Costa Rica – Update 03 – Ankunft / Santa Ana

Hinweis: Viele der folgenden Adressen sind dem „Stefan Loose Reiseführer Costa Rica“ entnommen, der mir im Quervergleich der beste und aktuellste in deutscher Sprache zu sein scheint. Ich betrachte das Land auch als möglichen Ruhesitz und versuche, das Ganze um eigene Eindrücke in Zeiten von Corona zu ergänzen (siehe Einleitung).

Wer aus Europa kommend in Costa Rica landet, trifft hier meist am Abend auf einem der beiden internationalen Flughäfen ein: Liberia auf der Pazifik-Seite, oder für die meisten am Juan Santamaria-Flughafen, der zwischen der Hauptstadt San Jose und Alajuela liegt. Theoretisch könnte man mit dem Mietwagen gleich weiterfahren in Richtung Küste. Manche Reiseveranstalter organisieren auch die Abholung und einen nächtlichen Transfer zur ersten Unterkunft. Klüger ist es aber, in der näheren Umgebung zu übernachten und vielleicht noch ein paar Tage einzuschieben, um das zentrale Hochland zu erkunden (Valle Central), in dem die Hälfte aller Ticos lebt.

Ich habe mich dabei für die Posada Nena in Santa Ana entschieden, was sich als glückliche Wahl erweisen sollte, denn die wird, wie ich eben bei ein paar Bierchen erfahren habe, vom Hauptautor des obigen Reiseführers  mit seiner venezolanischen Ehefrau Minerva betrieben (mehr dazu). Volker Alsen – so heißt er – dürfte durch seinen Job einer der besten deutschsprachigen Kenner der Landes sein. Er bietet zahlreiche eigene Touren an und ist hervorragend vernetzt, sodass ich ihn mit seinem Insiderwissen sofort angezapft habe.

Das Städtchen Santa Ana, um das es in diesem Bericht hauptsächlich geht, liegt nur 10 Kilometer vom Flughafen entfernt im Speckgürtel der Hauptstadt San José. Der Ort mit seinen 11000 Einwohnern hat alle Annehmlichkeiten der Zivilisation und ist auf einer Höhe von 900 Metern auch klimatisch rund ums Jahr eine Wohlfühlzone. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 30 Grad bei gemäßigten Niederschlägen. Zahlreiche  „Expats„, also gebürtige Ausländer, haben sich hier niedergelassen und genießen die Mischung aus (für uns) erschwinglichen Preisen, Mieten oder Grundstücken und einer Top-Infrastruktur inklusive jeder Menge guter Restaurants und alle erdenklichen Dienstleistungen.

Zum Glück wird Santa Ana trotzdem von Einheimischen dominiert, die mit ihrer freundlichen Art durchaus typische Vertreter ihres Landes sind. Gestern etwa, im beliebten Restaurant „El Coco“ gab´s zu Quesadillas und Bier eine Gesangseinlage der Bedienung, die ebenso wie der Barkeeper unter ihrer Maske die kitschigen Schlager aus der Jukebox mitträllerte. Auch sonst werden die Masken auf der Straße einigermaßen diszipliniert getragen, an Bushaltestellen und anderen Orten, wo es eng wird, sowieso.

