohlsbach in das untere Kinzigtal.

Der Bonus für mich war, dass ich nicht nur das Scheibenköpfle erreicht habe, sondern auf dem Weg dahin auch noch zwei weitere „Gipfel“, die auf meinen Karten nicht verzeichnet waren: Hoher Stein (409 M, Geokoordinaten 48,43876618,0166562) und Buchenkopf (460 M, 48,4448438, 8,0206604). Dabei muss man für Ersteren fast schon kraxeln, während Zweiterer halt eher flach ist und „nur“ die höchste Erhebung auf einem Teil des Kammweges darstellt. Beim Hohen Stein gibt´s zwei Betonhocker zum Ausruhen und beide Stellen sind mit Holzschildern und Höhenangaben markiert.

Während der Tour habe ich mich ein bisschen wie Humboldt gefühlt, der auch so einiges „entdeckt“ hat – obwohl natürlich die Einheimischen ihre Hügel schon seit grauer Vorzeit kannten. Jedenfalls bin ich dann noch zum Hauptziel des Tages weitergeradelt, dem Scheibenköpfle (Geokoordinaten 48,4491457, 8,0225519), und dann weiter zum Brandecklindle und auf der anderen Seite des Berges hinunter nach Durbach und zurück nach Offenburg. So ganz perfekt ist diese Entdeckertour noch nicht, daher verlinke ich hier auch noch nicht auf den GPS-Track. Das hole ich dann nach, wenn ich die Strecke in der Gegenrichtung gefahren bin und meine Vermutung sich bestätigt, dass man dabei größere Teile des Kammwegs auf zwei Rädern schaffen kann. Einstweilen habe ich die „fehlenden Berge“ jedenfalls bei Open Street Map eingetragen.

Hügel um Offenburg – Keugeleskopf und Silberlöchlebühl

Sie suchen extreme körperliche Herausforderungen und unberührte Bergwelten? Dann sind sie hier falsch. Meine Wahlheimat Offenburg liegt am Fuße des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und inmitten einer vielfältigen Kulturlandschaft, so dass man hier Rhein, Reben und Wald jeweils in kürzester Zeit erreichen kann. Für diese Miniserie habe ich einfach nur systematisch die Hügel um Offenburg besucht und aufgeschrieben, was es dort zu sehen gibt. Laut Wikipedia gelten in Deutschland bereits Erhebungen ab 300 Metern als „Berge“. Es ist bei uns also ziemlich einfach, zum Gipfelstürmer zu werden – sogar mit dem Mountainbike.

Wir fangen an mit Keugeleskopf und Silberlöchlebühl. Beides sind (angeblich) „Dreihunderter“, und damit die niedrigsten Erhebungen, die  in meiner Landkarte und bei OpenStreetMap verzeichnet sind. Der schönere und mit 7 Metern auch Höhere der beiden ist mit 372 Metern der Keugeleskopf, manchmal auch „Kügelskopf“ genannt (Geokoordinaten: 48,4439508; 7,9831146). An seinem Westhang liegt Schloss Ortenberg und nicht weit entfernt in südöstlicher Richtung das urige, aber nur Sonntags geöffnete Naturfreundehaus Nothalde. Will man den Keugeleskopf aus südlicher Richtung von Ohlsbach her an einem anderen Tag erwandern, so bietet sich „Im Schlauchberg“ (Geokoordinaten: 48,4418519; 7,9845933) als schöner Rats- und Aussichtspunkt an.

Blick vom Hohen Horn auf den Keugeleskopf (Bildmitte links), einen Hügel oberhalb von Ohlsbach am Eingang zum Kinzigtal.

Vom flachen Gipfel sind es in nordöstlicher Richtung nur etwa 600 Meter bis zum Freudentaler Eck (Geokordinaten: 48,44592367,9869662), wo gleich ein halbes Dutzend Wege zusammentreffen und ebenfalls eine Hütte zur Rast einlädt. Von dieser Seite lässt sich der Keugeleskopf übrigens auch mit dem Mountainbike fahrenderweise erreichen, die anderen Zugangswege sind über weite Strecken dafür zu steil. Ein Fahrverbot, das dort noch vor einigen Jahren wegen archäologischer Ausgrabungen galt, ist offenbar aufgehoben.

