Costa Rica Update 04 – Mobilität / Escazu

Hinweis: Michel schreibt diese Notizen auf einer 7-wöchigen Reise durch Costa Rica, deren „Leitmotiv“ die Frage ist, ob er sich aus Deutschland verabschieden und hier niederlassen sollte. Ich will herausfinden, wie das geht, welche Optionen es gibt, und was das beste Plätzchen für mich wäre (siehe Einleitung). Ansonsten ist das hier ein ganz normalen Bericht, mit einem Schwerpunkt auf Natur- und Vogelbeobachtung und diversen Tipps für Reisende, die hoffentlich auch jene nützlich finden, die Deutschland (noch) nicht gegen das wunderbare Costa Rica eintauschen wollen.

Heute mach ich mich von Santa Ana auf den Weg ins ca. 15 Kilometer entfernte Escazú, einem weiteren angesagten Vorort der Hauptstadt San Jose. Die billigste Variante, hier zu reisen, ist mit Bussen, die sowohl den Nah- als auch den Fernverkehr bedienen, und mit denen man fast überall hin kommt (Öko-Lodges u.ä., die fernab der Straßen im Wald liegen, natürlich ausgenommen).

Leider gibt es keine übergreifende, komfortable App oder Webseite, auf der man beispielsweise die nächsten Haltestellen, Abfahrzeiten etc. aufrufen könnte. So sucht man eine der überdachten Haltestellen am Straßenrand (häufig in einer Parallelstraße zur Plaza Central) und muss sich mehr oder weniger auf die Beschilderung der ankommenden Busse verlassen oder – wenn man kann – die Einheimischen fragen. Einen Busfahrplan sucht man vergeblich. Ich brauche 2 Anläufe bis ich meine Haltestelle finde, und mich in die Reihe der Masken-tragenden Ticos einreihen kann. Bin etwas irritiert, weil zwar jeder Bus obendrauf „Escazu“ stehen hat, aber angeblich nicht jeder dorthin fährt. Mit meinem bescheidenen Spanisch-Kenntnissen vertraue ich mich einem jungen Paar an, das in die gleiche Richtung fährt und mir signalisiert, wann es Zeit ist, den Bus zu wechseln.

Unterwegs geht es steil am Rande des Valle Central hoch, während auf der gleichen Straße gerade ein Radrennen stattfindet. Überhaupt ist das Rennrad- und Mountainbiken hier total im Trend. Es gibt jede Menge Läden mit teuren Edelbikes, und die halbe Bevölkerung scheint auf diesen unterwegs zu sein. Außerdem am Wegesrand: Einige Luxushotels, feine Restaurants und prächtige Villen.

Beim Umsteigen sehe ich Niederlassungen von Porsche und anderen Luxus-Automarken, außerdem für Mountainbiker eine Dependence der Mountainbike-Marke Scott, deren Logo auf einer geschätzt fünf Stockwerke hohen Glasfassade prangt.

Der zweite Bus setzt mich nur einen Block von der Kirche und dem zentralen Platz ab. Der ist zwar mit Banderolen gesperrt, der samstägliche Markt findet aber in der parallel verlaufenen Straße trotzdem statt. An beiden Seiten stehen freundliche Menschen mit Masken, die aus großen Tanks und mit Sprühflaschen Desinfektionsmittel für groß und klein verteilen. Die Kunden tragen ebenso Masken wie die Markthändler, an deren Ständen Absperrungen für Abstand sorgen sollen. Denkt man sich das Corona-Zubehör weg, ist es ein ganz normaler Markt mit frischem Obst und Gemüse, Eiern, Säften, Fisch und Fleisch, zwei Freßbuden, die Gegrilltes anbieten, und ein paar weitere Stände mit Schnickschnack wie Schmuck oder Handyzubehör. Die Erdbeeren waren köstlich, und schon der Geruch war so betörend, dass ich alle Vorsicht außer Acht gelassen und sie ungewaschen verputzt habe… 

Escazu ist einer der reichsten Orte in ganz Costa Rica, mit vielen teuren Restaurants und Läden. Er liegt auf 1100 Metern Höhe und hat ca. 11000 Einwohner. Der Plan war, von hier über die Berge nach Santa Ana zu laufen, oder realistischer betrachtet und erst mal zum Aufwärmen, von dem über Escazu gelegenen Aussichtspunkt (Mirador) bis zum Dorf Salistral, ca. 5 Kilometer talaufwärts von Santa Ana.

Uber: Billiger als ein Taxi – bequemer als ein Bus 

Theoretisch fährt ein Bus nahe an den Ausgangspunkt dieser Wanderung, jedoch probiere ich hier erstmals Uber aus, deren App ich mir schlauerweise schon zuhause installiert und eingerichtet habe. In dieser Gegend zumindest funktioniert das System einwandfrei, wie ich bei 3 Probeläufen am heutigen Tag erfahre. Und weil es ja Leute gibt, für die das Internet Neuland ist, beschreibe ich die Funktion etwas genauer:

Die App weiß, wo man steht und fragt nach dem Ziel, das man eintippt. Man bekommt eine Preisschätzung (mit und ohne CO2-Kompensation) und im gleichen Moment erhält einer der privaten Fahrer für Uber eine Mitteilung. Ich erfahre den Namen des Möchtegern-Fahrers und seine Bewertung im System, außerdem Marke, Model und Nummernschild seines Autos (damit man ihn leichter erkennt). Wenn beide Seiten bestätigen, sieht der Fahrer meinen Standort und ich auf der Landkarte den Wagen, der sich auf mich zubewegt, sowie eine Schätzung, wie viele Minuten es noch dauert. Nach der Fahrt kann man über die App ein Trinkgeld geben und den Fahrer bewerten. Die Zahlungen werden über PayPal oder Kreditkarte abwickelt und Uber verschickt zusätzlich Abrechnungen, was für guten Durchblick sorgt.

Uber ist also ein Mittelding zwischen Mitfahrzentrale, Taxi und öffentlichem Verkehrsmittel und die App dazu ist eine der besten, die ich kenne. Preislich lag ich mit meinen 3 Fahrten heute bei ca. 2 Euro für Fahrten von jeweils etwa 5 Kilometer (etwa das dreifache einer Busfahrt) bei Wartezeiten von ca. 6 Minuten. Für die Fahrt zum Flughafen um meinen Mietwagen abzuholen habe ich über die App im Voraus bestellt und der Fahrer war nicht nur pünktlich, sondern hat mich auch genauso schnell wie ein Taxi dorthin gebracht, wobei ich aber nur 8 Euro bezahlt habe gegenüber den 20 für die Gegenrichtung mit dem Taxi.

Zurück nach Escazu, wo ich nach steiler Fahrt bergauf mich bei einem Restaurant mit großartiger Aussicht auf´s Valle Central habe absetzen lassen, direkt neben dem eigentlichen Aussichtspunkt gelegen. Leider gibt es keine ausgeschilderten Wanderwege, und so habe ich mich mit einem Vorschlag aus meiner Trecking-Uhr (einem Vorläufer der aktuellen Garmin Fenix 6) begnügt, der ich – noch so ne schlaue Idee – vor der Abreise noch geschwind für 10 Euro die Open Street Map von Costa Rica aufgespielt habe. Die Investition hat sich ausgezahlt, denn auch wenn wenn es mitunter etwas dauert, so findet das Gerät doch auch ohne Netzempfang nur anhand der allgegenwärtigen GPS-Signale fast alle Sehenswürdigkeiten, geographischen Punkte, Hotels, Restaurants etc.. Ich finde, dass ist eine gute Absicherung, falls man sich ´mal verlaufen oder verfahren sollte, und mein Eindruck ist, dass dies sogar besser funktioniert hat, als im heimischen Offenburg!

