Hügel um Offenburg – Keugeleskopf und Silberlöchlebühl

Sie suchen extreme körperliche Herausforderungen und unberührte Bergwelten? Dann sind sie hier falsch. Meine Wahlheimat Offenburg liegt am Fuße des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord und inmitten einer vielfältigen Kulturlandschaft, so dass man hier Rhein, Reben und Wald jeweils in kürzester Zeit erreichen kann. Für diese Miniserie habe ich einfach nur systematisch die Hügel um Offenburg besucht und aufgeschrieben, was es dort zu sehen gibt. Laut Wikipedia gelten in Deutschland bereits Erhebungen ab 300 Metern als „Berge“. Es ist bei uns also ziemlich einfach, zum Gipfelstürmer zu werden – sogar mit dem Mountainbike.

Wir fangen an mit Keugeleskopf und Silberlöchlebühl. Beides sind (angeblich) „Dreihunderter“, und damit die niedrigsten Erhebungen, die  in meiner Landkarte und bei OpenStreetMap verzeichnet sind. Der schönere und mit 7 Metern auch Höhere der beiden ist mit 372 Metern der Keugeleskopf, manchmal auch „Kügelskopf“ genannt (Geokoordinaten: 48,4439508; 7,9831146). An seinem Westhang liegt Schloss Ortenberg und nicht weit entfernt in südöstlicher Richtung das urige, aber nur Sonntags geöffnete Naturfreundehaus Nothalde. Will man den Keugeleskopf aus südlicher Richtung von Ohlsbach her an einem anderen Tag erwandern, so bietet sich „Im Schlauchberg“ (Geokoordinaten: 48,4418519; 7,9845933) als schöner Rats- und Aussichtspunkt an.

Blick vom Hohen Horn auf den Keugeleskopf (Bildmitte links), einen Hügel oberhalb von Ohlsbach am Eingang zum Kinzigtal.

Vom flachen Gipfel sind es in nordöstlicher Richtung nur etwa 600 Meter bis zum Freudentaler Eck (Geokordinaten: 48,44592367,9869662), wo gleich ein halbes Dutzend Wege zusammentreffen und ebenfalls eine Hütte zur Rast einlädt. Von dieser Seite lässt sich der Keugeleskopf übrigens auch mit dem Mountainbike fahrenderweise erreichen, die anderen Zugangswege sind über weite Strecken dafür zu steil. Ein Fahrverbot, das dort noch vor einigen Jahren wegen archäologischer Ausgrabungen galt, ist offenbar aufgehoben.

Der Hügel selbst ist zumeist mit Buchenwald bedeckt, und die kahl gefegten Flächen, die der Sturm Lothar an Weihnachten 1998 hinterlassen hat, sind weitgehend zugewachsen. Leider bedeutet dies, dass man von hier oben nicht in die Ebene schauen kann. Aber was soll´s – dafür hat man einen schönen Wald und sobald man ihn wieder verlässt gibt´s entlang der Reben wieder Aussicht satt.

Geschichtsträchtig ist der Keugeleskopf auch, wie die Ortsverwaltung Ortenberg auf ihrer Webseite verkündet. Demnach hausten hier etwa 600 v. Ch. die Kelten, und 1000 Jahre später auf den Überresten der alten Befestigungen die Alemannen. Von dort oben hatte man wohl die Kontrolle über eine wichtige Handelsroute, die zu Zeiten der Römer von Straßburg durch das Kinzigtal nach Rottweil ging. Zahlreiche Gegenstände aus Metall und Keramik hat man auf dem Keugeleskopf entdeckt, lese ich. Wo die ausgestellt sind, habe ich aber nicht heraus gefunden. Nun ja, wer mehr darüber wissen will kann ja bei Amazon die Bücher bestellen, die der Leiter der Ausgrabungen Michael Hoeper geschrieben hat.

Dann wäre noch die Sache mit dem Zweitnamen „Kügelskopf“ zu klären. Der kommt – so wird vermutet – aus der Zeit des französisch-holländischen Krieges als Ludwig XIV. die Burg zu Ortenberg zerstören ließ. Die Kanonenkugeln (Kügels) wurden demnach von hier oben auf das tiefer liegende Ziel abgefeuert.

Der zweite „Dreihunderter“ sollte laut Open Street Map das Silberlöchlebühl sein. Es liegt demnach in nordöstlicher Richtung auf dem Gebiet der Gemeinde Ohlsbach und hat die Geokoordinaten 48,4500223; 8,0030067. Zunächst musste ich ein wenig über meinen Karten brüten , um letztlich eine sinnvolle Anfahrtsroute zu entwerfen. Ein guter Orientierungspunkt ist, von Ohlsbach kommend, die Kapelle Maria im Weinberg (Geokordinaten 48,43643057,9950024), die gleichermaßen prominent und schön in den Reben oberhalb der Ortschaft thront. Im Inneren informiert ein Gedicht über den Stifter und die vielen Freiwilligen, die die Kapelle binnen kürzester Zeit erbaut haben.