Der Hügel selbst ist zumeist mit Buchenwald bedeckt, und die kahl gefegten Flächen, die der Sturm Lothar an Weihnachten 1998 hinterlassen hat, sind weitgehend zugewachsen. Leider bedeutet dies, dass man von hier oben nicht in die Ebene schauen kann. Aber was soll´s – dafür hat man einen schönen Wald und sobald man ihn wieder verlässt gibt´s entlang der Reben wieder Aussicht satt.

Geschichtsträchtig ist der Keugeleskopf auch, wie die Ortsverwaltung Ortenberg auf ihrer Webseite verkündet. Demnach hausten hier etwa 600 v. Ch. die Kelten, und 1000 Jahre später auf den Überresten der alten Befestigungen die Alemannen. Von dort oben hatte man wohl die Kontrolle über eine wichtige Handelsroute, die zu Zeiten der Römer von Straßburg durch das Kinzigtal nach Rottweil ging. Zahlreiche Gegenstände aus Metall und Keramik hat man auf dem Keugeleskopf entdeckt, lese ich. Wo die ausgestellt sind, habe ich aber nicht heraus gefunden. Nun ja, wer mehr darüber wissen will kann ja bei Amazon die Bücher bestellen, die der Leiter der Ausgrabungen Michael Hoeper geschrieben hat.

Dann wäre noch die Sache mit dem Zweitnamen „Kügelskopf“ zu klären. Der kommt – so wird vermutet – aus der Zeit des französisch-holländischen Krieges als Ludwig XIV. die Burg zu Ortenberg zerstören ließ. Die Kanonenkugeln (Kügels) wurden demnach von hier oben auf das tiefer liegende Ziel abgefeuert.

Der zweite „Dreihunderter“ sollte laut Open Street Map das Silberlöchlebühl sein. Es liegt demnach in nordöstlicher Richtung auf dem Gebiet der Gemeinde Ohlsbach und hat die Geokoordinaten 48,4500223; 8,0030067. Zunächst musste ich ein wenig über meinen Karten brüten , um letztlich eine sinnvolle Anfahrtsroute zu entwerfen. Ein guter Orientierungspunkt ist, von Ohlsbach kommend, die Kapelle Maria im Weinberg (Geokordinaten 48,43643057,9950024), die gleichermaßen prominent und schön in den Reben oberhalb der Ortschaft thront. Im Inneren informiert ein Gedicht über den Stifter und die vielen Freiwilligen, die die Kapelle binnen kürzester Zeit erbaut haben.

Die kürzeste Verbindung von hier zum Silberlöchlebühl führt über den Kammweg, der oberhalb der Kapelle am Waldrand links beginnt. Das ständige auf und ab mag Wanderer erfreuen, für Mountainbiker ist diese Route aber nicht so spaßig. Denen würde ich daher empfehlen, vom Kammweg die erste Abzweigung links zu nehmen, und die nächste rechts, sodass man auf der nördlichen Seite des Kamms bleibt, bis man auf einen breiten Fahrweg trifft. Von hier sind es dann in Fahrtrichtung leicht bergab nochmals ca. 100 Meter, bis zu… Ja bis wohin eigentlich? Tatsächlich handelt es sich beim Silberlöchlebühl um eine Wegkreuzung und mitnichten um einen Gipfel! Denn die ursprünglich auf der Karte angegebene Position liegt 50 Meter weiter im Wald, und die einzigen Hügel, die ich dort gesehen habe, gehören mehreren Ameisenvölkern. An der Kreuzung selbst steht dagegen ein Pfosten mit drei Wegweisern und darauf ganz unmissverständlich die Positions- und Höhenangabe: „Silberlöchlebühl“, 370 Meter (Geokoordinaten 48,45035988,0040632).