Ok. Ich folge also der Linie, die meine Uhr vorgibt, und so konnte ich schöne Ausblicke auf das dicht besiedelte Valle Central genießen und erneut fette Villen am Wegesrand bewundern. Sie wurden offenbar auf jenen Grundstücken gebaut, wo nur ursprüngliche kleinen Farmen und große Gemüsegärten standen. Nur wenige sind erhalten geblieben, und wenn die Bauern hier ihr Land verkaufen, haben sie bestimmt ausgesorgt.

Währenddessen führt die Uhr mich über zunehmend schmalere Sträßchen erst steil bergauf und nach einem ganz kurzen Stück echten Wanderweges noch steiler bergab, bis ich endlich mit weichen Knien in Salitral ankomme und – Uber sei Dank – von dort zurück in meine Unterkunft. Also, diese eher direkte Route kann ich eigentlich nicht empfehlen (habe sie aber trotzdem auf Komoot veröffentlicht), aber für die in meinem Reiseführer empfohlene Strecke über die 2400 Meter hohen Cerros de Escazu konnte ich mich mangels Zeit und Beschilderung halt auch nicht entscheiden.

Das letzte „Abenteuer“ des Tages: Mit Uber zum Flughafen und dort meinen Mietwagen abgeholt – mitsamt dem fast schon typischen Ärger. Wie vermutlich die meisten Individualreisenden hatte ich natürlich bei diversen Portalen nachgeschaut und auch Volker von der Posada Nena eine Anfrage geschickt. Obwohl es einen enormen Wettbewerb gibt, kosten manche  Wagen doppelt so viel wie andere – in der gleichen Klasse wohlgemerkt!

Zwar gibt es einige wenige Ziele, die man auch mit einem „normalen“ Kleinwagen erreicht, für alles, was wirklich interessant, ungewöhnlich und spannend ist, braucht man jedoch einen Allrad-Antrieb. Wobei leider viele Wagen zwar Allrad haben, aber trotzdem nicht wirklich geländetauglich sind, wie ich auf meinen letzten 3 Touren feststellen musste. Der wohl meistvermietete Daihatsu Bego z.B. ist so schwachbrüstiges Ding, das zu hassen ich gelernt habe. Wie oft habe ich neidisch den Leuten in ihrem Suzuki Jimny hinterher geschaut. Das hat mein Vermieter schamlos ausgenutzt, seine Dienste mit dem Bild des Jimny beworben, und im Kleingedruckten den Hinweis („oder ähnlich“) versteckt. Den Rest der Geschichte könnt ihr Euch denken: Kein Jimny weit und breit, der blöde Bego soll´s sein. Noch dazu fehlt ihm die Gepäckabdeckung – auch so eine Unsitte, mit der die Vermieter in aller Welt mich in den letzten Jahren auf die Palme treiben. Wie soll ich denn bitte mein Gepäck verstecken, wenn jeder in den Gepäckraum sehen kann? Und wo sind die verdammten Verbraucherschützer, wenn man sie mal braucht?

Also der Michel auf dem Parkplatz rumgetobt. No Senor – den Bego kannste behalten! War kurz davor, wieder vom Hof zu laufen und den Vertrag zu canceln, bis er mir dann die einzige Gepäckabdeckung angeboten hat – und dazu ein Upgrade zu einem geringfügig besseren Karren, dem SsangYang Korando. 250 Dollar extra hat der Dealer mir dafür abgenommen, und sich wahrscheinlich ins Fäustchen gelacht. Ziemlich ärgerlich, das Ganze.  Eine Alternative wäre vielleicht gewesen für diesen längeren Aufenthalt einen Wagen zu kaufen, und dann wieder zu verkaufen (oder zu parken, bis zum nächsten Mal). Aber das überstieg dann doch meine sprachlichen und logistischen Fähigkeiten, und wahrscheinlich hätte ich Tage gebraucht, um die Versicherung klar zu machen. Also abhaken den ganzen Ärger und los geht´s im Korando (der sich ein paar Tage später bewährt hat…)

Fortsetzung…

Seelbach

Vorgestern war ich wieder mal in diesem schönen Ort (per Rennrad), für den ich gerne ein wenig Reklame mache: Seelbach liegt im Schuttertal und gehört zur Ortenau in Baden. Es hat knapp 5000 Einwohner und ist als Luftkurort anerkannt. Am Ortsrand fließt die Schutter durch, und auf einem Hügel thront in östlicher Richtung die Burgruine Hohengeroldseck. Erwähnt wurde Seelbach erstmal 1179, damals als Besitz des Klosters St. Georgen.

Landschaft bei Seelbach am Westrand des Schwarzwaldes

Essen kann man in Seelbach im Bären mit badischer Küche und großen Portionen – zumindest bei Google ist es das beliebteste Restaurant im Ort. Auch der günstige Italiener Belmondo scheint empfehlenswert. Einer von mehreren Gasthöfen, der sich Deutschlands ältester nennt, liegt in Richtung Biberach an der Bundesstraße auf der Passhöhe. Allerdings ist die Herberge zum Löwen, die seit 1231 belegt war, aktuell geschlossen.  Geöffnet ist dagegen trotz Corona das Freizeitbad in Seelbach. Vor allem lohnt sich ein Besuch aber für Mountainbiker, Rennradfahrer und Wanderer.

So liegt Seelbach an der 4. und letzten Etappe des Schwarzwald-Querweges von Rottweil nach Lahr. In östlicher Richtung trifft sich dieser Weg auf 500 Metern Höhe am Sodhof mit dem Kandel-Höhenweg. Um 1900 war der Sodhof noch ein Sudhaus, zu dem der Gerstensaft mit Pferdegespannen angeliefert wurde. Heute ist es eine beliebte Gartenwirtschaft (Montag und Dienstag geschlossen).

In der Radkarte für den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, die unter dem Titel „Sagen und Mythen der Ortenau“ 30 magische E-Bike- und Tourenradstrecken verspricht, starten und enden gleich 3 dieser Touren in Seelbach, jeweils an der Sporthalle:

    • die 46,5 Kilometer lange „Geroldseck-Tour“ wird gerade noch als leicht eingestuft. Sie führt über Lahr am Rande des nördlichen Zipfels des „Vorgebirges“ entlang, dann über Gengenbach und Biberach nach länglichem Anstieg unter die Burgruine Geroldseck, die der Tour ihren Namen gab, und zu der man einen Abstecher machen sollte. Zurück auf der Passhöhe am Denkmal auf der Alten Landstraße bergab hat man zurück in Seelbach 315 Meter Gesamtanstieg geschafft.
    • die 31 Kilometer lange „Silbererz-Tour“ ist schon etwas schieriger, denn sie hat 420 Höhenmeter. Sie führt zunächst auf die Passhöhe nach Schönberg, ins Kinzigtal nach Biberach und von Steinach wieder bergauf bis zum Langbrunnenpass, von wo man abwärts durch das Schuttertal zurück nach Seelbach gelangt.
    • Die „Grüselhorn-Tour“ mit ihren 47 Kilometern Länge und 560 Höhenmetern ist mittelschwierig. Der Anstieg ist zum größten teil auf den 12 Kilometern zu bewältigen und führt das Schuttertal hinauf. Dann biegt man ab in Richtung Ettenheim um kurz davor in nördlicher Richtung nach Schmieheim zu fahren, wo sich eine Rast in der Brauerei anbietet. Weiter geht´s am Waldrand entlang über Kippenheim, Sulz und schießlich ab Lahr entlang der Schutter stromauf zurück zum Ausgangspunkt.

