GR 221 – 14. Deià – Refugi Muleta – Port de Soller

Einen „Klassiker“ nennt mein Wanderführer den Weg von Soller nach Deià. Ich will ihn in die andere Richtung laufen, schließlich folge ich ja dem GR 221. Darüber, wie lange diese Etappe sein soll, gehen die Angaben wieder einmal auseinander. Laut Dietrich Höllhuber, dem Autor des Wanderbüchleins, sind es 3:40 für 8,8 Kilometer, und in meiner Richtung 270 Meter Aufstieg und 400 Meter Abstieg. Noch in Deià sehe ich eines der Schilder des GR 221, wonach es bis nach Soller nur 2:30 sind.

Na prima, denke ich mir, da ist das Ankunftsbier ja nicht mehr weit. Aber der Weg zieht sich wie Kaugummi, und es quälen mich Heerscharen von Landsleuten. Statt Rucksäcken tragen die meisten schwere Kameras vor ihren Bäuchen, und manch einer wackelt hier auch mit Sandalen entlang. Alle scheinen sie nur das eine Ziel zu haben: Entlang des Weges einmal einen frisch gepressten Orangensaft zu trinken, dazu noch ein Törtchen ´reinzudrücken, und sich dabei gegenseitig fotografieren.

Allerlei Klischees gehen mir durch den Kopf: Walldorfschullehrer, vegane Fair-Trade-Gutmenschen. Weiß gar nicht, warum ich heute so mies ´drauf bin. Der Trubel geht mir auf die Nerven. Das muss er sein: Der Ort, an dem Gerhard Polt und Loriot sich ihre Inspirationen geholt haben. Also schnell einen Orangensaft mit Schokotörtchen bestellt und dann gleich weiter.

Immer dem GR 221 nach, der hier einen Abstecher an die Küste vorsieht, zum Refugi de Muleta. Dumm nur, dass es von dort nach Soller laut Schild noch 1:50 sein sollen. Dabei bin ich jetzt doch schon länger gelaufen, als die ganze Tagesstrecke dauern sollte! So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Zur Besänftigung meiner selbst bestelle ich mir im Refugi „Pa amb oli“, das typische Brot mit Olivenöl und in diesem Fall Schinken und Käse. Und natürlich ein Bier dazu.

Vesper heißt auf mallorquinisch: Pa amb oli (Copyright 2017, Michael Simm)

Und während ich so in der Sonne sitze und aufs Meer hinaus schaue schwindet sie dahin, meine Willensstärke. Gemäß meinen eigenen Spielregeln dürfte ich heute eigentlich gar nicht ans Wasser. Statt dessen müsste ich jetzt auf dem GR 221 zurück bis zur Abzweigung, und dann nochmals 90 Minuten laufen bis nach Soller. Doch dann habe ich mich an ein Buch erinnert, das ich im Vorjahr mit großem Gewinn gelesen habe: „Einen Scheiss muss ich„.

Bloß weil da einer eine gestrichelte Linie eingezeichnet hat, darf ich nicht ans Meer? Pah! Also runtergewackelt am Leuchtturm Far de Cap Gros vorbei, an einigen fetten Villen durch, und mit schönen Ausblicken auf Port de Soller bis zum Strand hinunter. Ja, hier wäre ich gerne noch etwas verweilt. Hätte dann aber drei Stunden auf den nächsten Bus nach Palma warten müssen, und das wollte ich nun auch wieder nicht.

Mit dem Tag versöhnt habe ich mich dann spätabends in einer angesagten Tapas Bar ganz in der Nähe meiner Unterkunft. In der Casa Gallega genoss ich von meinem Platz am Tresen den Blick auf all die Leckereien und schaute den Obern bei der Arbeit zu. Sie hatten sogar einen, der den ganzen Abend nichts anderes tat, als hauchdünne Scheibchen von einem anfangs noch ziemlich großen Schinken ´runterzuschneiden.

Das war ein richtig schöner Ausklang für meinen letzten Abend auf Palma. Zwar tut sich durch die heutige Entscheidung jetzt auf meiner Route eine Lücke zwischen dem Refugi Muleta und Soller auf. Im Großen und Ganzen ist mein Plan bisher jedoch aufgegangen. Und morgen geht es dann wieder mit dem Bus nach Soller, und von dort erneut in die Berge, wo noch drei große Etappen auf mich warten.

GR 221 – 13. Valldemossa – Deià

Von Valdemossa, dem meistbesuchten Dorf Mallorcas ging es heute über den Berg nach Deià. Eigentlich ist diese Route, die vom Wanderführer als „eine der großartigsten Touren, die man auf Mallorca machen kann, ohne zu klettern“, gelobt wird, nur 9,3 Kilometer lang und in gut vier Stunden zu bewältigen. Dann kamen einige Schlaumeier auf den Gedanken, eine Stiftung zu gründen, deren Ziel es sein soll, den Mönchsgeier hier wieder anzusiedeln. Sagt mein Wanderführer. Und das ist natürlich eine hervorragende Begründung dafür, den Zugang zu beschränken und nur eine begrenzte Zahl von Wandern pro Tag durchzulassen.