Erst habe ich mich geärgert, dass ich dermaßen um den Gipfel betrogen wurde, nur weil vor acht Jahren jemand in der Karte einen falschen Eintrag gemacht hat. Dann aber habe ich es positiv gesehen: In einer Zeit, in der es fast nichts mehr zu entdecken gibt, habe ich einen falschen Gipfel enttarnt. Wieder daheim wurde der dann auch bei Open Street Map entfernt und in eine Kreuzung zweier Waldwege umgewandelt. Wie dem auch sei, gibt es von hier aus zwei Wege zurück nach Ohlsbach. Der eine führt von der Kreuzung talwärts durch den Riesenwald, bis er unweit des Naturfreundehauses Nothalde (nur Sonntag geöffnet) wieder auf den Ortsrand von Ohlsbach trifft. Die andere Route geht zunächst einige wenige Höhenmeter bergauf und dann am Jugendheim Schindelhof durchs Dorf zurück.

Merke: es gibt bei Offenburg nur einen „Dreihunderter“, und das ist der Keugeleskopf. Und was es an „Vierhundertern“ zu erklimmen gibt, will ich in der nächsten Folge ausloten.

Essen in Offenburg

Hab´ schon so lange nichts mehr geschrieben, und auch bei der letzten großen Reise keine Zeit dafür gefunden. Aber jetzt geht´s wieder weiter. Ich starte vor der Haustüre mit meinen Empfehlungen zum Essen, Trinken, und Spaß haben. Hier kommen die ersten drei aus meiner Bestenliste:

Gasthaus Biergarten Brandeck

Zellerstraße 44, 77654 Offenburg. Webseite. Facebook.
geöffnet täglich von 10:30 – 23:30, Sonntags bis 23:00. Tel: 0781-30352

Die Betonung liegt auf „Biergarten“. Davon gibt´s in unserer Gegend leider nur wenige, die den Namen verdienen. Dieser hier ist der Beste. Die Kronen-Brauerei die einst hier stand ist umgezogen, und macht Platz für einen ganzen Block von Eigentumswohnungen. Doch obwohl der Biergarten dadurch noch längere Zeit von einer Baustelle umgeben ist, hat er sich seinen Charme als beliebter Treffpunkt für jedermann bewahrt. Die Speisekarte ist badisch, bietet neben Schnitzeln, Hähnchen und Flammkuchen auch Salate und ist stets variabel.  Das kühle Bier dazu genießt man am besten aus dem Steinkrug. Tagesessen gibt´s auch, und zwar jeweils zwei Speisen zur Auswahl für unter 8 Euro. Der Service ist freundlich und auch bei Vollbetrieb meist ziemlich schnell. Kinder haben ihre Spielecke und einen ganzen Fuhrpark an Tretrollern und ähnlichen Gefährten zur Auswahl, sodass auch viele Familien gerne hierher kommen.

„Alles im Griff“ heißt es auch, wenn wieder einmal eine Fußball-Meisterschaft läuft und die alte Bühne zur Großleinwand umfunktioniert wird. Dann kriegt man die Speisen und Getränke an seinen schattigen Platz unter den Kastanien gebracht – und zwar in einem Bruchteil der Zeit, in der man anderswo für sein Bier ansteht! Das Schlimmste, was einem hier passieren kann ist, dass der Winter kommt oder es anfängt zu regnen – aber selbst dann gibt´s ja immer noch die gemütliche Gaststube.

Wolfsgrube

Obertal 102, 77654 Zell-Weierbach bei Offenburg. Facebook.
geöffnet 14:00 – 20:00, Sonntags 11:00 – 19:00.
Ruhetage: Montag & Dienstag. Tel.: 0160-1873962

