GR 221 – 07. Sa Dragonera & mehr

Erneut genieße ich das üppige Frühstück und den freundlichen Service im Hostal Catalina Vera, arbeite ein wenig am Laptop und nehme dann den 10:50-er Bus nach Sant Elm. In Andraxt, wo ich umsteigen muss, kommt der Anschluss-Bus zu spät. Ich laufe durch die Gassen, suche und finde ein Taxi. Für 13 Euro geht es dann nach Sant Elm zur Bootsablegestelle. Nur um festzustellen, dass ich dort zeitgleich mit dem Bus ankomme, der offenbar just in dem Moment mit 20 Minuten Verspätung ums Eck kam, als ich mich auf die Suche nach dem Taxi machte…

So schaue ich in Sant Elm dem 11:45-Boot hinterher und habe an diesem Morgen nicht nur 13 Euro verloren, sondern auch wertvolle Zeit für mein Tagesziel, Sa Dragonera. Ich setzte um 12:15 über und zahle für eine Strecke, die man fast schon schwimmen könnte, wiederum 13 Euro. Nein, das letzte Boot zurück um 15:00 darf ich auch nicht nehmen, denn das ist schon voll, belehrt mich der gut gelaunte Abkassierer auf dem Boot. Ich bekomme ein Ticket für 14:30. Wieder ist eine halbe Stunde weg, sodass mir gerade noch zwei Stunden bleiben…

Dafür, dass ich mir das antue und unbedingt auf Sa Dragonera will, habe ich ein halbes Dutzend Gründe:

  1. Ich war noch nicht dort.
  2. Ich mag Inseln.
  3. Ich mag Naturparks – und dies ist einer von nur dreien auf Mallorca.
  4. Ich mag Tiere und ganz besonders Vögel – und hier soll es gleich mehrere seltene Vogelarten geben.
  5. Eigentlich gehört Sa Dragonera bereits zu dem Gebirge, das ich durchwandern will. Es ist sozusagen ein im Meer gelegener Vorposten der Serra de Tramuntana.
  6. Der Blick auf Sa Dragonera vom höchsten Punkt der gestrigen Wanderung war so umwerfend, dass auch dies meinen Wunsch bekräftigt hat, dort einen halben Tag zu verbringen.

Das Schicksal in Form eines unpünktlichen Busfahrers, unflexibler Bootstourenanbieter und strenger Zugangsregeln haben dann dafür gesorgt, dass der halbe Tag auf zwei Stunden geschrumpft ist.  Also runter vom Boot, rein ins Wärter-Häuschen und gleich den ersten Ranger dort gefragt, wo ich denn die besten Chancen hätte, einige der seltenen Vogelarten zu sehen?

Nun gibt es hier genau drei Wege: Einen kurzen und flachen zum nördlichen Leuchtturm, einen etwas längeren und flachen zum südlichen Leuchtturm, und den steilen Weg zum höchsten Gipfel mit seinen 386 Metern. Ja, ihr habt richtig geraten: Die beste Stelle zur Vogelbeobachtung sei dort oben, kurz unter dem alten Leuchtturm Faro Vell auf dem Gipfel, erklärte mir der junge Mann.

Ich hab´s versucht und schaffte doch nur drei Viertel der Strecke. Dabei war der Weg nicht zu verfehlen mit wunderschönen Ausblicken und im unteren Teil noch dazu einem Meer gelber Blüten.

Blick vom Puig de Far Vell auf der Insel Sa Dragonera zur nordwestlichen Küste von Mallorca (Copyright 2017 Michael Simm)

Was die Tierwelt angeht, so wurden laut Ranger an diesem Tag Eleonorenfalken gesichtet, Korallenmöwen, Gelbschnabelsturmtaucher, Balearensturmtaucher, sowie Mittelmeermöwen und Kormorane. Gesehen habe ich davon ca. 5000 Mittelmeermöwen und zwei Kormorane – beides Arten, die es auch daheim gibt, und die in die Kategorie „nichts besonderes“ gehören.

Zum Trost gab es gefühlt eine Milliarde Baleareneidechsen am Boden. Sie wuseln hier überall auch in den Ritzen der Steinmauern, erklimmen sogar Blumen und kleine Sträucher. Vor allem aber scheinen sie Mutproben zu mögen. Alle paar Schritte gab es welche die austesten wollten, wer gerade noch so unter meinen Sohlen durchwitschen konnte, ohne zerquetscht zu werden. Keine Sorge: Ich habe keine einzige platt gemacht.

Zwar habe ich auf Sa Dragonera weniger gesehen als erhofft, dennoch würde ich diese Insel unbedingt empfehlen und werde auch selbst einen zweiten Anlauf machen, sollte ich mal wieder in die Gegend kommen.

Wieder zurück in Sant Elm futterte ich eine Pizza bei Tigy´s, der zwar ordentlich und relativ preiswert ist, aber nicht so gut, wie die 8,4 Punkte in meiner Foursquare-App mich hoffen ließen. Die nächste Enttäuschung bereitete mir dann das Wassertaxi nach Port d´Andraxt, mit dem ich um 16:00 zurück wollte. Im Gegensatz zu meinem Bus am Vormittag kam es nicht zu spät. Sondern gar nicht.

So fand ich mich 75 Minuten später im gleichen Bus wieder wie am Vortag und wäre mit Umsteigen in Andraxt eine Stunde darauf im Hostal gewesen. Unzufrieden mit der Ausbeute des heutige Tages – um nicht zu sagen trotzig – habe ich mir dann aber spontan überlegt, dass ich doch lieber nach Hause laufen wollte. Und zwar nicht entlang der Straße Ma-1, sondern über die Serra de Binjorella östlich davon, wo auf meiner Wanderkarte ein verheißungsvoller Weg eingezeichnet war.

Dumm nur, dass mein Einstieg für diesen Weg am südlich von Andraxt gelegenen Coll Andrixtol nur über die Ausfallstraße in Richtung Peguera zu erreichen war. So musste ich zunächst jenseits der Leitplanken durch den Müll stapfen, den Touris und Einheimische hier reichlich hinterlassen haben. Wie üblich gab es keine Hinweisschilder, und erst im dritten Anlauf begriff ich, dass da, wo „Coll“ steht auch eine Erhebung gemeint ist.

Falls Euch also ebenfalls der Hafer stechen sollte und ihr es mir nachtun wollt: Der Weg geht vom höchsten Punkt der Verbindungsstraße rechts ab, ist ziemlich breit mit Anfangs weißem Untergrund, und schlängelt sich dann den Hang hoch in Richtung mehrerer Sendemasten. Wenn man ganz oben vor der verschlossen Tür des Geländes steht, liegt ein schmaler Weg links weniger Meter unterhalb, der durch ein wenig Kraxelei zu erreichen ist.