Da der Michel aber eher ein Skeptiker ist, und nicht alles glaubt, was man ihm erzählt, hat er die Sache hinterfragt. Und herausgefunden, dass hinter dem Verein Muntanya del Voltor einfach nur drei Fincas mit zusammen 300 Hektar Fläche stecken. Sieht für mich nach Großgrundbesitzern aus, die der Meinung waren, dass zu viele Wanderer über ihr Gebiet tappen würden. Einen Hinweis, dass irgendjemand ernsthaft hier Mönchsgeier wieder ansiedeln möchte, habe ich auf der Webseite nicht gefunden. Aber es gibt sie auf Mallorca. Übermorgen werde ich wohl durch deren bevorzugtes Gebiet marschieren, wenn ich einem älteren Spiegel-Artikel glauben darf. Und ich werde dafür keine Erlaubnis brauchen.

Für heute werde ich das vermeintliche Schutzgebiet nördich von Valldemossa umlaufen. Das tut auch der GR 221, der auf dieser Etappe laut offizieller Webseite noch geplant ist, auf meiner Wanderkarte (Stand Februar 2017) jedoch bereits fertig – zumindest bis kurz hinter dem Gipfel Puig de Caragoli. Die typischen hölzernen Wegweiser des GR 221 habe ich zwar vergebens gesucht, konnte mich auf dem langen Aufstieg über einen arg ramponierten Fahrweg jedoch nicht wirklich verlaufen.

Auf dem Hochplateau angekommen umschwirren mich Mauersegler, Boten des Sommers, deren Ankunft mich daheim immer in Hochstimmung versetzt. Eine Zeitlang verläuft der Weg ziemlich plan, mit tollen Ausblicken in alle Richtungen. Einzig, dass hier oben solch ein Trubel herrscht, trübt ein wenig die Entdeckerfreude. Besser wird es erst, als ich den Puig de Caragoli passiere, der mit seinen 944 Metern in Schottland als Munro durchgehen würde.

Ein Abstieg von mehr als 700 Metern erwartet den Wanderer auf dieser Tour nach Deià (Copyright 2017, Michael Simm)

Ein kleines Stück geht es noch eher sanft bergab, dann aber kommt der Ausblick, auf den mein Wanderführer mich vorzubereiten versucht hat: 700 Meter unter mir liegt Deià, das Ziel meiner heutigen Wanderung. „Der Weg windet sich in die Steilwand, die senkrecht bis überhängend abbricht“, heißt es. Die Warnung, dass man schwindelfrei und trittfest sein muss, hat mich im Vorfeld schon etwas eingeschüchtert. Abgesehen davon, dass meine Knie sich beschweren, ging es dann aber doch besser als erwartet.

Die Rückfahrt mit dem Bus klappte reibungslos. Am Ende hatte ich für die 12,5 Kilometer 5:20 gebraucht, was einerseits den 670 Höhenmetern bergauf zu verdanken war, und mehr noch den 940 bergab. Morgen geht es von Deia nach Port de Soller, dann sind es nur noch drei Etappen. Die Knie schmerzen, aber dafür kann ich unter meiner Wampe schon wieder die Füße sehen. Alles wird gut…

GR 221 – 12. Esporles – Valldemossa

Dank meines genialen Planes (siehe den gestrigen Eintrag) musste ich heute nicht mein Zimmer räumen und konnte als Bonus sogar die Hälfte meines Geraffels in Palma lassen. Derart unbeschwert ging es dann auf den Bus, der ziemlich pünktlich in den Kellergewölben unter meiner Herberge, dem Hostal Terminus, ankam. Binnen einer halben Stunde war ich in Esporles und auf dem Fernwanderweg GR 221.

Die heutige Etappe nach Valdemossa sorgte mit 650, teils ziemlich steilen Höhenmetern wieder für straffe Waden. Die Strecke von fast genau 10 Kilometern schaffte ich in gut 3:30 Stunden und damit ein bisschen schneller als die vorherigen Etappen. Gerne würde ich darin einen Trainingseffekt sehen. Wahrscheinlicher ist es aber, dass die erste Stunde auf Asphalt einfach leichter zu laufen war. Obwohl ich jetzt seit sechs Tagen unterwegs bin, ist mir der morgendliche Muskelkater treu geblieben.

Dabei habe ich eine Seite meiner Wanderkarte bereits abgelaufen, und heute das erhebende Gefühl, mit der Rückseite quasi ein neues Kapitel aufschlagen zu dürfen: Stolz und Scham kämpfen miteinander als ich feststelle, dass ich erstmals in meinem ganzen Leben eine ganze Woche am Stück gewandert bin. Der Weg von Esporles ist anfangs gut gekennzeichnet und läuft eher sanft bergauf. Nach zwei Kilometern verlässt der Weg die Fahrstraße, und das Gelände wird schwieriger.