Zu Recht ist „die Wolfsgrube“ (offizieller Name „Schützenhaus Wolfsgrube“) eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Nähe Offenburgs. Die Straße, die von Zell-Weierbach heraufführt endet direkt vor der Tür, sodass neben den zahlreichen Wanderern und Radfahrern auch Fußkranke und Faulpelze hierher kommen, um bei einem Flammenkuchen oder anderen einfachen Speisen die fantastische Aussicht über die Reben bis hinüber ins Elsaß zu genießen. Dazu gibt es ein sorgfältig ausgewähltes Angebot hiesiger Weine oder für Biertrinker das beliebte Ulmer. Er herrscht Selbstbedienung und manchmal steht man ein bisschen länger an. Aber die Stimmung ist freundlich, die Preise sind moderat und mit einem großen Kinderspielplatz sowie ein paar eingezäumten Ziegen ist auch für die Unterhaltung der Kleinen gesorgt. Also: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
 

Gasthaus Bleiche

Badstraße 63, 77652 OffenburgWebseite
geöffnet ab 10:30. Ruhetage: Montag & Dienstag. Tel 0781 -71 100

Gemütlich und im Grünen nahe dem Mühlbach gelegen ist diese Wirtschaft mit angeschlossener Kegelbahn auf sympathische Art in die Jahre gekommen. Wahrscheinlich findet man deshalb hier meist Einheimische, und Schnösel verirren sich nur selten hierher. Markenzeichen waren lange Zeit die gegrillten Hähnchen, und die haben nach einem Intermezzo minderer Qualität ein schönes Comeback erlebt. Mit € 6,50 markieren sie so ziemlich das preiswerte Ende der Speisekarte, gefolgt von Flammkuchen, Wurstsalat, Schnitzeln und anderen Klassikern. Steaks gibt es nicht nur von heimischen Rindern, sondern auch aus Irland (Hereford) und den USA (Black Angus, € 26). Abwechslung bringen täglich wechselnde Tagesessen und Freitags Fischgerichte. Viele Plätze im Freien und ein guter Service runden die Sache ab.

Den Namen hat die Wirtschaft übrigens daher, dass einstmals die Leinenweberei Clauss eine Rasenfläche nutzte, um ihre Stoffe in der Sonne zu bleichen. Dies taten im 19. und bis Anfang des 20. Jahrhunderts in der Nähe auch viele Offenburgerinnen, nachdem sie ihre Wäsche im benachbarten Mühlbach gewaschen hatten (nachzulesen bei der Stadt Offenburg).

GR 221 – 17. Lluc – Pollenca

Ab sieben Uhr erwachen die Schnarcher im Refugi Son Amer. Statt deren nächtlichen Geräuschen erfüllt nun das Gequietsche der Matratzen den Raum. Um acht Uhr gibt es das eher bescheidene Frühstück, und eine halbe Stunde später bin ich wieder im Wald. Es wird noch einmal eine ziemlich lange Etappe, allerdings ohne große Kletterpartien und auf vergleichsweise angenehmen Untergrund.

Gut 16 Kilometer laufe ich so unter 5 Stunden, 250 Meter bergauf und 700 bergab. Bin eher schnell, kann aber der Realität nicht entkommen. Muss ständig an die Opfer islamistischer Terroristen denken. Gestern in Stockholm, davor in London, und in Oslo wurde eine Bombe heute noch rechtzeitig entschärft. Ich dachte, wenn ich alleine laufe, könnte ich solche Gedanken besser ausblenden, und mich auf Landschaft und Natur konzentrieren, statt auf die Suche nach den Verantwortlichen. Doch das ist ein Irrtum. Bestimmte Dinge schleppe ich offenbar immer mit mir herum…

Erst nach der Hälfte der Etappe gelingt es mir, das Kopfkino zu stoppen. Ich lasse ich den Wald hinter mir und passiere schöne Fincas entlang des Torrent de la Vall d´en Marc. Bazillionen von Rennradfahrern auf der nahe gelegenen Ma-10 machen mir vor, wie man sich entspannt. Und dann, kurz vor dem Zielort Pollenca, scheint mir Mallorca wie zur Belohnung einen Vogel vorbei zu schicken, den ich bisher noch nie gesehen hatte: Ein Wiedehopf, der auf der Wiese nach Nahrung sucht. In Deutschland steht er mit wenigen hundert Brutpaaren auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Im schönen Pollenca, das ich vor zwei Jahren erstmals besucht habe, endet der GR 221 an der letzten Herberge, der Refugi del Pont Roma. So zeigt es meine Wanderkarte mit Stand Februar 2017, so schreibt es die Wikipedia, und so steht es auch in der offiziellen, mit unseren EU-Beiträgen gesponserten Broschüre zum Trockenmauerweg.