Hügel um Offenburg – Keugeleskopf und Silberlöchlebühl

Sie suchen extreme körperliche Herausforderungen und unberührte Bergwelten? Dann sind sie hier falsch. Meine Wahlheimat Offenburg liegt am Fuße des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und inmitten einer vielfältigen Kulturlandschaft, so dass man hier Rhein, Reben und Wald jeweils in kürzester Zeit erreichen kann. Für diese Miniserie habe ich einfach nur systematisch die Hügel um Offenburg besucht und aufgeschrieben, was es dort zu sehen gibt. Laut Wikipedia gelten in Deutschland bereits Erhebungen ab 300 Metern als „Berge“. Es ist bei uns also ziemlich einfach, zum Gipfelstürmer zu werden – sogar mit dem Mountainbike.

Wir fangen an mit Keugeleskopf und Silberlöchlebühl. Beides sind (angeblich) „Dreihunderter“, und damit die niedrigsten Erhebungen, die  in meiner Landkarte und bei OpenStreetMap verzeichnet sind. Der schönere und mit 7 Metern auch Höhere der beiden ist mit 372 Metern der Keugeleskopf, manchmal auch „Kügelskopf“ genannt (Geokoordinaten: 48,4439508; 7,9831146). An seinem Westhang liegt Schloss Ortenberg und nicht weit entfernt in südöstlicher Richtung das urige, aber nur Sonntags geöffnete Naturfreundehaus Nothalde. Will man den Keugeleskopf aus südlicher Richtung von Ohlsbach her an einem anderen Tag erwandern, so bietet sich „Im Schlauchberg“ (Geokoordinaten: 48,4418519; 7,9845933) als schöner Rats- und Aussichtspunkt an.

Blick vom Hohen Horn auf den Keugeleskopf (Bildmitte links), einen Hügel oberhalb von Ohlsbach am Eingang zum Kinzigtal.

Vom flachen Gipfel sind es in nordöstlicher Richtung nur etwa 600 Meter bis zum Freudentaler Eck (Geokordinaten: 48,44592367,9869662), wo gleich ein halbes Dutzend Wege zusammentreffen und ebenfalls eine Hütte zur Rast einlädt. Von dieser Seite lässt sich der Keugeleskopf übrigens auch mit dem Mountainbike fahrenderweise erreichen, die anderen Zugangswege sind über weite Strecken dafür zu steil. Ein Fahrverbot, das dort noch vor einigen Jahren wegen archäologischer Ausgrabungen galt, ist offenbar aufgehoben.

Der Hügel selbst ist zumeist mit Buchenwald bedeckt, und die kahl gefegten Flächen, die der Sturm Lothar an Weihnachten 1998 hinterlassen hat, sind weitgehend zugewachsen. Leider bedeutet dies, dass man von hier oben nicht in die Ebene schauen kann. Aber was soll´s – dafür hat man einen schönen Wald und sobald man ihn wieder verlässt gibt´s entlang der Reben wieder Aussicht satt.

Geschichtsträchtig ist der Keugeleskopf auch, wie die Ortsverwaltung Ortenberg auf ihrer Webseite verkündet. Demnach hausten hier etwa 600 v. Ch. die Kelten, und 1000 Jahre später auf den Überresten der alten Befestigungen die Alemannen. Von dort oben hatte man wohl die Kontrolle über eine wichtige Handelsroute, die zu Zeiten der Römer von Straßburg durch das Kinzigtal nach Rottweil ging. Zahlreiche Gegenstände aus Metall und Keramik hat man auf dem Keugeleskopf entdeckt, lese ich. Wo die ausgestellt sind, habe ich aber nicht heraus gefunden. Nun ja, wer mehr darüber wissen will kann ja bei Amazon die Bücher bestellen, die der Leiter der Ausgrabungen Michael Hoeper geschrieben hat.

Dann wäre noch die Sache mit dem Zweitnamen „Kügelskopf“ zu klären. Der kommt – so wird vermutet – aus der Zeit des französisch-holländischen Krieges als Ludwig XIV. die Burg zu Ortenberg zerstören ließ. Die Kanonenkugeln (Kügels) wurden demnach von hier oben auf das tiefer liegende Ziel abgefeuert.

Der zweite „Dreihunderter“ sollte laut Open Street Map das Silberlöchlebühl sein. Es liegt demnach in nordöstlicher Richtung auf dem Gebiet der Gemeinde Ohlsbach und hat die Geokoordinaten 48,4500223; 8,0030067. Zunächst musste ich ein wenig über meinen Karten brüten , um letztlich eine sinnvolle Anfahrtsroute zu entwerfen. Ein guter Orientierungspunkt ist, von Ohlsbach kommend, die Kapelle Maria im Weinberg (Geokordinaten 48,43643057,9950024), die gleichermaßen prominent und schön in den Reben oberhalb der Ortschaft thront. Im Inneren informiert ein Gedicht über den Stifter und die vielen Freiwilligen, die die Kapelle binnen kürzester Zeit erbaut haben.

Die kürzeste Verbindung von hier zum Silberlöchlebühl führt über den Kammweg, der oberhalb der Kapelle am Waldrand links beginnt. Das ständige auf und ab mag Wanderer erfreuen, für Mountainbiker ist diese Route aber nicht so spaßig. Denen würde ich daher empfehlen, vom Kammweg die erste Abzweigung links zu nehmen, und die nächste rechts, sodass man auf der nördlichen Seite des Kamms bleibt, bis man auf einen breiten Fahrweg trifft. Von hier sind es dann in Fahrtrichtung leicht bergab nochmals ca. 100 Meter, bis zu… Ja bis wohin eigentlich? Tatsächlich handelt es sich beim Silberlöchlebühl um eine Wegkreuzung und mitnichten um einen Gipfel! Denn die ursprünglich auf der Karte angegebene Position liegt 50 Meter weiter im Wald, und die einzigen Hügel, die ich dort gesehen habe, gehören mehreren Ameisenvölkern. An der Kreuzung selbst steht dagegen ein Pfosten mit drei Wegweisern und darauf ganz unmissverständlich die Positions- und Höhenangabe: „Silberlöchlebühl“, 370 Meter (Geokoordinaten 48,45035988,0040632).

Erst habe ich mich geärgert, dass ich dermaßen um den Gipfel betrogen wurde, nur weil vor acht Jahren jemand in der Karte einen falschen Eintrag gemacht hat. Dann aber habe ich es positiv gesehen: In einer Zeit, in der es fast nichts mehr zu entdecken gibt, habe ich einen falschen Gipfel enttarnt. Wieder daheim wurde der dann auch bei Open Street Map entfernt und in eine Kreuzung zweier Waldwege umgewandelt. Wie dem auch sei, gibt es von hier aus zwei Wege zurück nach Ohlsbach. Der eine führt von der Kreuzung talwärts durch den Riesenwald, bis er unweit des Naturfreundehauses Nothalde (nur Sonntag geöffnet) wieder auf den Ortsrand von Ohlsbach trifft. Die andere Route geht zunächst einige wenige Höhenmeter bergauf und dann am Jugendheim Schindelhof durchs Dorf zurück.