Die kürzeste Verbindung von hier zum Silberlöchlebühl führt über den Kammweg, der oberhalb der Kapelle am Waldrand links beginnt. Das ständige auf und ab mag Wanderer erfreuen, für Mountainbiker ist diese Route aber nicht so spaßig. Denen würde ich daher empfehlen, vom Kammweg die erste Abzweigung links zu nehmen, und die nächste rechts, sodass man auf der nördlichen Seite des Kamms bleibt, bis man auf einen breiten Fahrweg trifft. Von hier sind es dann in Fahrtrichtung leicht bergab nochmals ca. 100 Meter, bis zu… Ja bis wohin eigentlich? Tatsächlich handelt es sich beim Silberlöchlebühl um eine Wegkreuzung und mitnichten um einen Gipfel! Denn die ursprünglich auf der Karte angegebene Position liegt 50 Meter weiter im Wald, und die einzigen Hügel, die ich dort gesehen habe, gehören mehreren Ameisenvölkern. An der Kreuzung selbst steht dagegen ein Pfosten mit drei Wegweisern und darauf ganz unmissverständlich die Positions- und Höhenangabe: „Silberlöchlebühl“, 370 Meter (Geokoordinaten 48,45035988,0040632).

Erst habe ich mich geärgert, dass ich dermaßen um den Gipfel betrogen wurde, nur weil vor acht Jahren jemand in der Karte einen falschen Eintrag gemacht hat. Dann aber habe ich es positiv gesehen: In einer Zeit, in der es fast nichts mehr zu entdecken gibt, habe ich einen falschen Gipfel enttarnt. Wieder daheim wurde der dann auch bei Open Street Map entfernt und in eine Kreuzung zweier Waldwege umgewandelt. Wie dem auch sei, gibt es von hier aus zwei Wege zurück nach Ohlsbach. Der eine führt von der Kreuzung talwärts durch den Riesenwald, bis er unweit des Naturfreundehauses Nothalde (nur Sonntag geöffnet) wieder auf den Ortsrand von Ohlsbach trifft. Die andere Route geht zunächst einige wenige Höhenmeter bergauf und dann am Jugendheim Schindelhof durchs Dorf zurück.

Merke: es gibt bei Offenburg nur einen „Dreihunderter“, und das ist der Keugeleskopf. Und was es an „Vierhundertern“ zu erklimmen gibt, will ich in der nächsten Folge ausloten.

Vom Titisee zum Hochfirst

Große Klappe und nichts dahinter: Zwei Monate sind vergangen seit meiner Ankündigung, die GPS-Dateien zur 3-Länderrundfahrt hier einzustellen. Zu dumm, dass ich nicht einfach nur bloggen kann, worauf ich Lust habe, sondern dass ich meinen Lebensunterhalt mit Zeit fressender Arbeit verdienen muss. Aber ich gelobe Besserung und präsentiere deshalb hier eine kurze Wanderung, die ich gestern absolviert habe. Die Gelegenheit dazu verdanke ich einer großzügig bemessenen Mittagspause während der Titisee-Konferenz „Genomic Regulation“, die vom Boehringer Ingelheim Fonds gefördert wurde. Da ich bei diesen halbjährlich stattfindenden Konferenzen häufig von den Teilnehmern gefragt werde, welche Ziele denn zu Fuß erreichbar wären, habe ich hier die Google-Karte eingestellt und mit einer kurzen Beschreibung versehen. Wer sich beeilt, kann in der Mittagspause die ganze Runde schaffen. Wem das zu knapp erscheint, der sollte vom Hochfirst aus den gleichen Weg zurück gehen und auf die Schleife via Vögelefelsen und Batzenwaldhütte verzichten:

Vom Titisee zum Hochfirst (um die Datei im KML-Format herunter zu laden, einfach den Namen anklicken). Start und Ziel ist Treschers Schwarzwaldhotel. Von dort entlang der Bootsanlegestellen und vom Seerundweg nach links abzweigend nimmt man die Unterführung unter der Schwarzwaldhochstraße B500, dann geht es auf dem breiten Schotterweg bergauf und nach wenigen Minuten links ab der rot-weißen Raute folgend bis zum Hochfirst, wo man sich im gleichnamigen Berggasthaus stärken kann. In einer Viertelstunde erreicht man dann den Vögelefelsen und macht sich an der Batzenwaldhütte auf den Rückweg, der an zahlreichen Ameisenhaufen vorbei und dann zum Sporthotel Sonnhalde in Saig führt. Im Ort geht es dann vom Hochfirstweg rechts auf den Turmweg, dann links der Titiseestraße folgend zur Rodelstrecke, die wieder steil bergab zum See führt.

Das beste an der Tour ist natürlich die Aussicht von oben auf den Titisee und den nur wenige Kilometer entfernten Feldberg, außerdem kann man (für einen Euro) auch noch den Fernmelde- und Aussichtsturm auf dem Hochfirst besteigen und hat dann eine schöne Rundumsicht. Im Gasthaus Hochfirst gibt es reichlich zu essen und zu trinken und wer eine mehrtägige Wanderung durch den Schwarzwald unternimmt, kann hier auch übernachten. Ansonsten ist dies eine eher durchschnittliche Wanderstrecke, die man inklusive Einkehr ohne zu hetzen in drei Stunden bewältigen kann

Den Titisee zu umwandern ist übrigens ein zweifelhaftes Vergnügen, denn auf der nordwestlichen Seite des Sees ist man gezwungen, dafür entlang der Straße zu laufen. Dann schon lieber Bootfahren oder – für die sportlich ambitionierten – ein Mountainbike leihen. Und hinterher die Belohnung nicht vergessen: Ich empfehle eine Schwarzwälder Kirschtorte, zu genießen inklusive Seeblick am schönsten von der Terrasse des Trescher Schwarzwaldhotels.