Doch was ist das? Auf der Landkarte am Refugi geht die rote Linie einfach weiter. Nochmals 1,5 Stunden wären da zu laufen bis zum Meer nach Port de Pollenca. Und zwar zu 90 % direkt an der Landstraße, vorbei auch am Industriegebiet von Pollenca. Nicht zum ersten Mal fühle ich mich auf diesem Weg veräppelt. Das Consell de Mallorca weist das kurze Stück jetzt kurzerhand als 8. Etappe des Weges aus. Und von da ab bis zum Cap de Formentor ganz im Osten ist der Weg gemäß dieser Karte geplant. „In Planung“ sind auf dieser Karte aber auch vier weitere Abschnitte, die ich in den vergangenen 11 Tagen ohne Probleme gelaufen bin: Port d´Andraxt – Sant Elm, Sant Elm – Sa Trappa, Coll de Sa Gramola – Ses Fontahelles, und Valldemossa – Deiá !

Offiziell endet der Trockenmauerweg GR 221 in Pollenca. Laut diesem Schild geht´s aber noch weiter nach Port de Pollenca. (Copyright 2017, Michael Simm)

Wenn ich mir dieses Chaos anschaue, kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln. Wie viel besser haben wir es doch daheim im Schwarzwald, wo fast jede Kreuzung sauber ausgeschildert ist, mit eindeutigen Wegmarkierungen, Entfernungsangaben, Haltestellen für Busse und Bahnen und natürlich dem Hinweis auf die nächste Wirtschaft!

Epilog: In Pollenca gab´s noch eine feine Dorade bei dem Italiener La Trencadora, den ich mit meiner Foursquare-App gefunden habe. Dann ging´s mit dem Bus zum Touristrand Platja del Muro, ins Sportlerhotel Viva Blue & Spa mit vergleichsweise günstigen Preisen. Überlegte kurz, ob ich mir ein Rennrad leihen sollte und entschied: Vielleicht ein anderes Mal. Freute mich stattdessen an der Poollandschaft, dem riesigen Frühstücksbuffet und dem quasi hinterm Haus gelegenen Parc Natural de s´Albufera mit erstaunlich vielen Wasservögeln. Stieg zwei Tage später in den Bus nach Palma, fuhr von dort zum Flughafen und von Basel mit den Bahn nach Hause.

Die Tour hier war gut, keine Frage. Mein Plan ist weitestgehend aufgegangen, das Projekt gelungen. Allerdings war die Aktion auch ziemlich teuer. Alleine zu reisen ist eben ein Luxus. Und so werde ich nach meiner Rückkehr wohl einige Zeit brauchen, um die Reisekasse wieder aufzufüllen. Derweil werde ich den Frühling und den Sommer in Baden genießen und sicher auch ein paar Touren machen, um die nähere Heimat zu erkunden…

GR 221 – 16. Sa Font de Noguer – Lluc

Gar nicht so einfach, nach der gestrigen Niederlage weiter zu schreiben. Aber wenn ich schon eine Lücke beim Wandern verschuldet habe, so will ich doch wenigstens den Rest des Projektes zu Ende bringen. Also geht es heute früh planmäßig weiter; schon um 8:30 stehe ich an der Bushaltestelle in Soller. Der Bus besorgt denn auch zunächst die Kletterei für mich und zahlreiche weitere Wanderfreunde. Schraubt sich über zahlreiche Serpentinen bergauf vorbei an Fornalutx, entlang an militärischem Sperrgebiet und immer weiter bis zum Cúber Stausee auf ca. 750 Metern. Kurz danach ist Sa Font des Noguer erreicht – so heißt die Bushaltestelle im Nirgendwo, von der die heutige Wanderung startet.