Ab hier wird es richtig schön. Man sieht zunächst südlich in der Ferne das Cap Andritxol, gerät dann aber auf die andere Seite des Hügels und schaut in das Tal zwischen Andraxt und Port d´Andraxt. Verfehlen kann man den Weg jetzt eigentlich nicht mehr; im Zweifelsfall folgt man den Spuren, die einige Mountainbiker hier hinterlassen haben. Kurz vor Port d´Andraxt kommt man durch Obstgärten in Richtung Straße und an dieser entlang die letzten paar Hundert Meter ans Wasser.

Für mich war´s damit dann auch mehr als genug für heute. Die morgige Tour von Sant Elm über Sa Trappa bis zur Wanderherberge Ses Fontahelles wird lang und endet offenbar in einem Funkloch. Außerdem gibt es dort nichts zu essen. Deswegen werdet ihr wohl bestenfalls übermorgen wieder von mir hören, wenn ich von Ses Fontahelles nach Estellencs gelaufen bin und in die Zivilisation zurückkehre. 

GR 221 – 06. Port d´Andratx – Sant Elm

Der erste Tag meiner Wanderung auf dem GR 221 beginnt mit blauem Himmel, einer Idealtemperatur von 18 Grad und einem feudalen Frühstück in meiner Unterkunft, dem Hostal Catalina Vera. Da ich hier noch zwei Übernachtungen vor mir habe, kann ich einen Teil meines Gepäcks zurück lassen und laufe mit geschätzten fünf Kilogramm auf dem Buckel zum Wasser.

Freunde, die ohnehin schon über meine Planungswut lächeln, beglücke ich gleich mal mit der ersten logistischen Panne: Zwar habe ich mein Navigationsgerät Teasi One2 geladen und eingesteckt – nur leider fehlt die Landkarte für Spanien, ohne die ich mit den tollen GPS-Daten nichts anfangen kann. Ich erinnere ich mich, das Kartenmaterial daheim am PC herunter geladen zu haben. Dumm nur, dass ich es dann offenbar nicht auf mein Gerät überspielt habe…

Sei´s drum: Mit dem Teasi war ich ohnehin nie so richtig zufrieden, und an diesem Tag erweist sich mein Handy mit der App von Outdooractive als vollwertiger Ersatz. Irgendwo auf der Strecke verliere ich das Teasi dann auch noch – als ob ein grimmiger Wandergott mir sagen wollte: “Konzentriere Dich auf das Wesentliche.“

Tu ich ja auch. Laufe durch Port d´Andraxt auf die andere Seite der Bucht und suche den Einstieg in diese Fernwanderung. Laufe daran vorbei, und versuche, als ich den Fehler bemerke, quer durch den Ort den Wanderweg zu erreichen. Vergeblich. Anscheinend gibt es keine Durchgangsstraße, also geht es wieder zurück ans Wasser bis von dort die Straße Carrer de Aldea Blanca abzweigt. Meine Karte und der Wanderführer sagen übereinstimmend, dass er hier beginnt, der GR 221.

Zu meinem Ärger gibt es nicht den kleinsten Hinweis. Kein Schild, keine Markierung, geschweige denn eine große Übersichtstafel, wie man sie bei uns an jedem Waldparkplatz findet. Dafür, dass wir jetzt gleich ein Schutzgebiet betreten, das als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, und dafür, dass die EU alleine in den Jahren 2015 – 2020 fette 61 Millionen Euro für die Entwicklung des ländlichen Raumes spendiert hat, finde ich das eine ganz schwache Leistung, meine lieben Mallorquiner!

Falls Ihr also irgendwann einmal an dieser Stelle stehen solltet: Lauft die Carrer de Aldea Blanca hinauf, folgt der zweiten Abzweigung Cami de Calat d´Egos nach links und aus dem Ort heraus, immer steil bergauf und gelegentlich die vielen Kehren des Fahrweges schneidend. Den Spuren nach zu urteilen, donnern hier auch häufiger Mountainbiker bergab – die jedoch entweder lebensmüde sind oder zu den fortgeschrittenen Anhängern dieses Sports gehören.

Oben erreichen wir ein Joch, das Coll des Vents und werden mit den ersten schönen Ausblicken belohnt. Ein recht breiter, teils bewaldeter Weg führt am Westhang des Puic d´en Ric entlang und man sieht bereits den Sendemast in der Nähe des Pas Vermell. Dort an der steilen Felswand zu stehen und auf die zackigen Bergrücken der „Dracheninsel“ Sa Dragonera  zu schauen, war für mich der Höhepunkt der heutigen Etappe.

Highlight der ersten Etappe: Die Dracheninsel Sa Dragonera, gesehen vom Pass Vernell [Copyright 2017 Michael Simm]
Ein wenig suchen musste ich an diesem Eck aber schon wie es weiter geht, und insbesondere, wo der Einstieg in den Abstieg ist. Wie bereits gesagt gibt es hier Null Wanderschilder, und die sporadisch auftretenden roten Punkte an manchen Felsen stammen nicht etwa von der hiesigen Verwaltung, sondern von den Anbietern verschiedener – oft geführter – Touren. Als zuverlässiger erwiesen sich im Rückblick die Steinmännchen am Wegesrand, auch wenn ich sie am Anfang eher für eine Spielerei, denn für Wegweiser gehalten habe.

Der Weg war gut begangen, aber nicht überlaufen. Die meisten Wanderer Deutsche und gefühlt doppelt so alt wie ich. Das dürfte auch erklären, dass mich heute keiner überholt hat, obwohl ich bei steilen Stellen ´ne ziemliche Schnecke bin.

Rund drei Stunden hat die Etappe mit ihren 400 Höhenmetern gedauert, 2:45 waren es ohne Pausen. Gemessen habe ich von der Carrer de Aldea Blanca in Port d´Andratx bis zur Bushaltestelle beim Strand von Sant Elm. Die Entfernung  habe ich sowohl mit meiner App Runtastic Pro auf dem Handy gemessen – da waren es 7,65 Kilometer – als auch mit meiner Fitnessuhr Vivoactive HR von Garmin. Die vermeldete einen ganzen Kilometer mehr, was mir falsch erscheint. Im Zweifelsfall solltet ihr vielleicht dem Müller Wanderführer Mallorca glauben, dort sind es 7,5 Kilometer.