Nach der Besichtigung des Ortskerns, der wie jede ordentlich Stadt hier einen zentralen (Treff)platz zum Chillen, für Konzerte o.ä. besitzt, sowie eine katholische Kirche, mache ich einen Spaziergang zum Centro de Conservatión de Santa Ana. Auf dem Gelände einer historischen Farm werden dort diverse Tiere in Käfigen zur Schau gestellt und – wesentlich interessanter – das damalige Leben auf diversen Schautafeln erklärt und in einem kleinen Museum erklärt. Der Pflanzenbestand ist sehr abwechslungsreich, es gibt kleine Schaugärten dazu, und vieles ist ebenfalls beschildert erklärt, allerdings nur auf spanisch. Von außen wirkt es auf den ersten Blick etwas heruntergekommen; doch drinnen gibt es schöne Wege durch den Wald und zu einem kleinen Flüsschen, außerdem einen großen Picknickplatz und offenbar diverse Einrichtungen, um den hiesigen Schülern Natur und Geschichte näher zu bringen. Vögel habe ich natürlich auch gesehen. Unter den 10 Arten, die ich eindeutig identifizieren konnte war auch ein Linienspecht, der mit seiner roten Haube aussah wie ein Punk, sowie ein prächtiger Diademmotmot. Der Park ist sicherlich keines des spektakulären Highlights Costa Ricas, die man gesehen haben muss. Aber als Naturschutzgebiet mitten in der Stadt doch ein Gewinn für die Einwohner und durchaus vorzeigbar (4,2 von 5 möglichen Punkten aus 642 Rezensionen bei Google, dort auch zahlreiche Fotos). Eintritt war 4000 Colones, also gut 5 Euro. Dem stehen gegenüber ca. 7000 Colones (also 8 Euro) im empfehlenswerten und preiswerten Restaurant El Jardin , wo ich mir auf dem Rückweg einen Burrito und ein Bier gönne. Dass die Biere hier ungefähr ein Drittel der Rechnung ausmachen ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber was will man machen, bei der Hitze 😉

Auf dem Weg zum Park fallen mir diverse schicke neue Gebäude auf. Besonders am Santa Ana Town Center mit seinen Geschäften und Restaurants sieht man, dass die Amerikanisierung schon weit fortgeschritten ist. Einen Steinwurf entfernt sind die Santa Ana Flats, ein Appartementkomplex, der hier nahe der Straße steht, und der Wohnungen zum Vermieten anpreist, jedoch erfahre ich nicht, wie viel sie kosten. Ein deutscher Immobilienmakler hatte offenbar eine der Wohnungen dort für $ 340.000 im Angebot, und in einem ähnlichen Apartmentkomplex verlangt man zur Miete $ 750 / Monat. In Deutschland wäre das sicher ein tolles Preis/Leistungsverhältnis, aber für die meisten Einheimischen unerschwinglich. Generell scheinen die Immobilienpreise in diesem angesagten Vorort durch die Decke zu gehen. Ein Makler preist Häuser ab $ 118.000 Dollar an, und dann geht es nach oben bis über 2 Millionen. Als nächstes werden dann wohl die umliegenden grünen Hügel bebaut, wie erste Baustellen andeuten. Der Vorteil solch einer Entwicklung ist natürlich eine hervorragende Infrastruktur, einschließlich jeder Menge Kliniken, Läden und Restaurants. Hmm. Ich stehe ja erst am Anfang meiner Reise, habe noch kaum Vergleichsmöglichkeiten, und enthalte mich daher einer Bewertung.

Fortsetzung…

Costa Rica – Update 02

zur Einleitung

Ich schreibe dies am Tag nach meiner Ankunft bei sonnigen 27 Grad und blauem Himmel in Santa Ana, einem Vorort der Hauptstadt Costa Ricas und nur ca. 10 Kilometer vom Flughafen entfernt. Für mich gab es mehr gute Gründe, vor den Corona-Problemen aus Deutschland hierher zu fliehen, als wegen Corona-Ängsten in Deutschland zu bleiben, und auf das Ende des Lockdowns zu warten. Schnell ein paar Fakten zu diesem Thema:

  • Update vom 5.3.21: In Costa Rica wurden bislang insgesamt 204.341 Fälle (nachgewiesene Infektionen) von Corona  gemeldet, das entspricht 4011 / 100.000 Einwohner. Zum Vergleich Deutschland: 2,442 Millionen Fälle; 2915 / 100.000 Einwohner. 
  • Es starben in Costa Rica bisher 2800 Menschen an/mit Corona, davon 37 in der Woche zum 2. März. Das entspricht einer Rate von 55 Toten / 100.000 Einwohner. In Deutschland stehen wir zum gleichen Zeitpunkt bei 70045 Tote insgesamt, davon 2204 in der letzten Woche, und umgerechnet auf die Einwohnerzahl 83,6 Tote / 100.000 Einwohner. Die neuen Virus-Varianten, die ansteckender und/oder tödlicher sind als die Stammform, wurden bisher in Costa Rica noch nicht nachgewiesen.
  • Auch wenn ich als Medizinjournalist die weltweiten Coronazahlen wegen unterschiedlicher Zählweisen nur bedingt für vergleichbar halte, kann man dennoch folgern, dass – über die ganze Zeit gesehen – Costa Rica nicht schlechter durch die Pandemie gekommen ist, als Deutschland. Die Zahlen stammen übrigens von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Datum vom 2 März 2021, und wer aktuelle Angaben sucht, findet sie für alle Länder und Regionen in den Situation Reports.

Costa Rica hat ein extrem gutes Gesundheitssystem – in ganz Nord-, Süd-, und Mittelamerika ist nur Kanada besser; und die USA liegen dahinter (!) Die Lebenserwartung ist ebenso hoch wie bei uns – ich finde das bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von einem Viertel des Deutschen eine bewundernswerte Leistung. Und mit dem Impfen haben sie übrigens auch vor uns angefangen.

Das Land lebt mittlerweile zuerst vom (Öko)-Tourismus, dann Halbleiter und Mikrochips, und erst danach kommt der Export von Kaffee, Bananen, Ananas etc.  Costa Rica gilt zwar immer noch als Schwellenland, ist seinen Nachbarn aber in praktisch jeder Hinsicht um Lichtjahre voraus. Den Ruf als „Die Schweiz Mittelamerikas“ haben sie sich wirklich verdient. Außerdem – verzeiht mir bitte dieses Pauschalurteil – leben hier die freundlichsten und höflichsten Menschen die mir bisher auf meinen Reisen in 50 Länder begegnet sind. 

All dies erzähle ich nicht nur, um unbezahlte Werbung für mein Lieblingsland zu machen, sondern auch zum Verständnis der aktuellen Vorschriften: Man kann es sich hier einfach nicht leisten, auf die Touristen und ihr Geld zu verzichten. Ich nehme an, man hat deshalb ganz bewusst bereits im vergangenen November damit begonnen, die Vorschriften zu lockern. Aktuell verlangt Costa Rica für die direkte Einreise aus Deutschland keinen Coronatest, und es gibt auch keine Quarantäne (solange man nicht erkrankt). Auf den Straßen herrscht Maskenpflicht, die auch weitgehend eingehalten wird. Restaurants und Kneipen dürfen bis 22:00 bzw. 21:00 am Wochenende geöffnet haben, aber nur mit halber Kapazität. Der Privatverkehr ist ebenfalls eingeschränkt, was aber nicht für Mietwagen gilt. Strandbesuch ist wieder bis 18:00 erlaubt. Hier geht es also nicht um einen Urlaub, wo man die Sau raus lassen kann, sondern um den verantwortungsvollen, aber nicht hysterischen Umgang mit einer Krisensituation.

