Klonen – wie geht das?

Eigentlich gehören zu einem Klon immer zwei: Mindestens zwei Lebewesen, deren Erbmaterial exakt gleich ist. Diese Voraussetzung erfüllen allerdings ziemlich viele, daruntert auch alle eineiigen Zwillinge. Eine bessere Definition dessen, was die meisten Menschen unter einem Klon verstehen, liefert die Wikipedia:

Ein Klon ist die durch ungeschlechtliche Vermehrung entstandene Nachkommenschaft eines Lebewesens

Noch besser wäre es, hier das Wort „ungeschlechtliche“ durch „künstliche“ zu ersetzen. Jetzt sind wir allmählich beim „reproduktiven Klonen“ angekommen, und damit bei Dolly. Dolly, das Schaf, wurde 1996 geboren, nachdem Wissenschaftler des Roslin Institute in Schottland nacheinander vier Manipulationen erfolgreich vorgenommen hatten:

  1. Sie entnahmen aus dem Euter eines Schafes eine Zelle und gewannen daraus die Erbsubstanz.
  2. Sie übertrugen diese Erbsubstanz in eine unbefruchtete und zuvor entkernte Eizelle eines anderen Schafes.
  3. Sie regten die nunmehr „umprogrammierte“ Eizelle mit einem winzigen Stromschlag zur Teilung an, und schufen damit einen Embryo.
  4. Sie übertrugen diesen Embryo in die Gebärmutter eines dritten Schafes, das zuvor mit Hormonen empfangsbereit gemacht wurde.
Dolly_clone.svg
So kloniert man ein Schaf (sorry wg. englischsprachiger Bedienungsanleitung, die Wikipedia hatte nichts Besseres zu bieten)

Trotz vieler Fehlversuche wurde schließlich Dolly, das Lamm geboren und damit der Beweis erbracht, dass aus einer bereits spezialisierten Körperzelle eines erwachsenen Tieres (oder eines Menschen) ein vollständiger und genetisch identischer neuer Organismus hervor gehen kann. Ob die entkernte Eizelle des zweiten Schafes nun vollständig umprogrammiert und auf den Zustand nach der Geburt zurück gesetzt wurde, ist allerdings fraglich, schließlich hatte das Erbgut des Spenderschafes bereits Alterserscheinungen:

In den Zellen des Spenders wie auch bei Dolly waren die Telomere am Ende der Chromosomen kürzer als bei normalen neugeborenen Schafen. Telomere sind vielfach wiederholte Erbgutsequenzen, die von speziellen Eiweißen bedeckt sind und die das Ende der Erbgutpakete (Chromosomen) in den Zellen abschirmen. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei der Zellteilung. An diesen Stellen beginnt jeweils die Verdoppelung des Erbmaterials vor der Zellteilung. Dabei werden die Telomere bei jedem Zyklus etwas kürzer; sie nutzen sich quasi ab.

Dolly schien bei der Geburt gesund und brachte auf natürliche Weise sechs Lämmer zur Welt. Tatsache ist aber auch, dass Dolly frühzeitig an Rheuma und an Lungenadenomatose erkrankte, sodass sie im Alter von sieben Jahren eingeschläfert werden musste.

Trotz dieser Einschränkungen und trotz der nach wie vor niedrigen „Ausbeute“ beim reproduktiven Klonen wurde mittlerweile ein kompletter Bauernhof nach dieser Methode vermehrt: Kühe, Pferde, Schweine, Ziegen und Maultiere ebenso wie Hunde und Katzen, Kanninchen, Hausmaus und die Wanderratte. Die ständige wachsende Liste – nachzuschlagen auf der engl. Wikipedia – umfasste beim Schreiben dieser Zeilen 22 Arten.

Dass auch Menschen trotz aller bestehenden Verbote bereits geklont wurden, wird zwar immer wieder behauptet und wäre „technisch“ gesehen auch möglich. Geschehen ist dies aber bislang offenbar noch nicht.

Übrigens: Mit Gentechnik im eigentlichen Sinne hat das Klonieren nichts zu tun, denn es werden dabei keine Erbanlagen verändert. Stattdessen übertragen die Befruchtungstechniker „nur“ den Inhalt einer Zelle auf eine andere, und lassen aus dieser dann einen kompletten Organismus heran wachsen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.