Merke: es gibt bei Offenburg nur einen „Dreihunderter“, und das ist der Keugeleskopf. Und was es an „Vierhundertern“ zu erklimmen gibt, will ich in der nächsten Folge ausloten.

Essen in Offenburg

Hab´ schon so lange nichts mehr geschrieben, und auch bei der letzten großen Reise keine Zeit dafür gefunden. Aber jetzt geht´s wieder weiter. Ich starte vor der Haustüre mit meinen Empfehlungen zum Essen, Trinken, und Spaß haben. Hier kommen die ersten drei aus meiner Bestenliste:

Gasthaus Biergarten Brandeck

Zellerstraße 44, 77654 Offenburg. Webseite. Facebook.
geöffnet täglich von 10:30 – 23:30, Sonntags bis 23:00. Tel: 0781-30352

Die Betonung liegt auf „Biergarten“. Davon gibt´s in unserer Gegend leider nur wenige, die den Namen verdienen. Dieser hier ist der Beste. Die Kronen-Brauerei die einst hier stand ist umgezogen, und macht Platz für einen ganzen Block von Eigentumswohnungen. Doch obwohl der Biergarten dadurch noch längere Zeit von einer Baustelle umgeben ist, hat er sich seinen Charme als beliebter Treffpunkt für jedermann bewahrt. Die Speisekarte ist badisch, bietet neben Schnitzeln, Hähnchen und Flammkuchen auch Salate und ist stets variabel.  Das kühle Bier dazu genießt man am besten aus dem Steinkrug. Tagesessen gibt´s auch, und zwar jeweils zwei Speisen zur Auswahl für unter 8 Euro. Der Service ist freundlich und auch bei Vollbetrieb meist ziemlich schnell. Kinder haben ihre Spielecke und einen ganzen Fuhrpark an Tretrollern und ähnlichen Gefährten zur Auswahl, sodass auch viele Familien gerne hierher kommen.

„Alles im Griff“ heißt es auch, wenn wieder einmal eine Fußball-Meisterschaft läuft und die alte Bühne zur Großleinwand umfunktioniert wird. Dann kriegt man die Speisen und Getränke an seinen schattigen Platz unter den Kastanien gebracht – und zwar in einem Bruchteil der Zeit, in der man anderswo für sein Bier ansteht! Das Schlimmste, was einem hier passieren kann ist, dass der Winter kommt oder es anfängt zu regnen – aber selbst dann gibt´s ja immer noch die gemütliche Gaststube.

Wolfsgrube

Obertal 102, 77654 Zell-Weierbach bei Offenburg. Facebook.
geöffnet 14:00 – 20:00, Sonntags 11:00 – 19:00.
Ruhetage: Montag & Dienstag. Tel.: 0160-1873962

Zu Recht ist „die Wolfsgrube“ (offizieller Name „Schützenhaus Wolfsgrube“) eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Nähe Offenburgs. Die Straße, die von Zell-Weierbach heraufführt endet direkt vor der Tür, sodass neben den zahlreichen Wanderern und Radfahrern auch Fußkranke und Faulpelze hierher kommen, um bei einem Flammenkuchen oder anderen einfachen Speisen die fantastische Aussicht über die Reben bis hinüber ins Elsaß zu genießen. Dazu gibt es ein sorgfältig ausgewähltes Angebot hiesiger Weine oder für Biertrinker das beliebte Ulmer. Er herrscht Selbstbedienung und manchmal steht man ein bisschen länger an. Aber die Stimmung ist freundlich, die Preise sind moderat und mit einem großen Kinderspielplatz sowie ein paar eingezäumten Ziegen ist auch für die Unterhaltung der Kleinen gesorgt. Also: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
 

Gasthaus Bleiche

Badstraße 63, 77652 OffenburgWebseite
geöffnet ab 10:30. Ruhetage: Montag & Dienstag. Tel 0781 -71 100

Gemütlich und im Grünen nahe dem Mühlbach gelegen ist diese Wirtschaft mit angeschlossener Kegelbahn auf sympathische Art in die Jahre gekommen. Wahrscheinlich findet man deshalb hier meist Einheimische, und Schnösel verirren sich nur selten hierher. Markenzeichen waren lange Zeit die gegrillten Hähnchen, und die haben nach einem Intermezzo minderer Qualität ein schönes Comeback erlebt. Mit € 6,50 markieren sie so ziemlich das preiswerte Ende der Speisekarte, gefolgt von Flammkuchen, Wurstsalat, Schnitzeln und anderen Klassikern. Steaks gibt es nicht nur von heimischen Rindern, sondern auch aus Irland (Hereford) und den USA (Black Angus, € 26). Abwechslung bringen täglich wechselnde Tagesessen und Freitags Fischgerichte. Viele Plätze im Freien und ein guter Service runden die Sache ab.

Den Namen hat die Wirtschaft übrigens daher, dass einstmals die Leinenweberei Clauss eine Rasenfläche nutzte, um ihre Stoffe in der Sonne zu bleichen. Dies taten im 19. und bis Anfang des 20. Jahrhunderts in der Nähe auch viele Offenburgerinnen, nachdem sie ihre Wäsche im benachbarten Mühlbach gewaschen hatten (nachzulesen bei der Stadt Offenburg).

GR 221 – 14. Deià – Refugi Muleta – Port de Soller

Einen „Klassiker“ nennt mein Wanderführer den Weg von Soller nach Deià. Ich will ihn in die andere Richtung laufen, schließlich folge ich ja dem GR 221. Darüber, wie lange diese Etappe sein soll, gehen die Angaben wieder einmal auseinander. Laut Dietrich Höllhuber, dem Autor des Wanderbüchleins, sind es 3:40 für 8,8 Kilometer, und in meiner Richtung 270 Meter Aufstieg und 400 Meter Abstieg. Noch in Deià sehe ich eines der Schilder des GR 221, wonach es bis nach Soller nur 2:30 sind.

Na prima, denke ich mir, da ist das Ankunftsbier ja nicht mehr weit. Aber der Weg zieht sich wie Kaugummi, und es quälen mich Heerscharen von Landsleuten. Statt Rucksäcken tragen die meisten schwere Kameras vor ihren Bäuchen, und manch einer wackelt hier auch mit Sandalen entlang. Alle scheinen sie nur das eine Ziel zu haben: Entlang des Weges einmal einen frisch gepressten Orangensaft zu trinken, dazu noch ein Törtchen ´reinzudrücken, und sich dabei gegenseitig fotografieren.

Allerlei Klischees gehen mir durch den Kopf: Walldorfschullehrer, vegane Fair-Trade-Gutmenschen. Weiß gar nicht, warum ich heute so mies ´drauf bin. Der Trubel geht mir auf die Nerven. Das muss er sein: Der Ort, an dem Gerhard Polt und Loriot sich ihre Inspirationen geholt haben. Also schnell einen Orangensaft mit Schokotörtchen bestellt und dann gleich weiter.

Immer dem GR 221 nach, der hier einen Abstecher an die Küste vorsieht, zum Refugi de Muleta. Dumm nur, dass es von dort nach Soller laut Schild noch 1:50 sein sollen. Dabei bin ich jetzt doch schon länger gelaufen, als die ganze Tagesstrecke dauern sollte! So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Zur Besänftigung meiner selbst bestelle ich mir im Refugi „Pa amb oli“, das typische Brot mit Olivenöl und in diesem Fall Schinken und Käse. Und natürlich ein Bier dazu.