Zwei Mountainbiker, die hinter mir den Berg erklommen haben, ficht das nicht an. Sie schultern kurzerhand ihrer Sportgeräte und stapfen bergauf, als könne es kein größeres Vergnügen geben. Nun gehöre ich ja selbst im heimischen Schwarzwald auch zu dieser Zunft, aber was die hier treiben?

Nach 3,5 Kilometern bin ich – den Steinmännchen sei Dank -am Col de sa Basseta mit seinen 435 Metern angelangt, sehe die beiden Sportsfreunde ein kleines Stück fahren, und wundere mich, wie sie schlussendlich wieder ins Tal gekommen sind. Auf dem GR 221 jedenfalls nicht, denn der ist für Normalbiker nicht zu schaffen. Egal.

Vorbei an den Überresten mehrerer Kalkbrennöfen und zweier gut erhaltener Backöfen stapfe ich weiter durch den Wald, sehe bald sogar Palma in der Ferne und erreiche nach knapp 7 Kilometern beim Sa Communa mit 702 Metern den höchsten Punkt dieser Wanderung. Ohne große Verirrungen geht es von dort bergab nach Valdemossa, und so spare ich Euch die Details des Abstiegs zugunsten dreier Gestalten, die offenbar in keinem Reisebericht über Mallorca fehlen dürfen.

Es begab sich also zu der Zeit, genauer im Winter 1838/1839, das Frederic Chopin und George Sand als Pärchen der Pariser Society entflohen und ausgerechnet hier, im gerade aufgelösten Kloster, eine Zelle bezogen. Dass Frederic Chopin ein Komponist war, hätte ich ja noch gewusst, dass George Sand nicht etwa sein schwuler Liebhaber war, sondern eine Schriftstellerin – das war mir neu.

Gehofft hatten sie, dass Chopin hier oben seine Tuberkulose würde auskurieren können, aber dann regneten sie ein, und mit Chopin ging es bergab. Die wilde Ehe der beiden Zugereisten fanden die Dorfbewohner auch nicht so dolle, was George Sand ihnen dann mit ihrem Klassiker „Ein Winter auf Mallorca“ heimgezahlt hat. Heute ist Valdemossa das meistbesuchte Dorf Mallorcas, das alte Kloster, wo die beiden gehaust haben, das am zweithäufigsten besuchte Gebäude der Insel (nach der Kathedrale von Palma). Und die Moral von der Geschicht? Ich weiß es nicht.

Zugegebenermaßen ist Valdemossa wunderschön anzuschauen, für meinen Geschmack aber etwas zu geleckt. Außerdem ist es natürlich voll mit Touristen, von denen geschätzte 80% Deutsche sind. Gut, dass nach dem Ankunftsbier gleich der Bus kommt und mich mitnimmt nach Palma. Unterwegs lese ich von einem anderen Mallorca-Promi, für den ich erheblich mehr Sympathie empfinde als für die abgedroschene Künstler-Liebesgeschichte:

Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator (1847 – 1915) entdeckte seine Liebe zu Mallorca schon mit 20 Jahren, erforschte hier Natur und Kultur gleichermaßen und schuf dabei das Monumentalwerk  „Die Balearen in Wort und Bild„.  Außerdem war „Der ungekrönte König von Mallorca“ ein wahrer Öko, und was den Umgang mit seinen Mitmenschen anging, ein ziemlich Sonderling. So einen muss ich einfach mögen, und meine Freunde ahnen, warum ich das denke.

So geht der nunmehr sechste Tag meiner Wanderung zu Ende, und ich freue mich, dass der Plan bisher so gut aufgeht. Zum Feiern wähle ich das Restaurant Buscando el Norte, das von meinem Reiseführer ebenso gelobt wird, wie von meiner App Foursquare, die ich in solchen Fällen gerne konsultiere. Shrimp-Papaya-Salat, Mini-Thunfisch-Hamburger, Foie can Salsa de Chocolate Blanco und ander Pintxos, die einen aus den Socken hauen. Zu Preisen, für die man bei uns kein Wiener Schnitzel kriegt. Nach diesem Schlemmermahl ist mir nicht bange, wenn ich morgen die Route von Valdemossa nach Deia unter die Füsse nehme.

GR 221 – 11. Banyalbufar – Esporles

Noch so ´ne Weichei-Etappe, werdet Ihr denken. Tatsächlich sind die paar Kilometer von Banyalbufar nach Esporles auf dem GR 221 eher ein Spaziergang, denn eine Wanderung. Zwar geht es auch heute erstmal kräftig bergauf, aber am Ende sind es dann doch nur 338 Höhenmeter auf gut sieben Kilometern, die ich in etwas mehr als zwei Stunden bewältige.

Beeilt habe ich mich vor allem deshalb, damit ich den 12:35-Bus von Esporles nach Palma nehmen konnte. Er kam um 13:10. Ansonsten aber alles Prima. Der Weg war durchgehend ausgeschildert und bot zunächst wieder Aussichten auf terrassierte Hänge mit Mandel-, Oliven-, Zitronen-, und Orangenbäumen. Dann hinein in den Wald mit einigen Aleppokiefern und noch viel mehr verwilderten Ölbäumen, garniert mit Zwergpalmen und der gelegentlichen Kaktee.