Zum Glück wenden sich vier Fünftel der Wanderfreunde in Richtung Stausee – offenbar wollen sie die Route zurück nach Soller laufen oder zur Herberge Tossals Verds, in der ich vor zwei Monaten vergeblich versucht hatte, ein Bett für die Nacht zu kriegen. Nur ein halbes Dutzend Wanderer läuft vor mir her in nordöstlicher Richtung, einem kleinen Beton-Kanal folgend, der Wasser talwärts leitet.

Es ist frisch, so weit oben und so früh am Morgen. Dafür gibt es auf dem zunächst ebenen Weg schöne Ausblicke auf den Gorg Blau Staussee und auf den höchsten Gipfel der Insel, den Puig Major (1447 Meter). Der ist zwar nicht einmal so hoch wie der Feldberg im Schwarzwald, dennoch hat die Landschaft hier oben schon alpinen Charakter.

Das merke ich mit zunehmender Höhe beim Aufstieg zum Coll des Prat (1205 Meter), wo der Wind so heftig pfeift, das die Rastenden Zuflucht hinter einer Mauer suchen und ich mich frage, ob ich nicht doch ein paar Handschuhe hätte einpacken sollen. Während ich ein Schild auf dem Gipfel fotografiere gestikuliert ein Spanier heftig, aber leider erfolglos. „Hinter mir“, hat er wohl gerufen und mich darauf hinweisen wollen, dass dort ein Adler am Himmel zu sehen war.

Bis ich es endlich kapiere, ist der aber schon wieder weitergeflogen und hinter den Felsen verschwunden. Den Rest des Tages ärgere ich mich, dass ausgerechnet mir als passioniertem Vogelbeobachter der Adler entgangen ist. Immer wieder schaue ich während des Abstiegs gen Himmel, doch will sich partout keiner mehr zeigen.

Im Gegensatz zu den Etappen zwischen Valdemossa und Soller sind hier oben mehr „ernsthafte“ Wanderer unterwegs. Das sieht man zwar auch an der Größe der Rucksäcke, vor allem aber an der Geschwindigkeit, mit der manche an mir vorbei zischen. Zwei sind mir sogar begegnet, die den Wanderweg gerannt sind, und auch ein Mountainbiker hatte sich hier hoch verirrt, der jedoch eher unglücklich aussah.

Restaurierte Trockensteinmauer auf dem Cami Vell de Ses Voltes d´en Galileu (Copyright 2017, Michael Simm)

Zunehmend unglücklicher werde auch ich bei den fast 1000 Metern Abstieg an diesem Tag. Zwar gibt es weiterhin schöne Ausblicke und an manchen Stellen geradezu spektakuläre Abschnitte jener restaurierter Trockensteinmauern, die diesem Weg seinen Namen geben. Mir erscheint der Weg heute jedoch besonders schwierig, steinig, und unfallträchtig. Mehrfach komme ich ins Stolpern und frage mich, ob es am Weg liegt, oder an mir. Später melden mir meine Apps, dass ich für 14,5 Kilometer 6,5 Stunden unterwegs war, und dabei 45 Minuten Pause gemacht haben soll… 

Irgendwann erreiche ich dann aber doch das Kloster Lluc, wo ich auf Heerscharen von Rennradfahrern und Touristen treffe. Kaum zu glauben, dass dies hier das „spirituelle Zentrum“ Mallorcas sein soll. Aber nochmals 20 Minuten später ist dann auch die Herberge erreicht, das Refugi Son Amer. Gut, dass ich vor zwei Monaten schon reserviert habe, denn der Laden ist komplett voll und muss sogar einige Wanderer abweisen, die dann im Wald kampieren.

Hut ab vor den Betreibern, die hier eine wirklich schöne Hütte errichtet haben, und zum kleinen Preis ein überraschend gutes Abendmahl servieren – Rotwein inklusive. Friedlich richten sich daraufhin 24 Männlein und Weiblein ihre Betten im großen Schlafsaal, und um 23:00 geht das Licht aus. Das anschließende Konzert für Gewisper, Quitschbetten, Sägen, Pfeifen und sonstige Körpergeräusche war heftig. Am Ende aber hat meine Müdigkeit gesiegt und mir doch satte fünf Stunden Schlaf beschert, mit denen ich morgen die letzte Etappe angehen werde.