Ganz wichtiger Punkt: Costa Rica verlangt bei der Einreise den elektronischen Nachweis einer Auslandskrankenversicherung, die das Risiko einer möglichen Quarantäne von bis zu 4 Wochen abdeckt. Dies und viele weitere Details findet Ihr auch auf deutsch auf der offiziellen Webseite „Essential Costa Rica„. Ich habe lange gesucht und nur eine deutsche Versicherung gefunden, die das Risiko abdeckt. Das war die HanseMerkur, aber dazu musste man erst eine ziemlich teure Grundversicherung abschließen, und die „Quarantäneversicherung“ obendrauf („ab 22 Euro“) war nur für Reisen bis maximal 43 (?) Tage verfügbar. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und eine der beiden hiesigen Versicherungen abschließen, die sich das mit $ 11 / Tag vergolden ließen. Über obigen Link kann man das online erledigen und bekommt dann per Mail eine Versicherungsnummer. Die braucht man dann für das digitale Gesundheitsformular, welches man ab 48 Stunden vor dem Abflug ebenfalls ausfüllen muss. Profi-Tipp: Damit nicht erst in der Abflughalle zu beginnen, kann einem viel Stress ersparen. Am Ende der Prozedur hat man schließlich eine Mail samt angehängter pdf-Datei, die sinnigerweise auf dem Handy mitgeführt und bei der Einreise gescannt wird – fertig. Wem das Ganze bürokratisch vorkommt, den möchte ich daran erinnern, dass deutsche Gesundheitsämter im Jahr 2021 Infektionszahlen per Fax übermitteln und am Wochenende nicht erreichbar sind. 

Dies ist, nochmal zur Klarstellung, die Situation beim Schreiben dieser Zeilen am 4.2.21, und ich werde nicht in der Lage sein, das ständig zu aktualisieren. Daher möchte ich Euch zusammen mit meiner aktuellen Unterkunft, der Posada Nena, auch gleich die COVID-19-Informationen der Inhaber empfehlen, die so etwas hauptberuflich machen.

Noch ein paar Worte zur Anreise: Auch hier können sich die Bedingungen schnell ändern, Flüge gestrichen werden und dergleichen. Solange die Corona-Krise anhält, würde ich von Flügen über die USA oder andere Länder abraten, weil die Unwägbarkeiten zu groß werden. Ich hatte Glück, dass Lufthansa sehr günstig Direktflüge von Frankfurt nach San Jose anbot. Während ich noch ´drüber nachdachte war die Economy schon ausverkauft, aber in der „Premium Economy“ habe ich für die Mehrkosten nicht nur mehr Platz und prima Service bekommen, sondern hatte auch 8 Kilogramm Aufgabegepäck inklusive, die in der normalen Economy extra gekostet hätten.

Von der Lufthansa wurde für diesen Flug übrigens auch kein Corona-Test verlangt, und wie das mit der Maskenpflicht funktioniert, wenn 300 Leute in so einer Blechbüchse zu Mittag essen, werden wir sehen. Das mit der Testpflicht kann sich ja schnell wieder ändern. Ich hatte deshalb schon halb-panisch, aber vergeblich, versucht, einen beim Hausarzt zu kriegen. Dies scheiterte aber daran, dass es „2 – 3“ Tage gedauert hätte, das Ergebnis zu erfahren, der Test aber (wenn er verlangt wird) nicht älter als 48 Stunden sein darf. Den Stress hätte ich mir sparen können, wenn unsere Behörden eine ordentliche Liste führen würden, wo man solch einen Test direkt vor Ort machen kann. Als ich dann am Flughafen war, fand ich direkt vom Fernbahnhof kommend das riesige Testcenter der Firma Centogene. Die machen sowas anscheinend ziemlich gut und schnell, und man nannte mir einen Preis von 69 Euro für den PCR-Test und 59 für den Schnelltest.

Damit erst mal genug der Formalitäten und hinein ins Vergnügen…

Fortsetzung…

So erkennt man einen Experten

Ob Corona oder Klima, Gentechnik oder Atomkraftwerke – ständig treffe ich auf Facebook, Twitter und in den Medien auf Leute, die als Experten auftreten, obwohl sie offensichtlich keine Ahnung haben. Das frustriert mich nicht nur als Wissenschaftsjournalist, ich sehe darin auch eine echte Gefahr für unsere Gesellschaft. Deshalb habe ich heute mal zur Abwechslung einen kleinen Ratgeber geschrieben, wie man echte Experten von den Großmäulern unterscheiden kann. Bitte nicht missverstehen: Jeder darf und soll seine Meinung frei äußern dürfen; von mir aus auch Verschwörungstheorien und harte verbale Attacken. Nur sollte man dann eben auch bereit sein, sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinanderzusetzen. Und damit klar kommen, dass man als Depp dasteht, wenn man offensichtlich Blödsinn erzählt hat.

