Philosophie

Das Wort Philosophie entstammt dem Altgriechischen und bedeutet „Liebe zur Weisheit“; Zweck der Übung ist es, die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen. Was, bitte, könnte daran falsch sein?

Mein Problem mit „der Philosophie“ und „den Philosophen“ ist, dass diese Disziplin heute nichts Bedeutendes mehr zum Erkenntnisgewinn beiträgt und dass viele ihrer Vertreter noch immer mit dem Anspruch auftreten, Anderen aufgrund Ihrer vermeintlich tieferen Einblicke in das Wesen des Menschen den Weg weisen zu können.

Zur Verdeutlichung meiner Kritik hier ein Gedankenexperiment: Wir berufen eine Konferenz ein, auf der als Gastredner auftreten: Sokrates, der „Urvater“ der westlichen Philosophie, Siddhartha Gautama Buddha stellvertretend für die östliche Weisheit, sowie – frisch von der letzten Talkshow – die aktuellen deutschen Vorzeigephilosophen Richard David Precht und Peter Sloterdijk. Dann bitten wir Precht und Sloterdijk um eine Auflistung jener Erkenntnisse und Einsichten, die Philosophen hinzugewonnen haben, seit Sokrates 399 v. Ch. wegen Gotteslästerung und Verführung der Jugend zum Tode verurteilt wurde.

Mein Eindruck ist, dass die Philosophie per se keine neuen gesicherten (im Sinne von beweisbaren) Erkenntnisse hervor gebracht hat. Zweifellos gibt es zahlreiche kluge Denker, tiefsinnige Argumente, inspirierende Gedanken. Aber leider stehen viele, oft unvereinbare Vorstellungen nebeneinander, und beweisen kann man im Zweifelfall gar nichts.

Deshalb habe ich mich der Wissenschaft zugewandt, die – das erkenne ich gerne an – aus der Philosophie hervorgegangen ist. Was die Wissenschaft leistet erkennen wir, wenn wir unser Gedankenexperiment wiederholen: Hier säße dann zum Beispiel auf unserer Konferenz Thales von Milet, dessen Satz damals wie heute Gültigkeit hat: Noch immer sind alle Winkel im Halbkreisbogen rechte Winkel, noch immer ist die Summe aller Winkel in einem Dreieick 180 Grad. Eratosthenes von Kyrene, der als erster den Umfang der Erdkugel berechnet hat, sähe sich ebenso bestätigt wie Pythagoras, dessen Satz a2 + b2 = c2 eben keine Meinung darstellt, sondern eine Hypothese, die man beweisen kann.

Staunen würden die drei großen Geister jedoch, wenn ihnen z. B. ein Ranga Yogeshwar eine kleine Kostprobe gäbe, was wir Dank Wissenschaft und Technik in den vergangenen 2500 Jahren hinzu gelernt haben: Aus den fünf damals bekannten Planeten sind acht geworden. Mit Satelliten haben wir sie fotografiert und erforscht, Astronauten sind außerdem auf dem Mond gelandet und wieder heimgekehrt. Mit gewaltigen Teilchenbeschleunigern prüfen wir die diffusen Vorstellungen früher Philosophen, was denn die Welt im Innersten zusammen hält. Auch Irrtümer kann die Wissenschaft aufdecken, etwa die Behauptung von Thales: „Wasser ist der Ursprung von allem.“

Mein Rat lautet deshalb: Wer heute die menschliche Existenz deuten und verstehen will, der möge sich nicht auf die Lektüre kluger Philosophen beschränken. Die besten Antworten zur conditio humana finden sich meiner Meinung nach in der Wissenschaft – insbesondere in der Evolutionslehre Darwins, in der Genetik und darauf aufbauend den Entdeckungen der Hirnforscher.

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