Eigentlich ist für Wanderer ja der Weg das Ziel. Aber der Ankunftsort Sant Elm ist auch sehr reizvoll, und so war ich nicht undankbar, dass der Bus zurück erst um 17:10 ging und ich somit vier Stunden Zeit hatte. Der kleine Ort, den Erzherzog Ludwig Salvator einst als schönsten von ganz Mallorca lobte, hat sogar einen Sandstrand, was entlang der Nordseite der Insel eine wahre Rarität ist. Richtiger Badebetrieb herrschte aber noch nicht, es war Ende März und kaum einer traute sich ins Wasser.

Dafür sitzt man gut in einem der vielen Eiscafés, trinkt ein Bierchen oder freut sich an der guten Küche. Ich war sehr zufrieden mit Es Moli, wo ich ein hervorragendes dreigängiges Mittagsmenü für 15 Euro hatte – freundlichen Service inklusive. Heim gekommen bin ich dann mit dem Bus über Andraxt, wo ich umsteigen musste und die halbstündige Wartezeit noch mit einem Kaffee verkürzt habe.

Abends dann noch ein wenig arbeiten am Laptop und natürlich bloggen über den heutigen Tag. Gut, dass ich mir Zeit genommen habe für diese Tour. Bin schon gespannt auf morgen, wenn ich Sant Elm erneut besuchen werde (mit dem Bus) und von dort mit dem Boot die unbewohnte Insel Sa Dragomera besuche.

GR 221 – 05. Die Anreise

Verschiedene Billigflieger landen auf dem imposanten Flughafen von Palma de Mallorca. Ich kam mit EasyJet vom Euro-Airport in Basel-Mulhouse zum Schnäppchenpreis von € 44 für Hin- und Rückflug, den ich im Januar mit acht Wochen Vorlaufzeit gebucht hatte, natürlich online. Aber obacht: Ich reiste nur mit Handgepäck.

Sie können EIN Handgepäckstück mit einer maximalen Größe von 56 x 45 x 25cm einschließlich Griffen und Rollen mit an Bord nehmen.

Normalurlauber werden sich schwer tun, das Zeug für 14 Tage in einen Tagesrucksack zu stopfen – und die zahlen dann für jede Richtung nochmals 30 Euro zusätzlich! Im Abschnitt „Ausrüstung“ verrate ich Euch, wie ich es geschafft habe, all meinen Krempel in einen Tagesrucksack zu packen. Und im Laufe dieser Reise werde ich erfahren, ob das funktioniert…

Jedenfalls betrug die reine Flugzeit 1:50 Stunden. Für die gesamte Anreise von meiner Offenburger Haustüre inklusive Bahnfahrt nach Basel und Bus zum Flughafen sowie auf Malle ebenfalls mit dem Bus nach Port d´Andraxt und die restlichen paar Meter zum Hotel war ich 9 Stunden unterwegs. Die Bahnfahrt war übrigens nicht im Flugpreis enthalten – auch das sollte man mit einkalkulieren, wenn man einen Billigflieger nimmt. So kamen bei mir trotz Sparticket und Bahncard 25 gleich noch weitere € 40 für die Hin- und Rückfahrt Offenburg-Basel dazu. 

Verrückte Zeiten: für die 130 Kilometer zum Flughafen und den Bus zu meinem Hotel zahle ich damit ebenso viel, wie für die knapp 1300 Kilometer Luftlinie zwischen den Flughäfen Basel und Palma de Mallorca. Anders gesagt: Bahnfahren ist zehn Mal so teuer wie Fliegen!

Wie dem auch sei: Auf dieser Reise kommt es mir nicht auf die Geschwindigkeit oder die Entfernung an. Ich schalte zwei Gänge zurück und werde in den nächsten zwei Wochen hauptsächlich zu Fuß unterwegs sein. Nur ab und zu zwingen mich die Logistik und ein schmaler Geldbeutel dazu, am Ende einer Wanderetappe auf dem Trockenmauerweg fremde Hilfe zu nutzen, um zur nächsten Unterkunft zu kommen.

Da ich eine Streckenwanderung mache und keine Rundwanderungen, würde mir ein Mietwagen dafür nichts nutzen. Taxis sind zwar billiger als bei uns. Noch günstiger ist es nach meinen Recherchen aber, den Bus zu nehmen. Unterstützt wird man dabei von der Verkehrsgesellschaft Concorci Transports Mallorca (CTM), die eine prima Webseite, unterhält, wo man sowohl das Streckennetz als pdf-Datei herunterladen kann, als auch viele Vorschläge für Ausflüge mit den öffentlichen Verkehrsmittel findet – und dies sogar in deutscher Sprache!

Busfahrten auf Mallorca sind relativ preiswert,und es gibt auch noch Rabatte für Vielfahrer. Die Voraussetzung dafür ist aber eine sogenannte Intermodalkarte. Wie das genau funktioniert hatte ich bei meinen Vorrecherchen nicht wirklich verstanden, immerhin wusste ich aber, dass diese Karte in den Informationsstellen des Intermodalbahnhofs in Palma erhältlich ist. Dies ist praktischerweise jener zentrale Bahnhof, der vom Flughafen aus auf dem Weg zu meinem ersten Hotel liegt. Busse dorthin verkehren alle 16 Minuten, brauchen 20 Minuten und kosten € 5 Euro.

Bis zu diesem Bahnhof lief alles glatt und nach Plan. Dann sagte man mir, ich solle erstmal eine Nummer ziehen. Und natürlich brauchte gleich der erste der sieben Leute vor mir länger, um sein Ticket zu kaufen, als ich für einen verdammten Bus. Nun ja, nach einer knappen Stunde und sogar auf deutsch beraten habe ich dann doch noch eine Intermodalkarte gekriegt und durfte sie bei einem weiteren Schalter auch mit dem Guthaben aufgeladen. Insgesamt 33 Euro latze ich für eine T20 Netzkarte, die 20 Fahrten über jeweils 2 Tarifgebiete erlaubt.

Warum es schlau ist, solch eine Karte zu haben, erfahrt ihr hoffentlich in den weiteren Kapiteln, jetzt geht es erst einmal weiter nach Port d´Andratx. Auf dem Bahnhof liegen Züge und Busse eng beieinander, alles wirkt sauber und hervorragend organisiert. Nur leider bekommen wir keinen Expressbus mehr, sondern statt dessen eine Tour durch sämtliche Orte zwischen Palma und meinem eigentlichen Ziel. Am Ende brauchen wir fast 90 Minuten für die geschätzt 25 Kilometer Luftlinie nach Port d´Andraxt.