Höchster Punkt ist der Coll des Pi mit seinen 454 Metern und wer glaubt, hier oben seine Ruhe zu haben, der sollte nicht an einem Sonntag herkommen. So wie ich. Diverse zumeinst einheimische Familien und ganze Schulklassen scheinen sich heute hier verabredet zu haben. Darunter auch jene Spezies, die ich so gerne mag, weil man sie schon einen Kilometer vorher hört, bevor sie laut plappernd um die Ecke biegen. „Was ist los Leute?“ möchte ich ihnen entgegen rufen. „Ist die X-Box“ kaputt? „Verpasst Ihr nicht Euer Formel-1-Rennen?“. Na ja. In ein paar Jahren haben die bestimmt alle ihre Google-Brillen und können sich dann von ihrer Couch aus auf Expeditionen in die virtuelle Natur begeben, ohne das Wohnzimmer verlassen zu müssen.

„Schuld“ an dem Menschenauflauf ist womöglich auch das Gut „La Granja„, eine Art privates Völkerkundemuseum zum mitmachen, Restaurant und Gastro-Shop inklusive. Es liegt kurz vor Esporles und ist „Ideal für Familienausflüge oder auch ein Schulprojekt“, wenn man der Webseite glaubt. Und heiraten kann man dort natürlich auch. Weisste Bescheid.

Ich lasse La Granja jedenfalls rechts liegen, durcheile den Ort Esporles und bin rechtzeitig an der Bushaltestelle. Mit der fast schon üblichen Verspätung geht es dann nach Palma, denn der Michel hat ´mal wieder einen tollen Plan: Vier Übernachtungen in Folge habe ich im Hostal Terminus gebucht und verbinde damit Einsparungen, Flexiblität und die Vorteile einer Großstadt mit meinem Wanderprojekt.

Die Idee kam mir, als ich zu den Busverbindungen recherchierte. Die sind – von gelegentlichen Verspätungen abgesehen – hervorragend. Und der zentrale Busbahnhof liegt, ebenso wie die Endstation der Bahnstrecke nach Inca/Mancor, nun etwa 100 Meter schräg unter meinem Zimmer in diesem Hostal. Fast sieht es aus, als wäre das früher mal ein Bahnhofsgebäude gewesen. Die Einrichtung ist eher schlicht, auf das eigene Bad habe ich verzichtet und somit wohl eine der billigsten Unterkünfte in Palma bekommen. Wie man sieht:

Mein Zimmer im Hostal Terminus. Luxus geht anders, aber verkehrsgünstig ist es allemal (Copyright 2017, Michael Simm)

Die Hotels in meinen nächsten Etappenzielen würden mindestens das Doppelte, eher das Dreifache kosten. Und so habe ich überlegt, jeweils von Esporles, Valldemossa, Deia und Soller am Ende meiner Wanderungen mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Die Fahrzeit ist jeweils eine halbe Stunde, vielleicht auch ´mal 45 Minuten. Aber dafür komme ich dann mit der Rolltreppe aus dem Busbahnhof direkt vor die Haustüre, sitze wie die Made im Speck unmittelbar an der Placa Espanya, und habe in nächster Umgebung jede Menge erschwingliche und hochgelobte Restaurants.

Morgens habe ich dann eine ebenso breite Auswahl an Cafés, einschließlich jener beiden direkt in der Busstation. Und es gibt dort auch noch einen kleinen Supermarkt, der bis 22:00 geöffnet hat. Wenn das ´mal keine geile Infrastruktur ist.

Palma ist ziemlich kompakt und obwohl (natürlich) hier jede Menge Stadtbusse abfahren, erkunde ich es lieber zu Fuß. Ob Placa Mayor, der schicke Passeig des Born oder die Kathedrale – alles ist in 20 Minuten erreichbar. Am heutigen Sonntag sind allerdings der Großteil der Geschäfte geschlossen, die Restaurants, die ich mir ´rausgesucht hatte leider auch. Na ja. Ich wollte ja ohnehin abnehmen. Schalte ganz schnell um auf die Bierdiät mit zwei Schlummerglässchen am Tresen meines Hostals und vertiefe mich dann wieder in die Wanderkarte, damit ich auch morgen auf dem Weg von Esporles nach Valdemossa nicht verloren gehe.

GR 221 – 10. Estellencs – Banyalbufar

Nach der gestrigen „Route der Steinmännchen“ von Ses Fontahelles bis Estellencs bin ich froh, heute nur eine leichte Etappe vor mir zu haben. Zwar verliere ich dadurch den Anschluss an Sandra, Martin und Tim, die heute etwa doppelt so weit laufen wollen. Dafür brauche ich aber keinen Wecker zu stellen, kann am Morgen noch ein paar Mails erledigen und bin nach der Ankunft in Banyalbufar so erholt, dass ich noch einen Stadtrundgang, ein fettes Törtchen und natürlich ein gemütliches Bierchen einschieben kann. Dazu noch die wenig beeindruckende Statistik, heute ´mal vorne weg: 6,5 Kilometer mit 328 Höhenmetern in 2:12 Stunden.