Vesper heißt auf mallorquinisch: Pa amb oli (Copyright 2017, Michael Simm)

Und während ich so in der Sonne sitze und aufs Meer hinaus schaue schwindet sie dahin, meine Willensstärke. Gemäß meinen eigenen Spielregeln dürfte ich heute eigentlich gar nicht ans Wasser. Statt dessen müsste ich jetzt auf dem GR 221 zurück bis zur Abzweigung, und dann nochmals 90 Minuten laufen bis nach Soller. Doch dann habe ich mich an ein Buch erinnert, das ich im Vorjahr mit großem Gewinn gelesen habe: „Einen Scheiss muss ich„.

Bloß weil da einer eine gestrichelte Linie eingezeichnet hat, darf ich nicht ans Meer? Pah! Also runtergewackelt am Leuchtturm Far de Cap Gros vorbei, an einigen fetten Villen durch, und mit schönen Ausblicken auf Port de Soller bis zum Strand hinunter. Ja, hier wäre ich gerne noch etwas verweilt. Hätte dann aber drei Stunden auf den nächsten Bus nach Palma warten müssen, und das wollte ich nun auch wieder nicht.

Mit dem Tag versöhnt habe ich mich dann spätabends in einer angesagten Tapas Bar ganz in der Nähe meiner Unterkunft. In der Casa Gallega genoss ich von meinem Platz am Tresen den Blick auf all die Leckereien und schaute den Obern bei der Arbeit zu. Sie hatten sogar einen, der den ganzen Abend nichts anderes tat, als hauchdünne Scheibchen von einem anfangs noch ziemlich großen Schinken ´runterzuschneiden.

Das war ein richtig schöner Ausklang für meinen letzten Abend auf Palma. Zwar tut sich durch die heutige Entscheidung jetzt auf meiner Route eine Lücke zwischen dem Refugi Muleta und Soller auf. Im Großen und Ganzen ist mein Plan bisher jedoch aufgegangen. Und morgen geht es dann wieder mit dem Bus nach Soller, und von dort erneut in die Berge, wo noch drei große Etappen auf mich warten.

GR 221 – 13. Valldemossa – Deià

Von Valdemossa, dem meistbesuchten Dorf Mallorcas ging es heute über den Berg nach Deià. Eigentlich ist diese Route, die vom Wanderführer als „eine der großartigsten Touren, die man auf Mallorca machen kann, ohne zu klettern“, gelobt wird, nur 9,3 Kilometer lang und in gut vier Stunden zu bewältigen. Dann kamen einige Schlaumeier auf den Gedanken, eine Stiftung zu gründen, deren Ziel es sein soll, den Mönchsgeier hier wieder anzusiedeln. Sagt mein Wanderführer. Und das ist natürlich eine hervorragende Begründung dafür, den Zugang zu beschränken und nur eine begrenzte Zahl von Wandern pro Tag durchzulassen.

Da der Michel aber eher ein Skeptiker ist, und nicht alles glaubt, was man ihm erzählt, hat er die Sache hinterfragt. Und herausgefunden, dass hinter dem Verein Muntanya del Voltor einfach nur drei Fincas mit zusammen 300 Hektar Fläche stecken. Sieht für mich nach Großgrundbesitzern aus, die der Meinung waren, dass zu viele Wanderer über ihr Gebiet tappen würden. Einen Hinweis, dass irgendjemand ernsthaft hier Mönchsgeier wieder ansiedeln möchte, habe ich auf der Webseite nicht gefunden. Aber es gibt sie auf Mallorca. Übermorgen werde ich wohl durch deren bevorzugtes Gebiet marschieren, wenn ich einem älteren Spiegel-Artikel glauben darf. Und ich werde dafür keine Erlaubnis brauchen.

Für heute werde ich das vermeintliche Schutzgebiet nördich von Valldemossa umlaufen. Das tut auch der GR 221, der auf dieser Etappe laut offizieller Webseite noch geplant ist, auf meiner Wanderkarte (Stand Februar 2017) jedoch bereits fertig – zumindest bis kurz hinter dem Gipfel Puig de Caragoli. Die typischen hölzernen Wegweiser des GR 221 habe ich zwar vergebens gesucht, konnte mich auf dem langen Aufstieg über einen arg ramponierten Fahrweg jedoch nicht wirklich verlaufen.

Auf dem Hochplateau angekommen umschwirren mich Mauersegler, Boten des Sommers, deren Ankunft mich daheim immer in Hochstimmung versetzt. Eine Zeitlang verläuft der Weg ziemlich plan, mit tollen Ausblicken in alle Richtungen. Einzig, dass hier oben solch ein Trubel herrscht, trübt ein wenig die Entdeckerfreude. Besser wird es erst, als ich den Puig de Caragoli passiere, der mit seinen 944 Metern in Schottland als Munro durchgehen würde.

Ein Abstieg von mehr als 700 Metern erwartet den Wanderer auf dieser Tour nach Deià (Copyright 2017, Michael Simm)

Ein kleines Stück geht es noch eher sanft bergab, dann aber kommt der Ausblick, auf den mein Wanderführer mich vorzubereiten versucht hat: 700 Meter unter mir liegt Deià, das Ziel meiner heutigen Wanderung. „Der Weg windet sich in die Steilwand, die senkrecht bis überhängend abbricht“, heißt es. Die Warnung, dass man schwindelfrei und trittfest sein muss, hat mich im Vorfeld schon etwas eingeschüchtert. Abgesehen davon, dass meine Knie sich beschweren, ging es dann aber doch besser als erwartet.

Die Rückfahrt mit dem Bus klappte reibungslos. Am Ende hatte ich für die 12,5 Kilometer 5:20 gebraucht, was einerseits den 670 Höhenmetern bergauf zu verdanken war, und mehr noch den 940 bergab. Morgen geht es von Deia nach Port de Soller, dann sind es nur noch drei Etappen. Die Knie schmerzen, aber dafür kann ich unter meiner Wampe schon wieder die Füße sehen. Alles wird gut…

GR 221 – 12. Esporles – Valldemossa

Dank meines genialen Planes (siehe den gestrigen Eintrag) musste ich heute nicht mein Zimmer räumen und konnte als Bonus sogar die Hälfte meines Geraffels in Palma lassen. Derart unbeschwert ging es dann auf den Bus, der ziemlich pünktlich in den Kellergewölben unter meiner Herberge, dem Hostal Terminus, ankam (inzwischen leider geschlossen). Binnen einer halben Stunde war ich in Esporles und auf dem Fernwanderweg GR 221.

Die heutige Etappe nach Valdemossa sorgte mit 650, teils ziemlich steilen Höhenmetern wieder für straffe Waden. Die Strecke von fast genau 10 Kilometern schaffte ich in gut 3:30 Stunden und damit ein bisschen schneller als die vorherigen Etappen. Gerne würde ich darin einen Trainingseffekt sehen. Wahrscheinlicher ist es aber, dass die erste Stunde auf Asphalt einfach leichter zu laufen war. Obwohl ich jetzt seit sechs Tagen unterwegs bin, ist mir der morgendliche Muskelkater treu geblieben.

Dabei habe ich eine Seite meiner Wanderkarte bereits abgelaufen, und heute das erhebende Gefühl, mit der Rückseite quasi ein neues Kapitel aufschlagen zu dürfen: Stolz und Scham kämpfen miteinander als ich feststelle, dass ich erstmals in meinem ganzen Leben eine ganze Woche am Stück gewandert bin. Der Weg von Esporles ist anfangs gut gekennzeichnet und läuft eher sanft bergauf. Nach zwei Kilometern verlässt der Weg die Fahrstraße, und das Gelände wird schwieriger.

