Nova – Wenn Sterne explodieren

27-planet@2xDie Lebendauer eines Sterns beträgt meist mehrere Milliarden Jahre. Den Großteil dieser Zeit tut sich für einen menschlichen Beobachter – nichts. Dennoch gibt es immer wieder Veränderungen am Sternenhimmel, die auch das menschliche Auge wahrnehmen kann. Eines dieser seltenen Phänomene ist eine Nova: Binnen Stunden vergrößert sich dabei die Strahlkraft eines Sterns um ein Vieltausendfaches.

Etwa 30 – 40 Mal passiert so etwas jährlich in unserer Galaxie, der Milchstraße. Die allerwenigsten dieser Ereignisse sind jedoch mit dem bloßen Auge sichtbar. Zuletzt war dies im Jahr 2007 der Fall. Nun aber, im August 2013, können sachkundige Beobachter unter günstigen Umständen erneut solch eine Nova am Nachthimmel aufspüren. Eine kleine Sternenkonstellation, der „Pfeil“ zeigt bei Sonnenuntergang in Richtung der neu entdeckten Nova Delphini (siehe Bild).

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Nova Delphini am Nachthimmel des 15. August 2013. (Foto/Grafik: Jimmy Westlake, Colorado Mountain College)

Als erster hat dies der japanische Amateur-Astronom Koichi Itagaki bemerkt, doch mein besonderer Dank gilt Corey S. Powell, einem Korrespondenten des Magazins Discover, der zu dem Ereignis einen besonders schönen Bericht geschrieben hat. Daher weiß ich, dass die Helligkeit des Systems innerhalb weniger Tage um das 50000-fache zunahm. Andere Kollegen berichten, dass Nova Delphini ihre größte Helligkeit am 16. August 2013 erreicht hat (4,4 mag), was die Sterneexlosion zur drittgrößten in der nördlichen Hemisphäre seit dem Jahr 1975 macht. So jedenfalls steht es in einem ausführlichen Beobachtungstipp der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“. Binnen drei Tagen ist die Strahlkraft auf 5,5 mag gesunken, und allmählich muss man sich beeilen, um noch einen Anblick dieses Phänomens zu erhaschen (oder man braucht ein ordentliches Teleskop).


Wie lange Nova Delphini noch zu sehen sein wird, ist unsicher. Es könnten Tage, Wochen oder Monate sein. Danach wird es aber sicher Archivaufnahmen geben, die im Internet zugänglich sein werden. Wie erste Studien zeigen, ist Nova Delphini ziemlich typisch für ein Objekt ihrer Klasse: Das Aufstrahlen beruht auf einem System von zwei Sternen: Einer ähnelt unserer Sonne, und dieser Stern umkreist in geringem Abstand einen extrem dichten „Aschehaufen“. Dieses Überbleibsel eines großen, ausgebrannten Sterns nennen Astronomen einen „Weißen Zwerg“. Er ist so dicht und hat solch eine gewaltige Anziehungskraft, dass er dem umlaufenden Stern Gase von der Oberfläche absaugt. Die Gase – zumeist Wasserstoff und Helium – sammeln sich auf der Oberfläche des Weißen Zwerges, bis die extreme Hitze und Dichte eine Kernfusion auslösen. Die gleiche Reaktion wie beim Zünden einer Wasserstoffbombe hat also jenes Licht erzeugt, welches Nova Delphini verriet. Anders als bei einer Supernova wird keiner der beteiligten Sterne zerstört, und das Ereignis kann sich in einem Abstand von Dekaden oder Jahrtausenden wiederholen. Dieser Anblick wird dann allerdings der nächsten Generation von (Hobby-)Astronomen vorbehalten sein. Ein kleiner Trost für alle, die Nova Delphini verpasst haben: Das Virtual Telescope Project hat bereits zahlreiche Aufzeichnungen online gestellt.

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