Die Route hat heute einen ganz anderen Charakter als gestern: Es ist keine Steinwüste mehr sondern man bekommt Ausblicke auf die vielen Terrassen -natürlich in Trockenbau aus Steinen aufeinandergesetzt. Dann folgen hauptsächlich Waldwege, wie meine geschundenen Knie dankbar registrieren.

Erst muss man zwar stadtauswärts wieder zwei Mal an der ungeliebten Straße Ma-10 entlang. Dann aber geht es rechts bergauf und am Wegesrand gibt es erst Zitronen- und dann jede Menge uralte Olivenbäume zu sehen, die in einem Wettbewerb um die knorrigsten Figuren zu stehen scheinen.

Knorrige Olivenbäume am Wegesrand (Copyright 2017, Michael Simm)

Nach den ersten 1,5 Kilometern läuft man zumeist im Schatten, wobei die kleinen Palmen hier dem Ganzen schon fast einen subtropischen Charakter verlieren. Zum Glück ist die Temperatur viel angenehmer. An diesem 1. April sind es 16 Grad bei bedecktem Himmel. Im Gegensatz zu vielen anderen Strecken dürfte es hier im Sommer ganz gut auszuhalten sein. Erst der letzte Kilometer ist dann wieder so ein Kniekiller; steil und steinig geht es bergab zum Zielort Banyalbufar.

Es hätte schlimmer kommen können. Bis ins vorige Jahr hinein mussten gesetzestreue Wanderer nämlich einen Großteil der Strecke auf der Straße laufen. Ein Rechtsstreit mit dem Besitzer der Finca Es Rafal hatte seit 2004 den freien Durchgang verhindert, entnehme ich dem Mallorca-Magazin. Erst als zahlreiche Zeugen bekundeten, dass dieser uralte Weg schon immer frei und öffentlich gewesen sei, fällte das Gericht in Palma sein Urteil zugunsten der Wanderfreunde und der beiden Nachbargemeinden, die bis dato wegen des eigensinnigen Finca-Besitzer auch Umsatzverluste beim Tourismus hinnehmen mussten.

Als wollte man diesen Sieg gebührend feiern ist die heutige Etappe die erste mit duchgehender Beschilderung. Mit anderen Worten: Man bräuchte nicht einmal eine Wanderkarte. Ich finde, das sollte für einen offiziellen Fernwanderweg ebenso selbstverständlich sein, wie für jede x-beliebige Autobahn. 

Damit genug gebruddelt für heute. Lieber noch etwas Klugschisserei: Der Name Banyalbufar entstammt laut meinem Reiseführer dem maurischen und bedeutet „Der kleine Weingarten am Meer“, wobei dieser Garten mit seinen rund 2000 Terrassen noch immer mithilfe eines uralten Systems aus Zisternen und gemauerten Kanälen bewässert wird. Früher wurde hier der Malvasier-Wein angebaut, über den die Wikipedia schreibt: „Dieser Wein war nicht umsonst am Hofe der Könige von Aragón bevorzugt, für Jaume I. soll es mit ein Grund gewesen sein, die Insel zu erobern.“

Banyalbufar am GR 221 auf Mallorca: 552 Einwohner teilen sich etwa 2000 Steinterrassen (Copyright 2017, Michael Simm)

Probieren geht über studieren, denke ich mir. Checke ein im Hostal Baronia, das mit seiner genialen Sonnenterrasse just am heutigen Tag, dem 1. April aufgemacht hat. Ich schaue den Mehlschwalben zu, die zeitgleich mit mir eingetroffen sind. Und ich lasse mich trotz einiger weiterer Optionen im Ort dazu überreden, auch im Hostal zu Abend zu essen. Ein gutes Argument sind 13 Euro für das 3-Gänge-Menü. Da bleibt noch genug Geld für eine Halbliterflasche mallorquinischen Wein. Der „Son Bordils Negre“, Jahrgang 2010 aus dem 40 Kilometer entfernten Inca ist dunkel wie Stierblut, intensiv und powert ohne Ende.

Dem Wein verdanke ich es auch, dass ich in meiner doch eher kalten Kemenate mit ihrer schwachbrüstigen Heizung die Nacht gut überstehe, und tags darauf die nächste kleine Etappe nach Esporles frohen Mutes in Angriff nehmen kann...

GR 221 – 09. Ses Fontahelles – Estellencs

Den Wecker hätte ich heute nicht zu stellen brauchen, denn der Hahn war schneller. Immerhin war der Gockel ziemlich nah dran an der gewünschten Weckzeit von 7:00. Zum Frühstück um 7:30 hatte man uns ermahnt, pünktlich zu sein, sonst wäre der Kaffee kalt. Das haben wir denn auch gleich verstanden, als wir im schönen, aber unbeheizten Frühstückssaal vor unseren Brötchen saßen. So schafften wir lässig den Check-Out-Termin von 9:00 und – weil ich ja einen Ruf als Eigenbrödler zu verlieren habe – ließ ich Sandra, Martin und Tim schon ´mal den Berg hinauf kraxeln.