Zwei Mountainbiker, die hinter mir den Berg erklommen haben, ficht das nicht an. Sie schultern kurzerhand ihrer Sportgeräte und stapfen bergauf, als könne es kein größeres Vergnügen geben. Nun gehöre ich ja selbst im heimischen Schwarzwald auch zu dieser Zunft, aber was die hier treiben?

Nach 3,5 Kilometern bin ich – den Steinmännchen sei Dank -am Col de sa Basseta mit seinen 435 Metern angelangt, sehe die beiden Sportsfreunde ein kleines Stück fahren, und wundere mich, wie sie schlussendlich wieder ins Tal gekommen sind. Auf dem GR 221 jedenfalls nicht, denn der ist für Normalbiker nicht zu schaffen. Egal.

Vorbei an den Überresten mehrerer Kalkbrennöfen und zweier gut erhaltener Backöfen stapfe ich weiter durch den Wald, sehe bald sogar Palma in der Ferne und erreiche nach knapp 7 Kilometern beim Sa Communa mit 702 Metern den höchsten Punkt dieser Wanderung. Ohne große Verirrungen geht es von dort bergab nach Valdemossa, und so spare ich Euch die Details des Abstiegs zugunsten dreier Gestalten, die offenbar in keinem Reisebericht über Mallorca fehlen dürfen.

Es begab sich also zu der Zeit, genauer im Winter 1838/1839, das Frederic Chopin und George Sand als Pärchen der Pariser Society entflohen und ausgerechnet hier, im gerade aufgelösten Kloster, eine Zelle bezogen. Dass Frederic Chopin ein Komponist war, hätte ich ja noch gewusst, dass George Sand nicht etwa sein schwuler Liebhaber war, sondern eine Schriftstellerin – das war mir neu.

Gehofft hatten sie, dass Chopin hier oben seine Tuberkulose würde auskurieren können, aber dann regneten sie ein, und mit Chopin ging es bergab. Die wilde Ehe der beiden Zugereisten fanden die Dorfbewohner auch nicht so dolle, was George Sand ihnen dann mit ihrem Klassiker „Ein Winter auf Mallorca“ heimgezahlt hat. Heute ist Valdemossa das meistbesuchte Dorf Mallorcas, das alte Kloster, wo die beiden gehaust haben, das am zweithäufigsten besuchte Gebäude der Insel (nach der Kathedrale von Palma). Und die Moral von der Geschicht? Ich weiß es nicht.

Zugegebenermaßen ist Valdemossa wunderschön anzuschauen, für meinen Geschmack aber etwas zu geleckt. Außerdem ist es natürlich voll mit Touristen, von denen geschätzte 80% Deutsche sind. Gut, dass nach dem Ankunftsbier gleich der Bus kommt und mich mitnimmt nach Palma. Unterwegs lese ich von einem anderen Mallorca-Promi, für den ich erheblich mehr Sympathie empfinde als für die abgedroschene Künstler-Liebesgeschichte:

Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator (1847 – 1915) entdeckte seine Liebe zu Mallorca schon mit 20 Jahren, erforschte hier Natur und Kultur gleichermaßen und schuf dabei das Monumentalwerk  „Die Balearen in Wort und Bild„.  Außerdem war „Der ungekrönte König von Mallorca“ ein wahrer Öko, und was den Umgang mit seinen Mitmenschen anging, ein ziemlich Sonderling. So einen muss ich einfach mögen, und meine Freunde ahnen, warum ich das denke.

So geht der nunmehr sechste Tag meiner Wanderung zu Ende, und ich freue mich, dass der Plan bisher so gut aufgeht. Zum Feiern wähle ich das Restaurant Buscando el Norte, das von meinem Reiseführer ebenso gelobt wird, wie von meiner App Foursquare, die ich in solchen Fällen gerne konsultiere. Shrimp-Papaya-Salat, Mini-Thunfisch-Hamburger, Foie can Salsa de Chocolate Blanco und ander Pintxos, die einen aus den Socken hauen. Zu Preisen, für die man bei uns kein Wiener Schnitzel kriegt. Nach diesem Schlemmermahl ist mir nicht bange, wenn ich morgen die Route von Valdemossa nach Deia unter die Füsse nehme.

GR 221 – 11. Banyalbufar – Esporles

Noch so ´ne Weichei-Etappe, werdet Ihr denken. Tatsächlich sind die paar Kilometer von Banyalbufar nach Esporles auf dem GR 221 eher ein Spaziergang, denn eine Wanderung. Zwar geht es auch heute erstmal kräftig bergauf, aber am Ende sind es dann doch nur 338 Höhenmeter auf gut sieben Kilometern, die ich in etwas mehr als zwei Stunden bewältige.

Beeilt habe ich mich vor allem deshalb, damit ich den 12:35-Bus von Esporles nach Palma nehmen konnte. Er kam um 13:10. Ansonsten aber alles Prima. Der Weg war durchgehend ausgeschildert und bot zunächst wieder Aussichten auf terrassierte Hänge mit Mandel-, Oliven-, Zitronen-, und Orangenbäumen. Dann hinein in den Wald mit einigen Aleppokiefern und noch viel mehr verwilderten Ölbäumen, garniert mit Zwergpalmen und der gelegentlichen Kaktee.

Höchster Punkt ist der Coll des Pi mit seinen 454 Metern und wer glaubt, hier oben seine Ruhe zu haben, der sollte nicht an einem Sonntag herkommen. So wie ich. Diverse zumeinst einheimische Familien und ganze Schulklassen scheinen sich heute hier verabredet zu haben. Darunter auch jene Spezies, die ich so gerne mag, weil man sie schon einen Kilometer vorher hört, bevor sie laut plappernd um die Ecke biegen. „Was ist los Leute?“ möchte ich ihnen entgegen rufen. „Ist die X-Box“ kaputt? „Verpasst Ihr nicht Euer Formel-1-Rennen?“. Na ja. In ein paar Jahren haben die bestimmt alle ihre Google-Brillen und können sich dann von ihrer Couch aus auf Expeditionen in die virtuelle Natur begeben, ohne das Wohnzimmer verlassen zu müssen.

„Schuld“ an dem Menschenauflauf ist womöglich auch das Gut „La Granja„, eine Art privates Völkerkundemuseum zum mitmachen, Restaurant und Gastro-Shop inklusive. Es liegt kurz vor Esporles und ist „Ideal für Familienausflüge oder auch ein Schulprojekt“, wenn man der Webseite glaubt. Und heiraten kann man dort natürlich auch. Weisste Bescheid.

Ich lasse La Granja jedenfalls rechts liegen, durcheile den Ort Esporles und bin rechtzeitig an der Bushaltestelle. Mit der fast schon üblichen Verspätung geht es dann nach Palma, denn der Michel hat ´mal wieder einen tollen Plan: Vier Übernachtungen in Folge habe ich im Hostal Terminus gebucht und verbinde damit Einsparungen, Flexiblität und die Vorteile einer Großstadt mit meinem Wanderprojekt (Leider hat das Hostal inzwischen dicht gemacht)..