Also woran erkennt man nun, wer Ahnung hat? Zunächst sollte man schauen, welche Ausbildung die fragliche Person genossen hat, wie viel Erfahrung sie mit dem Thema hat, und ob sie auf dem betreffenden Fachgebiet einen Abschluss hat. Niemand käme auf die Idee, sich von seinem Frisör den Blinddarm ´rausnehmen zu lassen, und die Bremsen meines Autos würde ich lieber in einer Kfz-Werkstatt reparieren lassen, als beim Heilpraktiker.

Wissenschaft wird an Hochschulen gelehrt, und da gibt es natürlich mehr oder weniger gute. Natürlich kann man behaupten, hier oder dort dies oder jenes studiert zu haben. Das kann aber auch jeder Studienabbrecher, und bewiesen ist damit doch eher, dass man es nicht geschafft hat. Erst wer die mehrjährige Ausbildung samt Prüfungen übersteht bekommt einen Titel, und der ist dann geschützt (ausführlich erklärt in der Wikipedia).

Ich möchte mich hier auf die Naturwissenschaften und die Medizin konzentrieren. Da steht auf der untersten Stufe in Deutschland der Bachelor der Wissenschaft (B.Sc., Bachelor of Science) oder des Ingenieurswesens (B. Eng., Bachelor of Engineering). Etwa drei, manchmal auch vier Jahre muss man dafür investieren. Die nächste Stufe (früher der einzige unterhalb des Dr.) ist das Diplom. Laut Wikipedia an einer Fachhochschule oft in 3 Jahren zu erwerben, an einer „richtigen“ Universität netto in 4 – 5 Jahren. Ich habe für meinen Dipl.-Biol. 7 Jahre gebraucht – denkt, was ihr wollt. Das Diplom ist heute Voraussetzung für einen Master wie z.B. den „Master of Science“ (M. Sc.). Der frisst auch noch ´mal 1 oder 2 Jahre Lebenszeit. Von da ab sind es dann nur noch 3, 4, oder 5 Jahre für einen Doktor-Titel wie z.B. den für Naturwissenschaften (Dr. rer. nat) oder für Medizin (Dr. med.). Der Professor schließlich ist kein akademischer Grad, sondern der Ausweis dafür, dass man an einer Hochschule/Uni lehren darf.

Das ist natürlich nur ein erster Anhaltspunkt. Natürlich gibt es gute und schlechte, fleißige und faule Bachelors, Doktoren und Professoren und ebenso schwankend ist auch die Qualität der Master-, Diplom- und Doktorarbeiten. Wie gut, dass es ein wunderbares und noch dazu kostenloses Instrument gibt, um die wissenschaftliche Leistung einer Person abzuschätzen. Es nennt sich PubMed, und dahinter verbirgt sich die weltweit größte Sammlung von Literaturzitaten in der Biomedizin. Etwa 30 Millionen Einträge hat der aus amerikanischen Steuergeldern finanzierte, englischsprachige Service. Jeder Eintrag listet den oder die Autoren, den Titel, und die Fachzeitschrift, wo die Arbeit erschienen ist, meist auch eine kurze Zusammenfassung, sowie einen Link zur Originalveröffentlichung (die dann allerdings oftmals Geld kostet, wenn man sie in voller Länge lesen möchte). Gibt man in das Suchfeld zum Beispiel „coronavirus“ ein, so sieht man Folgendes:

Die Suche nach dem Begriff „coronavirus“ liefert mehr als 20000 Einträge

Ganz oben auf der Ergebnisseite steht die Zahl der Treffer (20083). Die Grafik auf der linken Seite zeigt, wann diese Publikationen erschienen sind, und wie viele pro Jahr. Mit den Kästchen darunter kann man die Suche weiter einengen – zum Beispiel auf vollständige Texte, die kostenlos verfügbar sind („Free full text“ anklicken).