Inklusive einer kleinen Variante über den 928 Meter hohen Gipfel Mola de s´Esclop  („Der gewaltige Holzschuh“) würden mich heute 15 Kilometer Distanz und 890 Höhenmeter erwarten, entnahm ich der GR 221-Wanderkarte. Etwa ein Viertel davon ist als Bergpfad / Wandersteig ausgewiesen, und laut unserem Gastgeber würde uns dort eine Steinwüste erwarten, in der die Orientierung schwer fällt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schon den Kollegen hinterher hecheln, und bin gespannt, wie ich das durchstehe.

„Im Frühtau zu Berge“ will ich noch schnell auf Facebook posten, um mir Mut zu machen und Zuspruch von meinen Freunden einzuholen. Dumm nur, dass unsere Herberge ja in einem Funkloch liegt, wie ich mich erinnere. Also los. Steil bergauf, 600 Höhenmeter auf den ersten beiden Kilometern. Relativ schnell verschwindet der Pfad unter Geröll, und spätestens jetzt bin ich den Mallorquinern dankbar für ihre Steinmännchen.

Wo ist das Steinmännchen? Die Orientierung ist diesem Gelände wäre ohne diese Markierungen noch schwieriger (Copyright 2017, Michael Simm)

Besser als jedes Schild funktionieren die kleinen Pyramiden hier oben, und alle paar Schritte freue ich mich, 30 Meter weiter den nächsten zu sehen. So geht das etwa eine Stunde lang. Zwischen zwei Gattern, die es zu übersteigen galt, wird es dann grüner und leichter, danach aber geht es wieder steil bergan – sogar mit einer leichten Kletterpassage.

Fall Ihr hier durchkommt: Nach dem zweiten Gatter und vor einer großen Gruppe entwurzelter Bäume geht es über eine kleine Mauer rechts hoch. Jetzt heißt es wieder „Steinmännchen gucken“ und im Schweiße seines Angesichts den Berg erklimmen. Die Kollegen von heute früh hatte ich da zu meinem eigenen Erstaunen überholt und konnte nun stolz von oben her den Weg weisen. Die erwähnte Kletterpassage ist zwar nicht schwer, aber ausgerechnet da, wo man die Hände braucht, ist der Boden abwechselnd bedeckt mit Disteln und mit Ziegenkötteln.

70 Meter unter dem Esclop gabelt sich der Weg und ich schlage die freundliche Einladung von Sandra, Martin & Tim aus, sie auf den Gipfel zu begleiten. Die Ausrede war, dass ich ja den GR 221 machen will, und den müsste ich dann für etwa einen Kilometer verlassen, und alle meine Aufzeichnungen stimmen dann nicht mehr, und überhaupt.

Auf der Karte sah mein Weg genau so weit aus, wie der über den Gipfel, und beide waren hier noch als Bergpfad gekennzeichnet. Als beim Zusammentreffen der beide Wege am Coll des Quer weit und breit niemand zu sehen war, ist der Eigenbrödler-Michel natürlich weiterspaziert. Bergab ging es über einen Hang, der dekoriert war mit zahlreichen schwarzen Baumstümpfen, die an den großen Waldbrand von 2013 erinnern.

Dann wird der Wanderweg breiter und verläuft aus einer Höhe von 650 Metern fast den ganzen Rest der Strecke abfallend auf holprigen Fahrwegen und Schotterpisten. Zwei Mal muss man ein kleines Stück an der Ma-10 entlang laufen und erblickt dann am Hang liegend endlich das schöne Dorf Estellencs mit seinen zahlreichen Terrassen. Diesen zweiten Teil der heutigen Strecke fand ich nicht so toll, und musste mich dann noch über einen Materialschaden ärgern:

An meinem Deuter Futura 28 Rucksack, den ich heute den fünften Tag auf dem Buckel habe, ist die Schnalle für den Bauchgurt gebrochen. Ziemlich schwache Leistung, Herr Deuter. Die Folge ist natürlich, dass ich den Gurt nicht mehr zuziehen kann und der Rucksack dann nicht mehr richtig auf der Hüfte sitzt. Und das bedeutet, dass ich die nächsten acht Tage schwerer zu tragen habe und meine Schultern noch mehr leiden müssen.

Die Idee, vielleicht mal schnell bei Amazon Ersatz zu bestellen und in meine nächste Unterkunft schicken zu lassen scheitert an der Lieferzeit. Und auf der Webseite von Deuter finden ich bei „Händlersuche International“ nur eine Adresse in Spanien. Und die ist nicht in Palma, sondern in Madrid. Bin gespannt, ob ich für diese Schnalle wenigstens nach der Rückkehr Ersatz kriege und tröst mich mit dem Gedanken, dass das Material schneller schlapp macht, als ich.