Die Idee kam mir, als ich zu den Busverbindungen recherchierte. Die sind – von gelegentlichen Verspätungen abgesehen – hervorragend. Und der zentrale Busbahnhof liegt, ebenso wie die Endstation der Bahnstrecke nach Inca/Mancor, nun etwa 100 Meter schräg unter meinem Zimmer in diesem Hostal. Fast sieht es aus, als wäre das früher mal ein Bahnhofsgebäude gewesen. Die Einrichtung ist eher schlicht, auf das eigene Bad habe ich verzichtet und somit wohl eine der billigsten Unterkünfte in Palma bekommen. Wie man sieht:

Mein Zimmer im Hostal Terminus. Luxus geht anders, aber verkehrsgünstig ist es allemal (Copyright 2017, Michael Simm)

Die Hotels in meinen nächsten Etappenzielen würden mindestens das Doppelte, eher das Dreifache kosten. Und so habe ich überlegt, jeweils von Esporles, Valldemossa, Deia und Soller am Ende meiner Wanderungen mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Die Fahrzeit ist jeweils eine halbe Stunde, vielleicht auch ´mal 45 Minuten. Aber dafür komme ich dann mit der Rolltreppe aus dem Busbahnhof direkt vor die Haustüre, sitze wie die Made im Speck unmittelbar an der Placa Espanya, und habe in nächster Umgebung jede Menge erschwingliche und hochgelobte Restaurants.

Morgens habe ich dann eine ebenso breite Auswahl an Cafés, einschließlich jener beiden direkt in der Busstation. Und es gibt dort auch noch einen kleinen Supermarkt, der bis 22:00 geöffnet hat. Wenn das ´mal keine geile Infrastruktur ist.

Palma ist ziemlich kompakt und obwohl (natürlich) hier jede Menge Stadtbusse abfahren, erkunde ich es lieber zu Fuß. Ob Placa Mayor, der schicke Passeig des Born oder die Kathedrale – alles ist in 20 Minuten erreichbar. Am heutigen Sonntag sind allerdings der Großteil der Geschäfte geschlossen, die Restaurants, die ich mir ´rausgesucht hatte leider auch. Na ja. Ich wollte ja ohnehin abnehmen. Schalte ganz schnell um auf die Bierdiät mit zwei Schlummerglässchen am Tresen meines Hostals und vertiefe mich dann wieder in die Wanderkarte, damit ich auch morgen auf dem Weg von Esporles nach Valdemossa nicht verloren gehe.

GR 221 – 10. Estellencs – Banyalbufar

Nach der gestrigen „Route der Steinmännchen“ von Ses Fontahelles bis Estellencs bin ich froh, heute nur eine leichte Etappe vor mir zu haben. Zwar verliere ich dadurch den Anschluss an Sandra, Martin und Tim, die heute etwa doppelt so weit laufen wollen. Dafür brauche ich aber keinen Wecker zu stellen, kann am Morgen noch ein paar Mails erledigen und bin nach der Ankunft in Banyalbufar so erholt, dass ich noch einen Stadtrundgang, ein fettes Törtchen und natürlich ein gemütliches Bierchen einschieben kann. Dazu noch die wenig beeindruckende Statistik, heute ´mal vorne weg: 6,5 Kilometer mit 328 Höhenmetern in 2:12 Stunden.

Die Route hat heute einen ganz anderen Charakter als gestern: Es ist keine Steinwüste mehr sondern man bekommt Ausblicke auf die vielen Terrassen -natürlich in Trockenbau aus Steinen aufeinandergesetzt. Dann folgen hauptsächlich Waldwege, wie meine geschundenen Knie dankbar registrieren.

Erst muss man zwar stadtauswärts wieder zwei Mal an der ungeliebten Straße Ma-10 entlang. Dann aber geht es rechts bergauf und am Wegesrand gibt es erst Zitronen- und dann jede Menge uralte Olivenbäume zu sehen, die in einem Wettbewerb um die knorrigsten Figuren zu stehen scheinen.

Knorrige Olivenbäume am Wegesrand (Copyright 2017, Michael Simm)

Nach den ersten 1,5 Kilometern läuft man zumeist im Schatten, wobei die kleinen Palmen hier dem Ganzen schon fast einen subtropischen Charakter verlieren. Zum Glück ist die Temperatur viel angenehmer. An diesem 1. April sind es 16 Grad bei bedecktem Himmel. Im Gegensatz zu vielen anderen Strecken dürfte es hier im Sommer ganz gut auszuhalten sein. Erst der letzte Kilometer ist dann wieder so ein Kniekiller; steil und steinig geht es bergab zum Zielort Banyalbufar.

Es hätte schlimmer kommen können. Bis ins vorige Jahr hinein mussten gesetzestreue Wanderer nämlich einen Großteil der Strecke auf der Straße laufen. Ein Rechtsstreit mit dem Besitzer der Finca Es Rafal hatte seit 2004 den freien Durchgang verhindert, entnehme ich dem Mallorca-Magazin. Erst als zahlreiche Zeugen bekundeten, dass dieser uralte Weg schon immer frei und öffentlich gewesen sei, fällte das Gericht in Palma sein Urteil zugunsten der Wanderfreunde und der beiden Nachbargemeinden, die bis dato wegen des eigensinnigen Finca-Besitzer auch Umsatzverluste beim Tourismus hinnehmen mussten.

Als wollte man diesen Sieg gebührend feiern ist die heutige Etappe die erste mit duchgehender Beschilderung. Mit anderen Worten: Man bräuchte nicht einmal eine Wanderkarte. Ich finde, das sollte für einen offiziellen Fernwanderweg ebenso selbstverständlich sein, wie für jede x-beliebige Autobahn. 

Damit genug gebruddelt für heute. Lieber noch etwas Klugschisserei: Der Name Banyalbufar entstammt laut meinem Reiseführer dem maurischen und bedeutet „Der kleine Weingarten am Meer“, wobei dieser Garten mit seinen rund 2000 Terrassen noch immer mithilfe eines uralten Systems aus Zisternen und gemauerten Kanälen bewässert wird. Früher wurde hier der Malvasier-Wein angebaut, über den die Wikipedia schreibt: „Dieser Wein war nicht umsonst am Hofe der Könige von Aragón bevorzugt, für Jaume I. soll es mit ein Grund gewesen sein, die Insel zu erobern.“

Banyalbufar am GR 221 auf Mallorca: 552 Einwohner teilen sich etwa 2000 Steinterrassen (Copyright 2017, Michael Simm)

Probieren geht über studieren, denke ich mir. Checke ein im Hostal Baronia, das mit seiner genialen Sonnenterrasse just am heutigen Tag, dem 1. April aufgemacht hat. Ich schaue den Mehlschwalben zu, die zeitgleich mit mir eingetroffen sind. Und ich lasse mich trotz einiger weiterer Optionen im Ort dazu überreden, auch im Hostal zu Abend zu essen. Ein gutes Argument sind 13 Euro für das 3-Gänge-Menü. Da bleibt noch genug Geld für eine Halbliterflasche mallorquinischen Wein. Der „Son Bordils Negre“, Jahrgang 2010 aus dem 40 Kilometer entfernten Inca ist dunkel wie Stierblut, intensiv und powert ohne Ende.

Dem Wein verdanke ich es auch, dass ich in meiner doch eher kalten Kemenate mit ihrer schwachbrüstigen Heizung die Nacht gut überstehe, und tags darauf die nächste kleine Etappe nach Esporles frohen Mutes in Angriff nehmen kann...