Mein Hotel dort für drei Übernachtungen ist das Hostal Residència Catalina Vera, empfohlen von meinem Malle-Reiseführer aus dem Müller-Verlag und gebucht über Hotels.com. Preislich liegt es am unteren Ende der Skala für diesen schönen, aber leider auch recht teuren Ort. Die Einrichtung ist geschmackvoll, im Garten wachsen Zitronenbäume, die Leute sind freundlich und alles fühlt sich gleich familiär und gemütlich an. Das Hostal liegt nur zwei Straßen von der Meerespromenade entfernt. Außerdem sind jede Menge Bars, Restaurants und auch drei Supermärkte in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen – was natürlich auch daran liegt, das Port d´Andraxt ziemlich überschaubar ist.

Eine freundliche ältere Dame, die hier im Aufenthaltsraum die Stellung hält, muss ins Bett, und ich somit gleich den W-LAN-Bereich verlassen. Aber das passt schon. Zwar bin ich noch keinen Meter auf dem GR 221 gewandert, aber morgen steht die erste Etappe an. Also gehen wir jetzt alle ins Bett und wenn ihr wollt, erzähle ich Euch, wie´s weitergeht.

GR 221 – 04. Die Ausrüstung

Stolz wie Bolle bin ich, weil es mir gelungen ist, die Ausrüstung für mein Wanderprojekt GR 221 in einem Tagesrucksack unterzubringen. Nur neun Kilogramm wiegt er, ein weiteres Kilogramm dürften meine Wanderschuhe und die Klamotten ausmachen, die ich am Leibe trage. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so wenig Zeug gepackt zu haben für einen Urlaub, der inklusive Hin- und Rückreise immerhin 16 Tage dauern wird!

Die Übung in Genügsamkeit hat gleich mehrere Vorteile: Erstens spare ich Geld, denn bei meinem Billigflieger EasyJet hätte sich der Flugpreis mehr als verdoppelt, wenn ich einen richtigen Koffer oder auch nur einen größeren Rucksack gebraucht hätte. Zweitens muss ich auf der Wanderung natürlich weniger mit mir herumschleppen. Und drittens kann ich gleich mal üben, ob ich tatsächlich mit einem kleinen Rucksack auskommen würde, wenn ich mich wirklich einmal entschließen sollte, mein Geld als digitaler Nomade zu verdienen.

Zu diesem Test gehört auch, meinen Laptop mitzunehmen. Ohne den fühle ich mich sowieso nur als halber Mensch, wie manch leidgeprüfter ehemaliger Reisegefährte bescheinigen kann. Aber so kann ich bloggen und zur Not auch für meine Kunden da sein.

Jetzt aber wie versprochen die Ausrüstung, als Liste, wo möglich auch gleich verlinkt mit Amazon, wo ich einen großen Teil meiner Sachen einkaufe.

Mehr braucht es nicht für 14 Tage Wanderurlaub. Hoffentlich.

GR 221 – 03. Der Plan

Ja ja. Ich weiß schon. Pläne sind für Bürokraten. Pläne töten die Kreativität. „Nur ein Idiot hält Ordnung – ein Genie beherrscht das Chaos“, und natürlich der Klassiker

Der Mensch plant und das Schicksal lacht darüber!

Klopft Ihr nur Eure Sprüche, ich mache lieber einen Plan, als einen Haufen Zeit und Geld zu verschwenden für eine Reise, bei der ich wie Inspektor Clouseau von einem Fettnäpfchen ins nächste springe, wo ich ständig vor verschlossenen Türen stehe, das Beste verpasse oder ausgenommen werde wie eine Weihnachtsgans. Und erst Recht nicht brauche ich den Chor der Klugscheisser, der mir nach der Rückkehr triumphierend erklärt: „Das hätte ich Dir gleich sagen können“.

Nicht mit mir! Auf den vorherigen Seiten konntet Ihr bereits lesen, warum ich den GR 221 wandern will, und wie ich geplant habe. Auf einer weiteren Seite habe ich meine Ausrüstung gelistet (alles passt in einen Tagesrucksack!), und hier findet Ihr nun den Tourplan als Ergebnis meiner geistigen Klimmzüge, verlinkt zu den Berichten über jede einzelne Etappe.

Tag Strecke km HM Zeit
01 (Anreise)* 1450    9:00
02 Port d´Andratx – Sant Elm  7,7 400 2:44
03 (Parc Natural de sa Dragonera)**  11,0 420 3:20
04 Sant Elm – Sa Trapa – Ses Fontahelles  11,3 656 4:20
05 Ses Fontahelles – Estellenchs  12,0 761 5:15
06 Estellenchs – Banyalbufar  6,4 328 2:12
07 Banyalbufar – Esporles  7,3 436 2:13
08 Esporles – Valldemossa  8,9 658 3:36
09 Valldemossa -Deià  11,7 670 5:17
10 Deia – Refugi Muleta – Port de Soller  12,1 420 4:49
11 (Soller – Sa Font de Noguer)***   11,9 990 5:30
12 Sa Font de Noguer – Lluc  14,3 739 5:43
13 Luc – Pollenca  16,2 250 4:48
  Summe  119,8 6308 46:17

Anmerkung: In der Summe nicht enthalten sind -natürlich – die Anreise (*) und der Tag auf Sa Dragonera (**). Die Angaben für die ausgefallene Etappe Soller – Sa Font Noguer (***) stammen aus dem Mallorca-Wanderführer von Dietrich Höllhuber, wobei die Wegzeit auf 5 Stunden aufgerundet wurde. Alle sonstigen Entfernungen und Zeiten wurden gemessen mit der App Runtastic Pro. Aufzeichnungen mit meiner Smartwatch Vivoactive HR ergaben ungefähr 10 % längere Entfernungen, wurden hier aber nicht berücksichtigt.

GR 221 – 02. Die Planung

Eigentlich bin ich voll der Info-Hamster: Je mehr ich weiß, umso besser fühle ich mich. Diesmal aber scheint alles anders. Vor meiner Durchquerung des Tramuntana-Gebirges auf dem Fernwanderweg GR 221 habe ich mich sogar besonders gut informiert: Mit Google einmal quer durch´s Internet, wie immer bei Wikipedia nachgeschaut, eine Fernsehsendung gesehen, aktuelle Reiseführer gewälzt, Wanderführer und das neueste Kartenmaterial geprüft.

Nur leider fand ich oftmals widersprüchliche Angaben zum Trockenmauerweg. Und die lösen sich auch nicht auf, wenn man die vielen Berichte und Kommentare von Wanderern liest, die den Weg vor mir gegangen sind. Das beginnt schon mit der Länge des Weges:

Die offizielle Seite spricht von 83,7 Kilometern, die zur Hauptroute gehören, wobei die erste Etappe Port d’Andratx – Coma d’en Vidal und der dritte Abschnitt Esporles – Can Boi ohne nähere Erläuterung noch mit einem Warnschild versehen sind. „Die restlichen 72,5 Kilometer gehören zu Varianten“, heißt es. Die Angabe von 150 Kilometern aus der Fernsehinfo zu „Wanderlust“ bezieht sich demnach auf das gesamte Wegenetz und ist ziemlich irreführend.