Für die Statistiker möchte ich noch kurz erwähnen, dass es heute (gemessen mit der App Runtastic Pro) „nur“ 11,3 Kilometer und 656 Höhenmeter waren, für die ich satte 4:19 an reiner Gehzeit gebraucht habe.

Jetzt bin ich jedenfalls in Estellencs, das wie so viele Dörfer in diesem Teil der Insel an einem steilen Hang liegt. Hunderte von Jahren haben die Einwohner hier das Gelände terrassiert, doch die einzige Terrasse für die ich mich jetzt interessiere, liegt gegenüber meinem Hotel. Vom Vall Hermos hat man einen erhebenden Blick über das Meer, und es ist der ideale Platz für mein Ankunftsbier.

Überhaupt finde ich hier alles prima. In meinem Hotelzimmer im Maristel habe ich vom Balkon aus ebenfalls Meeresblick, sogar ein Spa gibt es hier, mit einem kleinen Pool, Hottub und Sauna. Dafür fehlt mir aber die Zeit, denn ich muss erst noch meine stinkigen Socken waschen, auf dem Balkon zum trocknen ausbreiten, und essen gehen, bevor hier alles dicht macht.

Ich folge der einzigen Empfehlung meines Reiseführers ins Restaurant Montimar, nur wenige Schritte von Hotel und Bierterrasse entfernt. Hier gibt es malorquinische Spezialitäten, und auf der Speisekarte stehen Lamminnereien ganz oben. Was bin ich froh, dass mittlerweile meine Wanderbekanntschaft Sandra aufgetaucht ist, denn Paella gibt es sogar in Spanien erst ab zwei Personen. Um uns herum lauter zufriedene Gäste. Ob Kaninchen oder Ferkel, der Koch versteht sein Handwerk.

Früh geht´s ins Bett-was soll man auch machen an einem Freitagabend in einem Ort ohne Kneipe? Noch ein Blick auf die Wanderkarte und die Gewissheit, dass es morgen nur eine kurze Etappe zu laufen gibt. Meinen Wanderkollegen ist der Weg nach Banyalbufar zu kurz oder sie haben weniger Zeit als ich und laufen deshalb morgen gleich durch nach Esporles. Mir doch egal. Ich bin hier auf Reisen und leiste mir den Luxus, jeden Tag in meinem eigenen Tempo zu gehen…

GR 221 – 07. Sa Dragonera & mehr

Erneut genieße ich das üppige Frühstück und den freundlichen Service im Hostal Catalina Vera, arbeite ein wenig am Laptop und nehme dann den 10:50-er Bus nach Sant Elm. In Andraxt, wo ich umsteigen muss, kommt der Anschluss-Bus zu spät. Ich laufe durch die Gassen, suche und finde ein Taxi. Für 13 Euro geht es dann nach Sant Elm zur Bootsablegestelle. Nur um festzustellen, dass ich dort zeitgleich mit dem Bus ankomme, der offenbar just in dem Moment mit 20 Minuten Verspätung ums Eck kam, als ich mich auf die Suche nach dem Taxi machte…

So schaue ich in Sant Elm dem 11:45-Boot hinterher und habe an diesem Morgen nicht nur 13 Euro verloren, sondern auch wertvolle Zeit für mein Tagesziel, Sa Dragonera. Ich setzte um 12:15 über und zahle für eine Strecke, die man fast schon schwimmen könnte, wiederum 13 Euro. Nein, das letzte Boot zurück um 15:00 darf ich auch nicht nehmen, denn das ist schon voll, belehrt mich der gut gelaunte Abkassierer auf dem Boot. Ich bekomme ein Ticket für 14:30. Wieder ist eine halbe Stunde weg, sodass mir gerade noch zwei Stunden bleiben…

Dafür, dass ich mir das antue und unbedingt auf Sa Dragonera will, habe ich ein halbes Dutzend Gründe:

  1. Ich war noch nicht dort.
  2. Ich mag Inseln.
  3. Ich mag Naturparks – und dies ist einer von nur dreien auf Mallorca.
  4. Ich mag Tiere und ganz besonders Vögel – und hier soll es gleich mehrere seltene Vogelarten geben.
  5. Eigentlich gehört Sa Dragonera bereits zu dem Gebirge, das ich durchwandern will. Es ist sozusagen ein im Meer gelegener Vorposten der Serra de Tramuntana.
  6. Der Blick auf Sa Dragonera vom höchsten Punkt der gestrigen Wanderung war so umwerfend, dass auch dies meinen Wunsch bekräftigt hat, dort einen halben Tag zu verbringen.

Das Schicksal in Form eines unpünktlichen Busfahrers, unflexibler Bootstourenanbieter und strenger Zugangsregeln haben dann dafür gesorgt, dass der halbe Tag auf zwei Stunden geschrumpft ist.  Also runter vom Boot, rein ins Wärter-Häuschen und gleich den ersten Ranger dort gefragt, wo ich denn die besten Chancen hätte, einige der seltenen Vogelarten zu sehen?

