Lieber Finanzminister – jetzt reichts!

Kann ruhig jeder wissen, dass mir gerade der Kragen platzt wg. Griechenland. Dies habe ich gerade unserem Finanzminister gemailt:

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

Mit Wut und Enttäuschung nehme ich Ihre Entscheidung zur Kenntnis, Spekulanten, Abzocker und Betrüger mit Milliarden aus unseren Steuern zu subventionieren.

Kohls Versprechen, die neue Währung stabil zu halten ist offensichtlich ebenso wenig wert wie das Papier, auf dem der Vertrag von Maastricht gedruckt ist. Der Domino-Logik, mit der Sie die Politik der Bundesregierung verteidigen, kann ich nicht folgen. Statt dem Schrecken ein Ende zu bereiten haben Sie die Grundlage gelegt für einen Schrecken ohne Ende.

Dass dies gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Deutschen geschieht, werden Sie ebenso wenig bestreiten können, wie dass der Euro gegen unseren Willen eingeführt wurde.

Mein Verständnis von Demokratie ist ein anderes und ich hätte mir gewünscht, als Ehrlicher nicht erneut der Dumme sein zu müssen, der die Rechnung zahlt.

Die logische Konsequenz kann nur sein, dass ich mein Verhalten ändere, Kredite aufnehme und künftig ebenfalls wild spekuliere, statt zu arbeiten. Die nunmehr garantierten Spekulationsgewinne haue ich auf den Kopf.

Und falls wider erwarten doch etwas schief geht, kann ich mich ja offensichtlich auf Ihre Mithilfe verlassen, damit solide wirtschaftende Menschen und Unternehmen den Schaden begleichen müssen.

Schade eigentlich. Als Sie seinerzeit Kohl beerben wollten, hatte ich tatsächlich geglaubt, Sie könnten es besser.

Auch in diesem Sinne wünscht Ihnen eine gute Besserung

Michael Simm

Heute dazugelernt: Zahlen für Griechenland

Ich mag sie sehr, die Griechen. Aber in letzter Zeit strapazieren sie meine Geduld doch ziemlich. Erst frisieren sie ihre Haushaltsbilanz mit Hilfe der Investment-Banker von Goldmann-Sachs, erschleichen sich derart den Zugang zur Euro-Zone, und verlangen jetzt auch noch frech, dass wir deren Schulden finanzieren. Und die Bundesregierung? Die bereitet sich auf eine „Rettungsaktion“ vor, entnehme ich der Badischen Zeitung. Mir bestätigt dies einmal mehr, dass Deutschland der Zahldepp in der EU ist und der ganze Laden ohne unsere Steuern wie ein Kartenhaus in sich zusammen fallen würde.

Auch nicht mehr das, was sie ´mal war: Die Akropolis
Auch nicht mehr das, was sie ´mal war: Die Akropolis

Ebenfalls in der Badischen Zeitung fand ich übrigens eine Statistik der Deutschen Bundesbank zur Veränderung der Löhne seit 1999: Sie sind bei uns in elf Jahren um ganze 4 Prozent gestiegen. Im Euro-Raum waren es dagegen satte 22 Prozent und in Griechenland? 38 Prozent!

Doppelmoral beim Geldverkehr

Darüber, dass die Banken von uns Steuerzahlern finanzierte Kredite nicht weiterreichen, habe ich mich bereits in der vergangenen Woche ereifert (siehe die Glosse „Michels Konjunkturplan„), und dies war auch für viele andere Kommentatoren ein Stein des Anstoßes. Drum sei hier gleich noch ein kleiner Erfahrungsbericht nachgeschoben, eine Geschichte, die so oder ganz ähnlich tagtäglich sicher millionenfach abläuft und die ein weiteres Licht auf die Art wirft, wie unsere Geldhäuser Kasse machen:

Am Mittwoch, dem ersten Juli erhalte ich einen Scheck über 657 Euro, den ich noch am gleichen Tag in ein Couvert der Postbank stecke und am Nachmittag in den Briefkasten der hiesigen Hauptpoststelle einwerfe. Ich hoffe auf umgehende Gutschrift, denn die Entfernung von Offenburg nach Karlsruhe zu dortigen Postbank beträgt nur ca. 65 Kilometer und angeblich erreichen ja fast alle Briefe deutschlandweit ihre Adressaten binnen eines Tages. Nun sind fünf Tage vergangenen, es ist Montag-Nachmittag und mich beschleicht der Verdacht, dass die Postbank seit vier Tagen die Zinsen auf jene 657 Euro einstreicht, die ich sauer verdient habe. „So schnell geht das nicht“, höre ich Sie sagen und will Ihnen deshalb auch den zweiten Teil meiner Geschichte erzählen:

Am Freitag, dem dritten Juli, hebe ich um 14:00 am Bargeldautomaten der hiesigen Postbank 50 Euro ab. Ich laufe binnen einer Viertel Stunde nach Hause, werfe mein Homebanking-Programm an, um nach der ausstehenden Gutschrift zu schauen und siehe da: Die 50 Euro sind weg, abgebucht und sauber registriert. Spätestens eine halbe Stunde nach der Abhebung verdient die Postbank also an den Zinsen jener 50 Euro denn ich bin – wie Sie mittlerweile ahnen werden – in den roten Zahlen und berappe dafür 14,25 Prozent.

Wofür, frage ich mich, gibt es eigentlich ein Ministerium für Verbraucherschutz? Und: Bin ich der Einzige, dem solche Geschichten passieren, oder steckt da etwa ein System dahinter?

Michels Konjunkturplan oder: Volkswirtschaft für Fortgeschrittene

Habe ich das recht verstanden? Den Banken ist das Risiko für Kredite zu groß, und deshalb brauchen sie staatliche Garantien und unser aller Unterstützung, um ihren Job zu machen. Man schnürt Rettungspakete in Höhe von 3700 Milliarden Euro für den EU-Raum und wenige Tage später muss Steinbrück kleinlaut zugeben, dass sich unsere Neuverschuldung gerade schlagartig verdoppelt hat.

Kredite wollen die Banken uns aber trotzdem keine geben, und so beschließen unsere Politiker, dass Sparkasse und Co. bei der Mutter aller Banken – der Europäischen Zentralbank – sich ab sofort Geld in nahezu beliebigen Mengen nahe dem Nulltarif leihen dürfen. Das Risiko für diese Kredite trägt dann – richtig geraten – die Gemeinschaft der Steuerzahler, denn Banken dürfen  ja nicht Pleite gehen.

Im dritten Schritt leiht sich z.B. die Postbank 3000 Euro für 0,5 Prozent Zinsen und gibt mir – weil ich schon so lange ein guter Kunde bin – einen Dispokredit in Höhe von 14,25 Prozent. So verdient die Postbank ohne Risiko 427 Euro im Jahr. Aber geht das nicht auch einfacher? Hier kommt mein alternativer Plan zur Rettung der Wirtschaft: Alle, denen die Banken keine Kredite geben wollen, dürfen sich die Kohle direkt bei der Europäischen Zentralbank abholen, und zwar zum gleichen Zinssatz wie unsere Banken. Ach was, wir wollen nicht so kleinlich sein: Ich zahle freiwillig doppelt so hohe Zinsen, wie die Postbank. Und damit die Sache sich auch lohnt, leihe ich mir keine 3000 Euro sondern 3 Millionen. Die lege ich dann auf ein Tagesgeldkonto mit 5 Prozent (vielleicht bei der Postbank?). Daraus kriege ich pro Jahr 120000 Euro an Zinsen, aber wegen der Inflation und der unsicheren Rente nehme ich mir nur 100000 ´raus. Die Hälfte davon geht zwar drauf für Steuern und Abgaben, aber ich bin trotzdem zufrieden und trete vorzeitig in den Ruhestand. Weil das ein genialer Plan ist, machen das alle so, keiner muss mehr arbeiten und jeder ist glücklich 😕

Und als nächstes erfinde ich dann das Perpetuum mobile…