Bei einer der zuverlässigsten und umfangreichsten Webseiten auf diesem Bereich, Outdooractive, ist die „eigentliche“ Route 115 Kilometer lang und in 44 Stunden zu bewältigen. Für die Hardcore-Wanderer von Alpenquerung.info sind es 140 Kilometer, und die schaffen das in 8 Etappen. Je mehr ich plane, umso größer wird die Verwirrung. Also mache ich das, was ich schon immer tue: Ich gehe meinen eigenen Weg, in meinem Tempo, und ich lasse mich überraschen, was es dabei alles zu entdecken gibt.

Als Eckdaten hatte ich meinen Hin- und Rückflug von Baseler Euro-Airport nach Palma de Mallorca, gebucht bei EasyJet zum Schnäppchenpreis von 50 Euro – allerdings nur mit Handgepäck. Wenn man den Hin- und Rückreisetag nicht rechnet ergibt das einen Zeitrahmen von 14 Tagen – lange genug, um sich zwischendurch auch ´mal bei einer kürzeren Etappe zu erholen oder eine Pause einzulegen, falls nötig.

Da war ich wohl zu langsam: Die Wanderherberge (Refugi) Tossals Verds war bereits sechs Wochen vor meiner Abreise ausgebucht, was mich zwingt, über einen Plan B nachzudenken. (Foto: Wikipedia CC BY-SA 3.0)

Weiter ging es mit den Unterkünften, die ich ca. 6 Wochen vor der Abreise gebucht habe. Wichtig, weil früh ausgebucht, sind die Wanderherbergen (Refugi), zu denen man sich von der offiziellen Seite durchklicken kann (Tatsächlich habe ich eine nicht mehr gekriegt: die mitten in den Bergen gelegene Tossals Verds, was mich dann zum Umplanen gezwungen hat). 

Sehr wertvoll für die Planung waren für mich zwei Bücher aus dem Michael Müller-Verlag, der sich auf Reiseführer spezialisiert hat und den ich wegen seiner detaillierten Informationen sehr schätze. In „Mallorca: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps“ erfährt man allerhand über die Orte am Ausgang und Ende der Etappen, inklusive Hinweisen auf besondere Hotels und Restaurants. Und in „Mallorca MM-Wandern: Wanderführer mit GPS-kartierten Wanderungen“ finden sich detaillierte Beschreibungen zu 39 Wanderungen auf der ganzen Insel,von denen jedoch ein guter Teil Etappen und Abschnitte entlang des GR 221 beschreibt. Beide Bücher sind von 2016 und waren somit auch die aktuellsten im überaus großen Angebot der Malle-Reiseliteratur.

Obwohl ich eine großer Fan von GPS-Geräten bin würde ich mich bei einer „ernsthaften“ Wanderung in unbekanntem Gelände nicht alleine auf diese Spielzeuge verlassen wollen. Es genügt ein Defekt oder ein leerer Akku, und schon steckt man in Schwierigkeiten. Meine Ehre als Mann lässt es nicht zu, jemanden nach dem Weg zu fragen. Außerdem ist sowieso keiner da, wenn man einen braucht 😉

Nein, lieber sichere ich mich mit klassischen Karten ab. Die besten, die ich finden konnte, sind erst kurz vor meiner Wanderung in einer neuen Ausgabe erschienen: „Mallorca – Wanderkarte 1:35.000 (Kartenset mit Nord + Süd-Blatt): Alle Wege in der Serra Tramuntana“ heißt das wasser- und reißfeste Werk, das zumindest am heimischen Küchentisch einen sehr guten Eindruck macht. Es gibt zwar höher auflösende Karten im Maßstab 1:25000, aber meine wirken durchdachter und übersichtlicher zugleich, ohne dass ich Details vermissen würde.

Wie das dann im Gelände aussieht wird man sehen. Jedenfalls kennt ihr nun im Wesentlichen mein Planungsmaterial. Erwähnen sollte ich aber noch, dass ich mir vorgenommen habe, die kompletten 16 Tage nur zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein.  Wie die -auch auf deutsch verfügbaren – Busfahrpläne für die Insel zeigen, ist das Netz sehr gut ausgebaut. Das ermöglicht es, auch einmal ein paar Tage im gleichen Hotel zu bleiben, wenn man von dort zum Startpunkt einer Etappe und vom Ziel wieder zurück pendelt.

Mit diesen Rahmenbedingungen setzte ich mich schließlich an den Computer, breitete die Karten und Bücher neben mir aus, und buchte systematisch alles durch. Drei Tage netto hat das gedauert, und den Plan, der dabei herausgekommen ist, präsentiere ich im folgenden Abschnitt. Dann folgt noch eine Seite zu meiner Ausrüstung, und schließlich der ausführliche Reisebericht für die gesamten 14 Tage inklusive meiner 12 Etappen, den Unterkünften und sonstigen interessanten Beobachtungen (-> Übersicht).

GR 221 – 01. Die Idee

Schon klar: Die Idee, im Frühjahr nach Malle zu fliegen ist nicht sonderlich originell, dort zu wandern auch nicht. Ist mir aber egal, ich mache das jetzt trotzdem zu meinem Projekt: In den nächsten 14 Tagen will ich den Fernwanderweg GR 221 -auch bekannt als Trockenmauerweg- alleine und komplett durchwandern.

Die Betonung liegt auf „komplett“, denn was auf den ersten Blick nach einer überschaubaren Aufgabe ausschaut, erweist sich bei näherem Hinsehen als logistische und sportliche Herausforderung. Der Weg durch die im Norden der Insel gelegene Bergregion Serra de Tramuntana ist nämlich noch nicht fertig. Manche Abschnitte sind angeblich gesperrt, nicht beschildert oder nur zu bestimmten Zeiten / Wochentagen zugänglich. Die Unterkünfte sind teils dünn gesät, die Preise oft gesalzen. Auf manchen Abschnitten gibt es nur spartanisch eingerichtete Berghütten (Refugi) – und die sind dann auch noch schnell ausgebucht.