GR 221 – 09. Ses Fontahelles – Estellencs

Den Wecker hätte ich heute nicht zu stellen brauchen, denn der Hahn war schneller. Immerhin war der Gockel ziemlich nah dran an der gewünschten Weckzeit von 7:00. Zum Frühstück um 7:30 hatte man uns ermahnt, pünktlich zu sein, sonst wäre der Kaffee kalt. Das haben wir denn auch gleich verstanden, als wir im schönen, aber unbeheizten Frühstückssaal vor unseren Brötchen saßen. So schafften wir lässig den Check-Out-Termin von 9:00 und – weil ich ja einen Ruf als Eigenbrödler zu verlieren habe – ließ ich Sandra, Martin und Tim schon ´mal den Berg hinauf kraxeln.

Inklusive einer kleinen Variante über den 928 Meter hohen Gipfel Mola de s´Esclop  („Der gewaltige Holzschuh“) würden mich heute 15 Kilometer Distanz und 890 Höhenmeter erwarten, entnahm ich der GR 221-Wanderkarte. Etwa ein Viertel davon ist als Bergpfad / Wandersteig ausgewiesen, und laut unserem Gastgeber würde uns dort eine Steinwüste erwarten, in der die Orientierung schwer fällt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schon den Kollegen hinterher hecheln, und bin gespannt, wie ich das durchstehe.

„Im Frühtau zu Berge“ will ich noch schnell auf Facebook posten, um mir Mut zu machen und Zuspruch von meinen Freunden einzuholen. Dumm nur, dass unsere Herberge ja in einem Funkloch liegt, wie ich mich erinnere. Also los. Steil bergauf, 600 Höhenmeter auf den ersten beiden Kilometern. Relativ schnell verschwindet der Pfad unter Geröll, und spätestens jetzt bin ich den Mallorquinern dankbar für ihre Steinmännchen.

Wo ist das Steinmännchen? Die Orientierung ist diesem Gelände wäre ohne diese Markierungen noch schwieriger (Copyright 2017, Michael Simm)

Besser als jedes Schild funktionieren die kleinen Pyramiden hier oben, und alle paar Schritte freue ich mich, 30 Meter weiter den nächsten zu sehen. So geht das etwa eine Stunde lang. Zwischen zwei Gattern, die es zu übersteigen galt, wird es dann grüner und leichter, danach aber geht es wieder steil bergan – sogar mit einer leichten Kletterpassage.

Fall Ihr hier durchkommt: Nach dem zweiten Gatter und vor einer großen Gruppe entwurzelter Bäume geht es über eine kleine Mauer rechts hoch. Jetzt heißt es wieder „Steinmännchen gucken“ und im Schweiße seines Angesichts den Berg erklimmen. Die Kollegen von heute früh hatte ich da zu meinem eigenen Erstaunen überholt und konnte nun stolz von oben her den Weg weisen. Die erwähnte Kletterpassage ist zwar nicht schwer, aber ausgerechnet da, wo man die Hände braucht, ist der Boden abwechselnd bedeckt mit Disteln und mit Ziegenkötteln.

70 Meter unter dem Esclop gabelt sich der Weg und ich schlage die freundliche Einladung von Sandra, Martin & Tim aus, sie auf den Gipfel zu begleiten. Die Ausrede war, dass ich ja den GR 221 machen will, und den müsste ich dann für etwa einen Kilometer verlassen, und alle meine Aufzeichnungen stimmen dann nicht mehr, und überhaupt.

Auf der Karte sah mein Weg genau so weit aus, wie der über den Gipfel, und beide waren hier noch als Bergpfad gekennzeichnet. Als beim Zusammentreffen der beide Wege am Coll des Quer weit und breit niemand zu sehen war, ist der Eigenbrödler-Michel natürlich weiterspaziert. Bergab ging es über einen Hang, der dekoriert war mit zahlreichen schwarzen Baumstümpfen, die an den großen Waldbrand von 2013 erinnern.

Dann wird der Wanderweg breiter und verläuft aus einer Höhe von 650 Metern fast den ganzen Rest der Strecke abfallend auf holprigen Fahrwegen und Schotterpisten. Zwei Mal muss man ein kleines Stück an der Ma-10 entlang laufen und erblickt dann am Hang liegend endlich das schöne Dorf Estellencs mit seinen zahlreichen Terrassen. Diesen zweiten Teil der heutigen Strecke fand ich nicht so toll, und musste mich dann noch über einen Materialschaden ärgern:

An meinem Deuter Futura 28 Rucksack, den ich heute den fünften Tag auf dem Buckel habe, ist die Schnalle für den Bauchgurt gebrochen. Ziemlich schwache Leistung, Herr Deuter. Die Folge ist natürlich, dass ich den Gurt nicht mehr zuziehen kann und der Rucksack dann nicht mehr richtig auf der Hüfte sitzt. Und das bedeutet, dass ich die nächsten acht Tage schwerer zu tragen habe und meine Schultern noch mehr leiden müssen.

Die Idee, vielleicht mal schnell bei Amazon Ersatz zu bestellen und in meine nächste Unterkunft schicken zu lassen scheitert an der Lieferzeit. Und auf der Webseite von Deuter finden ich bei „Händlersuche International“ nur eine Adresse in Spanien. Und die ist nicht in Palma, sondern in Madrid. Bin gespannt, ob ich für diese Schnalle wenigstens nach der Rückkehr Ersatz kriege und tröst mich mit dem Gedanken, dass das Material schneller schlapp macht, als ich.

Für die Statistiker möchte ich noch kurz erwähnen, dass es heute (gemessen mit der App Runtastic Pro) „nur“ 11,3 Kilometer und 656 Höhenmeter waren, für die ich satte 4:19 an reiner Gehzeit gebraucht habe.

Jetzt bin ich jedenfalls in Estellencs, das wie so viele Dörfer in diesem Teil der Insel an einem steilen Hang liegt. Hunderte von Jahren haben die Einwohner hier das Gelände terrassiert, doch die einzige Terrasse für die ich mich jetzt interessiere, liegt gegenüber meinem Hotel. Vom Vall Hermos hat man einen erhebenden Blick über das Meer, und es ist der ideale Platz für mein Ankunftsbier.

Überhaupt finde ich hier alles prima. In meinem Hotelzimmer im Maristel habe ich vom Balkon aus ebenfalls Meeresblick, sogar ein Spa gibt es hier, mit einem kleinen Pool, Hottub und Sauna. Dafür fehlt mir aber die Zeit, denn ich muss erst noch meine stinkigen Socken waschen, auf dem Balkon zum trocknen ausbreiten, und essen gehen, bevor hier alles dicht macht.

Ich folge der einzigen Empfehlung meines Reiseführers ins Restaurant Montimar, nur wenige Schritte von Hotel und Bierterrasse entfernt. Hier gibt es malorquinische Spezialitäten, und auf der Speisekarte stehen Lamminnereien ganz oben. Was bin ich froh, dass mittlerweile meine Wanderbekanntschaft Sandra aufgetaucht ist, denn Paella gibt es sogar in Spanien erst ab zwei Personen. Um uns herum lauter zufriedene Gäste. Ob Kaninchen oder Ferkel, der Koch versteht sein Handwerk.

Früh geht´s ins Bett-was soll man auch machen an einem Freitagabend in einem Ort ohne Kneipe? Noch ein Blick auf die Wanderkarte und die Gewissheit, dass es morgen nur eine kurze Etappe zu laufen gibt. Meinen Wanderkollegen ist der Weg nach Banyalbufar zu kurz oder sie haben weniger Zeit als ich und laufen deshalb morgen gleich durch nach Esporles. Mir doch egal. Ich bin hier auf Reisen und leiste mir den Luxus, jeden Tag in meinem eigenen Tempo zu gehen…