GR 221 – 15. Soller

Eigentlich wäre heute meine 9. Etappe auf dem GR 221 angesagt, und der 10. Wandertag in Folge. Aber ich will gar nicht lange drum herum reden: Der Michel hat verkackt. Und ist den Weg zum Cuber-Stausee bzw. nach Sa Font de Noguer NICHT gelaufen. Und das kam so:

Spät aufgestanden in Palma mit schweren Beinen habe ich zunächst noch einige dringende Mails beantwortet, und bin dann mit dem Bus erst zur Mittagszeit nach Soller gekommen, wo diese Etappe ihren Ausgang nehmen sollte. Unterwegs nochmal meinen Wanderführer studiert und das beeindruckende Höhenprofil angeschaut: Der Weg wird zwar in der umgekehrten Richtung beschreiben, in meiner Richtung wären es aber 990 Höhenmeter bergauf, die im Wesentlichen auf nur 5 der insgesamt 12 Kilometer Strecke entfallen.

Hier verläuft ein alter Pilgerweg durch die wilde Schlucht Barranc de Biniaraix. Über Felsabstürze, die jeden Aufstieg unmöglich zu machen scheinen, so das Tourbuch. Um Felsen herum, unter Felsen hindurch und in vielen Serpentinen bergauf. Das alles müsste ich in gut 5 Stunden hinkriegen, damit ich den einzigen Bus nicht verpasse, der in der zweiten Tageshälfte am Zielpunkt durchkommt und mich wieder hinunter bringen würde nach Soller.

Das war der Punkt, auf den der innere Schweinehund gewartet hatte. „Warum tust Du Dir das eigentlich an?“ hat er mich gefragt. „Macht Dir das etwa Spaß?“ Mit Bonuspunkten aus meinem Hotelprogramm hatte ich mir eine Übernachtung im Grand Hotel leisten können. Die haben nicht nur komfortable Zimmer, sondern auch ein Spa und einen Pool auf der Dachterrasse…

Und so kam es, dass der Schweinehund mich besiegt hat, und ich die eigentlich für heute geplante Etappe nur aus den Schilderungen anderer Wanderer kenne, die ich tags darauf in der Refugi Son Amer getroffen habe.

„Und – wie fühlt man sich so Versager?“ höre ich Euch fragen. „Ach, eigentlich ist es gar nicht so schlecht, hier auf der Dachterrasse“, antworte ich darauf. Man kann sogar direkt auf die lange steile Schlucht schauen, die ich ja eigentlich hinaufhecheln sollte. Doch wenn ich mir so die Nebelschwaden ansehe, die dort um den Gipfel jagen, sage ich mir: „Eins geschissen!“

Heute ´mal lieber auf der Dachterrasse chillen, als in der Steilwand schwitzen (Copyright 2017, Michael Simm)

Vielleicht ist so ein innerer Schweinehund manchmal ja auch ein guter Berater, sinniere ich dann in der Sauna. Und später, auf der Plaza des schönen Ortes Soller bei einem völlig unverdienten Bierchen: Man soll ja auch seine Feinde lieben.

Das also war Tag 11, und während ich mit drei Tagen Abstand diese Zeilen schreibe, will sich immer noch kein rechtes Schuldgefühl einstellen. Mal wieder habe ich mich an den Rat von Sean Brummel gehalten, der da sagte: „Einen Scheiß muss ich.“ Recht hat er.