So sieht´s aus: Übersichtskarte zum Trockenmauerweg „Ruta de Pedra en Sec“, der im Norden Mallorcas von Port d´Andraxt bis nach Pollenca verläuft (Foto von Sarang, bearbeitet von Oltau via Wikipedia)

Dabei hatte alles so einfach ausgesehen: Inspiriert von einer Folge der Fernsehserie „Wanderlust“ wollte ich es dem britischen „Profi-Traveller“ Bradley Mayhew gleich tun, der frohen Mutes und scheinbar ohne Probleme die Serra de Tramutana durchquert hatte. Angeblich hat er sechs Etappen gebraucht für die 150 Kilometer. Angeblich.

Bei Wikipedia sind es aber neun Etappen, die offizielle Seite listet fünf offene Abschnitte plus sechs Varianten und nach meiner eigenen Planung werde ich elf Tage netto unterwegs sein, wobei ich an einem dieser Tage mangels Unterkunft wohl zwei Etappen bewältigen muss. Doch dazu später mehr.

Freunde, die schon mit mir unterwegs waren, bescheinigen mir, ein guter Planer & Reiseführer zu sein. Und da ich gerne schreibe und viele Freunde habe, wollte ich möglichst zeitnah auf Michels Universum darüber berichten. Gewünschter Nebeneffekt: Mehr Motivation, um dieses Projekt auch durchzuziehen, denn wer will schon als Looser nach drei Tagen abbrechen? Und dann gibt es ja noch den Plan, das Ganze als eBook zu veröffentlichen, wenn ich die Tour tatsächlich durchstehe…

Deshalb habe ich auch noch schnell aufgeschrieben, wie ich das ganze geplant habe, welche Tagesetappen dabei heraus gekommen sind, und mit welcher Ausrüstung ich unterwegs bin.

Morgen, am 27. März geht´s dann endlich los. Und wenn der Michel und seine Akkus durchhalten findet ihr hier bis zum 8. April jeden Tag einen neuen Bericht – Handyempfang bzw. W-LAN vorausgesetzt.

Loblied auf mein Handy

Seit wenigen Tagen trage ich in meiner Hosentasche das wohl leistungsfähigste Gerät spazieren, das ich je besessen habe. Angeblich besitzt jedes bessere Smartphone heute mehr Rechenkraft, als alle Computer und Maschinen unseres Planeten noch vor 40 Jahren zusammen. Bei meinen letzten beiden Handys hatte ich ehrlich gesagt noch nicht das Gefühl, einen Supercomputer in der Tasche zu haben. Jetzt aber, bei meinem Motorola G4 Plus will ich das gerne glauben. Alles flutscht, nichts ruckelt, und im Zusammenspiel mit den gut 100 Apps, die ich nach gründlichen Tests installiert habe, scheint alles möglich.

Dieses Gerät kann mir helfen, schneller und besser zu arbeiten. Es wird mir dadurch auch Geld sparen, und es motiviert mich, wieder fit zu werden und mehr für meine Gesundheit zu tun. Es dient mir als Tagebuch, Kamera und Fotoalbum, und es hilft mir, die Welt zu entdecken. Es ist Lernhilfe und Nachschlagewerk, Spielgerät, Navi, Music-Player, Mini-Fernseher und noch vieles mehr. Kurz, so ein modernes Smartphone ist einfach geil.

Wenn auch ihr solch ein Glückserlebnis haben wollt, solltet ihr euch gründlich informieren, welche Eigenschaften bei einem Handy für euch wichtig sind – und wie viel ihr dafür ausgeben wollt. Ich wollte eine eierlegende Wollmilchsau für möglichst kleines Geld. Die Messlatte waren mein Moto G2, dessen Arbeitsspeicher sich als zu klein erwiesen hatte, und davor das HTC One X +, bei dem der Akku sogar nach einem 90 Euro teuren Austausch schwächelte. Außerdem unterstützen diese Geräte den schnellen Mobilfunk mit LTE nicht, was oft zu unerträglich langen Ladezeiten führte.

Kurz gesagt waren also meine früheren Geräte an meinen Ansprüchen gescheitert. Nun sollte das Neue hauptsächlich schnell sein und ausreichend Speicher bieten. Außerdem war es mir wichtig, zwei Einschubplätze für SIM-Karten zu haben. Das erlaubt mir, im Nicht-EU-Ausland die Karte eines lokalen Anbieters zu nutzen, ohne die lästige Umstöpselei. Außerdem wollte ich ein möglichst reines Android-Betriebssystem auf dem neuesten Stand, und nicht den ganzen überflüssigen Müll, den viele Hersteller oben drauf packen, um Kunden an sich zu binden.

All das habe ich im Moto G4 Plus gefunden, dessen technische Daten ihr ebenso wie ziemlich viele begeisterte Besprechungen zum Beispiel bei Amazon findet. Unter anderem bietet das Gerät einen Fingerabdruck-Sensor zur bequemen Sicherung, eine 16-MB-Kamera und eine Schnelllade-Funktion, die den Akku angeblich (ich hab´s nicht nachgemessen) binnen 15 Minuten wieder fit macht für 6 Stunden Betrieb.

Die hier verlinkte Version Version kostete zuletzt € 299. Sie bietet dafür 2 GB Arbeitsspeicher (RAM) und eine interne 32 GB Festplatte, die per SD-Slot entsprechend erweitert werden kann. Das sollte für einen flotten Betrieb ausreichen, doch ich wollte auf Nummer Sicher gehen.

Deshalb habe ich mir auf der Webseite des Herstellers mit dem Moto-Maker mein Handy selbst konfiguriert und zwar mit 4 GB RAM und 64 GB Festplatte. Auf dieser Webseite kann man z.B. auch die Farben der Vorder- und Rückseite separat wählen, oder sich den Namen eingravieren lassen. Beide Optionen habe ich ebenfalls genutzt, war damit inklusive Versand bei € 350 Euro und glaube, einen sehr guten Deal gemacht zu haben. Die angegebene Lieferzeit von 12-15 Tagen hat Motorola übrigens um eine Woche unterschritten. Das Päckchen kam nach 5 Tagen direkt aus China frei Haus per DHL. Die Minibedienungsanleitung war ausreichend und auf deutsch. Für Euch gesucht und gefunden habe ich außerdem das komplette Handbuch von Motorola im pdf-Format.

Keine Kritik ohne Gemecker: Natürlich findet man auch beim Moto G4 Plus noch Dinge, die zu verbessern wären. Es ist zum Beispiel nicht wasserdicht, das Display hat nicht die höchste, derzeit mögliche Auflösung und manche anderen Handys haben bessere Kameras. Auch die „Wertigkeit“ ließe sich verbessern, etwa durch Austausch der Rückseite gegen ein Teil mit weniger Plastik-Feeling. Aber das ist nun wirklich Jammern auf höchstem Niveau. Wer bereit ist, doppelt so viel auszugeben wie ich, kann sich ja gerne den derzeitigen Spitzenreiter kaufen, das Samsung S7 Edge, oder für Apple-Fans das iPhone S6.