Nun gibt es hier genau drei Wege: Einen kurzen und flachen zum nördlichen Leuchtturm, einen etwas längeren und flachen zum südlichen Leuchtturm, und den steilen Weg zum höchsten Gipfel mit seinen 386 Metern. Ja, ihr habt richtig geraten: Die beste Stelle zur Vogelbeobachtung sei dort oben, kurz unter dem alten Leuchtturm Faro Vell auf dem Gipfel, erklärte mir der junge Mann.

Ich hab´s versucht und schaffte doch nur drei Viertel der Strecke. Dabei war der Weg nicht zu verfehlen mit wunderschönen Ausblicken und im unteren Teil noch dazu einem Meer gelber Blüten.

Blick vom Puig de Far Vell auf der Insel Sa Dragonera zur nordwestlichen Küste von Mallorca (Copyright 2017 Michael Simm)

Was die Tierwelt angeht, so wurden laut Ranger an diesem Tag Eleonorenfalken gesichtet, Korallenmöwen, Gelbschnabelsturmtaucher, Balearensturmtaucher, sowie Mittelmeermöwen und Kormorane. Gesehen habe ich davon ca. 5000 Mittelmeermöwen und zwei Kormorane – beides Arten, die es auch daheim gibt, und die in die Kategorie „nichts besonderes“ gehören.

Zum Trost gab es gefühlt eine Milliarde Baleareneidechsen am Boden. Sie wuseln hier überall auch in den Ritzen der Steinmauern, erklimmen sogar Blumen und kleine Sträucher. Vor allem aber scheinen sie Mutproben zu mögen. Alle paar Schritte gab es welche die austesten wollten, wer gerade noch so unter meinen Sohlen durchwitschen konnte, ohne zerquetscht zu werden. Keine Sorge: Ich habe keine einzige platt gemacht.

Zwar habe ich auf Sa Dragonera weniger gesehen als erhofft, dennoch würde ich diese Insel unbedingt empfehlen und werde auch selbst einen zweiten Anlauf machen, sollte ich mal wieder in die Gegend kommen.

Wieder zurück in Sant Elm futterte ich eine Pizza bei Tigy´s, der zwar ordentlich und relativ preiswert ist, aber nicht so gut, wie die 8,4 Punkte in meiner Foursquare-App mich hoffen ließen. Die nächste Enttäuschung bereitete mir dann das Wassertaxi nach Port d´Andraxt, mit dem ich um 16:00 zurück wollte. Im Gegensatz zu meinem Bus am Vormittag kam es nicht zu spät. Sondern gar nicht.

So fand ich mich 75 Minuten später im gleichen Bus wieder wie am Vortag und wäre mit Umsteigen in Andraxt eine Stunde darauf im Hostal gewesen. Unzufrieden mit der Ausbeute des heutige Tages – um nicht zu sagen trotzig – habe ich mir dann aber spontan überlegt, dass ich doch lieber nach Hause laufen wollte. Und zwar nicht entlang der Straße Ma-1, sondern über die Serra de Binjorella östlich davon, wo auf meiner Wanderkarte ein verheißungsvoller Weg eingezeichnet war.

Dumm nur, dass mein Einstieg für diesen Weg am südlich von Andraxt gelegenen Coll Andrixtol nur über die Ausfallstraße in Richtung Peguera zu erreichen war. So musste ich zunächst jenseits der Leitplanken durch den Müll stapfen, den Touris und Einheimische hier reichlich hinterlassen haben. Wie üblich gab es keine Hinweisschilder, und erst im dritten Anlauf begriff ich, dass da, wo „Coll“ steht auch eine Erhebung gemeint ist.

Falls Euch also ebenfalls der Hafer stechen sollte und ihr es mir nachtun wollt: Der Weg geht vom höchsten Punkt der Verbindungsstraße rechts ab, ist ziemlich breit mit Anfangs weißem Untergrund, und schlängelt sich dann den Hang hoch in Richtung mehrerer Sendemasten. Wenn man ganz oben vor der verschlossen Tür des Geländes steht, liegt ein schmaler Weg links weniger Meter unterhalb, der durch ein wenig Kraxelei zu erreichen ist.

Ab hier wird es richtig schön. Man sieht zunächst südlich in der Ferne das Cap Andritxol, gerät dann aber auf die andere Seite des Hügels und schaut in das Tal zwischen Andraxt und Port d´Andraxt. Verfehlen kann man den Weg jetzt eigentlich nicht mehr; im Zweifelsfall folgt man den Spuren, die einige Mountainbiker hier hinterlassen haben. Kurz vor Port d´Andraxt kommt man durch Obstgärten in Richtung Straße und an dieser entlang die letzten paar Hundert Meter ans Wasser.

Für mich war´s damit dann auch mehr als genug für heute. Die morgige Tour von Sant Elm über Sa Trappa bis zur Wanderherberge Ses Fontahelles wird lang und endet offenbar in einem Funkloch. Außerdem gibt es dort nichts zu essen. Deswegen werdet ihr wohl bestenfalls übermorgen wieder von mir hören, wenn ich von Ses Fontahelles nach Estellencs gelaufen bin und in die Zivilisation zurückkehre.