Aber woher weiß ich jetzt, ob beispielsweise Professor Christian Drosten wirklich Ahnung von Coronaviren hat, oder nur ein Poser ist? Dazu gibt man den Nachnamen ein, gefolgt von dem ersten Buchstaben des Vornamens. Also „Drosten C“. Auf Anhieb liefert mir diese einfache Suche 381 Ergebnisse! PubMed selbst hat die Treffer nach Wichtigkeit sortiert und hat oben eine Veröffentlichung platziert, die noch keine 6 Wochen alt ist. Wer sich auskennt sieht auch, dass sie in einem der renommiertesten Medizinjournale erschienen ist, dem New England Journal of Medicine, und noch dazu ist sie kostenlos.

Eindrucksvoll: Die Publikationsliste von Prof. Christian Drosten auf PubMed.

Natürlich sind nicht alle Facharbeiten, die Drosten bisher geschrieben hat, über das Coronavirus. Um nur diese zu sehen, verfeinern wir unsere Suche. Das geht ganz einfach mit der Formel „drosten c AND coronavirus“. Es bleiben noch immer 146 Veröffentlichungen übrig, was uns beweist, dass wir hier einen echten Experten vor uns haben.

Weil wir gerade dabei sind, checken wir nach dem gleichen Prinzip noch einen weiteren bekannten deutschen Mikrobiologen, Professor Alexander S. Kekulé.  Ich sehe 32 Veröffentlichungen, ein paar zum Zika-Virus, einen über Ebola, aber keinen einzigen über Coronaviren. Dann schon lieber Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts und zusammen mit Drosten derzeit wohl der einflussreichste Wissenschaftler, der die Bundesregierung in Sachen Coronavirus berät. Dem wird zwar von Kritikern gerne vorgehalten, dass er ja „nur“ ein Veterinärmediziner sei, aber auch Wieler hat eine beeindruckende Publikationsliste mit 241 Einträgen, wenn auch nur 3 zu Coronaviren.

Weil ich mich so geärgert habe jetzt noch ein Mann, der definitiv kein Experte für Coronaviren ist: Dr. Wolfgang Wodarg. Der durfte sich 10. März 2020 in der ZDF-Sendung Frontal21 über die Quarantänemaßnahmen und Verbotsregelungen verbreiten, bezeichnete dies als „Panikmache“ und erklärte, für Coronaviren bräuchte es keine besonderen Schutzvorkehrungen oder Tests. Ein positiver Corona-Befund habe keine klinische Bedeutung.

Leider kein Experte für Coronaviren: Dr. Wolfgang Wodarg, der im ZDF von Panikmache sprach.

Wodarg hat genau 2 Publikationen auf PubMed vorzuweisen, eine aus dem Jahr 1989 und eine von 2015. Keiner dieser Beiträge hat auch nur im entferntesten mit Viren zu tun, und ich habe mich einmal mehr gefragt, was das eigentlich für Leute sind, die beim öffentlich-rechlichen Rundfunk derartige Beiträge zu verantworten haben.

Nachwort: Natürlich können auch Experten irren. Um die Corona-Krise zu überwinden braucht es nicht nur Virologen und Epidemiologen, Ärzte und Pfleger, sondern auch Spezialisten auf vielen anderen Gebieten. Die Guten erkennt man oft daran, dass sie sich ihrer Grenzen bewusst sind. An Sätzen wie: „Das weiß ich nicht“, „das ist nicht mein Fachgebiet“, oder „dazu kann ich nichts sagen“. Es sind Sätze, die ich gerne öfter hören würde.