Wer jedoch 300 – 400 Euro sparen möchte und trotzdem ein Top-Handy besitzen mag, für den hier nochmals die Links zum Moto G4 Plus bei Amazon und zum Moto-Maker, wo man sich das Gerät nach eigenem Geschmack konfigurieren kann.

Nachtrag vom 21. März 2017: Bin immer noch hochzufrieden mit diesem Teil, der Akku hält und zeigt bisher keine Alterserscheinungen. Und ein Update für das Android-Betriebssystem namens „Nougat“ habe ich gestern auch bekommen. Kostenlos und automatisch.

Arbeit, Lohn, Gerechtigkeit

In den acht Minuten, die Fußball-Star Cristiano Ronaldo braucht, um sich ein hartes Ei zu kochen, verdient er so viel wie eine Friseurin in einem ganzen Jahr. Das krasse Beispiel entstammt zwar der Bild-Zeitung, scheint aber realistisch, wenn man die € 70 Millionen Jahresgehalt (inklusive Werbung) des Kickers den rund € 15000 der Friseurin gegenüberstellt. Kein Wunder, dass bei solchen extremen Unterschieden die Emotionen hochkochen und das Thema „Lohn und Gerechtigkeit“ zum Dauerbrenner geworden ist.

Ganz schön reich: Mit einem Jahreseinkommen von geschätzten € 70 Millionen verdient Cristiano Ronaldo in Minuten so viel, wie andere in einem ganzen Jahr.
Ganz schön reich: Mit einem Jahreseinkommen von geschätzten € 70 Millionen verdient Cristiano Ronaldo in ein paar Minuten so viel, wie andere in einem ganzen Jahr (Foto: Ruben Ortega via Wikimedia Commons. CC BY-SA 4.0)

Und wie ist das bei Ihnen so? Verdienen Sie genug? Mehr als drei Viertel aller Deutschen antworteten darauf in einer Umfrage mit „Ja“. Die Art der Lohnverteilung in diesem Lande fanden dennoch mehr als die Hälfte ungerecht, entnehme ich der ZDF-Dokumentation Wie fair sind unsere Löhne?, die dieser Tage wieder einmal ausgestrahlt wurde.

Der Film von Angela Scheele und Stefanie Zeyn gehört sicher zu den besseren, die das Staatsfernsehen auf unsere Kosten hat produzieren lassen. Er berichtet, ohne selbst zu werten und lässt dafür zwei Experten zu Wort kommen. Wir hören Sina Trinkwalder, die als Gründerin eines Modelabels vorgestellt wird und sich als sozial engagierte Unternehmerin und Buchautorin einen Namen gemacht hat. Noch eine Spur reflektierter scheint mir Roland Tichy, der ehemalige Chefredakteur der Wirtschaftswoche, und erfolgreiche Betreiber des Polit-Bloggs „Tichys Einblick”.

Die Produzenten bringen viele wissenswerte Zahlen, von denen ich einige hier wiedergeben möchte: Aktuell arbeiten in Deutschland 43 Millionen Menschen. Davon sind 39 Millionen Angestellte und 4 Millionen Selbstständige. Da wir jedoch fast 81 Millionen in diesem Land haben, fehlen nach Adam Riese noch 38 Millionen. Was ist mit denen? Ist das die Summe aller Rentner, Kinder und Arbeitslosen? Weitere Fakten (die Zahlen sind jeweils Brutto):

  • Das mittlere Monatseinkommen eines Vollzeitbeschäftigten beträgt € 3000
  • Im Osten werden durchschnittlich € 2300 bezahlt, im Westen € 3100
  • 8 Millionen sind Geringverdiener mit weniger als € 9,30 / Stunde
  • 2 Millionen haben einen Zweitjob
  • Die Realgehälter haben lange 10 Jahre stagniert, steigen erst seit 2 Jahren wieder
  • Nur 10 Prozent aller sozialpflichtig Beschäftigten – also 3 Millionen Menschen- verdienen mehr als € 60000 im Jahr

Die Sendung ist wohltuend nüchtern gehalten und frei von Suggestivfragen oder fragwürdigen Kommentaren aus dem Off. Dennoch spüre auch ich den Impuls, erst einmal „ungerecht“ zu schreien, während der Film eine Handvoll Menschen mit sehr unterschiedlicher Arbeit und entsprechender Entlohnung vorstellt. Wir treffen zum Beispiel eine Floristin, die mit 3 Jahren Ausbildung auf 1600 Euro brutto kommt und einen Lufthansa-Piloten, der mehr als 16000 macht, dabei nur 2,5 Jahre Ausbildung hatte. Nicht unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass die Pilotengewerkschaft in den letzten Jahren immer wieder Streiks ausgerufen hat, um für ihre Mitglieder noch höhere Gehälter und die Rente mit 55 durchzusetzen.

Auch der „typische” Lehrer fehlt nicht, der nach 5 Jahren Studium mit 42 Jahren an seinem Gymnasium € 4600 pro Monat bekommt. Am oberen Ende der Gehaltsskala wird ein Oberarzt vorgestellt, der mit seinen 35 Jahren (davon 6 Jahre Studium und 5 Jahre Weiterbildung) auf € 8300 monatlich kommt. An der Spitze stehen die Manager der 30 größten Unternehmen in Deutschland. Im Durchschnitt verdient ein Vorstandschef 50 Mal so viel wie seine Angestellten. Und bei den drei Spitzenverdienern kamen zuletzt 6, 7 oder 8 Millionen Euro zusammen – ohne Boni.

Die Dokumentation geht auch den möglichen Ursachen der Ungleichverteilung nach und stellt fest, dass die Ausbildung eine wichtige Rolle spielt. Die Zahl der Abiturienten ist massiv gestiegen, von etwa 7 % in den 1960er Jahren auf mittlerweile etwa 50 %. Doch obwohl der Anteil der Arbeiterkinder unter den Abiturienten deutlich zugenommen hat, absolvieren sie viel seltener ein Studium als die Kinder von Akademikern. Das hat Folgen: Denn mit einer „normalen“ Ausbildung liegt das Einkommen eines Arbeitnehmers bei durchschnittlich € 35000 pro Jahr, mit akademischem Abschluss sind es dagegen € 58000.