GR 221 – 14. Deià – Refugi Muleta – Port de Soller

Einen „Klassiker“ nennt mein Wanderführer den Weg von Soller nach Deià. Ich will ihn in die andere Richtung laufen, schließlich folge ich ja dem GR 221. Darüber, wie lange diese Etappe sein soll, gehen die Angaben wieder einmal auseinander. Laut Dietrich Höllhuber, dem Autor des Wanderbüchleins, sind es 3:40 für 8,8 Kilometer, und in meiner Richtung 270 Meter Aufstieg und 400 Meter Abstieg. Noch in Deià sehe ich eines der Schilder des GR 221, wonach es bis nach Soller nur 2:30 sind.

Na prima, denke ich mir, da ist das Ankunftsbier ja nicht mehr weit. Aber der Weg zieht sich wie Kaugummi, und es quälen mich Heerscharen von Landsleuten. Statt Rucksäcken tragen die meisten schwere Kameras vor ihren Bäuchen, und manch einer wackelt hier auch mit Sandalen entlang. Alle scheinen sie nur das eine Ziel zu haben: Entlang des Weges einmal einen frisch gepressten Orangensaft zu trinken, dazu noch ein Törtchen ´reinzudrücken, und sich dabei gegenseitig fotografieren.

Allerlei Klischees gehen mir durch den Kopf: Walldorfschullehrer, vegane Fair-Trade-Gutmenschen. Weiß gar nicht, warum ich heute so mies ´drauf bin. Der Trubel geht mir auf die Nerven. Das muss er sein: Der Ort, an dem Gerhard Polt und Loriot sich ihre Inspirationen geholt haben. Also schnell einen Orangensaft mit Schokotörtchen bestellt und dann gleich weiter.

Immer dem GR 221 nach, der hier einen Abstecher an die Küste vorsieht, zum Refugi de Muleta. Dumm nur, dass es von dort nach Soller laut Schild noch 1:50 sein sollen. Dabei bin ich jetzt doch schon länger gelaufen, als die ganze Tagesstrecke dauern sollte! So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Zur Besänftigung meiner selbst bestelle ich mir im Refugi „Pa amb oli“, das typische Brot mit Olivenöl und in diesem Fall Schinken und Käse. Und natürlich ein Bier dazu.

Vesper heißt auf mallorquinisch: Pa amb oli (Copyright 2017, Michael Simm)

Und während ich so in der Sonne sitze und aufs Meer hinaus schaue schwindet sie dahin, meine Willensstärke. Gemäß meinen eigenen Spielregeln dürfte ich heute eigentlich gar nicht ans Wasser. Statt dessen müsste ich jetzt auf dem GR 221 zurück bis zur Abzweigung, und dann nochmals 90 Minuten laufen bis nach Soller. Doch dann habe ich mich an ein Buch erinnert, das ich im Vorjahr mit großem Gewinn gelesen habe: „Einen Scheiss muss ich„.

Bloß weil da einer eine gestrichelte Linie eingezeichnet hat, darf ich nicht ans Meer? Pah! Also runtergewackelt am Leuchtturm Far de Cap Gros vorbei, an einigen fetten Villen durch, und mit schönen Ausblicken auf Port de Soller bis zum Strand hinunter. Ja, hier wäre ich gerne noch etwas verweilt. Hätte dann aber drei Stunden auf den nächsten Bus nach Palma warten müssen, und das wollte ich nun auch wieder nicht.

Mit dem Tag versöhnt habe ich mich dann spätabends in einer angesagten Tapas Bar ganz in der Nähe meiner Unterkunft. In der Casa Gallega genoss ich von meinem Platz am Tresen den Blick auf all die Leckereien und schaute den Obern bei der Arbeit zu. Sie hatten sogar einen, der den ganzen Abend nichts anderes tat, als hauchdünne Scheibchen von einem anfangs noch ziemlich großen Schinken ´runterzuschneiden.

Das war ein richtig schöner Ausklang für meinen letzten Abend auf Palma. Zwar tut sich durch die heutige Entscheidung jetzt auf meiner Route eine Lücke zwischen dem Refugi Muleta und Soller auf. Im Großen und Ganzen ist mein Plan bisher jedoch aufgegangen. Und morgen geht es dann wieder mit dem Bus nach Soller, und von dort erneut in die Berge, wo noch drei große Etappen auf mich warten.