Homer – Ilias und Odyssee

Sie mögen mich für einen Kulturbanausen halten, aber ich halte den anderen Homer für wesentlich unterhaltsamer. Homer Simpson und seine Familie bekommen deshalb bei nächster Gelegenheit eine eigene Michelpedia-Seite. Zwei der womöglich wichtigsten Werke des Altertums mag ich aber dann doch nicht unterschlagen und hier – wenn auch nur kurz – auf den Griechen Homer gehen. Er wird übrigens im Gegensatz zu Simpson auf der zweiten Silbe betont.

Büste Homers (Kopie, Glyptothek München, Foto: Bibi Saint-Pol)
Büste Homers (Kopie, Glyptothek München. Foto: Bibi Saint-Pol)

Homer also, der Grieche, gilt als der größte Dichter der Antike. Es soll um 750 vor Christus gelebt haben und alle Bilder und Büsten, die ich von ihm gesehen habe, zeigen ihn mit einem langen Bart, die meisten davon blind. Eigentlich aber weiß man so wenig über Homer, dass nicht einmal sicher ist, ob die hier vorgestellten Epen Ilias und Odyssee wirklich von ihm sind. Im Folgenden tun wir einfach so, als ob.

Mit der Ilias legte Homer den Grundstein für die europäische Literatur. Geschildert wird – in beeindruckenden 16000 Versen – ein 50 Tage langer Abschnitt aus dem Trojanischen Krieg. Elegant verkürzt Martin Tzschaschel diese Erzählung auf den Satz „Es geht um Kämpfe, Frauenraub, Liebe, Beleidigung, Eifersucht, Wut und Rache…“ Wem die Lektüre zu langatmig wird, dem sei der Kinofilm „Troja“ empfohlen, mit Brad Pitt als Achilles in der Hauptrolle und Sean Bean als Odysseus in einer Nebenrolle (Ja, das meine ich ernst).

In der Odyssee erzählt Homer quasi die Fortsetzung der Geschichte: Der Held und Namensgeber dieses Epos, Odysseus macht sich nach dem Sturz Trojas (man erinnert sich sicher an die Sache mit dem Pferd…) auf den Heimweg, doch weil er den Meeresgott Poseidon verspottet hat, bestraft ihn dieser mit einer jahrelangen Irrfahrt, die noch dazu die meisten von Odysseus´ Gefährten mit dem Leben bezahlen. Das Ende wird nicht verraten. Wer´s nachlesen will sollte sich auf gut 12000 Verse einstellen, oder sich eine Publikumsausgabe besorgen, denn ein ordentlicher Kinofilm zur Odyssee muss erst noch gedreht werden.


Das sicherlich bedeutendste „Remake“ der Odyssee ist der 1922 geschriebene Roman Ulysses von James Joyce. Er gilt vielen als das wichtigste englischsprachige Werk des 20sten Jahrhunderts. Erzählt wird ein einziger Tag im Leben von Leopold Bloom, der in Dublin für seinen Arbeitgeber Anzeigen einwirbt. Dabei fließen die Gedanken, Assoziationen und Erinnerungen der Figuren ebenso in die Erzählung ein, wie die äußeren Geschehnisse. Der Roman strotzt nur so von Anspielungen auf andere literarische Werke und einem sprachlichen Erfindungsreichtum, der auf deutsch kaum zu vermitteln ist. Das schreckt mich ein wenig ab, und so habe ich Ulysses in der vielfach empfohlenen Übersetzung von Hans Wollschläger auf den vorletzten Platz meiner Leseliste gesetzt – und das Original auf den letzten.

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