Und noch ein Unterschied wird hervor gehoben: Frauen verdienen 22 % weniger als Männer, und dieses „Lohngefälle” sei in keinem anderen Land Europas größer. Als Ursache wird angegeben, dass die Frauen bei der Kindererziehung „zurückstecken”. 70 % der Mütter arbeiten Teilzeit, aber nur 7 % der Väter. Als Kinderloser ohne eigene Erfahrungen werde ich mich hüten, hier die Vor- und Nachteile von Beruf und Kindererziehung vergleichen zu wollen. Tatsache ist aber, dass das Lohngefälle von 22 % auf 7 % schrumpft, wenn man Männer und Frauen vergleicht, die bei gleicher Qualifikation die gleiche Arbeit machen. Und selbst diese Differenz könnten Frauen locker überwinden, provoziert Tichy: „Sie müssen einfach nur in typisch männliche, bessere bezahlte Berufe einstiegen und Mathematikerinen oder Anwälte werden.“

Tendenziöse Stromgeschichte

Strom, Energiewende, Atomkraft – Fast alle reden darüber, doch die Kenntnisse über die Zusammenhänge sind oftmals eher dünn. In der Dokumentation „Die Macht der Stromkonzerne“ von Florian Opitz, die zuletzt im Februar 2016 ausgestrahlt wurde, sah ich eine Chance, meine Wissenslücken zu stopfen. Mein Anspruch war hoch. Immerhin hat Opitz mit diesem Film zum zweiten Mal den Grimme-Preis gewonnen, der als eine der angesehensten Auszeichnungen für Fernsehfilme gilt (warum eigentlich?).

Stromleitungen transportieren Energie über weite Entfernungen (Foto: Michael Simm, 2012)
Stromleitungen transportieren Energie über weite Entfernungen (Foto: Michael Simm, 2012)

Beworben wird der Film damit, dass man die Strukturen beleuchten will, aufgrund derer „die Stromerzeuger jahrzehntelang ein profitables Geschäft betrieben haben“. Sie wurden dadurch „zu einer der mächtigsten Branchen Deutschlands …, die die Energiepolitik stets nach ihren Interessen beeinflusst hat.“

Heraus kam eine Dokumentation, die zwar durchaus lehrreich ist, bei der aber die Berichterstattung wie so oft beim Staatsfunk durch tendenziöse Darstellung überschattet wird. Dies beginnt mit der Wortwahl, setzt sich fort im Schnitt und wird untermalt mit musikalischer Stimmungsmache. Kapitalisten streben nach Monopolen, die Branche fungiert als Helfer der Waffenindustrie im 2. Weltkrieg und selbst die noch lange davor von Energiekonzern RWE eingefädelte Beteiligung der Städte an der E-Werken ist nichts weiter als ein durchsichtiger Bestechungsversuch.

Das kann man auch anders sehen: „Aufgrund der Bedeutung als Grundversorgung und wegen der besonderen Marktbedingungen (eingeschränkter Wettbewerb aufgrund der Netzgebundenheit) unterliegen Energieversorgungungsunternehmen einer besonderen öffentlichen Kontrolle und sie müssen besondere gesetzliche Auflagen erfüllen. Vielfach sind Energieversorgungs-unternehmen ganz oder teilweise im Besitz der Öffentlichen Hand und als Stadtwerke oder andere kommunale Werke organisiert.“ So steht es in der Wikipedia, und das ist ein recht gutes Argument für das gegenwärtige Arrangement.

Durchaus wertvoll sind die Interviews mit einem halben Dutzend Beteiligter sowohl auf Seiten der Stromversorger, als auch der Politik.  Dabei kann man natürlich den Abgang des ehemaligen Wirtschaftsministers Werner Müller aus der Politik in die Stromwirtschaft hervorheben. Dann sollte man indes auch bei Jürgen Trittin dessen kommunistische Vergangenheit nicht verschweigen, die seinen Kampf für staatliche Kontrolle sicher in einem weniger günstigen Licht erscheinen ließe. Ebenso wird den Zuschauern ein gewisser Dr. Peter Becker zunächst als „Energie-Experte“ vorgestellt. Immer wieder wird er zwischengeschnitten und gibt seine Wertung der Ereignisse ab. Später verrät er sich in einem Nebensatz als Anwalt für eine Anzahl ostdeutscher Gemeinden, die nach der Wende gegen die Übernahme „ihrer“ Energienetze durch westdeutsche Konzerne geklagt haben. Damit ist er für mich als unabhängiger Experte disqualifiziert. Im Gegensatz zu Beckers Pendant vom Atomforum wird Becker aber nicht gefragt, ob er denn ein Lobbyist sei.

Zwischen den Zeilen scheint die „Dokumentation“ nach mehr staatlicher Kontrolle zu rufen, nach Enteignung gar: Nun wird zwar die Übernahme der Energieversorger in der DDR durch westdeutsche Firmen als zwielichtiger Deal dargestellt. Wie gut und wettbewerbsfähig oder gar umweltfreundlich die DDR-Strukturen waren, wird aber nicht diskutiert. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass deren Braunkohlekombinate und die Stromversorgung in Staatshand ein Erfolgsmodell waren.

Und noch ein Verweis auf die Geschichte scheint mir fraglich: Da wird behauptet, die Deutschen hätten 1998 im europaweiten Vergleich die höchsten Strompreise bezahlt. Das erscheint mir unglaubhaft, ich konnte es aber nicht überprüfen. Was ich aber nachschlagen konnte ist eine aktuelle EU-Statistik. Dort zahlten 2015 die deutschen Stromkunden mit 29,5 Cent pro Kilowattstunde Strom nach den Dänen den höchsten Preis. Wenn aber der Umbau des Stromnetzes hin zu kleineren Anbietern solche eine tolle Idee ist, warum sehe ich dann keine Rendite in Form sinkender Strompreise? Die „Energiewende“ nahm spätestens im Jahr 2000 unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung volle Fahrt auf. Was ist bitte seitdem besser geworden?

Fazit: Licht und Schatten liegen in diesem Beitrag nahe beieinander. Es gibt wichtige historische Einblicke und Autor Florian Opitz hat aus den Archiven zahlkreiche eindrucksvolle Aufnahmen und Statements zutage gefördert. Dennoch kann ich Opitz den Vorwurf des Tendenzjournalismus nicht ersparen, denn die Stoßrichtung ist von Anfang an klar: Das Stromkartell betreibt ein profitables Geschäft, die Politiker lassen sich immer wieder einwickeln und am Ende ist der Verbraucher der Dumme. Wer mitdenkt und im Geiste einige kritische Fragen stellt, muss jedoch erkennen, dass die Sache so einfach nicht ist. Der Film hat zu wenig Tiefe und zu viel Tendenz und er bringt leider kein einziges Beispiel dafür, wie es besser laufen könnte. Für einen Sender mit Milliardenbudget ist das ein Armutszeugnis.